Chemie

Korrosion: Rosten, Redoxreaktionen und Schutz

Korrosion: Rosten, Redoxreaktionen und Schutz
Korrosion: Rosten, Redoxreaktionen und Schutz
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Korrosion verändert einen Werkstoff durch Reaktionen mit seiner Umgebung. Bei der elektrochemischen Korrosion von Metallen gibt das Metall Elektronen ab; Feuchtigkeit dient als elektrisch leitender Elektrolyt. Rosten ist deshalb ein wichtiger Sonderfall der Korrosion, aber nicht dasselbe wie Korrosion allgemein.

Auf dieser Seite lernst du, die Bedingungen und Teilreaktionen beim Rosten zu erklären, gefährliche Metallkontakte zu erkennen und ein passendes Schutzprinzip auszuwählen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann beginnt ein Metall zu korrodieren?
Definition

Korrosion

Korrosion ist die von der Oberfläche ausgehende Veränderung oder Zerstörung eines Werkstoffs durch Reaktionen mit seiner Umgebung. Bei Metallen läuft sie häufig elektrochemisch als Redoxprozess ab. Rosten bezeichnet dagegen speziell die Korrosion von Eisen und Stahl.

Für die hier betrachtete elektrochemische Korrosion braucht es:

  • ein Metall, das Elektronen abgibt,
  • einen Stoff, der Elektronen aufnimmt,
  • eine leitende Flüssigkeitsschicht als Elektrolyt.

Schon ein dünner Feuchtigkeitsfilm oder Handschweiß kann als Elektrolyt genügen. Gelöste Salze erhöhen seine Leitfähigkeit und fördern den Ladungstransport. Deshalb kann Streu- oder Meerwasser Korrosion verstärken.

Korrosion kann fast gleichmäßig über eine Oberfläche verlaufen (Flächenkorrosion) oder örtlich Löcher und Risse bilden (Lochkorrosion oder Lochfraß).

Beispiel

Ein trockener Eisennagel hat keinen leitenden Wasserfilm. Ein feuchter Nagel besitzt dagegen einen Elektrolyten; gelöster Sauerstoff kann an der elektrochemischen Reaktion teilnehmen. Salzwasser macht den Film leitfähiger und begünstigt den Vorgang zusätzlich.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage trifft den Begriff Korrosion am besten?
Lösung: Korrosion ist die Veränderung eines Werkstoffs durch Reaktionen mit seiner Umgebung. — Bei Korrosion wirkt die Umgebung chemisch oder elektrochemisch auf einen Werkstoff ein. Der Begriff ist weiter als „Rosten“.
Wie läuft das Rosten als Redoxprozess ab?

Eine Redoxreaktion koppelt Elektronenabgabe und Elektronenaufnahme. Die Elektronen entstehen nicht frei aus dem Nichts: Genau so viele Elektronen, wie Eisen abgibt, nimmt eine andere Teilreaktion auf.

Am anodischen Bereich wird Eisen oxidiert:

$$2\,\mathrm{Fe} \rightarrow 2\,\mathrm{Fe}^{2+} + 4\,\mathrm{e}^{-}$$

Am kathodischen Bereich wird gelöster Sauerstoff reduziert:

$$\mathrm{O_2} + 2\,\mathrm{H_2O} + 4\,\mathrm{e}^{-} \rightarrow 4\,\mathrm{OH}^{-}$$

Zusammen ergibt sich für diesen ersten Schritt:

$$2\,\mathrm{Fe} + \mathrm{O_2} + 2\,\mathrm{H_2O} \rightarrow 2\,\mathrm{Fe}^{2+} + 4\,\mathrm{OH}^{-}$$

Merke

Oxidation ist die Abgabe von Elektronen, Reduktion ihre Aufnahme. Beim Rosten wird Eisen oxidiert und Sauerstoff reduziert.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Rosten gibt Eisen Elektronen ab und wird . Sauerstoff nimmt Elektronen auf und wird . Der Feuchtigkeitsfilm wirkt als .

Lösungen: Lücke 1: oxidiert; Lücke 2: reduziert; Lücke 3: Elektrolyt. Prüfe immer den Elektronenfluss: Abgabe bedeutet Oxidation, Aufnahme bedeutet Reduktion. Der Elektrolyt ermöglicht den Ladungstransport in der Flüssigkeit.
Warum beschleunigt ein Metallkontakt die Korrosion?
Definition

Lokalelement

Ein Lokalelement ist eine kleine galvanische Zelle auf oder zwischen Metallen. Zwei unterschiedlich edle Bereiche sind elektrisch verbunden und berühren zugleich einen Elektrolyten. Der unedlere Bereich ist die Anode und wird oxidiert; am edleren Bereich, der Kathode, läuft die Reduktion ab.

Beim Kontakt von Zink und Kupfer in verdünnter Säure gibt Zink Elektronen ab:

$$\mathrm{Zn} \rightarrow \mathrm{Zn}^{2+} + 2\,\mathrm{e}^{-}$$

Die Elektronen fließen im Metall zum Kupfer. Dort werden Wasserstoff-Ionen reduziert:

$$2\,\mathrm{H}^{+} + 2\,\mathrm{e}^{-} \rightarrow \mathrm{H_2}$$

Zink löst sich als Zink-Ionen, während am Kupfer Wasserstoff entsteht. Auch Verunreinigungen oder unterschiedliche Bereiche in einem Werkstoff können solche kleinen Zellen bilden.

Gut zu wissen

Für Kontaktkorrosion müssen der unedlere und der edlere Werkstoff elektrisch leitend verbunden sein und mit einem Elektrolyten in Kontakt stehen. Fehlt der leitende Kontakt oder der Elektrolyt, ist dieser Korrosionsweg unterbrochen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Zinkblech berührt in saurer Lösung ein Kupferblech. Welcher Vorgang ist richtig zugeordnet?
Lösung: Zink ist die Anode und gibt Elektronen ab. — Elektronen fließen im Metall vom unedleren Zink zur Kupferoberfläche. Dort werden Wasserstoff-Ionen reduziert.
Wie entsteht aus den Ionen Rost?

Eisen(II)-Ionen und Hydroxid-Ionen entstehen bevorzugt an verschiedenen Stellen der feuchten Oberfläche. Sie bewegen sich im Elektrolyten aufeinander zu und bilden Eisen(II)-hydroxid:

$$\mathrm{Fe}^{2+} + 2\,\mathrm{OH}^{-} \rightarrow \mathrm{Fe(OH)_2}$$

Luftsauerstoff oxidiert dieses Zwischenprodukt weiter zu Eisen(III)-oxidhydroxid:

$$4\,\mathrm{Fe(OH)_2} + \mathrm{O_2} \rightarrow 4\,\mathrm{FeO(OH)} + 2\,\mathrm{H_2O}$$

Rost ist kein einheitlicher Reinstoff. Er kann unter anderem rotbraunes Eisen(III)-oxidhydroxid und schwarzes Eisen(II)-Eisen(III)-oxid enthalten.

Beispiel

Unter einem Wassertropfen ist Sauerstoff ungleich verteilt. In sauerstoffärmeren Bereichen entstehen vor allem Eisen(II)-Ionen; in sauerstoffreicheren Bereichen entstehen Hydroxid-Ionen. Erst nachdem die Ionen durch den Wasserfilm gewandert sind, bilden sich die schwer löslichen Rostvorstufen. Deshalb müssen Ort der Eisenauflösung und Ort der sichtbaren Rostbildung nicht übereinstimmen.

Rost schützt das darunterliegende Eisen nicht zuverlässig. Die Schicht ist porös und kann sich ablösen. Wasser und Sauerstoff erreichen dadurch wieder die Metalloberfläche. Eine dichte, fest haftende Oxidschicht wie bei passiviertem Aluminium wirkt anders.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum kann Eisen unter einer vorhandenen Rostschicht weiter korrodieren?
Lösung: Die Rostschicht ist porös und lässt Wasser und Sauerstoff erneut an das Eisen. — Sichtbarer Rost bedeutet nicht, dass die Oberfläche abgedichtet ist. Seine Poren und Ablösungen halten den Korrosionsweg offen.
Welches Schutzprinzip passt zur Situation?

Korrosionsschutz unterbricht mindestens eine notwendige Bedingung oder lenkt die Oxidation auf einen anderen Stoff um.

SchutzprinzipWirkideeWichtige Grenze
Lack oder KunststoffTrennt das Metall von Wasser und SauerstoffEine beschädigte Schicht kann den Schutz verlieren
PassivierungEine dichte Oxidschicht hemmt weitere ReaktionEisen bildet von selbst keine vergleichbare dichte Rostschicht
Edler MetallüberzugDer Überzug reagiert nur schwerBei einer Verletzung kann ein Lokalelement die Eisenkorrosion verstärken
Opferanode aus MagnesiumMagnesium oxidiert bevorzugt und liefert Elektronen an das EisenMagnesium wird verbraucht und muss als Schutzstoff eingeplant werden
Beispiel

Eine verzinnte Eisendose ist geschützt, solange der Zinnüberzug dicht bleibt. Wird er bis zum Eisen zerkratzt und feucht, bildet das edlere Zinn mit dem unedleren Eisen ein Lokalelement. Dann wird Eisen an der Schadstelle bevorzugt oxidiert. Ein edler Überzug ist also nicht automatisch sicher, wenn er beschädigt ist.

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Frage 1 von 1SchwerEine unterirdische Eisenleitung lässt sich nicht dauerhaft trocken halten. Welches Prinzip schützt sie auch bei ständig vorhandenem Elektrolyten?
Lösung: Eine leitend verbundene Magnesium-Opferanode wird bevorzugt oxidiert. — Eine Opferanode verlagert die Oxidation auf das unedlere Magnesium. Sie wirkt nur bei leitender Verbindung und wird dabei verbraucht.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Korrosion von Metallen
    • Bedingungen
      • Metall, Elektronenakzeptor und Elektrolyt
      • Salz erhöht die Leitfähigkeit
    • Elektrochemischer Ablauf
      • Anode: Oxidation des Metalls
      • Kathode: Reduktion
    • Rosten von Eisen
      • Eisen-Ionen und Hydroxid-Ionen bilden Rostvorstufen
      • Poröser Rost schützt nicht dauerhaft
    • Kontaktkorrosion
      • Unedleres Metall wird angegriffen
      • Leitender Kontakt und Elektrolyt sind nötig
    • Schutz
      • Barriere oder Passivschicht
      • Opferanode wird bevorzugt oxidiert
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche drei Bestandteile braucht das hier behandelte elektrochemische Korrosionssystem?
Lösung: Elektronendonator, Elektronenakzeptor und Elektrolyt — Das Metall gibt Elektronen ab, ein anderer Stoff nimmt sie auf, und der Elektrolyt ermöglicht den Ladungstransport in der Flüssigkeit.
Frage 2 von 3MittelAn einem Eisenstück entstehen Eisen(II)-Ionen. Welche Aussage folgt daraus?
Lösung: An dieser Stelle wird Eisen oxidiert. — Die Teilgleichung $\mathrm{Fe} \rightarrow \mathrm{Fe}^{2+} + 2\,\mathrm{e}^{-}$ zeigt die Elektronenabgabe und damit die Oxidation.
Frage 3 von 3SchwerEine lackierte Eisenfläche hat einen tiefen Kratzer. Welche Prüfung ist für die Schutzwirkung besonders wichtig?
Lösung: Ob Wasser und Sauerstoff am Kratzer das Eisen erreichen und ein Korrosionselement entstehen kann — Eine Beschichtung schützt nur als wirksame Barriere. An einer feuchten Schadstelle können die elektrochemischen Teilreaktionen wieder ablaufen.

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