Spinnen: Körperbau, Jagd und Netz verstehen
Spinnen sind Gliederfüßer, aber keine Insekten. Typisch sind ein Vorder- und ein Hinterkörper, ein Außenskelett und vier Laufbeinpaare. Du erfährst hier, wie du Spinnen einordnest und wie Körperbau, Sinne, Seide und Verdauung beim Beutefang zusammenwirken.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Spinne?
Im Alltag meint „Spinne“ meist eine Webspinne. Webspinnen gehören zur Klasse der Spinnentiere. Zu dieser größeren Gruppe zählen auch Skorpione, Weberknechte, Milben und Zecken.
Spinnentiere und Insekten gehören beide zu den Gliederfüßern. Dennoch sind sie verschiedene Tierklassen.
Gliederfüßer
Gliederfüßer besitzen gegliederte Beine und ein stützendes Außenskelett. Zu ihnen gehören unter anderem Spinnentiere und Insekten.
Eine erwachsene Spinne erkennst du vor allem an diesen Merkmalen:
- vier Laufbeinpaare, also acht Beine;
- ein Vorderkörper und ein Hinterleib;
- ein Außenskelett aus Chitin;
- Kiefertaster und Kieferklauen als Mundwerkzeuge;
- mehrere einfache Punktaugen statt der für viele Insekten typischen Facettenaugen.
Insekten besitzen dagegen drei Beinpaare, also sechs Beine. Die Beinzahl ist deshalb ein besonders hilfreiches Unterscheidungsmerkmal.
Acht Beine sprechen für eine erwachsene Spinne, sechs Beine für ein Insekt. Ein einzelnes Merkmal genügt aber nicht für jede Tierbestimmung: Auch Körpergliederung und weitere Merkmale gehören dazu.
Wie unterstützt der Körperbau die Lebensweise?
Das Außenskelett schützt und stützt den Körper. Weil es nicht wie ein inneres Skelett mitwächst, müssen sich heranwachsende Spinnen häuten.
Am Vorderkörper sitzen vier gegliederte Laufbeinpaare. Haare und besondere Sinnesorgane an Körper und Beinen nehmen Berührungen, Luftbewegungen sowie Schwingungen des Untergrunds oder eines Netzes wahr.
Punktauge
Ein Punktauge ist ein einfach gebautes Auge. Spinnen besitzen mehrere solcher Augen. Wie gut sie damit sehen, hängt von ihrer Lebensweise und Art ab.
Viele netzfangende Arten orientieren sich stark an Schwingungen. Aktiv jagende Arten wie Springspinnen benötigen dagegen einen ausgeprägteren optischen Sinn.
Im Hinterleib liegen unter anderem Herz, Darm, Geschlechtsorgane und Spinndrüsen. Die Spinnwarzen formen die flüssigen Sekrete der Spinndrüsen zu Fäden. Spinnen atmen je nach Bau durch Röhren- oder Fächertracheen. Ihr Kreislauf ist offen: Die Körperflüssigkeit fließt nicht ausschließlich in geschlossenen Blutgefäßen, sondern umspült auch die Organe.
Wie fängt und verdaut eine Spinne ihre Beute?
Viele Spinnen leben räuberisch. Einige bauen Fangnetze, andere lauern oder suchen aktiv nach Beute. Ein Netz ist deshalb kein Merkmal, das jede Spinne erfüllen muss.
Bei einer netzbauenden Kreuzspinne kann der Beutefang so ablaufen:
- Ein Insekt gerät ins Netz und erzeugt Schwingungen.
- Die Spinne nimmt die Schwingungen mit Sinnesorganen an den Beinen wahr.
- Sie läuft zur Beute und prüft sie mit den Kiefertastern.
- Mit den Kieferklauen bringt sie Gift ein und lähmt die Beute.
- Sie kann die Beute mit Seide fixieren.
- Verdauungssäfte verflüssigen verwertbare Teile außerhalb des Spinnenkörpers.
- Der Saugmagen zieht die flüssige Nahrung durch die schmale Mundöffnung ein.
Außenverdauung
Bei der Außenverdauung wird Nahrung bereits außerhalb des Körpers durch Verdauungssäfte verflüssigt. Erst danach saugt die Spinne die Nahrung ein.
Für Menschen sind Spinnenbisse meist harmlos. Daraus folgt jedoch nicht, dass man unbekannte Spinnen anfassen sollte. Das Gift dient vor allem dem Beutefang; seine Wirkung unterscheidet sich je nach Art und betroffenem Lebewesen.
Eine Fliege zappelt im Radnetz. Die Kreuzspinne „hört“ sie nicht wie ein Mensch. Sie registriert vielmehr die Schwingungen des Netzes. Nach dem Giftbiss gibt sie Verdauungssäfte ab und saugt später die verflüssigte Nahrung ein. Wahrnehmung, Lähmung und Außenverdauung bilden also eine zusammenhängende Handlungskette.
Was kann Spinnseide leisten?
Spinnseide ist ein Proteinmaterial. Sie wird in Spinndrüsen gebildet, durch Spinnwarzen zu Fäden geformt und an der Luft fest.
Eine Spinne kann verschiedene Seiden für unterschiedliche Aufgaben herstellen:
- feste Fäden für Rahmen und Radien eines Netzes;
- elastische Fäden, die den Aufprall eines Insekts abfedern;
- Fangfäden zum Festhalten der Beute;
- Fäden zum Sichern, Fesseln und Einwickeln;
- Seide für Eikokons.
Radnetz
Ein Radnetz besteht aus einem Rahmen, strahlenförmigen Radialfäden und einer Fangspirale. In der Mitte liegt die Nabe.
Der Netzbau ist artspezifisch und beruht auf angeborenen Verhaltensabläufen. Trotzdem bauen nicht alle Spinnen Fangnetze: Krabbenspinnen lauern beispielsweise auf Beute, während Springspinnen aktiv jagen.
Was gilt nur für die Kreuzspinne?
Die Kreuzspinne ist ein hilfreiches Beispiel, aber kein Bauplan für alle Spinnen. Ihr Radnetz, ihre Kreuzzeichnung und ihr zweijähriger Entwicklungszyklus dürfen nicht auf jede Art übertragen werden.
Bei der beschriebenen Kreuzspinne verläuft die Entwicklung so:
- Im Herbst findet die Paarung statt.
- Das Weibchen legt Eier in schützende Seidenkokons.
- Die Eier überwintern im Kokon.
- Im Mai schlüpfen die Jungspinnen.
- Bis zum Sommer häuten sie sich mehrfach.
- Die Jungspinnen überwintern in geschützten Ritzen oder Spalten.
- Im folgenden Jahr werden sie geschlechtsreif und pflanzen sich im Herbst fort.
Unterscheide immer zwischen einem allgemeinen Merkmal und einem Artenbeispiel. Acht Laufbeine sind ein typisches Spinnenmerkmal; der beschriebene zweijährige Zyklus ist ein Beispiel der Kreuzspinne.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Spinnen verstehen
- Einordnung: Spinnentiere innerhalb der Gliederfüßer
- Erkennen: acht Beine, Vorderkörper und Hinterleib, Außenskelett
- Wahrnehmen: Punktaugen und mechanische Sinnesorgane
- Jagen: Netzfang, Lauern oder aktive Suche
- Beute nutzen: Gift, Verdauungssäfte und Saugmagen
- Seide verwenden: Netz, Sicherung, Fesselung und Kokon
- Aussagen prüfen: allgemeines Merkmal oder artspezifisches Beispiel
Abschluss-Check
Wenn du Körpermerkmale, Funktionen und Artenbeispiele auseinanderhältst, kannst du Spinnen zuverlässig einordnen und ihre Lebensweise erklären.
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