Biologie

Stammbaum: Evolution und Erbgänge verstehen

Stammbaum: Evolution und Erbgänge verstehen
Stammbaum: Evolution und Erbgänge verstehen
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Das Wort Stammbaum hat in der Biologie zwei Bedeutungen: Ein evolutionärer Stammbaum zeigt Verwandtschaft zwischen Arten, ein Familienstammbaum verfolgt Merkmale über Generationen. In beiden Fällen liest du Verzweigungen und Muster – aber du beantwortest unterschiedliche Fragen.

Auf dieser Seite lernst du, beide Stammbaumarten sicher zu unterscheiden, einfache Verwandtschaftshypothesen zu begründen und monogene Erbgänge systematisch zu prüfen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zwei Arten von Stammbäumen unterscheiden

Die Form eines Stammbaums ähnelt sich in beiden Bereichen: Linien verbinden Einheiten, Verzweigungen zeigen Beziehungen. Entscheidend ist, was an den Enden und Verzweigungen steht.

StammbaumartEinheitenZentrale Frage
evolutionärer StammbaumArten oder ArtengruppenWelche Gruppen gehen auf gemeinsame Ausgangsarten zurück?
genetischer FamilienstammbaumPersonen und GenerationenWie wird ein Merkmal in einer Familie vererbt?
Definition

Ausgangsart

Eine Ausgangsart ist eine gemeinsame Vorläuferart, von der sich spätere Gruppen ableiten. In einem evolutionären Stammbaum steht ein Verzweigungspunkt für eine solche gemeinsame Ausgangsart.

Definition

Phänotyp und Genotyp

Der Phänotyp ist das beobachtbare oder ausgeprägte Merkmal. Der Genotyp ist die Kombination der Allele, die eine Person für das betrachtete Gen besitzt. Allele sind Varianten eines Gens.

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Stammbaum hilft dir, den möglichen Erbgang einer Krankheit in einer Familie zu untersuchen?
Lösung: ein genetischer Familienstammbaum — Der Familienstammbaum ordnet Personen nach Generationen und zeigt, bei wem ein Merkmal ausgeprägt ist.
Evolutionäre Verwandtschaft begründen

Ein evolutionärer Stammbaum stellt eine Verwandtschaftshypothese dar. Du beginnst bei heute lebenden Arten, vergleichst ihre Merkmale und arbeitest gedanklich von „heute“ in Richtung gemeinsamer Ausgangsarten.

Definition

Homologie

Homologe Merkmale gehen auf denselben evolutionären Ursprung zurück. Für einen Stammbaum ist deshalb nicht bloße äußere Ähnlichkeit entscheidend, sondern eine begründete Homologie.

Ein Merkmal heißt in einem Vergleich abgeleitet, wenn es gegenüber einem früheren Merkmalszustand neu aufgetreten ist. Teilen mehrere Gruppen ein solches homologes Merkmal, stützt das die Hypothese, dass sie eine gemeinsame Ausgangsart besitzen, bei der dieses Merkmal bereits vorhanden war.

Beispiel

Eine vereinfachte Merkmalsliste enthält drei Arten A, B und C. Alle drei teilen das homologe Merkmal M1. Nur B und C teilen zusätzlich das abgeleitete Merkmal M2.

  1. M1 verbindet A, B und C mit einer gemeinsamen älteren Ausgangsart.
  2. M2 verbindet B und C an einem späteren gemeinsamen Verzweigungspunkt.
  3. Deshalb sind B und C in dieser Hypothese enger miteinander verwandt als jeweils mit A.

Die Arten an den Spitzen sind dabei keine Ahnenreihe. B stammt also nicht von A ab; beide Linien führen zu gemeinsamen Ausgangsarten zurück.

Definition

Monophyletische Gruppe

Eine monophyletische Gruppe umfasst eine gemeinsame Ausgangsart und die von ihr abstammenden Gruppen.

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Frage 1 von 1MittelDie Arten B und C teilen ein homologes abgeleitetes Merkmal, Art A besitzt es nicht. Welche Aussage wird dadurch gestützt?
Lösung: B und C haben eine jüngere gemeinsame Ausgangsart als B und A. — Ein zusätzlich geteiltes abgeleitetes Merkmal stützt einen späteren gemeinsamen Verzweigungspunkt von B und C.
Familienstammbäume lesen

In einem Familienstammbaum stehen Personen derselben Generation in einer Zeile: Generation I oben, Generation II darunter und so weiter. Häufig verwendete Symbole sind:

  • Kreis: Frau;
  • Viereck: Mann;
  • ausgefüllt: Merkmal ausgeprägt;
  • nicht ausgefüllt: Merkmal nicht ausgeprägt;
  • Mittelpunkt im Symbol: Trägerin oder Träger eines rezessiven Allels.

Die Stammbaumanalyse schließt vom beobachtbaren Phänotyp auf mögliche Genotypen und Erbgänge. Auf dieser Seite gilt dabei das vereinfachte Modell einer monogenen Vererbung: Ein betrachtetes Gen ist für das Merkmal entscheidend.

Definition

Dominant und rezessiv

Ein dominantes Allel prägt den Phänotyp bereits aus, wenn es einmal vorhanden ist. Ein rezessives Merkmal erscheint im einfachen Modell erst bei zwei rezessiven Allelen. Eine Person mit einem rezessiven Allel kann daher gesund und trotzdem Trägerin oder Träger sein.

Definition

Autosomal und gonosomal

Bei einem autosomalen Erbgang liegt das betrachtete Gen auf einem Autosom, also nicht auf X oder Y. Bei einem gonosomalen Erbgang liegt es auf einem Geschlechtschromosom; hier betrachten wir X-chromosomale Erbgänge.

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Frage 1 von 1LeichtEine Person besitzt den Genotyp Aa. Welcher Begriff bezeichnet die Buchstaben A und a?
Lösung: Allele — A und a stehen für zwei Varianten desselben Gens und sind damit Allele.
Den Erbgang Schritt für Schritt prüfen

Ein einzelnes Indiz beweist den Erbgang meist nicht. Prüfe deshalb immer mehrere Beobachtungen und suche auch nach Widersprüchen.

  1. Lies den Stammbaum von oben nach unten und markiere betroffene Personen.
  2. Prüfe, ob das Merkmal jede Generation betrifft oder Generationen überspringt.
  3. Suche nach betroffenen Kindern nicht betroffener Eltern. Das spricht im einfachen Modell für Rezessivität.
  4. Vergleiche die Geschlechter und die Übertragungsrichtung. Ähnlich betroffene Geschlechter sprechen eher für einen autosomalen Erbgang.
  5. Prüfe die Vater-Sohn-Übertragung. Ein Sohn erhält vom Vater das Y-Chromosom, nicht dessen X. Eine Vater-Sohn-Übertragung widerspricht daher einem rein X-chromosomalen Erbgang.
  6. Trage nur Genotypen ein, die durch die Familienbeziehungen erzwungen sind. Lasse mehrere Möglichkeiten stehen, wenn die Daten nicht entscheiden.
ErbgangTypische Hinweise im einfachen Modell
autosomal-dominantmeist in jeder Generation; beide Geschlechter; Vater-Sohn-Übertragung möglich
autosomal-rezessivkann Generationen überspringen; nicht betroffene Eltern können ein betroffenes Kind haben; beide Geschlechter
X-chromosomal-dominantbetroffener Vater gibt sein betroffenes X an alle Töchter, aber an keinen Sohn weiter
X-chromosomal-rezessivhäufig mehr Männer betroffen; Frauen können gesunde Trägerinnen sein; Generationssprünge möglich
Merke

„Typischer Hinweis“ bedeutet nicht „sicherer Beweis“. Entscheidend ist, welcher Erbgang zu allen bekannten Beziehungen passt.

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Frage 1 von 3LeichtZwei nicht betroffene Eltern haben im einfachen monogenen Modell ein betroffenes Kind. Was ist der stärkste erste Hinweis?
Lösung: Das Merkmal wird wahrscheinlich rezessiv vererbt. — Nicht betroffene Eltern können rezessive Allele tragen. Erhält das Kind von beiden das rezessive Allel, kann das Merkmal ausgeprägt sein.
Frage 2 von 3MittelEin betroffener Vater und eine Mutter mit zwei X-Chromosomen ohne betroffenes Allel haben ausschließlich betroffene Töchter und nicht betroffene Söhne. Welcher Erbgang passt zu diesem Muster?
Lösung: X-chromosomal-dominant — Der Vater gibt sein X an jede Tochter und sein Y an jeden Sohn. Ein dominantes betroffenes X erklärt deshalb genau dieses Muster.
Frage 3 von 3SchwerIn einem Stammbaum wird das Merkmal sicher vom Vater an einen Sohn weitergegeben. Welche Folgerung ist zulässig?
Lösung: Ein rein X-chromosomaler Erbgang passt nicht. — Ein Sohn erhält vom Vater das Y-Chromosom. Das väterliche X kann daher nicht die beobachtete Vater-Sohn-Übertragung erklären.
Genotypen und Wahrscheinlichkeiten herleiten

Für einen dominant-rezessiven autosomalen Erbgang verwenden wir A für das dominante und a für das rezessive Allel:

  • AA: homozygot dominant;
  • Aa: heterozygot;
  • aa: homozygot rezessiv.

Bei einem rezessiven Merkmal sind nur Personen mit aa betroffen. Eine Person mit Aa ist nicht betroffen, kann das rezessive Allel aber weitergeben.

Beispiel

Zwei gesunde heterozygote Träger:innen bekommen ein Kind: Aa × Aa.

Aa
AAAAa
aAaaa

Die vier gleich wahrscheinlichen Kombinationen sind einmal AA, zweimal Aa und einmal aa. Damit gilt für jedes Kind:

  • 25 % Wahrscheinlichkeit für AA;
  • 50 % Wahrscheinlichkeit für Aa;
  • 25 % Wahrscheinlichkeit für aa und damit für die rezessive Merkmalsausprägung.

Die Wahrscheinlichkeit wird bei jedem Kind neu betrachtet. Das Ergebnis früherer Geburten verändert diese Verteilung nicht.

Bei einem dominanten Merkmal sind AA und Aa betroffen. Hat eine betroffene Person mit einer nicht betroffenen Person (aa) ein nicht betroffenes Kind, muss die betroffene Person Aa sein: Das Kind benötigt ein a von jedem Elternteil.

Ist dagegen nur bekannt, dass die betroffene Person AA oder Aa sein kann, gibt es keine einzelne sichere Prozentangabe. Mit AA × aa wären alle Kinder betroffen; mit Aa × aa wären es 50 %.

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Frage 1 von 3LeichtWie groß ist bei Aa × Aa die Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit aa?
Lösung: 25 % — Genau eine der vier gleich wahrscheinlichen Allelkombinationen ist aa: 1 von 4 entspricht 25 %.
Frage 2 von 3MittelEine Person mit dominant ausgeprägtem Merkmal hat mit einer Person des Genotyps aa ein Kind ohne Merkmal. Welchen Genotyp muss die betroffene Person haben?
Lösung: Aa — Das nicht betroffene Kind hat aa. Deshalb muss auch die betroffene Person ein a beigetragen haben und ist Aa.
Frage 3 von 3SchwerEine betroffene Person kann AA oder Aa sein; die andere Person ist aa. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein betroffenes Kind?
Lösung: Ohne den genaueren Genotyp ist keine einzelne Wahrscheinlichkeit bestimmbar. — Bei AA × aa sind es 100 %, bei Aa × aa 50 %. Solange beide Genotypen möglich sind, muss auch die Wahrscheinlichkeit offenbleiben.
Aussagen als Hypothesen bewerten

Beim Menschen sind Kreuzungsexperimente ethisch ausgeschlossen. Außerdem umfassen Familienstammbäume oft nur wenige Personen. Ein passendes Muster liefert deshalb häufig eine Hypothese, keine endgültige Diagnose.

Dasselbe Grundprinzip gilt für evolutionäre Stammbäume: Sie ordnen die verfügbaren homologen Merkmale zu einer begründeten Verwandtschaftshypothese. Kommen neue Merkmalsdaten hinzu und widersprechen der bisherigen Ordnung, muss der Stammbaum geprüft und gegebenenfalls geändert werden.

Gut zu wissen

Die hier verwendeten Regeln gelten für vereinfachte monogene Modelle. Komplexe oder polygene Merkmale lassen sich damit nicht zuverlässig erklären. Reale Personen werden nicht allein aus einem Lernstammbaum diagnostiziert; genetische Aussagen müssen Unsicherheit, Vertraulichkeit und freiwillige Beratung berücksichtigen.

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Frage 1 von 1SchwerEin kleiner Familienstammbaum passt zu einem autosomal-rezessiven Erbgang, lässt aber auch eine andere Erklärung zu. Wie formulierst du das Ergebnis fachlich angemessen?
Lösung: „Autosomal-rezessiv ist eine plausible Hypothese; weitere Daten sind nötig.“ — Eine Stammbaumanalyse kann Erklärungen prüfen und eingrenzen. Bei unzureichenden Daten bleibt das Ergebnis jedoch hypothetisch.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Stammbaum
    • Evolution: Arten, homologe Merkmale, gemeinsame Ausgangsarten
    • Familie: Personen, Generationen, Phänotypen und mögliche Genotypen
    • Erbgang: dominant oder rezessiv, autosomal oder X-chromosomal
    • Prüfung: Muster vergleichen, Widersprüche suchen, Unsicherheit benennen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWas unterscheidet einen evolutionären Stammbaum von einem Familienstammbaum?
Lösung: Er ordnet Arten nach Verwandtschaft statt Personen nach Merkmalsvererbung. — Prüfe zuerst die Einheiten: Arten und gemeinsame Ausgangsarten gehören zur Evolution; Personen und Generationen zur Familiengenetik.
Frage 2 von 4MittelZwei gesunde Träger:innen mit Aa erwarten ein Kind. Welche Aussage ist korrekt?
Lösung: Für jedes Kind beträgt die Wahrscheinlichkeit für aa 25 %. — Im Kreuzungsschema Aa × Aa ist eines von vier Feldern aa. Frühere Ergebnisse verändern diese Wahrscheinlichkeit nicht.
Frage 3 von 4SchwerEin Stammbaum zeigt Generationssprünge, mehr betroffene Männer und keine sichere Vater-Sohn-Übertragung. Was ist die beste Folgerung?
Lösung: X-chromosomal-rezessiv ist eine prüfenswerte Hypothese, aber weitere Beziehungen müssen passen. — Generationssprünge und häufiger betroffene Männer passen zu X-chromosomal-rezessiv. Ohne vollständige Prüfung bleibt es eine Hypothese.
Frage 4 von 4SchwerNeue homologe Merkmalsdaten widersprechen einem bisherigen evolutionären Stammbaum. Was solltest du tun?
Lösung: Die Verwandtschaftshypothese mit den neuen Daten erneut prüfen und gegebenenfalls ändern. — Ein evolutionärer Stammbaum fasst die jeweils verfügbaren Belege zusammen und bleibt deshalb revidierbar.

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