Biologie

Erregungsleitung: kontinuierlich und saltatorisch

Erregungsleitung: kontinuierlich und saltatorisch
Erregungsleitung: kontinuierlich und saltatorisch
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei der Erregungsleitung wird nicht der auslösende Reiz selbst weitergegeben, sondern ein elektrisches Signal: das Aktionspotenzial. Ohne Myelinscheide entsteht es Abschnitt für Abschnitt neu. Mit Myelinscheide wird es nur an den Ranvierschen Schnürringen erneuert – dadurch läuft die Leitung schneller und energiesparender ab.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zwei Bauweisen führen zu zwei Leitungsformen

Ein Axon ist der lange Fortsatz einer Nervenzelle, über den Aktionspotenziale weitergeleitet werden. Das Membranpotenzial beschreibt die elektrische Spannung zwischen Zellinnerem und Außenraum.

Wird die Membran ausreichend depolarisiert, verändert sich diese Spannung so stark, dass ein Aktionspotenzial entsteht. Es folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip: Wird der Schwellenwert erreicht, entsteht ein vollständiges Aktionspotenzial; wird er nicht erreicht, entsteht keines.

Definition

Myelinscheide

Die Myelinscheide ist eine elektrisch isolierende Hülle um ein Axon. Sie wird im peripheren Nervensystem von Schwannschen Zellen und im Zentralnervensystem von Oligodendrozyten gebildet.

Die Myelinscheide besitzt regelmäßig Unterbrechungen. Diese Lücken heißen Ranviersche Schnürringe.

  • Ein nicht myelinisiertes Axon leitet die Erregung kontinuierlich.
  • Ein myelinisiertes Axon leitet die Erregung saltatorisch.
Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelches Merkmal entscheidet unmittelbar zwischen den beiden Leitungsformen?
Lösung: Ob das Axon durch eine Myelinscheide isoliert ist — Die Leitungsform folgt dem Aufbau: ohne Myelin kontinuierlich, mit Myelin saltatorisch.
So läuft die kontinuierliche Erregungsleitung ab

Bei einem nicht myelinisierten Axon liegt die gesamte Axonmembran frei. Ein Aktionspotenzial erzeugt lokale elektrische Ströme und depolarisiert dadurch den direkt benachbarten Membranabschnitt.

Der Ablauf wiederholt sich fortlaufend:

  1. An einem Membranabschnitt entsteht ein Aktionspotenzial.
  2. Die Spannungsänderung depolarisiert den angrenzenden Abschnitt.
  3. Dort wird der Schwellenwert erreicht und ein neues Aktionspotenzial ausgelöst.
  4. Der Vorgang setzt sich entlang der gesamten Membran fort.
Beispiel

Stell dir eine Reihe dicht nebeneinanderstehender Dominosteine vor. Jeder Stein muss den nächsten umstoßen. Entsprechend muss bei der kontinuierlichen Leitung jeder folgende Membranabschnitt erregt werden. Die Erregung wird dabei nicht schwächer, weil an jedem Abschnitt ein vollständiges neues Aktionspotenzial entsteht.

Hinter der Erregungsfront befinden sich die Natriumkanäle vorübergehend in der Refraktärzeit. In dieser Zeit ist der gerade erregte Abschnitt nicht sofort erneut erregbar. Das unterstützt die Weiterleitung in Richtung des Axonendes.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas geschieht direkt vor der Erregungsfront eines nicht myelinisierten Axons?
Lösung: Der benachbarte Membranabschnitt wird depolarisiert und kann ein neues Aktionspotenzial bilden. — Bei der kontinuierlichen Leitung wird jeder angrenzende Membranabschnitt nacheinander depolarisiert.
So funktioniert die saltatorische Erregungsleitung

Bei einem myelinisierten Axon isoliert die Myelinscheide die Membran zwischen den Schnürringen. Neue Aktionspotenziale entstehen daher an den Ranvierschen Schnürringen, an denen viele spannungsabhängige Ionenkanäle liegen.

  1. An einem Schnürring entsteht ein Aktionspotenzial. Natriumionen strömen ein.
  2. Der elektrische Strom breitet sich unter der Myelinscheide zum nächsten Schnürring aus.
  3. Dort wird die Membran bis zum Schwellenwert depolarisiert.
  4. Am nächsten Schnürring entsteht ein neues Aktionspotenzial.

Das Signal scheint deshalb von Ring zu Ring zu springen. Genau das bedeutet saltatorisch: sprunghaft.

Beispiel

Beim Überqueren eines Bachs kannst du durch das Wasser waten oder von Stein zu Stein springen. Das Waten ähnelt der kontinuierlichen Leitung über jeden Membranabschnitt. Die Steine entsprechen den Schnürringen, an denen das Aktionspotenzial bei der saltatorischen Leitung erneuert wird.

Merke

Myelin lässt das Aktionspotenzial nicht einfach größere Lücken überspringen. Es ermöglicht eine schnelle elektrische Ausbreitung zwischen den Schnürringen; an jedem erreichten Ring wird das Aktionspotenzial neu gebildet.

Da nur begrenzte Membranbereiche stark am Ionenaustausch beteiligt sind, müssen anschließend weniger verschobene Ionenverteilungen wiederhergestellt werden. Deshalb benötigt die saltatorische Leitung weniger Pumpenarbeit und damit weniger Energie.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum ist die saltatorische Leitung schneller und energiesparender?
Lösung: Aktionspotenziale werden nur an den Schnürringen erneuert. — Myelin überbrückt viele Membranabschnitte elektrisch. Weniger aktiv depolarisierte Membran bedeutet schnelleres Leiten und weniger auszugleichenden Ionentransport.
Geschwindigkeit erklären und messen

Die beiden Leitungsformen unterscheiden sich strukturell:

MerkmalKontinuierlichSaltatorisch
Axonnicht myelinisiertmyelinisiert
Orte neuer Aktionspotenzialeentlang der gesamten Membranan den Schnürringen
WeiterleitungAbschnitt für Abschnittscheinbar von Ring zu Ring
Geschwindigkeitlangsamerschneller
Energiebedarfhöhergeringer

Auch der Axondurchmesser beeinflusst die Geschwindigkeit. Ein größeres Axon besitzt einen geringeren elektrischen Innenwiderstand. Lokale Ströme können sich deshalb leichter ausbreiten. Nicht myelinisierte Riesenaxone, etwa beim Tintenfisch, nutzen diesen Effekt.

Myelinisierung ermöglicht dagegen hohe Geschwindigkeiten bei vergleichsweise kleinen Durchmessern. Ein Beispielvergleich zeigt das Muster:

TierAxondurchmesserGeschwindigkeitMyelinisierung
Qualle0,009 mm0,5 m/snicht myelinisiert
Tintenfisch0,650 mm25 m/snicht myelinisiert
Frosch0,015 mm30 m/smyelinisiert

Das Froschaxon ist viel dünner als das Tintenfischaxon und leitet dennoch etwas schneller. Der Vergleich veranschaulicht den Vorteil der Myelinisierung. Weil die Werte von verschiedenen Tierarten stammen, ist er jedoch kein kontrolliertes Experiment, das nur einen einzigen Einflussfaktor verändert.

Eine Geschwindigkeit berechnen

Für eine Strecke von 55 mm und eine Zeit von 0,0017 s gilt:

$$v = \frac{s}{t} = \frac{55\,\mathrm{mm}}{0{,}0017\,\mathrm{s}} \approx 32353\,\mathrm{mm/s} \approx 32{,}35\,\mathrm{m/s}$$

Die Einheitenprüfung passt: Strecke geteilt durch Zeit ergibt eine Geschwindigkeit. Das Ergebnis liegt bei rund 32 m/s.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin nicht myelinisiertes Axon wird dicker. Welche Veränderung ist zu erwarten?
Lösung: Die Leitung wird schneller, weil der elektrische Innenwiderstand sinkt. — Ein größerer Durchmesser kann die kontinuierliche Leitung beschleunigen, ändert aber nicht ihre grundlegende Form.
Frage 2 von 2SchwerZwei Axone besitzen denselben Durchmesser. Nur Axon A ist myelinisiert. Welche Vorhersage ist begründet?
Lösung: Axon A leitet voraussichtlich schneller und energiesparender. — Bei gleichem Durchmesser hat das myelinisierte Axon den strukturellen Vorteil der saltatorischen Leitung.
Erregungsleitung sicher anwenden

Achte bei Aufgaben zuerst auf den Bau des Axons. Suche nach Hinweisen wie Myelinscheide, Schnürring oder nicht myelinisiert. Ordne dann den Mechanismus zu und begründe die Folgen.

Beispiel

Ein Wirkstoff blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle an den Ranvierschen Schnürringen eines myelinisierten Axons.

Ohne den Natriumeinstrom kann am nächsten Schnürring kein neues Aktionspotenzial entstehen. Die saltatorische Erregungsleitung wird daher unterbrochen, selbst wenn sich der lokale Strom unter der Myelinscheide noch bis zu diesem Ring ausbreitet.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei einem Axon entstehen neue Aktionspotenziale an den Ranvierschen Schnürringen. Die Leitung heißt . Bei einem Axon ohne Myelinscheide wird dagegen nacheinander depolarisiert. Ein größerer Axondurchmesser den elektrischen Innenwiderstand.

Lösungen: Lücke 1: myelinisierten; Lücke 2: saltatorisch; Lücke 3: jeder benachbarte Membranabschnitt; Lücke 4: senkt. Entscheidend sind die Myelinscheide und die Orte neuer Aktionspotenziale. Ein größerer Durchmesser erleichtert die Stromausbreitung, weil der Innenwiderstand sinkt.
Teste dich
Frage 1 von 1SchwerDie Myelinscheide eines Axons wird beschädigt. Welche unmittelbare Folge ist am besten begründet?
Lösung: Der Strom erreicht den nächsten Schnürring weniger zuverlässig; die Leitung kann langsamer werden oder ausfallen. — Die Myelinscheide ermöglicht die wirksame elektrische Überbrückung zwischen den Schnürringen. Geht Isolation verloren, wird dieser Mechanismus gestört.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Erregungsleitung
    • kontinuierlich: gesamte Membran wird nacheinander depolarisiert
    • saltatorisch: neue Aktionspotenziale an Schnürringen
    • Myelin: Isolation, höheres Tempo, geringerer Energiebedarf
    • Axondurchmesser: größer bedeutet geringerer Innenwiderstand
    • Refraktärzeit: verhindert unmittelbare erneute Erregung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWo entstehen bei der saltatorischen Erregungsleitung neue Aktionspotenziale?
Lösung: An den Ranvierschen Schnürringen — Die Schnürringe sind die erregbaren Unterbrechungen der Myelinscheide.
Frage 2 von 3MittelWarum wird ein Aktionspotenzial bei der kontinuierlichen Leitung nicht immer schwächer?
Lösung: Es wird an jedem folgenden Membranabschnitt vollständig neu ausgelöst. — Lokale Ströme depolarisieren den Nachbarabschnitt bis zur Schwelle; dort entsteht ein neues vollständiges Aktionspotenzial.
Frage 3 von 3SchwerEin dünnes Axon leitet schneller als ein deutlich dickeres Axon. Welche Erklärung solltest du zuerst prüfen?
Lösung: Das dünne Axon könnte myelinisiert sein, das dicke dagegen nicht. — Leitungsgeschwindigkeit hängt nicht nur vom Durchmesser ab. Myelinisierung kann einen großen Geschwindigkeitsvorteil bewirken.

Du kannst die Leitungsform nun aus dem Axonbau ableiten: Ohne Myelin wird jeder Membranabschnitt nacheinander erregt; mit Myelin wird das Aktionspotenzial schnell und energiesparend an den Schnürringen erneuert.

Passend dazu