Chemie

Destillation einfach erklärt: Prinzip und Grenzen

Destillation einfach erklärt: Prinzip und Grenzen
Destillation einfach erklärt: Prinzip und Grenzen
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Bei der Destillation wird ein Gemisch erhitzt. Leichter flüchtige Bestandteile reichern sich im Dampf an, werden anschließend gekühlt und wieder verflüssigt. So nutzt das Verfahren unterschiedliche Siedetemperaturen zur Stofftrennung.

Auf dieser Seite lernst du den vollständigen Ablauf, die Laborapparatur sowie den Unterschied zwischen einfacher und fraktionierter Destillation kennen. Außerdem erfährst du, warum dabei nicht immer reine Stoffe entstehen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Gemisch zum Destillat

Stell dir Salzwasser vor: Das Salz ist im Wasser gelöst und lässt sich deshalb nicht mit einem Filter abtrennen. Wasser kann jedoch verdampfen, während das gelöste Salz größtenteils im Ausgangsgefäß zurückbleibt. Wird der Wasserdampf gekühlt, entsteht wieder flüssiges, deutlich mineralärmeres Wasser.

Definition

Destillation

Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren. Ein Gemisch wird erhitzt, Dampf wird abgeleitet und durch Abkühlen wieder verflüssigt. Die aufgefangene Flüssigkeit heißt Destillat.

Der Übergang von einer Flüssigkeit zum Gas heißt Verdampfen. Der umgekehrte Übergang vom Gas zur Flüssigkeit heißt Kondensieren.

Der Siedepunkt ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit unter einem bestimmten Außendruck siedet. Er ist eine Stoffeigenschaft, hängt aber auch vom Druck ab. Tabellenwerte beziehen sich meist auf Normaldruck von ungefähr 1013 mbar.

Merke

Destillation folgt der Kette: erhitzen → verdampfen → kühlen → kondensieren → auffangen.

Beispiel

Salzwasser destillieren:

  1. Das Salzwasser wird erhitzt.
  2. Wasser geht in die Gasphase über. Das schwer mitverdampfende Salz bleibt überwiegend zurück.
  3. Der Wasserdampf gelangt in einen kühleren Bereich.
  4. Dort kondensiert er zu flüssigem Wasser.
  5. Das aufgefangene Destillat enthält deutlich weniger gelöste Mineralstoffe als das Ausgangswasser.

Die Trennung funktioniert, weil Wasser flüchtig ist und das gelöste Salz unter diesen Bedingungen kaum mitverdampft.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Vorgang liefert bei einer Destillation das flüssige Destillat?
Lösung: Der Dampf wird gekühlt und kondensiert. — Das Destillat entsteht, wenn der abgeleitete Dampf abkühlt und wieder flüssig wird.
So arbeitet die Laborapparatur

Wie gelangt der Dampf sicher vom erhitzten Gemisch in ein Auffanggefäß? Dafür verbindet eine Destillationsapparatur mehrere Bauteile zu einem geschlossenen Dampfweg mit offenem Druckausgleich.

BauteilAufgabe
Destillierkolbenenthält das Ausgangsgemisch
Heizplatte oder Heizbadführt Wärme zu
Thermometermisst die Temperatur des aufsteigenden Dampfes
Liebig-Kühlerkühlt den Dampf, sodass er kondensiert
Vorstoßleitet das Kondensat weiter
Destilliervorlagefängt das Destillat auf

Im Liebig-Kühler fließt Kühlwasser um das innere Dampfrohr. Wasser und Dampf bleiben räumlich getrennt. Der Kühlwasserzufluss liegt an der tiefsten Stelle des Kühlers, damit der Kühlmantel zuverlässig gefüllt wird.

Beispiel

Steigt im Kolben Dampf auf, zeigt das Thermometer die Temperatur dieser Dampfphase an. Im Kühler gibt der Dampf Wärme ab und kondensiert. Anschließend läuft die Flüssigkeit durch den Vorstoß in die Vorlage.

Das Thermometer misst also nicht einfach irgendeine Stelle des Heizbads. Entscheidend ist die Temperatur des Dampfes auf seinem Weg zum Kühler.

Gut zu wissen

Destillationen gehören in eine fachgerecht beaufsichtigte Laborumgebung. Besonders Vakuumapparaturen können bei ungeeigneten oder beschädigten Gefäßen implodieren. Dafür sind geeignete kleine Rundkolben und eine Schutzbrille notwendig.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Erhitzen gelangt ein flüchtiger Bestandteil durch das in die Gasphase. Im Kühler folgt das . Die aufgefangene Flüssigkeit heißt .

Lösungen: Lücke 1: Verdampfen; Lücke 2: Kondensieren; Lücke 3: Destillat. Verfolge den Stoffweg: Flüssigkeit wird zu Dampf, Dampf wird wieder zu Flüssigkeit, und diese Flüssigkeit wird aufgefangen.
Einfache und fraktionierte Destillation unterscheiden

Ein Gemisch enthält manchmal nur einen flüchtigen Bestandteil und einen schwer flüchtigen Rückstand. Dann kann eine einfache Destillation genügen. Enthält es mehrere flüchtige Bestandteile mit verschiedenen Siedebereichen, müssen mehrere Anteile getrennt aufgefangen werden.

Definition

Fraktion

Eine Fraktion ist ein während eines bestimmten Temperatur- oder Siedebereichs aufgefangener Anteil des Gemisches. Eine Fraktion muss kein Reinstoff sein.

Bei der fraktionierten Destillation werden mehrere Fraktionen nacheinander oder auf verschiedenen Ebenen einer Kolonne gewonnen.

Mehrere Vorlagen im Labor

Eine Destillationsspinne trägt mehrere Auffangkolben. Ändert sich die Temperatur des Dampfes, wird eine andere Vorlage unter den Auslauf gedreht. So bleiben nacheinander aufgefangene Fraktionen getrennt.

Wiederholte Trennung in einer Kolonne

In einer Destillationskolonne kondensiert ein Teil des Dampfes und verdampft erneut. Durch diese wiederholten Vorgänge reichern sich leichter flüchtige Bestandteile stärker in der Dampfphase an. Dieses verbesserte Trennverfahren heißt Rektifikation.

Beispiel

Ethanol siedet bei Normaldruck ungefähr bei 78 °C, Wasser bei ungefähr 100 °C. Beim Erhitzen eines Ethanol-Wasser-Gemisches ist der Dampf zunächst ethanolreicher als die Ausgangsflüssigkeit.

Trotzdem verdampft auch Wasser mit. Das kondensierte Destillat enthält deshalb mehr Ethanol als das Ausgangsgemisch, ist aber kein reines Ethanol. Eine Kolonne mit wiederholtem Kondensieren und Verdampfen verbessert die Anreicherung.

Merke

Der Bestandteil mit dem niedrigeren Siedepunkt geht nicht allein in den Dampf über. Bei Flüssigkeitsgemischen entsteht häufig nur eine Anreicherung, keine vollständige Trennung.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum trennt eine Kolonne nahe beieinander siedende Flüssigkeiten besser als ein einziger Destillationsschritt?
Lösung: In der Kolonne finden wiederholt Kondensation und erneutes Verdampfen statt. — Wiederholtes Kondensieren und Verdampfen reichert die leichter flüchtigen Bestandteile schrittweise in der Dampfphase an.
Druck, Anwendungen und Grenzen beurteilen

Die Siedetemperatur ist nicht unveränderlich. Sie hängt vom Außendruck ab: Bei geringerem Druck siedet eine Flüssigkeit schon bei niedrigerer Temperatur.

Definition

Vakuumdestillation

Bei der Vakuumdestillation senkt eine Pumpe den Druck in der Apparatur. Dadurch sinken die Siedetemperaturen. Das eignet sich für hochsiedende oder bei starker Erwärmung leicht zersetzliche Stoffe.

Erdöl in Fraktionen trennen

Erdöl ist ein Gemisch aus vielen Kohlenwasserstoffen. In einer industriellen Kolonne ist es unten heißer und nach oben hin kühler. Höher siedende Bestandteile kondensieren weiter unten. Niedriger siedende Bestandteile bleiben länger gasförmig, steigen weiter auf und kondensieren erst in kühleren Bereichen.

Die gewonnenen Erdölfraktionen umfassen Stoffe mit ähnlichen Siedebereichen. Sie sind daher meist Stoffgemische und keine Reinstoffe.

Gut zu wissen

Destillation und Cracken sind nicht dasselbe: Destillation trennt vorhandene Stoffe, ohne sie gezielt chemisch umzuwandeln. Beim Cracken werden langkettige Kohlenwasserstoffe chemisch in kürzere Moleküle gespalten.

Stoffe mit Wasserdampf gewinnen

Bei der Wasserdampfdestillation reißt Wasserdampf geeignete höher siedende oder wasserunlösliche Stoffe mit. Nach dem Kondensieren lassen sich so beispielsweise etherische Öle aus Pflanzen gewinnen.

Wenn einfache Destillation nicht genügt

Ein Azeotrop ist ein Gemisch aus mindestens zwei Komponenten, das bei einer bestimmten Zusammensetzung mit konstantem Siedepunkt siedet. Es verhält sich dabei ähnlich wie ein Reinstoff und lässt sich durch einfache Destillation nicht weiter auftrennen.

Auch ohne Azeotrop entstehen nicht automatisch reine Fraktionen. Entscheidend sind unter anderem der Abstand der Siedetemperaturen, die Zusammensetzung des Gemisches, der Druck und der Aufbau der Apparatur.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Wirkung hat ein geringerer Druck bei der Vakuumdestillation?
Lösung: Die Siedetemperaturen sinken. — Geringerer Außendruck führt zu niedrigeren Siedetemperaturen und kann eine schonendere Trennung ermöglichen.
Frage 2 von 2SchwerEin unbekanntes Flüssigkeitsgemisch liefert trotz wiederholter einfacher Destillation ab einer bestimmten Zusammensetzung keine weitere Trennung. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Das Gemisch könnte ein Azeotrop bilden. — Ein Azeotrop siedet bei einer bestimmten Zusammensetzung konstant und begrenzt deshalb die einfache Destillation.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Destillation
    • Grundvorgänge
      • Erhitzen und Verdampfen
      • Kühlen und Kondensieren
    • Apparatur
      • Kolben und Heizung
      • Thermometer und Kühler
      • Vorlage für das Destillat
    • Trennleistung
      • einfache Destillation
      • Fraktionen und Kolonne
      • Rektifikation zur besseren Anreicherung
    • Bedingungen und Grenzen
      • Siedetemperatur hängt vom Druck ab
      • Fraktionen können Gemische bleiben
      • Azeotrope begrenzen die einfache Trennung
    • Anwendungen
      • mineralarmes destilliertes Wasser
      • Erdölfraktionen
      • etherische Öle
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist das Destillat?
Lösung: Die nach dem Kondensieren aufgefangene Flüssigkeit — Das Destillat ist der Dampf, der abgeleitet, kondensiert und anschließend als Flüssigkeit aufgefangen wurde.
Frage 2 von 3MittelEin Gemisch enthält eine flüchtige Flüssigkeit und ein darin gelöstes, schwer flüchtiges Salz. Warum ist Destillation geeigneter als Filtration?
Lösung: Die Flüssigkeit kann verdampfen und kondensieren, während das Salz überwiegend zurückbleibt. — Bei einer Lösung greift Filtration meist nicht. Destillation trennt aufgrund des unterschiedlichen Verhaltens beim Verdampfen.
Frage 3 von 3SchwerIn einer Erdölkolonne wird oben eine niedrig siedende und unten eine höher siedende Fraktion entnommen. Welche Begründung ist richtig?
Lösung: Niedrig siedende Bestandteile bleiben länger gasförmig und steigen bis in kühlere Zonen auf. — Die Kolonne trennt vorhandene Bestandteile nach ihren Siedebereichen. Eine chemische Umwandlung wäre ein anderes Verfahren, etwa Cracken.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du den Stoffweg vom Ausgangsgemisch bis zum Destillat erklären, die Apparatur in der richtigen Reihenfolge beschreiben und begründen, warum eine Fraktion nicht automatisch ein Reinstoff ist? Dann hast du die Kernidee der Destillation verstanden.

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