Chemie

Elektrolyse: Aufbau, Reaktionen und Spannung

Elektrolyse: Aufbau, Reaktionen und Spannung
Elektrolyse: Aufbau, Reaktionen und Spannung
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Bei einer Elektrolyse erzwingt eine Gleichspannungsquelle eine Redoxreaktion, die nicht freiwillig abläuft. Dabei wird elektrische Energie in chemische Energie umgewandelt: An der Kathode findet die Reduktion statt, an der Anode die Oxidation.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie funktioniert eine Elektrolysezelle?

Eine Elektrolysezelle besteht aus zwei Elektroden, einem leitfähigen Elektrolyten und einer Gleichspannungsquelle.

Definition

Elektrolyt

Ein Elektrolyt enthält bewegliche Ionen und kann deshalb elektrischen Strom leiten. Positive Ionen heißen Kationen, negative Ionen Anionen.

Die Spannungsquelle erzeugt an der Kathode einen Elektronenüberschuss und an der Anode einen Elektronenmangel.

  • Die Kathode ist mit dem Minuspol verbunden. Kationen wandern zu ihr, nehmen Elektronen auf und werden reduziert.
  • Die Anode ist mit dem Pluspol verbunden. Anionen wandern zu ihr und geben Elektronen ab; sie werden oxidiert.
  • Im äußeren Stromkreis übernehmen Elektronen den Ladungstransport.
  • Im Elektrolyten transportieren bewegliche Ionen die Ladung.
Merke

Bei der Elektrolyse gilt: Anode = Pluspol = Oxidation und Kathode = Minuspol = Reduktion. Die Merkhilfe OPA verbindet Oxidation, Pluspol und Anode.

Das Lösen eines Salzes in Ionen ist noch keine Elektrolyse. Diese Dissoziation stellt lediglich bewegliche Ionen bereit. Erst die angelegte Spannung erzwingt die Reaktionen an den Elektroden.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der Elektrolyse findet die Oxidation an der statt. Sie ist mit dem verbunden. Kationen wandern zur und werden dort .

Lösungen: Lücke 1: Anode; Lücke 2: Pluspol; Lücke 3: Kathode; Lücke 4: reduziert. An der Kathode werden Elektronen aufgenommen. Deshalb findet dort die Reduktion statt. An der Anode werden Elektronen abgegeben: Dort läuft die Oxidation ab.
Wie entstehen aus Ionen neue Stoffe?

Betrachte eine wässrige Zinkbromidlösung mit Graphitelektroden. Sie enthält Zinkionen $\mathrm{Zn^{2+}}$ und Bromidionen $\mathrm{Br^-}$.

Beispiel

An der Kathode nehmen Zinkionen jeweils zwei Elektronen auf:

$$\mathrm{Zn^{2+}+2e^- \rightarrow Zn}$$

Das ist eine Reduktion. Graues, elementares Zink scheidet sich ab.

An der Anode geben zwei Bromidionen zusammen zwei Elektronen ab:

$$\mathrm{2Br^- \rightarrow Br_2+2e^-}$$

Das ist eine Oxidation. Die gelb-bräunliche Färbung zeigt die Bildung von Brom an.

In beiden Teilgleichungen treten zwei Elektronen auf. Sie können beim Addieren gekürzt werden:

$$\mathrm{Zn^{2+}+2Br^- \rightarrow Zn+Br_2}$$

Für den eingesetzten Stoff lässt sich die Gesamtreaktion auch so schreiben:

$$\mathrm{ZnBr_2 \rightarrow Zn+Br_2}$$

Eine Teilgleichung muss sowohl die Atome als auch die Ladungen ausgleichen. Elektronen stehen bei einer Reduktion links und bei einer Oxidation rechts.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Teilgleichung beschreibt die Reaktion an der Kathode?
Lösung: $\mathrm{Zn^{2+}+2e^- \rightarrow Zn}$ — Die Kathode liefert Elektronen. Zinkionen nehmen zwei Elektronen auf und werden zu elementarem Zink reduziert.
Frage 2 von 2MittelWarum lassen sich die beiden Teilgleichungen direkt zur Gesamtgleichung addieren?
Lösung: Es werden genauso viele Elektronen aufgenommen wie abgegeben. — Entscheidend ist die Elektronenbilanz: Die Reduktion verbraucht zwei Elektronen, während die Oxidation zwei Elektronen liefert.
Warum beginnt die Reaktion nicht bei jeder Spannung?

Eine dauerhafte Elektrolyse setzt erst ein, wenn die angelegte Spannung die unter den jeweiligen Bedingungen nötige Zersetzungsspannung erreicht.

Definition

Zersetzungsspannung

Die Zersetzungsspannung $U_Z$ ist die Mindestspannung, ab der die erzwungene Redoxreaktion abläuft. Aus vorgegebenen Elektrodenpotenzialen lässt sich zunächst ein theoretischer Mindestwert berechnen. Die praktisch benötigte Spannung kann höher sein.

Beispiel

Für die Elektrolyse von Zinkiodid sind folgende Werte vorgegeben:

  • Anode: $E=0{,}53\,\mathrm{V}$
  • Kathode: $E=-0{,}76\,\mathrm{V}$

Im vorgegebenen Modell wird die notwendige Potenzialdifferenz berechnet:

$$0{,}53\,\mathrm{V}-(-0{,}76\,\mathrm{V})=1{,}29\,\mathrm{V}$$

Das Minus vor einer negativen Zahl führt beim Subtrahieren zu einer Addition. Der theoretische Mindestwert beträgt $1{,}29\,\mathrm{V}$.

In der Praxis kann eine höhere Spannung nötig sein. Die zusätzliche Spannung heißt Überspannung oder Überpotenzial. Sie hängt unter anderem von Elektrodenmaterial, Oberflächenbeschaffenheit, Ionenkonzentration, Temperatur und Stromdichte ab. Bei Gasentwicklungen kann sie besonders groß sein.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Rechnung verwendet die vorgegebenen Zinkiodid-Werte korrekt?
Lösung: $0{,}53\,\mathrm{V}-(-0{,}76\,\mathrm{V})=1{,}29\,\mathrm{V}$ — Beim Subtrahieren des negativen Kathodenwerts entsteht eine Addition: $0{,}53\,\mathrm{V}+0{,}76\,\mathrm{V}=1{,}29\,\mathrm{V}$.
Frage 2 von 2SchwerWarum kann die praktisch benötigte Spannung über dem berechneten Wert liegen?
Lösung: Elektrodenreaktionen können kinetisch gehemmt sein und eine Überspannung benötigen. — Der berechnete Wert beschreibt einen theoretischen Mindestwert. Reale Hemmungen an den Elektroden können zusätzliche Spannung erfordern.
Welche Produkte entstehen in wässrigen Lösungen?

In einer wässrigen Lösung können nicht nur die gelösten Ionen reagieren. Auch Wasser kann an den Elektroden umgesetzt werden. Eine zuverlässige Vorhersage benötigt deshalb Angaben zu möglichen Reaktionen, Potenzialen und gegebenenfalls Überspannungen.

Bei wässriger Natriumchloridlösung und Graphitelektroden sind beispielsweise folgende Anodenreaktionen möglich:

$$\mathrm{2Cl^- \rightarrow Cl_2+2e^-}$$

$$\mathrm{2H_2O \rightarrow O_2+4H^++4e^-}$$

Die gegebenen Abscheidungspotenziale betragen $1{,}46\,\mathrm{V}$ für die Chlorbildung und $1{,}76\,\mathrm{V}$ für die Sauerstoffbildung. Unter diesen Bedingungen wird Chlorid bevorzugt oxidiert, weil $1{,}46\,\mathrm{V}<1{,}76\,\mathrm{V}$.

An der Kathode konkurrieren diese Reaktionen:

$$\mathrm{2H_2O+2e^- \rightarrow H_2+2OH^-}$$

$$\mathrm{Na^++e^- \rightarrow Na}$$

Die angegebenen Werte sind $-1{,}43\,\mathrm{V}$ für die Wasserreduktion und $-2{,}71\,\mathrm{V}$ für die Natriumbildung. Unter den gegebenen Bedingungen wird Wasser leichter reduziert. Es entstehen Wasserstoff und Hydroxidionen statt elementarem Natrium.

Nach dem Elektronenausgleich ergibt sich:

$$\mathrm{2Cl^-+2H_2O \rightarrow Cl_2+H_2+2OH^-}$$

Mit den Natriumionen als Zuschauerionen lautet die Gesamtreaktion:

$$\mathrm{2NaCl+2H_2O \rightarrow Cl_2+H_2+2NaOH}$$

Merke

Bei wässrigen Elektrolyten reicht die Regel „Kationen zur Kathode, Anionen zur Anode“ nicht zur Produktvorhersage. Wasser kann mit den gelösten Ionen konkurrieren. Entscheide nur mit den für die Bedingungen gegebenen Daten.

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Frage 1 von 2MittelWelche Stoffe entstehen unter den angegebenen Bedingungen der Natriumchlorid-Elektrolyse?
Lösung: Chlor, Wasserstoff und Natronlauge — Chlorid wird an der Anode zu Chlor oxidiert. Wasser wird an der Kathode zu Wasserstoff und Hydroxidionen reduziert; Natriumionen und Hydroxidionen bilden Natronlauge.
Frage 2 von 2SchwerWarum darfst du bei einer anderen Elektrode nicht automatisch dieselben Produkte erwarten?
Lösung: Das Elektrodenmaterial kann die Überspannung und damit die bevorzugte Reaktion verändern. — Die Produktauswahl hängt nicht allein von den vorhandenen Ionen ab. Auch Elektrodenmaterial und weitere Bedingungen beeinflussen die reale Reaktion.
Wie unterscheidet sich die Elektrolyse vom galvanischen Vorgang?

Elektrolyse und galvanischer Vorgang sind entgegengesetzte Betriebsweisen einer Redoxreaktion.

MerkmalElektrolyseGalvanischer Vorgang
Reaktionsrichtungdurch Spannung erzwungenfreiwillig
Energieumwandlungelektrisch zu chemischchemisch zu elektrisch
AnodePluspol, OxidationMinuspol, Oxidation
KathodeMinuspol, ReduktionPluspol, Reduktion
AkkuLadenEntladen

Die Reaktionsnamen bleiben gleich: Oxidation ist immer an der Anode, Reduktion immer an der Kathode. Nur die Polzeichen wechseln zwischen Elektrolyse und galvanischem Betrieb.

Beim Zink-Brom-System läuft während der Elektrolyse die erzwungene Reaktion

$$\mathrm{Zn^{2+}+2Br^- \rightarrow Zn+Br_2}$$

ab. Beim freiwilligen galvanischen Vorgang verläuft sie umgekehrt:

$$\mathrm{Zn+Br_2 \rightarrow Zn^{2+}+2Br^-}$$

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage gilt sowohl für Elektrolyse als auch für galvanische Zellen?
Lösung: An der Anode findet die Oxidation statt. — Die Zuordnung der Reaktionsarten bleibt fest: Anode bedeutet Oxidation, Kathode bedeutet Reduktion. Die Polzeichen hängen von der Betriebsweise ab.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Elektrolyse
    • Energie: elektrische Energie wird in chemische Energie umgewandelt
    • Kathode: Minuspol, Elektronenaufnahme, Reduktion
    • Anode: Pluspol, Elektronenabgabe, Oxidation
    • Ladungstransport: Elektronen außen, Ionen im Elektrolyten
    • Spannung: theoretischer Mindestwert und mögliche Überspannung
    • Produktauswahl: Teilchenarten, Wasser, Potenziale und Bedingungen beachten
    • Umkehrung: Laden elektrolytisch, Entladen galvanisch
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWo findet bei einer Elektrolyse die Reduktion statt?
Lösung: An der Kathode, die mit dem Minuspol verbunden ist — Reduktion bedeutet Elektronenaufnahme. Die Spannungsquelle stellt die Elektronen an der Kathode bereit.
Frage 2 von 3MittelAn der Anode reagieren zwei Iodidionen zu einem Iodmolekül. Welche Gleichung ist ausgeglichen?
Lösung: $\mathrm{2I^- \rightarrow I_2+2e^-}$ — Zwei Iodidionen geben insgesamt zwei Elektronen ab. Atome und Ladungen sind dadurch ausgeglichen.
Frage 3 von 3SchwerEine wässrige Lösung enthält mehrere mögliche Reaktionspartner. Wie gehst du bei vorgegebenen Potenzialdaten sinnvoll vor?
Lösung: Ich stelle mögliche Teilreaktionen auf, vergleiche die gegebenen Daten und berücksichtige Wasser sowie angegebene Überspannungen. — Die Polzeichen zeigen, wo Oxidation und Reduktion stattfinden. Für die konkrete Produktauswahl musst du zusätzlich die möglichen Reaktionen und die gegebenen Bedingungen vergleichen.

Du kannst eine Elektrolyse nun als zusammenhängenden Weg beschreiben: Die Spannungsquelle erzeugt Elektronenmangel und Elektronenüberschuss, Ionen wandern zu den passenden Elektroden, dort laufen Oxidation und Reduktion ab, und neue Stoffe entstehen.

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