Chemie

Erdöl: Entstehung, Destillation und Cracken

Erdöl: Entstehung, Destillation und Cracken
Erdöl: Entstehung, Destillation und Cracken
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Erdöl ist kein einzelner Stoff, sondern ein komplexes Gemisch. In einer Raffinerie werden Stoffgruppen zunächst nach ihren Siedebereichen getrennt. Anschließend können lange Kohlenwasserstoffmoleküle beim Cracken in kürzere umgewandelt werden. So entstehen Treibstoffe, Brennstoffe und Ausgangsstoffe für chemische Produkte.

Deine Lernziele

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Was Erdöl zu einem Stoffgemisch macht

Rohöl ist unbehandeltes, gefördertes Erdöl. Es besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen. Das sind Stoffe, deren Moleküle nur Kohlenstoff- und Wasserstoffatome enthalten. Die Moleküle unterscheiden sich unter anderem in Kettenlänge und Aufbau. Außerdem enthält Rohöl kleinere Anteile an Schwefel-, Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen, Wasser, Verunreinigungen und teils Metallen.

Definition

Stoffgemisch

Ein Stoffgemisch enthält mehrere Stoffe. Deshalb besitzt Erdöl keine einzige chemische Formel und keinen einzelnen Siedepunkt.

Je nach Herkunft kann Rohöl gelblich bis schwarz, dünnflüssig bis sehr zäh sein. Viskosität bezeichnet die Zähflüssigkeit: Eine Flüssigkeit mit hoher Viskosität fließt schwerer als eine mit niedriger Viskosität.

Beispiel

Benzin ist ebenso wenig ein Reinstoff wie Rohöl. Es ist eine Fraktion beziehungsweise ein weiterverarbeitetes Gemisch aus mehreren Stoffen mit ähnlichem Siedeverhalten. Die Bezeichnung nennt also eine Produktgruppe, keine einzelne Molekülart.

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Frage 1 von 1LeichtWarum besitzt Erdöl keine einzige chemische Formel?
Lösung: Weil Erdöl aus vielen verschiedenen Stoffen besteht. — Eine chemische Formel beschreibt einen bestimmten Stoff. Erdöl ist dagegen ein Gemisch aus zahlreichen Stoffen.
Wie Erdöl und Lagerstätten entstehen

Das meiste geförderte Erdöl geht auf abgestorbene Biomasse zurück, vor allem auf Algen. Seine Bildung dauert Millionen Jahre. Deshalb ist Erdöl im menschlichen Zeitmaßstab nicht erneuerbar.

  1. Organisches Material sinkt mit mineralischen Teilchen zum Meeresboden.
  2. In sauerstoffarmem Wasser wird es nicht vollständig zersetzt. Organikreicher Faulschlamm entsteht.
  3. Weitere Sedimente bedecken das Material. Druck und Temperatur steigen.
  4. Die organische Substanz wird zunächst zu Kerogen, einem festen organischen Material im Muttergestein.
  5. Bei weiterer Erwärmung entstehen daraus flüssige und gasförmige Kohlenwasserstoffe.
  6. Diese beweglichen Stoffe wandern aus dem Muttergestein in poröses Speichergestein.
  7. Undurchlässiges Deckgestein und eine geologische Falle können die Wanderung stoppen. So bildet sich eine Lagerstätte.

In einer typischen Lagerstätte liegt wegen der unterschiedlichen Dichten oben eine Gaskappe, darunter Erdöl und darunter überwiegend Lagerstättenwasser.

Merke

Nicht das feste Kerogen wandert als fertiges Erdöl. Erst die daraus gebildeten mobilen Kohlenwasserstoffe verlassen das Muttergestein.

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Frage 1 von 1MittelWelche Bedingung ist nötig, damit wanderndes Erdöl eine konventionelle Lagerstätte bildet?
Lösung: Poröses Speichergestein muss durch eine geologische Falle mit undurchlässigem Deckgestein begrenzt sein. — Im Speichergestein kann sich Öl sammeln. Deckgestein und Falle verhindern, dass es weiter aufwärts oder seitwärts wandert.
Wie die fraktionierte Destillation trennt

Rohölbestandteile sind gut ineinander löslich. Eine einfache Trennung nach Dichte eignet sich deshalb schlecht. In der Raffinerie nutzt man stattdessen die unterschiedlichen Siedebereiche.

  1. Das Rohöl wird in einem Ofen auf ungefähr $380\,^\circ\mathrm{C}$ erhitzt. Viele Bestandteile verdampfen; sehr schwere Bestandteile bleiben zurück.
  2. Die Dämpfe strömen in eine Destillationskolonne. Unten ist es heißer, nach oben wird es kühler.
  3. Stoffe mit höherem Siedebereich kondensieren schon weiter unten.
  4. Stoffe mit niedrigerem Siedebereich bleiben länger gasförmig, steigen höher und kondensieren erst in kühleren Bereichen.
  5. Die kondensierten Stoffgruppen werden auf verschiedenen Höhen abgezogen.
Definition

Fraktion

Eine Fraktion ist eine abgetrennte Stoffgruppe mit einem bestimmten Siedebereich. Sie ist gewöhnlich selbst ein Stoffgemisch und kein Reinstoff.

Von oben nach unten findet man vereinfacht Gase und leicht siedende Fraktionen, dann Benzinbestandteile, Kerosin, Mitteldestillate wie Diesel und schließlich schwere Öle und Rückstände. Die genauen Siedebereiche hängen vom Rohöl und vom Raffinerieverfahren ab.

Beispiel

Ein Bestandteil mit niedrigem Siedebereich steigt als Dampf weit nach oben. Erst dort ist die Kolonne kühl genug, damit er kondensiert. Ein schwerflüchtiger Bestandteil kondensiert dagegen schon im heißeren unteren Bereich. Entscheidend ist also das Siedeverhalten, nicht allein die Dichte.

Schwerflüchtige Stoffe lassen sich anschließend unter vermindertem Druck trennen. Bei dieser Vakuumdestillation sinken ihre Siedetemperaturen. Dadurch können sie verdampfen, ohne so stark erhitzt zu werden. Bitumen bleibt als besonders schwerer Rückstand.

Merke

Bei der Destillation werden vorhandene Stoffe physikalisch getrennt. Die Molekülarten werden dabei nicht gezielt in neue Molekülarten umgebaut.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage über eine Erdölfraktion stimmt?
Lösung: Sie umfasst mehrere Stoffe mit ähnlichem Siedebereich. — Fraktionierte Destillation sortiert ein Gemisch in mehrere Stoffgemische mit unterschiedlichen Siedebereichen.
Frage 2 von 2MittelEin Dampf kondensiert erst weit oben in der Kolonne. Was folgt daraus?
Lösung: Er gehört zu einer vergleichsweise leicht siedenden Fraktion. — Oben ist die Kolonne kühler. Dorthin gelangen vor allem Stoffe, die bei den wärmeren Temperaturen darunter noch gasförmig bleiben.
Warum Cracken mehr als Trennen ist

Die natürliche Zusammensetzung von Rohöl passt nicht genau zum Bedarf. Es fallen auch schwere, langkettige Kohlenwasserstoffe an. Beim Cracken werden lange Kohlenwasserstoffmoleküle in kürzere Moleküle gespalten.

Definition

Cracken

Cracken ist eine chemische Reaktion: Aus langkettigen Kohlenwasserstoffen entstehen kürzere Kohlenwasserstoffe mit neuen Eigenschaften.

Beim thermischen Cracken liefert eine hohe Temperatur die nötige Energie. Beim katalytischen Cracken unterstützt ein Katalysator die Reaktion. Ein Katalysator senkt die benötigte Aktivierungsenergie und wird dabei nicht dauerhaft verbraucht. Als Nebenprodukt kann kohlenstoffreicher Koks entstehen.

Beispiel

Destillation beantwortet die Frage: „Welche bereits vorhandenen Stoffgruppen sieden in welchem Bereich?“ Cracken beantwortet eine andere Frage: „Wie lassen sich große Kohlenwasserstoffmoleküle chemisch in kleinere umwandeln?“ Erst wird also getrennt; anschließend können ausgewählte Fraktionen gezielt verändert werden.

MerkmalDestillationCracken
Vorgangphysikalische Trennungchemische Reaktion
Molekülartenbleiben grundsätzlich erhaltenwerden in andere Moleküle umgewandelt
Grundlageunterschiedliche SiedebereicheSpaltung langer Kohlenwasserstoffketten
ZweckFraktionen gewinnenmehr leichte, nutzbare Kohlenwasserstoffe erzeugen
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Frage 1 von 1MittelEine schwere Fraktion wird erhitzt und es entstehen kürzere Kohlenwasserstoffmoleküle. Welcher Vorgang liegt vor?
Lösung: Cracken, weil sich die Moleküle chemisch verändern. — Beim Cracken werden Bindungen in langen Kohlenwasserstoffmolekülen gespalten. Das ist eine Stoffumwandlung und damit eine chemische Reaktion.
Wie sich die Nutzung von Erdöl bewerten lässt

Raffinerieprodukte werden energetisch oder stofflich genutzt. Bei energetischer Nutzung werden etwa Benzin, Diesel, Kerosin oder Heizöl verbrannt, um Energie bereitzustellen. Dabei entstehen unter anderem Kohlendioxid und Wasser. Das Kohlendioxid trägt zum Klimawandel bei.

Bei stofflicher Nutzung dient Erdöl als Rohstoff für Produkte, zum Beispiel Kunststoffe, Farben, Medikamente, Kosmetika, Schmierstoffe oder Bitumen. Der Kohlenstoff wird dabei zunächst Bestandteil eines Produkts und nicht sofort zur Energiegewinnung verbrannt. Stoffliche Nutzung beseitigt die Probleme jedoch nicht automatisch: Erdöl bleibt endlich, und Herstellung, Gebrauch sowie späteres Entsorgen müssen mitbedacht werden.

Für eine begründete Bewertung helfen vier Kriterien:

  • Zweck: Wird Energie oder ein Werkstoff benötigt?
  • Folgen: Entstehen Treibhausgase, Luftschadstoffe oder Abfälle?
  • Risiken: Können Förderung und Transport Böden oder Gewässer verschmutzen?
  • Endlichkeit und Alternativen: Muss gerade der nicht erneuerbare Rohstoff Erdöl eingesetzt werden?
Beispiel

Vergleiche Kerosin als Flugzeugtreibstoff mit Bitumen als Straßenbelag. Kerosin wird energetisch genutzt und bei der Nutzung verbrannt; sein Kohlenstoff gelangt dabei überwiegend als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Bitumen wird stofflich genutzt und bleibt zunächst im Straßenbelag. Daraus folgt nicht, dass Bitumen folgenlos ist. Die Bewertung fällt aber anders aus, weil Zweck und unmittelbares Schicksal des Kohlenstoffs verschieden sind.

Gut zu wissen

Auch Schwefelverbindungen sind wichtig. Bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe können Schwefeloxide entstehen, die zu saurem Niederschlag beitragen. Raffinerien entschwefeln Brennstoffe deshalb; der abgetrennte Schwefel kann als Rohstoff dienen.

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Frage 1 von 2MittelWelche Begründung vergleicht stoffliche und energetische Nutzung fachlich?
Lösung: Ein Treibstoff wird verbrannt und setzt dabei Kohlendioxid frei; in einem Werkstoff bleibt der Kohlenstoff zunächst gebunden, doch Endlichkeit und spätere Entsorgung bleiben Bewertungskriterien. — Eine Bewertung braucht mehrere Kriterien. Destillation macht aus Erdöl keinen erneuerbaren Rohstoff, und „stofflich“ bedeutet nicht automatisch „folgenlos“.
Frage 2 von 2SchwerEine Gemeinde kann für einen Zweck entweder ein Erdölprodukt einsetzen oder eine geeignete Alternative wählen. Welche Vorgehensweise ist am besten begründet?
Lösung: Beide Möglichkeiten nach Zweck, Umweltfolgen, Risiken, Endlichkeit und Eignung vergleichen. — Eine kriteriengeleitete Bewertung nennt zuerst den Zweck und vergleicht dann Folgen, Risiken, Ressourcenverbrauch und geeignete Alternativen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Erdöl
    • Entstehung: Biomasse, Kerogen, Migration und Lagerstätte
    • Zusammensetzung: viele Kohlenwasserstoffe und weitere Bestandteile
    • Destillation: physikalische Trennung nach Siedebereichen
    • Cracken: chemische Umwandlung langer in kürzere Moleküle
    • Produkte: Treibstoffe, Brennstoffe und chemische Rohstoffe
    • Bewertung: Zweck, Folgen, Risiken, Endlichkeit und Alternativen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas ist der wichtigste Unterschied zwischen Rohöl und einer Fraktion?
Lösung: Rohöl enthält sehr viele Bestandteile; eine Fraktion umfasst einen abgetrennten Teil mit ähnlichem Siedebereich. — Eine Fraktion ist ein durch Destillation gewonnener Teil des Rohöls. Sie ist enger zusammengesetzt, aber gewöhnlich weiterhin ein Gemisch.
Frage 2 von 3MittelOrdne den Weg eines leicht siedenden Bestandteils richtig ein.
Lösung: Er verdampft, steigt weit nach oben und kondensiert erst im kühleren Kolonnenbereich. — Leicht siedende Stoffe bleiben bei den wärmeren Temperaturen im unteren Teil gasförmig und kondensieren erst weiter oben.
Frage 3 von 3SchwerEine Aussage lautet: „Destillation und Cracken sind dasselbe, denn beide benötigen Wärme.“ Wie widerlegst du sie?
Lösung: Wärme kann bei beiden eingesetzt werden, aber Destillation trennt vorhandene Stoffe physikalisch, während Cracken Moleküle chemisch verändert. — Die Art des Vorgangs entscheidet: Bei der Destillation ändert sich die Stoffzusammensetzung der Fraktionen durch Trennung; beim Cracken entstehen durch Bindungsspaltung neue Molekülarten.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du den Weg vom Rohöl zur Fraktion erklären, Destillation und Cracken sicher unterscheiden und eine Nutzung mit mehreren Kriterien beurteilen kannst.

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