Biologie

Zellkern: Aufbau, Funktion und Erbinformation

Zellkern: Aufbau, Funktion und Erbinformation
Zellkern: Aufbau, Funktion und Erbinformation
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Der Zellkern, auch Nukleus, enthält den größten Teil der Erbinformation einer eukaryotischen Zelle. Seine Kernhülle grenzt diese Information vom Cytoplasma ab, während Kernporen einen geregelten Austausch ermöglichen. Im Zellkern werden unter anderem DNA verdoppelt und DNA-Abschnitte in RNA umgeschrieben.

Auf dieser Seite lernst du, wie der Zellkern aufgebaut ist, wie seine Bestandteile zusammenarbeiten und wie ein Transplantationsversuch seine Bedeutung für artspezifische Merkmale zeigt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wo kommt ein Zellkern vor?

Nicht jede Zelle besitzt einen abgegrenzten Zellkern. Er ist ein Kennzeichen der eukaryotischen Zellorganisation, zu der Tier- und Pflanzenzellen gehören.

Definition

Eukaryoten und Prokaryoten

Eukaryoten sind Lebewesen, deren Zellen grundsätzlich nach einem Bauplan mit abgegrenztem Zellkern organisiert sind. Einzelne spezialisierte Zellen können ihren Kern während der Reifung verlieren. Prokaryoten, darunter Bakterien und Archaeen, besitzen keinen abgegrenzten Zellkern.

Der Zellkern wird häufig als „Steuerzentrum“ der Zelle bezeichnet. Das ist ein hilfreiches Bild, aber keine genaue mechanistische Beschreibung: Der Kern handelt nicht selbstständig. In seiner DNA liegen Informationen, deren Nutzung viele Vorgänge in der Zelle beeinflusst.

Die meisten eukaryotischen Zellen besitzen einen Kern. Es gibt jedoch auch mehrkernige Zellen und ausgereifte Zellen, die ihren Kern verloren haben. Solche Ausnahmen ändern nichts an der grundlegenden Bedeutung des Zellkerns.

Merke

Der Zellkern ist kein „Gehirn im Kleinformat“. Er ist ein abgegrenzter Zellbereich, in dem der größte Teil der Erbinformation gespeichert und verarbeitet wird.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage grenzt Eukaryoten und Prokaryoten richtig voneinander ab?
Lösung: Die eukaryotische Zellorganisation besitzt grundsätzlich einen abgegrenzten Zellkern, die prokaryotische nicht. — Entscheidend ist der grundlegende Bauplan: Ein abgegrenzter Zellkern kennzeichnet die eukaryotische Zellorganisation. Einzelne eukaryotische Zelltypen können später kernlos oder mehrkernig sein.
Wie ist der Zellkern aufgebaut?

Der Zellkern ist meist rundlich oder oval. Bei Säugetierzellen liegt sein typischer Durchmesser zwischen 5 und 16 µm. Seine Form und Größe können sich je nach Zelltyp unterscheiden.

Kernhülle und Kernporen

Die Kernhülle besteht aus einer inneren und einer äußeren Membran. Sie trennt das Kerninnere, das Nucleoplasma, vom Cytoplasma. Die äußere Kernmembran geht in das raue endoplasmatische Retikulum über und kann wie dieses Ribosomen tragen.

Die Kernhülle ist keine vollständig geschlossene Barriere. In ihr liegen Kernporen, durch die Stoffe kontrolliert transportiert werden:

  • RNA gelangt aus dem Kern in das Cytoplasma.
  • Viele im Cytoplasma hergestellte Proteine werden in den Kern importiert.
  • Kleine Moleküle können die Poren passieren; große Moleküle werden geregelt und energieabhängig transportiert.

Kernlamina

An der Innenseite der Kernhülle liegt die Kernlamina. Dieses Gerüst aus Proteinen stabilisiert den Kern und steht mit dem Chromatin in Verbindung.

Beispiel

Eine im Zellkern hergestellte mRNA enthält die Abschrift eines DNA-Abschnitts. Sie verlässt den Kern durch eine Kernpore. Im Cytoplasma können Ribosomen die Information der mRNA für die Herstellung eines Proteins nutzen.

Die Kernpore verbindet damit zwei getrennte Arbeitsbereiche, ohne die Abgrenzung des Erbguts aufzuheben.

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Frage 1 von 1MittelEine große Proteinart wird im Cytoplasma hergestellt, aber im Zellkern benötigt. Welcher Weg passt zum Aufbau der Zelle?
Lösung: Das Protein wird gezielt durch einen Kernporenkomplex in den Zellkern transportiert. — Kernporen ermöglichen einen selektiven Austausch. Viele Kernproteine entstehen im Cytoplasma und werden anschließend in den Zellkern importiert.
Was befindet sich im Kerninneren?

Im Zellkern liegen unter anderem Chromatin, Nucleoplasma und ein oder mehrere Nucleoli.

Chromatin verpackt die DNA

Definition

Chromatin

Chromatin besteht aus DNA und zugehörigen Proteinen, besonders Histonen. Die DNA ist um diese Proteine gewickelt und dadurch geordnet und verpackt.

Während der Interphase, also der Zeit zwischen Kernteilungen, liegt ein großer Teil des Chromatins locker vor. Zu Beginn einer Kernteilung verdichtet es sich zu kompakten Chromosomen. Diese Transportform erleichtert die geordnete Verteilung der DNA.

Man unterscheidet im Interphasekern:

  • Euchromatin: vergleichsweise locker und für Transkription zugänglich;
  • Heterochromatin: dichter gepackt.

Der Nucleolus bildet Ribosomenbestandteile

Definition

Nucleolus

Der Nucleolus, auch Kernkörperchen, ist ein dichter Bereich im Zellkern. Dort wird eine Vorstufe ribosomaler RNA hergestellt, und es entstehen Ribosomenuntereinheiten.

Die Ribosomenuntereinheiten gelangen anschließend durch Kernporen ins Cytoplasma. Dort sind Ribosomen an der Proteinsynthese beteiligt. Der Nucleolus ist deshalb nicht selbst der Ort der Translation.

Merke

Chromatin verpackt die Erbinformation. Der Nucleolus ist vor allem an der Bildung von Ribosomenuntereinheiten beteiligt.

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Frage 1 von 1MittelWas geschieht mit dem Chromatin zu Beginn einer Kernteilung?
Lösung: Es verdichtet sich zu kompakten Chromosomen. — Die kompakte Chromosomenform erleichtert den Transport und die geordnete Verteilung der DNA auf die entstehenden Tochterkerne.
Welche Vorgänge laufen mit der DNA ab?

Zwei wichtige Vorgänge im Zellkern sind Replikation und Transkription. Sie verwenden DNA, erfüllen aber verschiedene Aufgaben.

Replikation verdoppelt die DNA

Bei der DNA-Replikation wird das Erbgut vor einer Zellteilung verdoppelt:

  1. Die beiden Stränge der DNA werden voneinander getrennt.
  2. Enzyme ergänzen an jedem Ausgangsstrang einen passenden neuen Strang.
  3. Es entstehen zwei DNA-Doppelstränge.

Dadurch kann bei der anschließenden Zellteilung jede Tochterzelle eine Kopie des Erbguts erhalten.

Transkription erzeugt eine RNA-Abschrift

Bei der Transkription wird ein bestimmter DNA-Abschnitt in RNA umgeschrieben. Eine dabei entstehende mRNA kann den Zellkern verlassen. An Ribosomen im Cytoplasma folgt die Translation: Die Information der mRNA wird dort zur Herstellung eines Proteins genutzt.

VorgangWas geschieht?Bedeutung
ReplikationDie DNA wird vollständig verdoppelt.Vorbereitung auf die Zellteilung
TranskriptionEin ausgewählter DNA-Abschnitt wird in RNA umgeschrieben.Bereitstellung einer RNA-Abschrift
TranslationDie Information einer mRNA wird an Ribosomen genutzt.Herstellung eines Proteins
Gut zu wissen

Die Replikation ist nicht der regelmäßige erste Schritt jeder Proteinherstellung. Für die Proteinbiosynthese ist die Abfolge Transkription im Zellkern → Export der mRNA → Translation im Cytoplasma entscheidend. Die Replikation dient dagegen der Verdopplung des Erbguts vor einer Zellteilung.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der wird die gesamte DNA verdoppelt. Eine RNA-Abschrift eines ausgewählten DNA-Abschnitts entsteht bei der . Die Herstellung eines Proteins an Ribosomen heißt .

Lösungen: Lücke 1: Replikation; Lücke 2: Transkription; Lücke 3: Translation. Achte auf das jeweilige Ergebnis: Replikation erzeugt DNA-Kopien, Transkription eine RNA-Abschrift und Translation ein Protein.
Was zeigt der Acetabularia-Versuch?

Die einzellige Schirmalge Acetabularia kann bis zu 10 cm groß werden. Sie besteht aus Schirm, Stiel und einem wurzelähnlichen Haftorgan, dem Rhizoid. Der Zellkern liegt im Rhizoid.

Zwei Arten der Alge unterscheiden sich in ihrer typischen Hutform. In einem Transplantationsversuch wurde ein kernloser Stiel der einen Art auf das kernhaltige Rhizoid der anderen Art gesetzt.

Beispiel

Ein kernloser Stiel von Acetabularia mediterranea wird mit einem kernhaltigen Rhizoid von Acetabularia wettsteinii verbunden.

Die Alge bildet später den kleineren, für A. wettsteinii charakteristischen Hut. Beim umgekehrten Versuch richtet sich die Hutform entsprechend nach der Art, von der das kernhaltige Rhizoid stammt.

Schlussfolgerung: Unter diesen Versuchsbedingungen bestimmt der Zellkern die artspezifische Hutform. Das Ergebnis stützt die Aussage, dass die Information für dieses Merkmal im Zellkern liegt.

Wichtig ist die genaue Formulierung: Der Versuch zeigt nicht, dass allein der Zellkern ohne Cytoplasma eine vollständige Alge bilden könnte. Er zeigt den Einfluss des Kerns auf die untersuchte artspezifische Form.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin kernloser Stiel von Art A wird auf das kernhaltige Rhizoid von Art B gepfropft. Die neue Hutform entspricht Art B. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?
Lösung: Der Zellkern von Art B enthält Information, die für die artspezifische Hutform entscheidend ist. — Die beobachtete Hutform folgt der Herkunft des Zellkerns. Die Schlussfolgerung muss auf dieses untersuchte Merkmal und die beschriebenen Versuchsbedingungen begrenzt bleiben.
Frage 2 von 2SchwerWarum ist auch der umgekehrte Versuch mit vertauschten Arten wichtig?
Lösung: Er prüft, ob die Hutform in beiden Richtungen zur Herkunft des Zellkerns passt. — Ein Versuch in beiden Richtungen stärkt die Deutung: Nicht eine besondere Kombination, sondern die Herkunft des jeweiligen Zellkerns stimmt mit der späteren Hutform überein.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zellkern
    • Vorkommen: eukaryotische Zellorganisation
    • Abgrenzung: doppelte Kernhülle
    • Austausch: Kernporen
    • Stabilität: Kernlamina
    • Erbinformation: DNA im Chromatin
    • Ribosomenbildung: Nucleolus
    • DNA-Verdopplung: Replikation
    • RNA-Abschrift: Transkription
    • experimenteller Hinweis: Acetabularia-Versuch
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Kombination ist richtig?
Lösung: Kernhülle – Abgrenzung; Kernporen – geregelter Stoffaustausch — Die Kernhülle schafft einen abgegrenzten Reaktionsraum. Kernporen verbinden ihn durch kontrollierten Transport mit dem Cytoplasma.
Frage 2 von 4MittelIn einer Zelle entsteht eine mRNA, die später an einem Ribosom genutzt wird. Welche Reihenfolge passt?
Lösung: Transkription im Zellkern, Export durch eine Kernpore, Translation im Cytoplasma — Eine RNA-Abschrift entsteht durch Transkription im Zellkern. Nach ihrem Export kann ihre Information bei der Translation an Ribosomen genutzt werden.
Frage 3 von 4SchwerEine Substanz blockiert gezielt den Transport großer Moleküle durch Kernporen. Welche direkte Folge ist am besten begründet?
Lösung: Der geregelte Austausch großer Proteine und RNA-Moleküle zwischen Kern und Cytoplasma wird gestört. — Kernporen sind die kontrollierten Transportwege durch die Kernhülle. Werden sie blockiert, können wichtige Import- und Exportvorgänge nicht normal ablaufen.
Frage 4 von 4SchwerWelche Auswertung des Acetabularia-Versuchs ist wissenschaftlich am vorsichtigsten formuliert?
Lösung: Der Versuch stützt die Aussage, dass der Zellkern die Information für die untersuchte artspezifische Hutform enthält. — Eine gute Auswertung bleibt bei der tatsächlich beobachteten Größe: Die Herkunft des Zellkerns stimmt mit der späteren artspezifischen Hutform überein.

Wenn du Aufbau, Stofftransport, Informationsverarbeitung und Versuchsauswertung miteinander verbinden kannst, hast du die zentrale Rolle des Zellkerns verstanden.

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