Chromosomen: Aufbau, Chromatin und Chromosomensatz
Chromosomen ordnen und transportieren die Erbinformation einer Zelle. Sie bestehen aus DNA und Proteinen. Zwischen Zellteilungen liegt dieses Material meist als lockeres Chromatin vor; für eine Zellteilung wird es zu kompakten Chromosomen verdichtet.
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Vom Zellkern zum Gen
Bei eukaryotischen Zellen befindet sich der größte Teil der DNA im Zellkern. Die DNA trägt die Erbinformation. Zusammen mit Proteinen bildet sie das Material der Chromosomen.
Gen
Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA. Es enthält die Information für ein bestimmtes biologisches Produkt, zum Beispiel für ein Protein.
Eine Variante eines Gens heißt Allel. Zwei Menschen können dasselbe Gen besitzen, aber unterschiedliche Allele dieses Gens tragen. Gen und Allel sind deshalb nicht dasselbe: Das Gen bezeichnet den DNA-Abschnitt, das Allel eine mögliche Variante davon.
Die Teil-Ganzes-Beziehung lautet:
- Im Zellkern liegen die Chromosomen.
- Ein Chromosom enthält DNA und Proteine.
- Auf der DNA liegen viele Gene.
- Ein Gen kann in unterschiedlichen Allelen vorkommen.
Auf zwei homologen Chromosomen liegt ein bestimmtes Gen jeweils am entsprechenden Genort. Das mütterliche Chromosom kann dort ein anderes Allel tragen als das väterliche. Die Genorte stimmen überein, die Allele müssen aber nicht identisch sein.
Wie DNA verpackt wird
Die DNA-Moleküle sind sehr lang. Proteine helfen dabei, sie platzsparend zu ordnen, ohne die Erbinformation zu ersetzen.
Nukleosom
Ein Nukleosom entsteht, wenn sich DNA um eine Gruppe aus acht Histonproteinen wickelt. Viele Nukleosomen hintereinander erinnern an Perlen auf einer Schnur.
Die Verpackung erfolgt in mehreren Stufen:
- Die DNA wickelt sich um Histone und bildet Nukleosomen.
- Viele Nukleosomen bilden eine perlenkettenartige Struktur.
- Diese Struktur wird weiter aufgewickelt und zu Chromatinfäden geordnet.
- Die Chromatinfäden bilden Schlaufen und werden weiter gefaltet.
- Durch starke Verdichtung entsteht ein kompaktes Chromosom.
Chromatin
Chromatin ist das Material aus DNA und zugehörigen Proteinen, aus dem Chromosomen aufgebaut sind. In der Interphase ist es weniger stark verdichtet als während der Zellteilung.
Weniger dichtes Chromatin ermöglicht, dass Gene abgelesen werden. Vor und während einer Zellteilung wird das Material stark verdichtet. So lässt sich die DNA geordnet auf die entstehenden Zellen verteilen.
Chromatin und Chromosom sind keine verschiedenen Erbstoffe. Sie bezeichnen unterschiedlich stark verdichtete Zustände desselben DNA-Protein-Materials.
Warum ein Chromosom nicht immer X-förmig ist
Die bekannte X-Form zeigt ein bereits verdoppeltes und stark verdichtetes Chromosom. Sie ist nicht die dauerhafte Form jedes Chromosoms.
Chromatid
Ein Chromatid ist eine Längseinheit eines Chromosoms. Ein verdoppeltes Chromosom besitzt zwei identische Schwesterchromatiden, die am Zentromer miteinander verbunden sind.
Der Wechsel lässt sich als Ablauf verstehen:
- Vor der DNA-Verdopplung liegt ein Ein-Chromatid-Chromosom vor.
- In der S-Phase der Interphase wird die DNA verdoppelt.
- Danach besteht das Chromosom aus zwei Schwesterchromatiden.
- Bei der Kernteilung werden die Schwesterchromatiden getrennt.
- Jede getrennte Chromatide bildet nun ein Ein-Chromatid-Chromosom.
Die Verdopplung geschieht also vor der eigentlichen Mitose, nicht erst während der Trennung der Chromatiden.
Ein Chromosom wird vor einer Zellteilung kopiert. Die beiden entstandenen Schwesterchromatiden bleiben zunächst am Zentromer verbunden. Werden sie später zu entgegengesetzten Zellpolen gezogen, erhält jede entstehende Zelle eine der Kopien.
Homolog oder identisch?
In einer diploiden Körperzelle bilden je ein mütterliches und ein väterliches Chromosom ein Paar. Solche Paarpartner heißen homologe Chromosomen.
Homologe Chromosomen stimmen in ihrer Gestalt und in der Reihenfolge ihrer Genorte überein. Sie sind trotzdem nicht unbedingt identisch, weil an denselben Genorten unterschiedliche Allele liegen können.
| Vergleich | Herkunft | Verhältnis |
|---|---|---|
| Homologe Chromosomen | eines mütterlich, eines väterlich | gleiche Genorte, möglicherweise unterschiedliche Allele |
| Schwesterchromatiden | durch Kopieren eines Chromosoms entstanden | identische Kopien, am Zentromer verbunden |
Homolog bedeutet passend in Aufbau und Genorten, nicht vollständig identisch. Schwesterchromatiden sind dagegen Kopien desselben Chromosoms.
Der menschliche Chromosomensatz
Die Gesamtheit aller Chromosomen einer Zelle heißt Chromosomensatz. Für den üblichen menschlichen Chromosomensatz gelten folgende Zahlen:
- Körperzellen besitzen 46 Chromosomen, angeordnet in 23 Paaren.
- Je 23 Chromosomen stammen von der Mutter und vom Vater.
- 44 Chromosomen sind Autosomen, also Körperchromosomen.
- Zwei Chromosomen sind Gonosomen, also Geschlechtschromosomen.
Körperzellen besitzen einen doppelten oder diploiden Chromosomensatz. Eizellen und Spermien enthalten dagegen 23 einzelne Chromosomen und damit einen einfachen oder haploiden Satz. Bei der Befruchtung kommen zwei haploide Sätze zusammen.
Die Chromosomenzahl ist artspezifisch, aber kein Maß für die Komplexität eines Lebewesens. So besitzen Menschen 46, Weizen 42 und Karpfen 104 Chromosomen.
Was ein Karyogramm zeigt
Ein Karyogramm ist eine geordnete Darstellung der Chromosomen einer Zelle. Die Chromosomen werden unter anderem nach Größe, Zentromerlage und Bandenmuster sortiert. Beim Menschen stehen zuerst die Autosomenpaare und anschließend die Gonosomen.
Ein Karyogramm zeigt die Anzahl und auffällige größere Veränderungen der Chromosomen. Manche Abweichungen der Chromosomenzahl lassen sich darin erkennen.
Bei einer Trisomie liegt ein bestimmtes Chromosom dreimal statt zweimal vor. Bei Trisomie 21 betrifft dies Chromosom 21. Ein entsprechendes Karyogramm kann daher drei Exemplare dieses Chromosoms zeigen.
Eine Veränderung der Chromosomenzahl heißt Genommutation. Davon zu unterscheiden ist eine Chromosomenmutation, bei der sich die Struktur eines Chromosoms verändert.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Chromosomen
- Aufbau und Verpackung
- DNA und Histone
- Nukleosomen und Chromatin
- Formen
- Ein- und Zwei-Chromatid-Chromosomen
- Schwesterchromatiden am Zentromer
- Paare und Gene
- homologe Chromosomen
- gleiche Genorte, mögliche verschiedene Allele
- Menschlicher Chromosomensatz
- Körperzellen: diploid mit 46 Chromosomen
- Keimzellen: haploid mit 23 Chromosomen
- Untersuchung
- geordnete Darstellung im Karyogramm
- erkennbare Abweichungen der Chromosomenzahl
- Aufbau und Verpackung
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