Weichtiere: Bau, Gruppen und Lebensweisen
Weichtiere sind wirbellose Tiere mit einem weichen Körper. Trotz ihres unterschiedlichen Aussehens besitzen Schnecken, Muscheln und Kopffüßer denselben Grundbauplan: Fuß, Mantel und Eingeweidesack. Form und Aufgabe dieser Körperteile sind an die jeweilige Lebensweise angepasst.
Auf dieser Seite lernst du, die drei Gruppen an ihren Merkmalen zu erkennen und die Funktion wichtiger Körperteile zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was verbindet alle Weichtiere?
Eine kriechende Schnecke, eine fest sitzende Muschel und ein schwimmender Kalmar sehen kaum verwandt aus. Ihr gemeinsamer Grundbauplan wird erst sichtbar, wenn du die Körperteile und ihre Funktionen vergleichst.
Weichtiere
Weichtiere, auch Mollusken genannt, sind wirbellose Tiere mit einem weichen, wenig gegliederten Körper. Zu ihren bekanntesten Gruppen gehören Schnecken, Muscheln und Kopffüßer.
Zum Grundbauplan gehören:
- Der Fuß dient ursprünglich der Fortbewegung. Er kann zum Kriechen, Eingraben oder zu Armen umgestaltet sein.
- Der Mantel ist eine Hautfalte, die den Eingeweidesack umgibt. Er kann Kalk für eine Schale absondern und begrenzt den Mantelraum.
- Im Eingeweidesack liegen die inneren Organe.
- Ein Kopf mit Mund und Sinnesorganen ist bei Schnecken und Kopffüßern deutlich erkennbar. Muscheln besitzen keinen ausgeprägten Kopf.
Viele Weichtiere besitzen eine Kalkschale. Sie gehört jedoch nicht bei allen Arten zur sichtbaren Außenseite: Schnecken können ein äußeres Gehäuse tragen, Muscheln besitzen zwei Schalenklappen, und bei Sepien liegt die Schale als Schulp im Körper. Bei Kraken ist die Schale stark zurückgebildet.
Nicht die Schale allein macht ein Tier zum Weichtier. Entscheidend ist der gemeinsame Grundbauplan aus Fuß, Mantel und Eingeweidesack.
Wie leben Schnecken?
Bei einer Weinbergschnecke erkennst du Kopf, Fuß und Gehäuse besonders gut. Am Kopf sitzen zwei Fühlerpaare. Die längeren hinteren Fühler tragen die Augen und reagieren außerdem auf Berührung.
Der muskulöse Fuß ist unten zu einer Kriechsohle abgeflacht. Wellenartige Muskelbewegungen schieben den Körper vorwärts. Dabei bildet die Schnecke Schleim, der das Gleiten erleichtert und den weichen Körper vor Austrocknung schützt.
Radula
Die Radula ist eine bewegliche Raspelzunge mit vielen kleinen Chitinzähnchen. Eine pflanzenfressende Weinbergschnecke schabt damit Nahrung von Oberflächen ab.
Das Gehäuse der Weinbergschnecke wird vom Mantel gebildet. Es schützt vor Feinden und Austrocknung. Zur Überwinterung zieht sich die Schnecke hinein zurück und verschließt die Öffnung mit einer dünnen Kalkplatte.
Die Weinbergschnecke atmet mit einer lungenartig umgestalteten Mantelhöhle. Durch ein Atemloch gelangt Luft hinein. In feinen Blutgefäßen werden Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid ausgetauscht.
Beobachtung: Eine Schnecke kriecht über eine Glasscheibe. Von unten siehst du Wellen in ihrer Kriechsohle und eine Schleimspur.
Erklärung: Die Muskelwellen des Fußes erzeugen die Bewegung. Der Schleim erleichtert das Gleiten und schützt die empfindliche Körperoberfläche. Körperbau und Fortbewegung greifen also direkt ineinander.
Nicht alle Schnecken tragen ein sichtbares Gehäuse. Bei Nacktschnecken ist es zu einer inneren Kalkplatte verkleinert oder fehlt vollständig. Auch die Nahrung unterscheidet sich: Neben pflanzenfressenden Arten gibt es Schnecken, die Pilze, tote Tiere oder andere Schnecken fressen.
Warum sind Muscheln Filtertiere?
Muscheln leben im Wasser. Ihr seitlich abgeflachter Körper liegt zwischen zwei Schalenklappen. Kräftige Schließmuskeln schließen die Klappen bei Gefahr. Ein deutlich abgesetzter Kopf fehlt.
Viele Muscheln sitzen fest oder bewegen sich nur langsam. Mit ihrem muskulösen Fuß können sie sich im Boden verankern und den Körper nachziehen. Andere befestigen sich mit erhärtenden Fäden an Steinen oder Pfählen.
Muscheln nehmen Wasser auf und leiten es an ihren Kiemen vorbei. Dabei filtern sie Plankton, Bakterien und Detritus heraus. Detritus ist tote organische Substanz. Die herausgefilterten Teilchen dienen als Nahrung.
Eine Miesmuschel sitzt mit festen Fäden an einem Pfahl. Ständig strömt Wasser durch ihren Körper.
Dabei erfüllt ihr Körperbau mehrere Aufgaben:
- Die Fäden halten sie am Untergrund fest.
- Die Schalenklappen schützen den weichen Körper.
- Die Kiemen dienen der Atmung und helfen beim Filtern von Nahrungsteilchen.
Durch die Filtration entfernen Muscheln Schwebstoffe aus dem Wasser und können so zur biologischen Selbstreinigung eines Gewässers beitragen.
Gelangt ein kleiner Fremdkörper in eine Muschel, kann sie ihn wiederholt mit Perlmutt überziehen. So kann über längere Zeit eine Perle entstehen.
Eine Muschel raspelt ihre Nahrung nicht mit einer Radula ab. Sie filtert kleine Nahrungsteilchen aus dem Wasser.
Was macht Kopffüßer zu schnellen Räubern?
Kraken, Sepien und Kalmare sind Kopffüßer. Sie leben ausschließlich im Salzwasser. Ihr Name weist auf ihr auffälligstes Merkmal hin: Der Fuß ist zu Armen am Kopf umgestaltet.
Kraken besitzen acht Arme. Sepien und Kalmare haben acht kürzere Arme und zusätzlich zwei längere Fangarme. Saugnäpfe helfen beim Fühlen, Festhalten und Fangen von Beute. Ein harter Schnabel und eine Radula zerkleinern die Nahrung.
Kopffüßer können Wasser aus ihrer Mantelhöhle durch einen Trichter ausstoßen. Der Rückstoß treibt sie in die Gegenrichtung. Sepien und Kalmare nutzen zusätzlich Flossen.
Ein Kalmar entdeckt Beute und stößt Wasser kräftig durch seinen Trichter aus.
Das Wasser bewegt sich nach hinten. Der Körper wird als Gegenwirkung nach vorn beschleunigt. Die Fangarme ergreifen die Beute, während Saugnäpfe sie festhalten.
Viele Kopffüßer können ihre Hautfarbe schnell verändern. Spezialisierte Pigmentzellen, die Chromatophoren, ermöglichen den Farbwechsel. Zusammen mit Veränderungen der Hautoberfläche dient er etwa der Tarnung oder Kommunikation. Bei Gefahr können manche Arten zusätzlich eine dunkle Wolke aus dem Sekret ihres Tintenbeutels abgeben.
Die Schale ist je nach Gruppe unterschiedlich ausgebildet. Bei der Sepia liegt sie als Schulp im Körper. Beim Kraken ist sie stark reduziert. Dadurch kann sich ein Krake stark verformen und durch enge Spalten zwängen.
Wie bestimmst du die drei Gruppen?
Beim Bestimmen suchst du nicht nur nach einem einzelnen Merkmal. Du vergleichst mehrere Merkmale und begründest deine Entscheidung.
| Merkmal | Schnecken | Muscheln | Kopffüßer |
|---|---|---|---|
| Kopf | deutlich erkennbar | kein ausgeprägter Kopf | deutlich erkennbar, mit großen Augen |
| Fuß | meist Kriechsohle | oft Grab- oder Kriechfuß | zu Armen umgestaltet |
| Schale | außen, innen reduziert oder fehlend | zwei äußere Klappen | innen oder stark reduziert |
| Nahrungserwerb | häufig mit Radula raspeln | Nahrung aus Wasser filtern | Beute mit Armen fangen, mit Schnabel und Radula zerkleinern |
| typischer Lebensraum | Meer, Süßwasser oder Land | Meer oder Süßwasser | ausschließlich Meer |
Wirbellos bedeutet nur, dass ein Tier keine Wirbelsäule besitzt. Dieses Merkmal allein zeigt keine enge Verwandtschaft. Auch Insekten und Spinnen sind wirbellos, besitzen aber einen anderen Körperbau als Weichtiere.
Ein einfacher Bestimmungsweg
- Liegt der Körper zwischen zwei Schalenklappen und fehlt ein ausgeprägter Kopf? Dann handelt es sich um eine Muschel.
- Sitzen mehrere saugnapfbesetzte Arme direkt am Kopf? Dann ist das Tier ein Kopffüßer.
- Besitzt es einen erkennbaren Kopf und einen Fuß als Kriechsohle? Dann ist es eine Schnecke.
Unbekanntes Tier: Es lebt im Meer, besitzt einen Kopf, zehn Arme, Saugnäpfe und eine innere Schale.
Bestimmung: Das Tier ist ein Kopffüßer. Die Arme am Kopf sind das entscheidende Merkmal. Zehn Arme und eine innere Schale passen beispielsweise zu einer Sepia. Der Lebensraum Meer unterstützt die Bestimmung, reicht aber allein nicht aus.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Weichtiere
- Grundbauplan: Fuß, Mantel und Eingeweidesack
- Schnecken: Kriechsohle, Schleim und Radula
- Muscheln: zwei Klappen und Filtration
- Kopffüßer: Arme, Beutefang und Wasserrückstoß
- Bestimmung: mehrere Merkmale begründet verbinden
Abschluss-Check
Wenn du ein Weichtier bestimmen willst, frage daher nicht nur: „Hat es eine Schale?“ Untersuche stattdessen Kopf, Fuß, Mantel beziehungsweise Schale, Nahrungserwerb und Lebensraum. Erst die Kombination dieser Merkmale ermöglicht eine begründete Einordnung.
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