Chemie

Elektrochemische Spannungsreihe einfach anwenden

Elektrochemische Spannungsreihe einfach anwenden
Elektrochemische Spannungsreihe einfach anwenden
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Die elektrochemische Spannungsreihe ordnet Redoxpaare nach ihren Standardreduktionspotenzialen. Vergleichst du zwei Werte, kannst du unter Standardbedingungen die Reaktionsrichtung, Anode und Kathode sowie die Zellspannung bestimmen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was sagt ein Standardpotenzial aus?

Ein Redoxpaar besteht aus einer oxidierten und einer reduzierten Form. Es wird in der Spannungsreihe als Reduktionshalbreaktion notiert:

$oxidierte\ Form + z e^- \rightleftharpoons reduzierte\ Form$

Beispiele sind:

$Cu^{2+} + 2e^- \rightleftharpoons Cu \qquad E^\circ = +0{,}35\,V$

$Zn^{2+} + 2e^- \rightleftharpoons Zn \qquad E^\circ = -0{,}76\,V$

Definition

Standardreduktionspotenzial

Das Standardreduktionspotenzial $E^\circ$ beschreibt die Elektronenaufnahmebereitschaft der oxidierten Form eines Redoxpaares unter festgelegten Bedingungen. Je positiver der Wert ist, desto leichter läuft die notierte Reduktion im Vergleich zu einem Paar mit niedrigerem Wert ab.

Ein einzelnes Elektrodenpotenzial ist nicht unmittelbar messbar. Messbar ist nur die Potenzialdifferenz zwischen zwei Halbzellen. Deshalb beziehen sich alle Tabellenwerte auf die Standard-Wasserstoffelektrode, deren Potenzial auf $0\,V$ festgelegt wurde.

Zu den Standardbedingungen gehören eine Temperatur von etwa $25\,^\circ C$ und festgelegte Aktivitäten der beteiligten Stoffe. In schulischen Metallhalbzellen wird für gelöste Metallionen meist mit $1\,mol\,L^{-1}$ gerechnet.

Merke

Ein höheres Standardreduktionspotenzial bedeutet: Die oxidierte Form nimmt im Vergleich leichter Elektronen auf. Ein niedrigeres Potenzial bedeutet: Die reduzierte Form gibt im Vergleich leichter Elektronen ab.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelches Teilchen nimmt beim Vergleich von $Cu^{2+}/Cu$ und $Zn^{2+}/Zn$ unter Standardbedingungen eher Elektronen auf?
Lösung: $Cu^{2+}$, weil das Redoxpaar das höhere Standardreduktionspotenzial besitzt. — Vergleiche die als Reduktionen notierten Paare: $+0{,}35\,V$ ist höher als $-0{,}76\,V$. Daher wird $Cu^{2+}$ bevorzugt reduziert.
Wie bestimmst du die Reaktionsrichtung?

Für zwei Redoxpaare kannst du immer nach demselben Muster vorgehen:

  1. Schreibe beide Halbgleichungen zunächst als Reduktionen auf.
  2. Vergleiche ihre Standardreduktionspotenziale.
  3. Das Paar mit dem höheren Wert bleibt in Reduktionsrichtung.
  4. Kehre das Paar mit dem niedrigeren Wert um. Dort läuft die Oxidation ab.
  5. Gleiche die Zahl der aufgenommenen und abgegebenen Elektronen an.

Für Zink und Kupfer gilt:

  • $Cu^{2+}/Cu$ hat mit $+0{,}35\,V$ den höheren Wert: $Cu^{2+}$ wird reduziert.
  • $Zn^{2+}/Zn$ hat mit $-0{,}76\,V$ den niedrigeren Wert: $Zn$ wird oxidiert.
Definition

Elektrodenrollen

An der Anode findet die Oxidation statt. An der Kathode findet die Reduktion statt. In einer freiwillig arbeitenden galvanischen Zelle fließen die Elektronen im äußeren Leiter von der Anode zur Kathode.

Im Daniell-Element ist Zink deshalb Anode und Minuspol. Kupfer ist Kathode und Pluspol. Die Elektronen fließen außen von der Zink- zur Kupferelektrode.

Merke

Merke dir die Vorgänge, nicht nur die Pole: Anode = Oxidation, Kathode = Reduktion. Die Polzeichen können bei anderen Zelltypen anders zugeordnet sein.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Zink- und eine Kupferhalbzelle werden zu einer galvanischen Zelle verbunden. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Zink wird an der Anode oxidiert; $Cu^{2+}$ wird an der Kathode reduziert. — Die Halbzelle mit dem niedrigeren Reduktionspotenzial liefert die Oxidation. Daher gibt Zink Elektronen ab, während $Cu^{2+}$ sie aufnimmt.
Wie stellst du die Gesamtreaktion auf?

Aus der Potenzialentscheidung folgen die Teilgleichungen des Daniell-Elements.

Oxidation an der Zinkanode:

$Zn \rightarrow Zn^{2+} + 2e^-$

Reduktion an der Kupferkathode:

$Cu^{2+} + 2e^- \rightarrow Cu$

Beide Teilgleichungen enthalten bereits zwei Elektronen. Du kannst sie deshalb direkt addieren. Die Elektronen stehen auf entgegengesetzten Seiten und fallen weg:

$Zn + Cu^{2+} \rightarrow Zn^{2+} + Cu$

Beispiel

Ein Zinkblech wird in eine Kupferionen enthaltende Lösung getaucht. Zinkatome geben Elektronen ab und gehen als $Zn^{2+}$ in Lösung. $Cu^{2+}$-Ionen nehmen diese Elektronen auf; metallisches Kupfer scheidet sich ab.

Die beobachtbare Kupferabscheidung passt damit zur aus der Spannungsreihe vorhergesagten Reaktionsrichtung.

Wenn die Teilgleichungen verschieden viele Elektronen enthalten, musst du sie vor dem Addieren mit passenden Faktoren multiplizieren. Die Potenzialwerte selbst werden dabei nicht mitmultipliziert: Ein Standardpotenzial ist keine Stoffmenge.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum werden beim Addieren der Zn/Cu-Teilgleichungen die Elektronen gestrichen?
Lösung: Es werden gleich viele Elektronen abgegeben wie aufgenommen. — Die Oxidation liefert zwei Elektronen, die Reduktion verbraucht genau zwei. Deshalb kürzen sie sich beim Addieren der Teilgleichungen.
Wie berechnest du die Zellspannung?

Die Standardzellspannung ist die Differenz der beiden Standardreduktionspotenziale:

$U^\circ = E^\circ_{Kathode} - E^\circ_{Anode}$

Beim Daniell-Element setzt du das Kupferpotenzial als Kathodenpotenzial und das Zinkpotenzial als Anodenpotenzial ein:

Beispiel

$U^\circ = 0{,}35\,V - (-0{,}76\,V)$

$U^\circ = 0{,}35\,V + 0{,}76\,V = 1{,}11\,V$

Das Ergebnis ist positiv. Die gewählte Richtung ist daher unter Standardbedingungen die freiwillige galvanische Richtung.

Das Minuszeichen vor einem negativen Anodenpotenzial wird beim Rechnen zum Pluszeichen. Genau an dieser Stelle entstehen häufig Vorzeichenfehler.

Merke

Erst die Elektrodenrollen bestimmen, dann rechnen: Kathode minus Anode. Sortiere die Zahlen nicht mechanisch nach ihrem Betrag.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelFür $Ag^+/Ag$ gilt $E^\circ=+0{,}80\,V$, für $Zn^{2+}/Zn$ gilt $E^\circ=-0{,}76\,V$. Wie groß ist die Standardzellspannung der freiwilligen Zn/Ag-Zelle?
Lösung: $1{,}56\,V$ — Silber ist die Kathode und Zink die Anode. Daher ergibt sich $U^\circ=0{,}80\,V-(-0{,}76\,V)=1{,}56\,V$.
Wann reicht die Spannungsreihe nicht aus?

Tabellenwerte gelten für Standardbedingungen. Ändern sich Konzentration beziehungsweise Aktivität, Temperatur oder der Druck beteiligter Gase, ändern sich die tatsächlichen Elektrodenpotenziale. Diesen Zusammenhang beschreibt die Nernst-Gleichung.

Die Standardspannungsreihe liefert dann weiterhin einen wichtigen Ausgangspunkt, aber nicht automatisch den tatsächlichen Messwert. Auch eine positive Standardzellspannung beweist nur die thermodynamisch bevorzugte Richtung unter Standardbedingungen. Sie sagt nicht, wie schnell eine Reaktion abläuft.

Bei Legierungen gibt es häufig kein eindeutiges Standardpotenzial für das gesamte Material. Auch bei einem unbekannten Elektrolyten, etwa Apfelsaft, fehlen die nötigen Angaben für eine verlässliche Tabellenrechnung. In solchen Fällen muss die Spannung experimentell gemessen werden.

Typische Fehler vermeiden

  • Anode und Kathode vertauscht: Vergleiche zuerst die Reduktionspotenziale.
  • Falsche Subtraktionsrichtung: Rechne immer Kathode minus Anode.
  • Potenzial mitmultipliziert: Gleiche nur die Teilgleichungen aus, nicht die Potenzialwerte.
  • Standardwert als universellen Messwert behandelt: Prüfe die Bedingungen des Systems.
  • Spannung mit Stromstärke verwechselt: Spannung ist eine Potenzialdifferenz; die Stromstärke beschreibt den Ladungsfluss pro Zeit.
Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine Zelle besteht aus Legierungselektroden und einem Elektrolyten unbekannter Zusammensetzung. Warum lässt sich ihre Spannung nicht zuverlässig aus einer Standardtabelle berechnen?
Lösung: Zusammensetzung und Bedingungen passen nicht eindeutig zu den tabellierten Standardhalbzellen. — Tabellenwerte gehören zu genau beschriebenen Redoxpaaren und Bedingungen. Bei unbekannten Legierungen und Elektrolyten fehlen diese eindeutigen Zuordnungen; deshalb ist eine Messung nötig.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Elektrochemische Spannungsreihe
    • ordnet Redoxpaare nach Standardreduktionspotenzialen
    • höheres Potenzial führt zur Reduktion an der Kathode
    • niedrigeres Potenzial führt zur Oxidation an der Anode
    • Elektronen fließen außen von der Anode zur Kathode
    • Zellspannung ist Kathodenpotenzial minus Anodenpotenzial
    • Standardwerte gelten nur unter festgelegten Bedingungen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage über ein Standardpotenzial ist richtig?
Lösung: Es ist ein relativer Wert gegenüber einer festgelegten Referenzelektrode. — Alle Standardpotenziale werden relativ zur Standard-Wasserstoffelektrode angegeben, deren Wert auf $0\,V$ festgelegt wurde.
Frage 2 von 3MittelZwei Redoxpaare besitzen die Werte $E^\circ_A=-0{,}40\,V$ und $E^\circ_B=+0{,}60\,V$. Welche Rollen haben sie in der freiwilligen galvanischen Richtung?
Lösung: B liefert die Reduktion an der Kathode; die reduzierte Form von A wird an der Anode oxidiert. — Das höhere Reduktionspotenzial bestimmt die Reduktion. Das Paar mit dem niedrigeren Wert wird umgekehrt und liefert die Oxidation.
Frage 3 von 3SchwerEine Zn/Cu-Zelle liefert deutlich weniger als die berechneten $1{,}11\,V$. Welche Schlussfolgerung ist fachlich sinnvoll?
Lösung: Zuerst ist zu prüfen, ob die tatsächlichen Bedingungen von den Standardbedingungen abweichen. — $1{,}11\,V$ ist die Standardzellspannung aus den Standardpotenzialen. Konzentrationen beziehungsweise Aktivitäten, Temperatur und weitere reale Bedingungen können den Messwert beeinflussen.

Du kannst eine Aufgabe zur Spannungsreihe nun mit vier Leitfragen lösen: Welches Paar hat das höhere Potenzial? Wo laufen Reduktion und Oxidation ab? Sind die Elektronen ausgeglichen? Wurde Kathode minus Anode gerechnet?

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