Biologie

Mendelsche Regeln: Kreuzungsschemata verstehen

Mendelsche Regeln: Kreuzungsschemata verstehen
Mendelsche Regeln: Kreuzungsschemata verstehen
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Die Mendelschen Regeln beschreiben typische Vererbungsmuster in einfachen Modellfällen. Du leitest aus den Allelen der Eltern mögliche Keimzellen ab, kombinierst sie im Kreuzungsschema und deutest die Ergebnisse als Wahrscheinlichkeiten. Die Regeln sagen nicht sicher voraus, wie viele Nachkommen in einer kleinen Gruppe jedes Merkmal zeigen.

Deine Lernziele

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Die Sprache der Vererbung verstehen

Bei einem diploiden Lebewesen liegen die Chromosomen in Körperzellen paarweise vor. Deshalb besitzt es für ein betrachtetes Gen zwei Allele. Ein Gen ist ein Abschnitt der Erbinformation. Ein Allel ist eine Variante dieses Gens. Keimzellen wie Ei- und Samenzellen enthalten dagegen nur einen einfachen Chromosomensatz und tragen für das betrachtete Gen jeweils nur ein Allel.

Definition

Genotyp und Phänotyp

Der Genotyp bezeichnet die Allelkombination, zum Beispiel GG, Gg oder gg. Der Phänotyp ist die beobachtbare Merkmalsausprägung, hier etwa gelbe oder grüne Samen.

Zwei gleiche Allele heißen homozygot oder reinerbig: GG und gg. Zwei verschiedene Allele heißen heterozygot oder mischerbig: Gg.

Bei einem dominant-rezessiven Erbgang bestimmt das dominante Allel bereits im heterozygoten Zustand den Phänotyp. Das rezessive Allel wird dann nicht sichtbar. Üblicherweise steht der Großbuchstabe für das dominante und der entsprechende Kleinbuchstabe für das rezessive Allel.

Beispiel

Für die Samenfarbe gilt: G steht für gelb und ist dominant, g steht für grün und ist rezessiv.

  • GG: homozygot, gelb
  • Gg: heterozygot, gelb
  • gg: homozygot, grün

Gg ist also kein „halb gelber, halb grüner“ Phänotyp. Das dominante Allel G bestimmt in diesem Modell die sichtbare Samenfarbe.

Die Elterngeneration heißt P-Generation. Ihre Nachkommen bilden die erste Tochtergeneration F1, deren Nachkommen die zweite Tochtergeneration F2.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage über Gg stimmt, wenn G dominant für gelb ist?
Lösung: Der Genotyp ist heterozygot und der Phänotyp gelb. — Der Genotyp Gg beschreibt die Allelkombination. Gelb ist der daraus folgende Phänotyp.
Die Uniformitätsregel anwenden

Die Uniformitätsregel beschreibt die F1: Kreuzt man zwei homozygote Eltern, die sich in einem betrachteten Merkmal unterscheiden, sind alle F1-Nachkommen für dieses Merkmal gleich.

Beispiel

P-Kreuzung: GG (gelb) × gg (grün)

Der gelbe Elternteil kann nur G-Keimzellen bilden, der grüne nur g-Keimzellen.

KeimzellenGG
gGgGg
gGgGg

Alle möglichen F1-Genotypen sind Gg. Die F1 ist genotypisch einheitlich und wegen der Dominanz von G auch phänotypisch gelb.

Merke

Reinerbige, verschieden ausgeprägte Eltern → einheitliche F1. Das gilt jeweils für das betrachtete Merkmal und einen passenden Erbgang.

Ein häufiger Fehler ist, die Regel auf beliebige Eltern anzuwenden. Bei Gg × gg sind die Eltern nicht beide homozygot; deshalb folgt aus der Uniformitätsregel keine einheitliche F1.

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Frage 1 von 1MittelWelche Kreuzung erfüllt die Voraussetzung der Uniformitätsregel für ein Gen?
Lösung: AA × aaAA und aa sind homozygot und tragen verschiedene Allele. Jeder Nachkomme erhält daher A von einem und a vom anderen Elternteil.
Die Spaltungsregel im Kreuzungsschema prüfen

Die Spaltungsregel beschreibt die F2. Werden zwei gleichartige heterozygote F1-Individuen gekreuzt, treten verschiedene Genotypen und Phänotypen wieder auf.

So baust du ein monohybrides Kreuzungsschema für ein einziges Gen:

  1. Notiere die Genotypen der Eltern.
  2. Leite die möglichen Keimzellen jedes Elternteils ab.
  3. Schreibe die Keimzellen an die Ränder des Quadrats.
  4. Kombiniere in jedem Feld je ein Allel beider Eltern.
  5. Zähle Genotypen und leite daraus die Phänotypen ab.
Beispiel

Kreuzung: Gg × Gg

Jeder Elternteil bildet G- oder g-Keimzellen.

KeimzellenGg
GGGGg
gGggg

Von vier gleich wahrscheinlichen Kombinationen ist eine GG, zwei sind Gg und eine ist gg.

  • Genotypverhältnis: GG : Gg : gg = 1 : 2 : 1
  • Phänotypverhältnis: gelb : grün = 3 : 1

Drei Felder ergeben einen gelben Phänotyp, weil sowohl GG als auch Gg gelb sind. Nur gg ist grün.

Die vier Felder stehen für Wahrscheinlichkeiten, nicht für eine feste Reihenfolge und nicht für genau vier reale Nachkommen. Für jeden einzelnen Nachkommen beträgt die Modellwahrscheinlichkeit 3/4 für gelb und 1/4 für grün. In einer kleinen Nachkommengruppe kann das beobachtete Verhältnis deutlich von 3 : 1 abweichen.

Intermediärer Erbgang

Bei einem intermediären Erbgang setzt sich keines der beiden Allele vollständig durch. Der heterozygote Phänotyp ist eine Mischform. Aus reinerbig roten und reinerbig weißen Löwenmäulchen entsteht beispielsweise eine einheitlich rosa F1. In der F2 gilt dann für Genotyp und Phänotyp 1 : 2 : 1: rot : rosa : weiß.

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Frage 1 von 2MittelZwei heterozygote Erbsen mit Gg werden gekreuzt. Welche Wahrscheinlichkeit hat gg im Modell?
Lösung: 1/4 — Im Schema Gg × Gg steht gg in einem von vier gleich wahrscheinlichen Feldern.
Frage 2 von 2SchwerIn einer kleinen Gruppe von vier Nachkommen ist keiner grün. Widerspricht das der Modellwahrscheinlichkeit 1/4 für grün?
Lösung: Nein. Eine Wahrscheinlichkeit ist keine Garantie für eine kleine Gruppe. — Zufällige Ergebnisse können besonders in kleinen Gruppen vom erwarteten Verhältnis abweichen.
Die Unabhängigkeitsregel auf zwei Merkmale beziehen

Die Unabhängigkeitsregel, auch Neukombinationsregel, betrachtet zwei Merkmale. Sind die zugehörigen Gene entkoppelt, können ihre Allele unabhängig verteilt und neu kombiniert werden.

Im Standardbeispiel gilt:

  • G = gelb, g = grün
  • R = glatt, r = runzlig
  • P: GGRR × ggrr
  • F1: nur GgRr, phänotypisch gelb und glatt

Ein F1-Individuum kann die vier Keimzelltypen GR, Gr, gR und gr bilden. Bei GgRr × GgRr entstehen in der F2 vier Phänotypklassen:

  • 9 gelb und glatt
  • 3 gelb und runzlig
  • 3 grün und glatt
  • 1 grün und runzlig

Das Phänotypverhältnis lautet 9 : 3 : 3 : 1. Gelb/runzlig und grün/glatt sind neue Kombinationen gegenüber der P-Generation.

Gut zu wissen

Die Unabhängigkeitsregel gilt nicht für jedes Genpaar. Die Gene müssen entkoppelt sein, etwa weil sie auf verschiedenen Chromosomen liegen. Auch weit auseinanderliegende Gene desselben Chromosoms können getrennt vererbt werden. Eng gekoppelte Gene werden dagegen häufig gemeinsam weitergegeben.

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Frage 1 von 2MittelWelche Beobachtung zeigt im Beispiel eine Neukombination?
Lösung: In der F2 treten gelb/runzlige und grün/glatte Samen auf. — Eine Neukombination verbindet Merkmalsausprägungen, die in der P-Generation nicht zusammen vorkamen.
Frage 2 von 2SchwerWann darfst du das Verhältnis 9 : 3 : 3 : 1 erwarten?
Lösung: Bei zwei unabhängig vererbten dominant-rezessiven Merkmalen im passenden Modell. — Das Verhältnis gehört zu einer dihybriden F2-Kreuzung mit zwei entkoppelten Genen und vollständiger Dominanz an beiden Genorten.
Die Grenzen des Modells erkennen

Mendels Regeln sind Regeln für passende Modellfälle, keine allgemeine Beschreibung jeder Vererbung. Prüfe vor einem Kreuzungsschema deshalb die Voraussetzungen.

Ein einfaches Mendel-Schema reicht nicht oder nur eingeschränkt aus, wenn

  • Gene gekoppelt sind und daher nicht unabhängig verteilt werden,
  • das betrachtete Merkmal auf einem Geschlechtschromosom liegt,
  • Erbmaterial außerhalb der Chromosomen im Zellkern weitergegeben wird,
  • viele Gene gemeinsam zur Merkmalsausprägung beitragen, sodass ein einziges Allelpaar das Merkmal nicht erklärt,
  • der Phänotyp zusätzlich deutlich von Umweltbedingungen beeinflusst wird oder
  • keine vollständige Dominanz vorliegt und deshalb ein intermediärer Erbgang betrachtet werden muss.

Die letzte Situation bedeutet nicht, dass jede Mendelsche Regel wertlos wird. Bei intermediärer Vererbung bleibt die F1 einheitlich, aber sie zeigt eine Mischform; in der F2 stimmen Genotyp- und Phänotypverhältnis mit 1 : 2 : 1 überein.

Merke

Erst das Vererbungsmodell prüfen, dann Zahlenverhältnisse anwenden. Ein passendes Verhältnis beschreibt Wahrscheinlichkeiten unter bestimmten Bedingungen.

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Frage 1 von 2SchwerEin Genpaar wird meist gemeinsam vererbt. Welche Folgerung ist sinnvoll?
Lösung: Die Unabhängigkeitsregel und das Verhältnis 9 : 3 : 3 : 1 sind hier nicht ohne Weiteres anwendbar. — Gemeinsam vererbte, gekoppelte Gene erfüllen die Voraussetzung der unabhängigen Verteilung nicht.
Frage 2 von 2SchwerEin Merkmal wird von vielen Genen und zusätzlich von Umweltbedingungen beeinflusst. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Ein einfaches Kreuzungsschema mit nur einem Allelpaar kann dieses Merkmal nicht vollständig erklären. — Das einfache monohybride Modell betrachtet ein Gen mit zwei Allelen. Wirken viele Gene oder Umweltbedingungen mit, reicht dieses Modell nicht aus.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Mendelsche Regeln
    • Voraussetzungen und Allele
    • Uniforme F1
    • Aufspaltung der F2
    • Neukombination entkoppelter Gene
    • Wahrscheinlichkeiten statt Garantien
    • Grenzen des einfachen Modells

Von der P- zur F2-Generation führt ein wiederkehrender Denkweg: Eltern-Genotypen notieren, Keimzellen ableiten, Kombinationen bilden, Genotypen zählen, Phänotypen bestimmen und das Ergebnis nur innerhalb der Modellbedingungen deuten.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas beschreibt der Phänotyp?
Lösung: Die beobachtbare Merkmalsausprägung — Der Phänotyp ist das beobachtbare Ergebnis; der Genotyp bezeichnet die zugrunde gelegte Allelkombination.
Frage 2 von 3MittelWelche Genotypen entstehen bei Aa × aa und mit welchen Modellwahrscheinlichkeiten?
Lösung: Aa mit 1/2 und aa mit 1/2 — Der erste Elternteil bildet A- oder a-Keimzellen, der zweite nur a. So entstehen gleich wahrscheinlich Aa und aa.
Frage 3 von 3SchwerEine Kreuzung liefert bei wenigen Nachkommen nicht genau das erwartete Verhältnis. Welche Deutung ist korrekt?
Lösung: Kleine Stichproben dürfen zufällig abweichen; zusätzlich müssen die Modellvoraussetzungen geprüft werden. — Prüfe zuerst, ob das Modell passt. Selbst dann können kleine Gruppen vom erwarteten Zahlenverhältnis abweichen.

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