Biologie

Synapse: Aufbau und chemische Signalübertragung

Synapse: Aufbau und chemische Signalübertragung
Synapse: Aufbau und chemische Signalübertragung
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eine Synapse ist eine Kontaktstelle, an der eine Nervenzelle ein Signal an eine andere Zelle überträgt. Bei einer chemischen Synapse wird ein elektrisches Signal kurz in ein chemisches Signal umgewandelt. In der Empfängerzelle entsteht daraus eine Änderung der Membranspannung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Aufbau: Sender, Spalt und Empfänger

Stell dir zwei Zellen vor, zwischen denen kein direkter Übergang für den elektrischen Impuls besteht. Die Synapse überbrückt diese Stelle.

Eine chemische Synapse hat drei Bereiche:

  1. Die Präsynapse ist die Senderseite. Zu ihr gehört das synaptische Endknöpfchen mit der präsynaptischen Membran.
  2. Der synaptische Spalt liegt zwischen Sender- und Empfängerzelle.
  3. Die Postsynapse ist die Empfängerseite. Ihre Membran trägt passende Rezeptoren.

Im Endknöpfchen befinden sich kleine, von einer Membran umschlossene Bläschen. Sie heißen synaptische Vesikel und speichern chemische Botenstoffe.

Definition

Neurotransmitter

Ein Neurotransmitter ist ein chemischer Botenstoff, der im synaptischen Spalt Informationen von der Prä- zur Postsynapse überträgt. Acetylcholin ist ein Beispiel.

Das Signal läuft an einer chemischen Synapse normalerweise nur in eine Richtung: Die Präsynapse setzt Neurotransmitter frei, während die Postsynapse die passenden Rezeptoren trägt.

Beispiel

Erreicht ein Signal das Endknöpfchen einer Nervenzelle, kann diese Zelle über die Synapse eine weitere Nervenzelle, eine Muskelzelle oder eine Drüsenzelle beeinflussen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Struktur enthält die mit Neurotransmittern gefüllten Vesikel?
Lösung: das präsynaptische Endknöpfchen — Die Vesikel liegen auf der Senderseite im Endknöpfchen. Die Postsynapse besitzt die Rezeptoren für die freigesetzten Transmitter.
Chemische Übertragung Schritt für Schritt

Der entscheidende Auslöser ist ein Aktionspotential, das am synaptischen Endknöpfchen eintrifft. Es verändert dort die elektrische Spannung der Membran.

  1. Das Aktionspotential erreicht die präsynaptische Membran.
  2. Spannungsabhängige Calciumkanäle öffnen sich.
  3. Ca²⁺-Ionen strömen in das Endknöpfchen.
  4. Der Calciumeinstrom löst die Verschmelzung von Vesikeln mit der präsynaptischen Membran aus.
  5. Neurotransmitter werden in den synaptischen Spalt freigesetzt und gelangen zur Postsynapse.
  6. Die Transmitter binden an passende Rezeptoren.
  7. Bei ionotropen Rezeptoren öffnet die Bindung direkt einen Ionenkanal.
  8. Der Ionenstrom verändert die Spannung der postsynaptischen Membran. Es entsteht ein postsynaptisches Potential.
Definition

Ligandengesteuerter Ionenkanal

Ein ligandengesteuerter Ionenkanal öffnet sich, wenn ein passender Stoff an ihn bindet. Dieser bindende Stoff heißt Ligand. An der Postsynapse kann ein Neurotransmitter der Ligand sein.

Merke

Präsynaptische Calciumkanäle reagieren auf eine Spannungsänderung. Die hier beschriebenen postsynaptischen Kanäle reagieren dagegen auf die Bindung eines Neurotransmitters.

Beispiel

Bei einer erregenden Synapse kann die Transmitterbindung Natriumkanäle öffnen. Na⁺-Ionen strömen ein und verändern die postsynaptische Membranspannung. Diese Änderung kann dazu beitragen, dass die Empfängerzelle ein Aktionspotential bildet. Ein einzelnes postsynaptisches Signal muss dafür jedoch nicht immer ausreichen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas löst die Freisetzung der Neurotransmitter unmittelbar aus?
Lösung: der durch geöffnete Calciumkanäle verursachte Ca²⁺-Einstrom — Das eintreffende Aktionspotential öffnet Calciumkanäle. Der folgende Ca²⁺-Einstrom löst Vesikelfusion und Transmitterfreisetzung aus.
Frage 2 von 2MittelWas geschieht direkt nach der Freisetzung der Neurotransmitter?
Lösung: Sie gelangen durch den synaptischen Spalt zu passenden Rezeptoren. — Die Neurotransmitter überqueren den Spalt und binden an spezifische Rezeptoren der Empfängerzelle.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein eintreffendes öffnet spannungsabhängige . Ca²⁺ löst die aus. Die freigesetzten Neurotransmitter binden an der Postsynapse und verändern durch einen Ionenstrom die .

Lösungen: Lücke 1: Aktionspotential; Lücke 2: Calciumkanäle; Lücke 3: Vesikelfusion; Lücke 4: Rezeptoren; Lücke 5: Membranspannung. Verfolge die Kette vom elektrischen Eingangssignal über Calcium und Transmitter bis zur Spannungsänderung der Empfängerzelle.
Wie das Signal wieder endet

Eine Synapse muss die Übertragung beenden können. Sonst würden die Rezeptoren weiter beeinflusst, obwohl kein neues Aktionspotential eingetroffen ist.

Transmitter können sich wieder von ihren Rezeptoren lösen. Anschließend werden sie je nach Transmitter zurück in die Präsynapse aufgenommen, wiederverwendet oder zuvor enzymatisch zerlegt.

Beispiel

Das Enzym Cholinesterase spaltet Acetylcholin in Acetat und Cholin. Diese Bestandteile werden zur Präsynapse zurückgeführt und aufgenommen. Das Enzym Cholinacetyltransferase setzt sie dort wieder zu Acetylcholin zusammen. Der Botenstoff kann anschließend erneut in Vesikeln bereitgestellt werden.

Merke

Freisetzung startet die chemische Übertragung. Ablösung, Abbau und Rückaufnahme begrenzen sie und bereiten die Synapse auf ein neues Signal vor.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas wäre eine direkte Folge davon, dass Acetylcholin im Spalt nicht abgebaut wird?
Lösung: Acetylcholin könnte die Rezeptoren länger beeinflussen. — Solange ein wirksamer Transmitter an Rezeptoren binden kann, kann seine postsynaptische Wirkung anhalten.
Erregende und hemmende Wirkung unterscheiden

Nicht jede Synapse steigert die Aktivität ihrer Zielzelle. Synapsen können erregend oder hemmend wirken.

Definition

EPSP

Ein exzitatorisches postsynaptisches Potential, kurz EPSP, ist eine Spannungsänderung, die ein Aktionspotential in der Zielzelle wahrscheinlicher macht.

Definition

IPSP

Ein inhibitorisches postsynaptisches Potential, kurz IPSP, ist eine Spannungsänderung, die ein Aktionspotential in der Zielzelle weniger wahrscheinlich macht.

Eine erregende Synapse wirkt also nicht deshalb erregend, weil sie besonders viele Aktionspotentiale sendet. Entscheidend ist die Wirkung auf die postsynaptische Membran. Entsprechend wird eine hemmende Synapse über ihre hemmende Wirkung definiert.

Beispiel

Öffnet die Transmitterbindung Kanäle, durch die Na⁺ einströmt und die Membran depolarisiert wird, kann ein EPSP entstehen. Führt der ausgelöste Ionenstrom dagegen zu einer hemmenden Spannungsänderung, entsteht ein IPSP.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelAn einer Synapse öffnet ein Transmitter Kanäle. Die folgende Spannungsänderung erschwert ein Aktionspotential. Wie wird diese Wirkung eingeordnet?
Lösung: hemmend beziehungsweise inhibitorisch — Für die Einordnung zählt die Wirkung auf die Zielzelle: Eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein Aktionspotential kennzeichnet ein IPSP.
Chemische und elektrische Synapsen vergleichen

Chemische und elektrische Synapsen übertragen beide Informationen zwischen Zellen, nutzen aber verschiedene Wege.

MerkmalChemische SynapseElektrische Synapse
Signalwegüber Neurotransmitter und Rezeptorendirekte elektrische Übertragung
Richtunggewöhnlich nur von Prä- zu PostsynapseÜbertragung in beide Richtungen möglich
Geschwindigkeitgeringe Verzögerung, ungefähr 1 mspraktisch ohne synaptische Verzögerung
Häufigkeit beim Menschendeutlich häufigerselten
BesonderheitWirkung kann erregend oder hemmend seinbesonders schnelle Kopplung

Der synaptische Spalt chemischer Synapsen ist mit ungefähr 20 bis 30 nm breiter als der etwa 3,5 nm breite Spalt elektrischer Verbindungen.

Gut zu wissen

Elektrische Synapsen eignen sich für besonders schnelle und gekoppelte Reaktionen. Chemische Synapsen benötigen zusätzliche Schritte, erlauben aber unterschiedliche Wirkungen durch Transmitter, Rezeptoren und Ionenkanäle.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Zellverbindung soll ein Signal direkt, sehr schnell und möglicherweise in beide Richtungen übertragen. Welcher Typ passt?
Lösung: eine elektrische Synapse — Direkte elektrische Kopplung, sehr geringe Verzögerung und mögliche Übertragung in beide Richtungen kennzeichnen elektrische Synapsen.
Angriffspunkte von Wirkstoffen und Giften

Du kannst die Wirkung eines Stoffes vorhersagen, wenn du zuerst seinen Angriffsort in der Signalfolge bestimmst.

  • Nikotin aktiviert postsynaptische Rezeptoren, die auch auf Acetylcholin reagieren, und wirkt dadurch erregend.
  • Atropin verhindert die Bindung von Acetylcholin an bestimmte Rezeptoren.
  • Curare blockiert postsynaptische Rezeptoren an Synapsen zwischen Nerv und Muskel. Der Transmitter kann dort nicht wirksam binden; eine Lähmung der Atemmuskulatur kann die Folge sein.
  • Botulinumtoxin verhindert die Verschmelzung transmittergefüllter Vesikel mit der präsynaptischen Membran. Dadurch wird die Transmitterfreisetzung unterbrochen.
Beispiel

Ein unbekannter Stoff verhindert die Vesikelfusion. Obwohl ein Aktionspotential eintrifft und Ca²⁺ in das Endknöpfchen strömt, gelangen keine Neurotransmitter in den Spalt. Postsynaptische Rezeptoren werden daher nicht durch diesen Transmitter aktiviert.

Eine zuverlässige Vorhersage folgt drei Fragen:

  1. Wo greift der Stoff an?
  2. Welcher Schritt fällt aus oder wird verstärkt?
  3. Welche Folge hat das für die Postsynapse?
Teste dich
Frage 1 von 2SchwerEin Stoff blockiert ausschließlich die Rezeptoren der Postsynapse. Was ist trotz der Blockade noch möglich?
Lösung: Vesikel können präsynaptisch Transmitter freisetzen. — Der Angriff auf postsynaptische Rezeptoren verhindert nicht automatisch die vorherigen Schritte in der Präsynapse. Freisetzung kann stattfinden, aber die blockierten Rezeptoren vermitteln keine normale Wirkung.
Frage 2 von 2SchwerEin Wirkstoff hält präsynaptische Calciumkanäle geschlossen. Welche Folge ist am direktesten zu erwarten?
Lösung: Die calciumabhängige Vesikelfusion und Transmitterfreisetzung nimmt ab oder bleibt aus. — Ohne ausreichenden Ca²⁺-Einstrom wird die Fusionsmaschinerie nicht normal ausgelöst. Dadurch fehlen Transmitter im synaptischen Spalt.
Vertiefung: Vesikelfusion und synaptische Plastizität

Synaptische Vesikel sind nicht nur Behälter. Proteine in ihrer Membran ermöglichen Beladung, Fusion und Wiederverwendung.

Eine Protonen-ATPase pumpt unter Verbrauch von ATP Protonen in das Vesikel. Das entstehende Konzentrationsgefälle liefert die Energiegrundlage dafür, dass Transportproteine Neurotransmitter im Vesikel anreichern.

Bei der Fusion wirkt Synaptotagmin als Calciumsensor. Nach der Bindung von Ca²⁺ unterstützt es die Annäherung der Membranen. SNARE-Proteine in Vesikel- und Zellmembran lagern sich zusammen; die dabei frei werdende Energie trägt zur Verschmelzung der Membranen bei. Einzelheiten dieses sehr schnellen Vorgangs sind noch nicht vollständig geklärt.

Definition

Synaptische Plastizität

Synaptische Plastizität bedeutet, dass synaptische Kontakte veränderbar sind. Synapsen können neu entstehen, verstärkt, abgeschwächt, umgebaut oder abgebaut werden.

Diese Veränderbarkeit gehört zu den Grundlagen von Lernen und Üben. Sie bedeutet nicht, dass bei jedem einzelnen Lernschritt sofort eine völlig neue Nervenzelle entsteht.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Protein wirkt bei der Vesikelfusion als Calciumsensor?
Lösung: Synaptotagmin — Synaptotagmin bindet einströmende Calciumionen und beteiligt sich dadurch an der Aktivierung der Fusionsmaschinerie.
Frage 2 von 2SchwerEine häufig genutzte Verbindung zwischen Nervenzellen wird verstärkt. Welchen Begriff beschreibt diese Veränderbarkeit am besten?
Lösung: synaptische Plastizität — Plastizität umfasst die Verstärkung, Abschwächung, Neubildung, den Umbau und den Abbau synaptischer Kontakte.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Synapse
    • Aufbau
      • Präsynapse
      • synaptischer Spalt
      • Postsynapse
    • chemische Übertragung
      • Aktionspotential und Ca²⁺-Einstrom
      • Vesikelfusion und Transmitterfreisetzung
      • Rezeptorbindung und postsynaptisches Potential
      • Abbau, Rückaufnahme und Wiederverwendung
    • Wirkung
      • EPSP: erregend
      • IPSP: hemmend
    • Eingriffe
      • Vesikelfusion blockieren
      • Rezeptoren aktivieren oder blockieren
    • Veränderbarkeit
      • synaptische Plastizität
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge beschreibt den Anfang der chemischen Übertragung richtig?
Lösung: Aktionspotential → Calciumkanäle öffnen → Ca²⁺-Einstrom → Vesikelfusion — Das eintreffende Aktionspotential öffnet spannungsabhängige Calciumkanäle. Der Ca²⁺-Einstrom löst anschließend die Vesikelfusion aus.
Frage 2 von 3MittelWarum überträgt eine chemische Synapse gewöhnlich nur in eine Richtung?
Lösung: Die Präsynapse setzt Transmitter frei, und die Postsynapse trägt die passenden Rezeptoren. — Die unterschiedliche Ausstattung von Sender- und Empfängerseite bestimmt die Richtung: Freisetzung erfolgt präsynaptisch, die passende Aufnahme des Signals postsynaptisch.
Frage 3 von 3SchwerEin Stoff verhindert die Spaltung von Acetylcholin, blockiert aber weder Vesikelfusion noch Rezeptoren. Welche Folge passt am besten?
Lösung: Acetylcholin kann die postsynaptischen Rezeptoren länger beeinflussen. — Ohne normalen enzymatischen Abbau bleibt Acetylcholin länger verfügbar. Dadurch kann seine Wirkung an den Rezeptoren länger anhalten.

Wenn du bei einem neuen Fall zuerst Angriffsort, betroffenen Schritt und postsynaptische Folge bestimmst, kannst du viele Störungen der synaptischen Übertragung systematisch erklären.

Passend dazu