Biologie

Genetik einfach erklärt: DNA, Gene und Vererbung

Genetik einfach erklärt: DNA, Gene und Vererbung
Genetik einfach erklärt: DNA, Gene und Vererbung
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Genetik ist die Lehre von der Vererbung. Sie untersucht, wie Erbinformation weitergegeben wird, wie daraus Merkmale entstehen und warum Nachkommen einander ähneln, aber nicht identisch sind.

Auf dieser Seite verbindest du DNA, Gene und Allele mit Genotyp und Phänotyp. Danach kannst du einfache Erbgänge erklären und verschiedene Ursachen genetischer Vielfalt unterscheiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie hängen Zellkern, Chromosom, DNA und Gen zusammen?

In menschlichen Körperzellen liegt die Erbinformation im Zellkern. Dort ist die DNA zusammen mit Proteinen zu Chromosomen verpackt. Ein Chromosom enthält viele Gene.

Die Teil-Ganzes-Beziehung lautet:

  1. Der Zellkern enthält Chromosomen.
  2. Ein Chromosom besteht aus verpackter DNA und Proteinen.
  3. Die DNA ist das Molekül, das die Erbinformation trägt.
  4. Ein Gen ist ein bestimmter Abschnitt der DNA.
  5. Ein Allel ist eine Variante eines Gens.
Definition

DNA

Die DNA oder Desoxyribonukleinsäure ist der Träger der Erbinformation. Sie besteht aus zwei gegenläufigen Strängen, die eine Doppelhelix bilden.

Ein Baustein der DNA heißt Nukleotid. Er besteht aus dem Zucker Desoxyribose, einem Phosphatrest und einer Base. Die vier Basen heißen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C). Dabei paart sich A mit T und G mit C.

Definition

Gen

Ein Gen ist ein DNA-Abschnitt mit Information für ein funktionelles Produkt, zum Beispiel ein Protein oder ein RNA-Molekül. Dieses Produkt kann die Ausprägung eines Merkmals beeinflussen.

Beispiel

Stell dir ein Chromosom als sehr langes, geordnet verpacktes DNA-Molekül vor. Ein Gen ist dann nicht das gesamte Chromosom, sondern nur ein bestimmter Abschnitt darauf. Verschiedene Varianten dieses Abschnitts heißen Allele.

Merke

Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA. Ein Allel ist eine Variante dieses Gens.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Reihenfolge beschreibt die Teil-Ganzes-Beziehung richtig?
Lösung: Zellkern → Chromosom → DNA → Gen — Der Zellkern enthält Chromosomen. Chromosomen enthalten verpackte DNA, und Gene sind Abschnitte dieser DNA.
Wie beschreiben Genotyp und Phänotyp ein Merkmal?
Definition

Genotyp

Der Genotyp bezeichnet die genetische Ausstattung eines Organismus oder die Allelkombination für ein bestimmtes Merkmal.

Definition

Phänotyp

Der Phänotyp ist die beobachtbare Ausprägung eines Merkmals. Er kann durch den Genotyp beeinflusst werden.

Für einen einfachen Erbgang werden Allele häufig mit Buchstaben dargestellt:

  • A: dominantes Allel
  • a: rezessives Allel
  • AA: homozygot dominant oder reinerbig dominant
  • Aa: heterozygot oder mischerbig
  • aa: homozygot rezessiv oder reinerbig rezessiv

Homozygot bedeutet, dass beide Allele gleich sind. Heterozygot bedeutet, dass sie verschieden sind.

Bei einem dominant-rezessiven Erbgang prägt sich das dominante Allel bereits bei Aa aus. Das rezessive Merkmal erscheint in diesem Modell nur bei aa.

Nicht jeder Erbgang funktioniert so:

  • intermediär: Der Phänotyp liegt zwischen den beiden Elternformen, etwa rosa Blüten aus roten und weißen Blüten.
  • kodominant: Beide Allele werden vollständig ausgeprägt, etwa bei der Blutgruppe AB.
Gut zu wissen

Gene sind nicht die alleinige Ursache jedes Merkmals. Bei vielen Merkmalen wirken mehrere Gene und Umweltbedingungen zusammen. Der Phänotyp lässt sich daher nicht immer aus einem einzelnen Gen ableiten.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Pflanze hat den Genotyp Aa. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Sie ist für das betrachtete Gen heterozygot. — Aa ist eine Allelkombination und damit eine Angabe zum Genotyp. Welcher Phänotyp entsteht, hängt vom Erbgang ab.
Wie funktionieren Mendels Regeln im einfachen Modell?

Gregor Mendel untersuchte Vererbungsmuster durch Kreuzungsversuche mit Erbsenpflanzen. Seine Regeln beschreiben einfache Erbgänge unter bestimmten Bedingungen.

  1. Uniformitätsregel: Kreuzt man zwei reinerbige Eltern, die sich in einem Merkmal unterscheiden, sind die Nachkommen der ersten Generation, der F₁, in diesem Merkmal gleich.
  2. Spaltungsregel: Kreuzt man zwei F₁-Individuen, treten in der F₂ verschiedene Allelkombinationen und Merkmalsausprägungen in bestimmten Verhältnissen auf.
  3. Unabhängigkeitsregel: Verschiedene Merkmale können unabhängig kombiniert werden, wenn die betrachteten Gene auf unterschiedlichen Chromosomen liegen.
Beispiel

Wir betrachten einen vereinfachten dominant-rezessiven Erbgang.

Elterngeneration: AA × aa

  • Das erste Elternteil kann nur das Allel A weitergeben.
  • Das zweite Elternteil kann nur das Allel a weitergeben.
  • Deshalb haben alle Nachkommen der F₁ den Genotyp Aa und denselben dominanten Phänotyp.

Nun wird die F₁ gekreuzt: Aa × Aa.

Jedes Elternteil kann A oder a weitergeben. Die vier gleich wahrscheinlichen Kombinationen lauten:

  • AA
  • Aa
  • Aa
  • aa

Damit ergibt sich beim Genotyp das Verhältnis 1 : 2 : 1. Beim Phänotyp ergibt sich unter vollständiger Dominanz das Verhältnis 3 : 1: Drei Kombinationen zeigen das dominante, eine das rezessive Merkmal.

Merke

Das Verhältnis 3 : 1 gilt für den Phänotyp eines einfachen dominant-rezessiven Erbgangs. Es ist keine allgemeine Regel für alle Merkmale.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBei Aa × Aa entsteht ein Nachkomme mit aa. Welche Aussage trifft zu?
Lösung: Er ist homozygot rezessiv und zeigt im dominant-rezessiven Modell das rezessive Merkmal. — aa enthält zwei gleiche rezessive Allele. Deshalb ist der Genotyp homozygot rezessiv.
Warum unterscheiden sich Geschwister genetisch?

Nachkommen erhalten Erbinformation von beiden Eltern. Beim Menschen stammen 23 Chromosomen von der Mutter und 23 vom Vater; zusammen ergeben sie in Körperzellen 46 Chromosomen beziehungsweise 23 Paare.

Zwei Vorgänge tragen besonders zur genetischen Vielfalt bei:

Definition

Mutation

Eine Mutation ist eine Veränderung der DNA. Sie kann neue Allele hervorbringen. Mutationen können spontan oder durch äußere Einflüsse entstehen und unterschiedliche Folgen haben.

Definition

Rekombination

Rekombination ist die Neukombination bereits vorhandener elterlicher Erbanlagen. Sie geschieht bei der Bildung von Eizellen und Spermien unter anderem durch die zufällige Verteilung homologer Chromosomen und durch Crossing-over.

Beim Crossing-over tauschen homologe Chromosomen während der Meiose Stücke aus. Dadurch entstehen neue Kombinationen von Allelen. Die Meiose erzeugt aus einer diploiden Ausgangszelle vier haploide Zellen. Haploid bedeutet, dass jede Zelle nur einen einfachen Chromosomensatz besitzt.

Merke

Mutation erzeugt neue DNA-Varianten. Rekombination mischt vorhandene Varianten neu.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelZwei Geschwister besitzen unterschiedliche Kombinationen elterlicher Allele. Welcher Vorgang erklärt das unmittelbar?
Lösung: Rekombination bei der Bildung der Geschlechtszellen — Bei der Meiose werden Chromosomen zufällig verteilt und können durch Crossing-over Stücke austauschen. So entstehen verschiedene Allelkombinationen.
Wie wird genetische Information genutzt?

Vor einer Zellteilung wird die DNA möglichst genau verdoppelt. Diese Replikation verläuft semikonservativ: Jede neue Doppelhelix enthält einen alten und einen neu gebildeten Strang. Die Helicase öffnet die Doppelhelix, und die DNA-Polymerase ergänzt passende Nukleotide.

Damit ein Gen wirken kann, muss seine Information genutzt werden. Dies heißt Genexpression. Bei der Herstellung eines Proteins umfasst sie zwei Hauptschritte:

  1. Transkription: Die Information eines DNA-Abschnitts wird in mRNA übertragen.
  2. Translation: Ein Ribosom liest die mRNA und verknüpft mithilfe von tRNAs Aminosäuren zu einer Kette.

Der vereinfachte Informationsweg lautet:

DNA → mRNA → Protein → Einfluss auf den Phänotyp

Nicht alle Gene sind ständig aktiv. Bei der Genregulation wird gesteuert, welche Gene genutzt werden. Auch epigenetische Veränderungen können die Genaktivität beeinflussen, ohne die Reihenfolge der DNA-Basen zu verändern. Solche Veränderungen sind häufig reversibel.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der wird Information von der DNA auf mRNA übertragen. Bei der wird die mRNA in eine Aminosäurekette übersetzt. Vor einer Zellteilung wird die DNA durch die verdoppelt.

Lösungen: Lücke 1: Transkription; Lücke 2: Translation; Lücke 3: Replikation. Transkription bedeutet DNA → mRNA, Translation bedeutet mRNA → Aminosäurekette, und Replikation bezeichnet die DNA-Verdopplung.
Welche Bereiche und Anwendungen gehören zur Genetik?

Die Teilgebiete der Genetik überschneiden sich teilweise. Ihre Schwerpunkte lassen sich dennoch unterscheiden:

  • Klassische Genetik untersucht Vererbungsmuster über Generationen, etwa Mendelsche Erbgänge.
  • Molekulargenetik untersucht DNA, Replikation, Genexpression, Mutation und weitere Vorgänge auf molekularer Ebene.
  • Populationsgenetik betrachtet genetische Variation und die Häufigkeit von Allelen in Populationen.
  • Epigenetik untersucht Veränderungen der Genaktivität ohne Veränderung der DNA-Sequenz.
  • Zytogenetik untersucht Anzahl, Struktur und Gestalt von Chromosomen.

Gentechnik ist eine Anwendung genetischen Wissens. Dabei werden Gene oder DNA gezielt eingefügt, ausgeschaltet oder verändert. Anwendungen gibt es in Medizin, Forschung und Landwirtschaft. Eine technische Möglichkeit beantwortet jedoch nicht automatisch die Frage, ob eine Anwendung ethisch vertretbar ist.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Forschungsteam untersucht, ob ein DNA-Bereich chemisch markiert und dadurch meist weniger aktiv ist, obwohl seine Basenfolge unverändert bleibt. Welcher Bereich passt am besten?
Lösung: Epigenetik — Epigenetik befasst sich mit Änderungen der Genaktivität, die ohne Änderung der DNA-Sequenz entstehen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Genetik
    • Aufbau der Erbinformation
      • Zellkern, Chromosom, DNA und Gen
      • Allele als Genvarianten
    • Vererbung
      • Genotyp und Phänotyp
      • Mendelsche Regeln
    • Genetische Vielfalt
      • Mutation erzeugt neue Varianten
      • Rekombination erzeugt neue Kombinationen
    • Nutzung der Information
      • Transkription: DNA zu mRNA
      • Translation: mRNA zu Protein
    • Betrachtungsebenen
      • klassische und molekulare Genetik
      • Populationsgenetik, Epigenetik und Zytogenetik
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist ein Allel?
Lösung: eine Variante eines Gens — Gene sind DNA-Abschnitte. Unterschiedliche Varianten eines Gens heißen Allele.
Frage 2 von 3MittelBei einer Pflanze ist A dominant und a rezessiv. Welcher Genotyp zeigt sicher das rezessive Merkmal?
Lösung: aa — Das rezessive Merkmal erscheint in diesem einfachen Modell nur, wenn kein dominantes Allel vorhanden ist, also bei aa.
Frage 3 von 3SchwerEine DNA-Veränderung erzeugt ein neues Allel. Bei der Meiose wird dieses Allel anschließend mit vorhandenen Allelen neu kombiniert. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Neues Allel: Mutation; neue Kombination: Rekombination — Mutation verändert die DNA und kann neue Allele erzeugen. Rekombination ordnet vorhandene Allele neu an.

Kannst du außerdem erklären, warum der Phänotyp nicht immer aus einem einzelnen Allel vorhergesagt werden kann? Dann hast du die wichtigste Grenze einfacher Vererbungsmodelle erkannt: Bei vielen Merkmalen wirken mehrere Gene und Umweltbedingungen zusammen.

Passend dazu