Stell dir vor, du bist auf einer einsamen Insel und hast nur Meerwasser. Trinken kannst du es nicht — zu salzig. Aber mit einem Topf, einem Deckel und Feuer könntest du daraus Trinkwasser gewinnen. Genau dieses Prinzip heißt Destillation. Nach dieser Seite weißt du, wie eine Destillation funktioniert, wie die Apparatur aufgebaut ist und warum ohne Destillation weder Benzin noch Parfüm in den Läden stehen würden.
Was ist eine Destillation?
Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren: Ein flüssiges Stoffgemisch wird durch Erhitzen (also mit Wärme, daher „thermisch") in seine Bestandteile getrennt. Das Wort kommt vom lateinischen destillare — „herabtröpfeln".
Ein Stoffgemisch besteht aus mindestens zwei Reinstoffen. Die Destillation eignet sich besonders für homogene Gemische — Gemische, die so gleichmäßig vermischt sind, dass du die Bestandteile nicht mehr erkennen kannst. Beispiele sind Salzwasser (Salz gelöst in Wasser) oder ein Gemisch aus Alkohol und Wasser. Filtern hilft hier nicht: Ein gelöster Stoff bleibt in keinem Filter hängen.
Die Destillation nutzt aus, dass Stoffe unterschiedliche Siedepunkte haben. Der Siedepunkt ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit siedet, also in den gasförmigen Zustand übergeht. Wasser siedet bei \(100\,^\circ\text{C}\), Ethanol (Trinkalkohol) schon bei \(78\,^\circ\text{C}\), Kochsalz dagegen erst bei etwa \(1465\,^\circ\text{C}\).
Merke: Destillation trennt flüssige Gemische durch Verdampfen und anschließendes Kondensieren — sie funktioniert, weil die Bestandteile unterschiedliche Siedepunkte haben.
Wie funktioniert das Prinzip?
Eine Destillation besteht aus zwei Schritten, die direkt hintereinander ablaufen:
- Verdampfen: Das Gemisch wird erhitzt. Der Stoff mit dem niedrigeren Siedepunkt verdampft zuerst und steigt als Dampf auf. Der Stoff mit dem höheren Siedepunkt bleibt (größtenteils) zurück.
- Kondensieren: Der Dampf wird an einer kalten Fläche abgekühlt. Dabei wird er wieder flüssig — das nennt man Kondensation. Die aufgefangene Flüssigkeit heißt Destillat.
Was im Kolben zurückbleibt, nennt man Rückstand (in der Fachsprache auch „Sumpf").
Beispiel: Du destillierst Salzwasser.
- Schritt 1: Du erhitzt das Salzwasser. Bei \(100\,^\circ\text{C}\) siedet das Wasser und steigt als Wasserdampf auf. Das Salz kann bei dieser Temperatur nicht verdampfen — sein Siedepunkt liegt weit über \(1000\,^\circ\text{C}\).
- Schritt 2: Der Wasserdampf wird im Kühler abgekühlt und kondensiert zu flüssigem Wasser.
- Ergebnis: Das Destillat ist reines Wasser (destilliertes Wasser), der Rückstand im Kolben ist das Salz.
So gewinnen Meerwasserentsalzungsanlagen in trockenen Ländern tatsächlich Trinkwasser — nur in riesigem Maßstab.
Die Destillationsapparatur
Im Chemielabor benutzt man für eine Destillation eine feste Zusammenstellung von Glasgeräten. Die wichtigsten Teile:
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Destillierkolben | Rundkolben, in dem das Gemisch erhitzt wird |
| Siedesteinchen | kleine poröse Steinchen im Kolben; sie sorgen für gleichmäßiges Sieden und verhindern den gefährlichen Siedeverzug (plötzliches, stoßartiges Aufkochen) |
| Thermometer | misst die Temperatur des Dampfes am Kolbenausgang |
| Liebigkühler | schräg abfallendes Glasrohr mit Kühlmantel, in dem der Dampf kondensiert |
| Vorlage | Gefäß (z. B. Erlenmeyerkolben), das das Destillat auffängt |
Der Liebigkühler ist das Herzstück: ein Rohr im Rohr. Innen strömt der heiße Dampf entlang, außen fließt kaltes Wasser durch den Kühlmantel. Das Kühlwasser wird dabei im Gegenstromprinzip geführt: Es fließt unten (am Ende des Kühlers) hinein und oben wieder heraus — also dem Dampf entgegen. So trifft der Dampf am Ende seines Weges auf das kälteste Wasser, und der Kühler kühlt besonders wirksam.
Tipp: Das Thermometer sitzt nicht in der Flüssigkeit, sondern oben am Abzweig zum Kühler. Es soll nämlich die Temperatur des Dampfes anzeigen, der gerade in den Kühler übergeht — daran erkennst du, welcher Stoff gerade destilliert.
Merke: Der Weg des Stoffes: Kolben (verdampfen) → Kühler (kondensieren) → Vorlage (auffangen). Das Thermometer misst die Dampftemperatur, nicht die Temperatur der Flüssigkeit.
Zwei Flüssigkeiten trennen: Alkohol und Wasser
Auch zwei ineinander gelöste Flüssigkeiten lassen sich destillieren — wenn ihre Siedepunkte verschieden sind.
Beispiel: Ein Gemisch aus Ethanol (\(78\,^\circ\text{C}\) Siedepunkt) und Wasser (\(100\,^\circ\text{C}\) Siedepunkt) wird erhitzt.
- Ab etwa \(78\,^\circ\text{C}\) beginnt das Gemisch zu sieden. Der Dampf enthält vor allem Ethanol, weil Ethanol leichter verdampft.
- Das Thermometer zeigt zunächst eine Temperatur nahe \(78\,^\circ\text{C}\). Solange sie dort bleibt, geht hauptsächlich Ethanol über.
- Steigt die Temperatur deutlich an, ist das meiste Ethanol verdampft — jetzt käme zunehmend Wasser mit über, und man beendet die Destillation oder wechselt das Auffanggefäß.
Genau so funktioniert das Brennen von Spirituosen: Aus vergorenem Obst oder Getreide (wenige Prozent Alkohol) wird durch Destillation ein hochprozentiges Destillat gewonnen.
Wichtig: Bei zwei Flüssigkeiten ist die Trennung nicht perfekt. Der Dampf enthält immer auch etwas von der höher siedenden Komponente. Ethanol und Wasser lassen sich durch Destillation außerdem höchstens bis auf etwa \(96\,\%\) Ethanol trennen — ab da verdampfen beide im festen Verhältnis gemeinsam (ein solches Gemisch heißt Azeotrop). Für die Schule reicht: Je weiter die Siedepunkte auseinanderliegen, desto besser gelingt die Trennung.
Fraktionierte Destillation: Erdöl
Besteht ein Gemisch aus vielen Bestandteilen, fängt man das Destillat nacheinander in mehreren Portionen auf — den Fraktionen. Das nennt man fraktionierte Destillation. Immer wenn die Temperatur am Thermometer sprunghaft ansteigt, geht die nächste Fraktion über, und man wechselt das Auffanggefäß.
Das wichtigste Beispiel ist die Erdölraffinerie. Erdöl ist ein Gemisch aus Hunderten Kohlenwasserstoffen. In einem hohen Turm, der Destillationskolonne (auch Rektifikationskolonne), wird es getrennt: Unten ist es am heißesten, nach oben wird es kühler. Jede Fraktion kondensiert auf der Höhe, deren Temperatur zu ihrem Siedebereich passt.
| Fraktion | Siedebereich (ungefähr) | Verwendung |
|---|---|---|
| Gase | unter \(40\,^\circ\text{C}\) | Heiz- und Brenngas |
| Benzin | \(40\)–\(180\,^\circ\text{C}\) | Kraftstoff für Autos |
| Kerosin | \(180\)–\(250\,^\circ\text{C}\) | Treibstoff für Flugzeuge |
| Diesel und Heizöl | \(250\)–\(350\,^\circ\text{C}\) | Kraftstoff, Heizung |
| Rückstand | über \(350\,^\circ\text{C}\) | Bitumen für Straßenbeläge, Schmierstoffe |
Merke: Fraktionierte Destillation = ein Gemisch aus vielen Stoffen wird nach Siedebereichen in mehrere Fraktionen zerlegt. Je niedriger der Siedebereich, desto weiter oben verlässt die Fraktion die Kolonne.
Wo Destillation überall steckt
- Destilliertes Wasser für Labore, Bügeleisen und Autobatterien wird durch Destillation von Leitungswasser gewonnen — Kalk und Salze bleiben zurück.
- Trinkwasser aus Meerwasser in Entsalzungsanlagen.
- Spirituosen entstehen durch das Brennen vergorener Maische.
- Benzin, Diesel, Kerosin stammen aus der fraktionierten Destillation von Erdöl.
- Ätherische Öle für Parfüm werden häufig mit Wasserdampf aus Pflanzen destilliert (Wasserdampfdestillation) — so schonend, dass die empfindlichen Duftstoffe nicht kaputtgehen.
- Für hitzeempfindliche Stoffe gibt es die Vakuumdestillation: Bei vermindertem Druck sieden Flüssigkeiten schon bei niedrigeren Temperaturen, sodass sich nichts zersetzt.
Zusammenfassung
- Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren für homogene flüssige Gemische (z. B. Salzwasser, Alkohol-Wasser).
- Sie beruht auf unterschiedlichen Siedepunkten: Der Stoff mit dem niedrigeren Siedepunkt verdampft zuerst.
- Ablauf: Verdampfen im Kolben → Kondensieren im Liebigkühler → Auffangen des Destillats in der Vorlage; der Rückstand bleibt im Kolben.
- Siedesteinchen verhindern Siedeverzug; das Thermometer misst die Dampftemperatur; das Kühlwasser fließt im Gegenstromprinzip.
- Die fraktionierte Destillation trennt Vielstoffgemische wie Erdöl in Fraktionen (Gase, Benzin, Kerosin, Diesel, Rückstand).
- Anwendungen: destilliertes Wasser, Meerwasserentsalzung, Spirituosen, Erdölraffinerie, ätherische Öle.
Interaktiv üben
- Ich kann erklären, was eine Destillation ist und auf welchem Prinzip sie beruht.
- Ich kann die Teile einer Destillationsapparatur benennen und ihre Aufgabe beschreiben.
- Ich kann den Ablauf einer Destillation am Beispiel Salzwasser Schritt für Schritt beschreiben.
- Ich kann erklären, warum sich Ethanol und Wasser destillieren lassen — und wo die Grenzen liegen.
- Ich kann die fraktionierte Destillation von Erdöl und ihre Fraktionen erklären.
Das Prinzip der Destillation
Salzwasser trinken? Keine gute Idee. Aber mit Wärme, einem Kühler und etwas Geduld machst du daraus reines Trinkwasser. Hier wiederholst du kurz das Prinzip aus der Erklärung — und prüfst dann, ob es sitzt.
Destillation
Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren: Ein flüssiges, homogenes Gemisch wird erhitzt, der Stoff mit dem niedrigeren Siedepunkt verdampft zuerst, der Dampf wird abgekühlt (Kondensation) und als Destillat aufgefangen. Was im Kolben bleibt, heißt Rückstand.
Du destillierst Salzwasser:
- Erhitzen — bei 100 °C siedet das Wasser und steigt als Dampf auf. Das Salz (Siedepunkt weit über 1000 °C) bleibt zurück.
- Kondensieren — der Wasserdampf wird im Kühler abgekühlt und wieder flüssig.
- Ergebnis: Destillat = reines Wasser, Rückstand = Salz.
Destillation = Verdampfen + Kondensieren. Sie funktioniert nur, weil die Bestandteile unterschiedliche Siedepunkte haben.
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Die Destillationsapparatur
Im Labor läuft die Destillation in einer festen Zusammenstellung von Glasgeräten ab. Jedes Teil hat genau eine Aufgabe — wenn du den Weg des Stoffes verfolgst, kannst du dir alles herleiten: erhitzen, abkühlen, auffangen.
Bauteile der Apparatur
Destillierkolben: hier wird das Gemisch erhitzt · Siedesteinchen: verhindern den Siedeverzug (stoßartiges Aufkochen) · Thermometer: misst die Temperatur des Dampfes · Liebigkühler: Rohr mit Kühlmantel, hier kondensiert der Dampf · Vorlage: Gefäß, das das Destillat auffängt.
Der Weg des Stoffes: Kolben (verdampfen) → Liebigkühler (kondensieren) → Vorlage (auffangen). Das Kühlwasser fließt im Gegenstromprinzip: unten hinein, oben hinaus — dem Dampf entgegen.
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Zwei Flüssigkeiten trennen: Ethanol und Wasser
Nicht nur gelöste Feststoffe, auch zwei ineinander gelöste Flüssigkeiten lassen sich trennen — wenn ihre Siedepunkte verschieden sind. Ethanol siedet bei 78 °C, Wasser bei 100 °C. Genau darauf beruht das Brennen von Spirituosen.
Ein Ethanol-Wasser-Gemisch wird erhitzt:
- Ab etwa 78 °C siedet das Gemisch. Der Dampf enthält vor allem Ethanol, weil es leichter verdampft.
- Das Thermometer zeigt eine Temperatur nahe 78 °C — solange sie dort bleibt, geht hauptsächlich Ethanol über.
- Steigt die Temperatur deutlich an, ist das meiste Ethanol verdampft: Jetzt käme zunehmend Wasser mit über, und man beendet die Destillation.
Perfekt wird die Trennung nie: Der Dampf enthält immer auch etwas Wasser. Ab etwa 96 % Ethanol verdampfen beide Stoffe sogar im festen Verhältnis gemeinsam — ein solches Gemisch heißt Azeotrop, und dann geht destillativ nichts mehr. Faustregel: Je weiter die Siedepunkte auseinanderliegen, desto besser die Trennung.
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Fraktionierte Destillation: Erdöl
Erdöl ist ein Gemisch aus Hunderten Stoffen. Hier reicht ein Auffanggefäß nicht: Man fängt das Destillat portionsweise auf — in Fraktionen. In der Raffinerie passiert das in einem hohen Turm, der Destillationskolonne: unten heiß, oben kühler.
Fraktionierte Destillation
Bei der fraktionierten Destillation wird ein Gemisch aus vielen Bestandteilen nach Siedebereichen in mehrere Portionen (Fraktionen) zerlegt. In der Destillationskolonne kondensiert jede Fraktion auf der Höhe, deren Temperatur zu ihrem Siedebereich passt — je niedriger der Siedebereich, desto weiter oben.
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Erdölfraktionen von oben nach unten in der Kolonne: Gase → Benzin → Kerosin → Diesel/Heizöl → Rückstand (Bitumen). Je niedriger der Siedebereich, desto höher steigt die Fraktion.
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Alles auf einen Blick
Zeit zum Sortieren: Die Mindmap zeigt dir das ganze Thema auf einen Blick, die Lernkarten helfen dir beim Einprägen der Kernbegriffe.
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Abschluss-Check
Jetzt kombinierst du alles: neue Situationen, gleiche Konzepte. Nimm dir Zeit — hier zeigt sich, ob du Destillation wirklich verstanden hast.
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