Biologie

Kohlenstoffkreislauf: Speicher und Flüsse verstehen

Kohlenstoffkreislauf: Speicher und Flüsse verstehen
Kohlenstoffkreislauf: Speicher und Flüsse verstehen
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Im Kohlenstoffkreislauf wechselt Kohlenstoff ständig zwischen Luft, Lebewesen, Boden, Wasser und Gestein. Fotosynthese bindet Kohlenstoff aus Kohlenstoffdioxid, während Zellatmung, Zersetzung und Verbrennung ihn wieder freisetzen.

Auf dieser Seite lernst du, Kohlenstoffspeicher und Stoffflüsse zu unterscheiden, ein Kohlenstoffatom durch ein Ökosystem zu verfolgen und menschliche Zusatzflüsse in einer Bilanz zu erkennen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Speicher und Flüsse unterscheiden

Stell dir den Kohlenstoffkreislauf als Netz aus Vorratsbehältern und Pfeilen vor. Die Behälter sind die Speicher, die Pfeile sind die Flüsse.

Definition

Kohlenstoffspeicher

Ein Kohlenstoffspeicher enthält Kohlenstoff für eine bestimmte Zeit. Beispiele sind die Atmosphäre, Pflanzen, Tiere, Böden, Gewässer, Sedimente und Gesteine.

Ein Kohlenstofffluss transportiert Kohlenstoff von einem Speicher in einen anderen. Fotosynthese, Nahrungsaufnahme, Zellatmung, Zersetzung und Verbrennung sind solche Prozesse.

Eine Kohlenstoffsenke nimmt innerhalb eines festgelegten Zeitraums insgesamt mehr Kohlenstoff auf, als sie abgibt. Eine Kohlenstoffquelle gibt insgesamt mehr ab, als sie aufnimmt. Derselbe Speicher kann seine Rolle wechseln: Ein Wald kann Kohlenstoff aufnehmen, aber durch Rodung und Verbrennung zu einer Quelle werden.

Merke

Ein Speicher ist ein Ort oder Bestand. Ein Fluss ist ein Vorgang. Quelle und Senke beschreiben die Bilanz eines Speichers in einem bestimmten Zeitraum.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtEin Baum nimmt in einem Jahr insgesamt mehr Kohlenstoff auf, als er abgibt. Welche Rolle hat er in diesem Zeitraum?
Lösung: Er wirkt als Kohlenstoffsenke. — Der Baum speichert Kohlenstoff in seiner Biomasse. Weil seine Aufnahme in diesem Zeitraum größer als seine Abgabe ist, wirkt er zusätzlich als Senke.
Der kurze biologische Kreislauf

Der gut beobachtbare Teil des Kreislaufs beginnt mit der Fotosynthese. Pflanzen und Phytoplankton nehmen Kohlenstoffdioxid aus ihrer Umgebung auf und bauen daraus energiereiche organische Stoffe auf.

Die vereinfachte Reaktionsgleichung lautet:

$$6\,CO_2 + 6\,H_2O \rightarrow C_6H_{12}O_6 + 6\,O_2$$

Dabei wird Kohlenstoff aus dem atmosphärischen oder gelösten $CO_2$ in Glucose und anschließend in weitere Bestandteile der Biomasse eingebaut.

Bei der aeroben Zellatmung läuft die Stoffbilanz in umgekehrter Richtung:

$$C_6H_{12}O_6 + 6\,O_2 \rightarrow 6\,CO_2 + 6\,H_2O$$

Pflanzen, Tiere und viele Mikroorganismen betreiben Zellatmung. Pflanzen atmen auch nachts; ohne Licht findet dann keine Fotosynthese statt.

Beispiel

Verfolge ein Kohlenstoffatom:

  1. Es befindet sich als Teil eines $CO_2$-Moleküls in der Atmosphäre.
  2. Eine Pflanze nimmt das $CO_2$ bei der Fotosynthese auf und baut den Kohlenstoff in Zucker und weitere Biomasse ein.
  3. Ein Tier frisst Pflanzenteile. Der Kohlenstoff wird Bestandteil seines Körpers oder zur Energiegewinnung genutzt.
  4. Durch Zellatmung kann er als $CO_2$ wieder in die Atmosphäre gelangen.
  5. Bleibt er zunächst in Ausscheidungen oder totem Material, bauen Destruenten dieses Material ab. Dabei wird ebenfalls Kohlenstoff freigesetzt.

Unter Sauerstoffabschluss kann beim Abbau auch Methan ($CH_4$) entstehen.

Definition

Destruenten

Destruenten sind zersetzende Organismen, vor allem Bakterien und Pilze. Sie bauen Ausscheidungen und abgestorbene Biomasse ab und führen darin gebundenen Kohlenstoff in den Kreislauf zurück.

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Frage 1 von 1MittelWelcher Weg führt ein Kohlenstoffatom vollständig von der Atmosphäre über Lebewesen zurück zur Atmosphäre?
Lösung: $CO_2$ → Fotosynthese → Pflanzenbiomasse → Nahrung → Zellatmung oder Zersetzung → $CO_2$ — Der Kohlenstoff wird zuerst durch Fotosynthese gebunden. Über Nahrung gelangt er in weitere Organismen und durch Zellatmung oder Zersetzung zurück in die Umgebung.
Wasser und Gestein speichern Kohlenstoff

Zwischen Atmosphäre und Gewässern wird $CO_2$ in beide Richtungen ausgetauscht. Ob ein Gewässer überwiegend aufnimmt oder abgibt, hängt unter anderem vom Unterschied des $CO_2$-Drucks zwischen Luft und Wasser sowie von der Temperatur ab.

Gelöstes Kohlenstoffdioxid kann mit Wasser reversibel Kohlensäure bilden:

$$CO_2 + H_2O \rightleftharpoons H_2CO_3$$

Aus diesem System entstehen auch Hydrogencarbonat- und Carbonat-Ionen. Carbonat kann sich mit Calciumionen zu Calciumcarbonat ($CaCO_3$) verbinden. Daraus bestehen unter anderem Kalkschalen. Sinken solche Schalen ab und werden zu Sediment, kann der Kohlenstoff lange gespeichert bleiben.

Auch Phytoplankton bindet gelöstes $CO_2$ durch Fotosynthese. Ein Teil des organischen Materials wird wieder zersetzt; ein anderer Teil gelangt in tiefere Wasserschichten oder Sedimente.

Gut zu wissen

Kohlenstoffflüsse laufen auf sehr verschiedenen Zeitskalen ab. Fotosynthese und Zellatmung wirken innerhalb von Tagen oder Jahren. Speicherung in Sedimenten und der Austausch mit geologischen Speichern können Zehntausende bis Millionen Jahre dauern.

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Vorgang kann Kohlenstoff besonders langfristig binden?
Lösung: Kalkschalen sinken ab und werden Teil eines Sediments. — Sedimente können Kohlenstoff über sehr lange Zeiträume speichern. Ausatmung gehört dagegen zum kurzfristigen biologischen Kreislauf.
Fossile Brennstoffe verändern die Bilanz

Kohle, Erdöl und Erdgas enthalten Kohlenstoff, der über lange Zeit in geologischen Speichern gebunden wurde. Ihre Entstehung benötigt je nach Ausgangsmaterial unter anderem Sauerstoffabschluss, Druck und sehr lange Zeiträume.

Bei der Verbrennung wird dieser Kohlenstoff schnell freigesetzt, vor allem als $CO_2$. Der Vorgang verbindet damit einen langfristigen geologischen Speicher mit der Atmosphäre.

Merke

Verbrennung erzeugt keinen neuen Kohlenstoff. Sie verschiebt bereits vorhandenen Kohlenstoff sehr schnell aus einem langfristigen Speicher in die Atmosphäre.

Das ist ein menschlicher Zusatzfluss: Er kommt zu den natürlichen Austauschprozessen hinzu. Zugleich schwächen Rodungen einen wichtigen Speicher, weil weniger Kohlenstoff in Wald-Biomasse gebunden werden kann. Nimmt die Atmosphäre mehr Kohlenstoff auf, als natürliche Senken im selben Zeitraum entfernen, wächst ihr Kohlenstoffbestand.

Mehr atmosphärisches $CO_2$ kann außerdem zu stärkerer Aufnahme durch Gewässer führen. Dadurch entsteht mehr Kohlensäure und der pH-Wert kann sinken. Das erschwert besonders kalkbildenden Organismen ihre Lebensbedingungen.

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Frage 1 von 1MittelWarum verändert die Verbrennung von Kohle den Kohlenstoffkreislauf besonders stark?
Lösung: Sie überführt Kohlenstoff aus einem langfristigen Speicher schnell in die Atmosphäre. — Entscheidend ist der Zeitunterschied: Die Bildung fossiler Lagerstätten dauert sehr lange, ihre Verbrennung setzt den gespeicherten Kohlenstoff dagegen schnell frei.
Ein unbekanntes Ökosystem bilanzieren

Eine Bilanz zeigt, wie sich der Kohlenstoffbestand eines gewählten Speichers verändert:

$$\text{Änderung des Speichers} = \text{Zuflüsse} - \text{Abflüsse}$$

Ohne Mengenangaben kannst du keine Zahlenbilanz berechnen. Du kannst aber eine qualitative Bilanz erstellen und die Richtung jedes Flusses bestimmen.

Gehe in fünf Schritten vor:

  1. Systemgrenze festlegen: Entscheide, welches Gebiet und welchen Zeitraum du untersuchst.
  2. Speicher markieren: Suche Atmosphäre, Biomasse, Boden, Wasser, Sedimente und gegebenenfalls fossile Lagerstätten.
  3. Natürliche Flüsse einzeichnen: Ordne Fotosynthese, Nahrung, Zellatmung, Zersetzung, Sedimentation und den Luft-Wasser-Austausch zu.
  4. Menschliche Zusatzflüsse ergänzen: Prüfe Verbrennung, Rodung oder andere Eingriffe.
  5. Bilanz beurteilen: Vergleiche für jeden Speicher Zuflüsse und Abflüsse. Kennzeichne ihn im gewählten Zeitraum als zunehmend, abnehmend oder nicht entscheidbar.
Beispiel

Ein Wald liegt an einem See. Pflanzen nehmen $CO_2$ auf, Tiere fressen Pflanzen, tote Biomasse wird zersetzt und ein Teil des Materials gelangt in den See. Zusätzlich werden Bäume gefällt und verbrannt.

  • Speicher: Atmosphäre, Pflanzen, Tiere, Boden, Seewasser und Sediment.
  • Natürliche Flüsse: Fotosynthese zur Pflanzenbiomasse; Nahrung zu Tieren; Zellatmung und Zersetzung zurück zur Atmosphäre; Eintrag in den See und mögliche Sedimentation.
  • Menschlicher Zusatzfluss: Verbrennung transportiert Kohlenstoff aus der Biomasse in die Atmosphäre.
  • Folgerung: Der Kohlenstoffspeicher der Pflanzen nimmt durch das Fällen ab. Der atmosphärische Speicher erhält einen zusätzlichen Zufluss. Wie groß die Gesamtänderung ist, lässt sich ohne Mengenangaben nicht berechnen.
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Frage 1 von 1SchwerIn einem unbekannten Moor wird Torf abgebaut und verbrannt. Welche Modellierung ist fachlich passend?
Lösung: Torf ist ein Speicher; Abbau und Verbrennung schaffen einen menschlichen Fluss vom Speicher zur Atmosphäre. — Das Modell trennt Bestand und Vorgang: Torf speichert Kohlenstoff, während Abbau und Verbrennung dessen schnellen Transport zur Atmosphäre bewirken. Ob die Atmosphäre als Senke oder Quelle gilt, hängt von der festgelegten Bilanz ab.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kohlenstoffkreislauf
    • Speicher: Atmosphäre, Biomasse, Boden, Wasser, Sediment und Gestein
    • Aufnahme: Fotosynthese und Lösung im Wasser
    • Weitergabe: Nahrung und Transport zwischen Land und Wasser
    • Rückgabe: Zellatmung, Zersetzung, Ausgasung und Verbrennung
    • Langzeitspeicherung: Böden, Sedimente, Kalk und fossile Lagerstätten
    • Menschlicher Zusatzfluss: Verbrennung und Verlust von Biomasse
    • Bilanz: Zuflüsse mit Abflüssen innerhalb einer Systemgrenze vergleichen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Prozess bindet Kohlenstoff aus atmosphärischem $CO_2$ unmittelbar in Biomasse?
Lösung: Fotosynthese — Bei der Fotosynthese wird Kohlenstoff aus $CO_2$ in Glucose und weitere organische Stoffe eingebaut.
Frage 2 von 3MittelEin See nimmt während eines Jahres mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, als er an sie abgibt. Wie wird er für diesen Austausch bilanziert?
Lösung: Als Kohlenstoffsenke — Der See ist ein Speicher. Weil seine Aufnahme in diesem Zeitraum größer als seine Abgabe ist, wirkt er als Senke.
Frage 3 von 3SchwerEin Wald wird gerodet und das Holz verbrannt. Welche kombinierte Folge bildet das Kohlenstoffmodell ab?
Lösung: Der Biomassespeicher nimmt ab und die Atmosphäre erhält einen zusätzlichen Kohlenstoffzufluss. — Kohlenstoff bleibt erhalten, wechselt aber den Speicher. Durch Rodung sinkt der Bestand in der Biomasse; durch Verbrennung gelangt Kohlenstoff schnell in die Atmosphäre.

Du hast den Kreislauf verstanden, wenn du bei einem neuen Beispiel zuerst Speicher und Systemgrenze festlegst, danach die natürlichen Flüsse einzeichnest und erst dann menschliche Zusatzflüsse sowie ihre Wirkung auf die Bilanz beurteilst.

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