Chemie

Korrosionsschutz: Verfahren verstehen und bewerten

Korrosionsschutz: Verfahren verstehen und bewerten
Korrosionsschutz: Verfahren verstehen und bewerten
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Korrosionsschutz verhindert oder verlangsamt die Schädigung eines Werkstoffs durch seine Umgebung. Bei Metallen gelingt das vor allem auf zwei Wegen: Eine Barriere hält das korrosive Medium fern, oder das Bauteil wird elektrochemisch zur geschützten Kathode gemacht.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum braucht ein Metall Schutz?

Bei der Korrosion reagiert ein Werkstoff mit seiner Umgebung und wird dabei geschädigt. Metallische Korrosion ist häufig ein elektrochemischer Vorgang: An einem anodischen Bereich geben Metallatome Elektronen ab und gehen als Ionen in Lösung.

Ein dünner Feuchtigkeitsfilm kann bereits als Elektrolyt wirken. Das ist eine Flüssigkeit, in der Ionen beweglich sind. Bei Eisen fördern deshalb Feuchtigkeit und gelöster Sauerstoff die Rostbildung. Salz kann die Leitfähigkeit des Wassers erhöhen und die Korrosion beschleunigen.

Definition

Korrosionsschutz

Korrosionsschutz umfasst Maßnahmen, die Korrosion verhindern oder verlangsamen. Er soll Funktion, Sicherheit und Lebensdauer eines Bauteils erhalten.

Rost ist keine zuverlässig schützende Schicht. Er ist porös, sodass Wasser und Sauerstoff weiterhin an das Eisen gelangen können.

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Frage 1 von 1LeichtWarum kann schon ein feuchter Fingerabdruck die Korrosion eines Metallteils begünstigen?
Lösung: Die Feuchtigkeit kann als ionenleitender Elektrolyt wirken. — Elektrochemische Korrosion benötigt Elektronenleitung im Metall und Ionenleitung im Elektrolyten. Dafür kann bereits ein dünner Feuchtigkeitsfilm genügen.
Wie schützt eine dichte Schicht?

Beim passiven Korrosionsschutz trennt eine Barriere das Metall von Wasser, Sauerstoff oder einem anderen korrosiven Medium. Beispiele sind Lacke, nichtmetallische Beschichtungen und metallische Überzüge.

Beispiel

Eine Lackschicht auf Stahl verhindert den direkten Kontakt zwischen Stahl, Feuchtigkeit und Sauerstoff. Solange die Schicht dicht haftet, wird die Korrosion verlangsamt. Ein tiefer Kratzer öffnet jedoch einen Weg zum Stahl. An dieser Stelle kann die Schutzwirkung verloren gehen.

Auch eine Passivschicht kann schützen. Das ist eine dünne, dichte und haftende Reaktionsschicht auf der Oberfläche. Aluminium bildet eine widerstandsfähige Oxidschicht. Bei Edelstahl trägt Chrom zur Bildung einer schützenden Chromoxidschicht bei.

Beim Verzinken erhält Stahl eine Zinkschicht. Sie wirkt zunächst als Barriere. Wird die Schicht örtlich beschädigt, kann Zink zusätzlich als unedleres Schutzmetall dienen. Dieser zweite Schutzmechanismus gehört zum kathodischen Schutz.

Merke

Eine Beschichtung schützt nur zuverlässig, wenn sie zum Werkstoff und zur Umgebung passt und ausreichend dicht bleibt. Poren und Schäden können lokale Korrosion ermöglichen oder verstärken.

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Frage 1 von 1MittelEine lackierte Stahlplatte besitzt einen tiefen Kratzer bis zum Metall. Welche Beurteilung ist richtig?
Lösung: Am Kratzer können Wasser und Sauerstoff den Stahl erreichen; die Stelle muss geprüft und gegebenenfalls ausgebessert werden. — Passiver Schutz beruht auf der Trennung vom korrosiven Medium. Wird die Barriere durchbrochen, ist diese Trennung an der Schadstelle aufgehoben.
Wie opfert sich ein unedleres Metall?

Beim kathodischen Korrosionsschutz wird das Bauteil zur Kathode. Ein elektrisch verbundenes, unedleres Metall übernimmt die Oxidation und heißt deshalb Opferanode.

Bei einer Magnesium-Opferanode läuft die Oxidation so ab:

$$\mathrm{Mg} \rightarrow \mathrm{Mg}^{2+} + 2\,e^-$$

Die Elektronen fließen durch die metallische Verbindung zum geschützten Stahl. Magnesium wird allmählich verbraucht, während die oxidative Auflösung des Stahls unterdrückt wird.

An der Kathode werden die Elektronen von Teilchen des umgebenden Mediums aufgenommen. Welche Reaktion stattfindet, hängt von den Bedingungen ab:

  • In saurer Lösung können Wasserstoffionen zu Wasserstoff reduziert werden: $2\,\mathrm{H}^+ + 2\,e^- \rightarrow \mathrm{H}_2$.
  • In sauerstoffhaltigem, neutralem Wasser kann Sauerstoff reagieren: $\mathrm{O}_2 + 2\,\mathrm{H}_2\mathrm{O} + 4\,e^- \rightarrow 4\,\mathrm{OH}^-$.
Gut zu wissen

Opferanode und Bauteil müssen elektrisch leitend verbunden sein. Außerdem ist ein Elektrolyt nötig, der den Ionentransport ermöglicht. Ohne einen geschlossenen elektrochemischen Weg funktioniert der Schutz nicht.

Beispiel

Eine Stahlpipeline liegt in feuchtem Boden. Ein Magnesiumblock ist über ein Kabel mit dem Rohr verbunden. Der Boden übernimmt die Ionenleitung, das Kabel die Elektronenleitung. Magnesium ist die Anode und löst sich auf. Die Pipeline nimmt Elektronen auf und bleibt die geschützte Kathode. Weil die Opferanode verbraucht wird, muss ihr Zustand regelmäßig kontrolliert werden.

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Frage 1 von 2MittelEine Magnesium-Opferanode schützt eine Stahlleitung. Welche Zuordnung stimmt?
Lösung: Magnesium ist die Anode, Stahl die Kathode; Elektronen fließen vom Magnesium zum Stahl. — Magnesium gibt Elektronen ab und wird oxidiert. Die Elektronen gelangen über die leitende Verbindung zum Stahl; im Elektrolyten übernehmen Ionen den Ladungstransport.
Frage 2 von 2SchwerEin Kupferstück wird in angesäuertem Salzwasser leitend mit einem Eisennagel verbunden. Warum schützt Kupfer den Nagel nicht als Opferanode?
Lösung: Kupfer ist edler als Eisen; dadurch kann Eisen zum anodisch abgebauten Metall werden. — Eine Opferanode muss unedler als das zu schützende Metall sein. Ein edleres Metall wie Kupfer kann in dieser Kopplung die Eisenkorrosion sogar beschleunigen.
Wann hilft eine äußere Stromquelle?

Beim Fremdstromschutz hält eine äußere Gleichstromquelle das Bauteil in einem kathodisch geschützten Zustand. Eine zusätzliche Fremdstromanode schließt den Stromkreis. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei Rohrleitungen eingesetzt.

Anders als eine Opferanode liefert hier nicht allein die spontane Reaktion zweier gekoppelter Metalle den Schutzstrom. Die Stromquelle ermöglicht eine gezielte Einstellung. Die notwendigen Betriebsbedingungen hängen jedoch unter anderem vom Bauteil und von der chemischen Zusammensetzung seiner Umgebung ab. Deshalb muss das System fachgerecht eingestellt und überwacht werden.

Merke

Opferanode und Fremdstrom verfolgen dasselbe Ziel: Das Bauteil bleibt Kathode. Der Unterschied liegt in der Bereitstellung des Schutzstroms.

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Frage 1 von 1MittelWas unterscheidet Fremdstromschutz und Opferanode am deutlichsten?
Lösung: Beim Fremdstromschutz stellt eine äußere Gleichstromquelle den Schutzstrom bereit. — Die Opferanode oxidiert und wird verbraucht. Beim Fremdstromschutz wird der Schutzstrom von außen eingestellt und über eine Fremdstromanode geführt.
Wie wählst du ein Schutzkonzept aus?

Ein geeignetes Schutzkonzept richtet sich nicht nur nach der kurzfristigen Wirkung. Du musst das gesamte System betrachten:

  • Welcher Werkstoff soll geschützt werden?
  • Wirken Wasser, Sauerstoff, Salz, Säure oder andere aggressive Stoffe ein?
  • Kann eine Beschichtung beschädigt werden?
  • Lassen sich Opferanoden kontrollieren und ersetzen?
  • Kann ein Fremdstromsystem eingestellt und überwacht werden?
  • Welche Kosten, Materialverbräuche und Umweltauswirkungen entstehen?
  • Kann die Konstruktion Wasser ableiten und feuchte Spalten vermeiden?
Definition

Konstruktiver Korrosionsschutz

Konstruktiver Korrosionsschutz vermindert gefährliche Bedingungen durch die Bauweise. Wasserabläufe, zugängliche Kontrollstellen und das Vermeiden feuchtehaltender Hohlräume sind typische Maßnahmen.

Häufig ist eine Kombination sinnvoll: geeigneter Werkstoff, korrosionsgerechte Konstruktion, Beschichtung und bei Bedarf kathodischer Schutz. Keine Maßnahme ist unter allen Bedingungen automatisch die beste.

Beispiel

Für ein Stahlbauteil im Freien kann eine dichte Beschichtung den Grundschutz übernehmen. Die Konstruktion sollte Regenwasser ableiten, statt es in Spalten zu sammeln. Regelmäßige Kontrollen decken Kratzer oder Ablösungen auf. Bei einem dauerhaft im Meerwasser liegenden Stahlrumpf kann zusätzlich eine Opferanode sinnvoll sein, weil Wasser als Elektrolyt wirkt.

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Frage 1 von 1SchwerEine unterirdische Stahlleitung verläuft durch feuchten Boden. Die Oberfläche kann nicht regelmäßig sichtbar kontrolliert werden. Welches Konzept ist am überzeugendsten?
Lösung: Eine geeignete Beschichtung mit überwachten kathodischen Schutzmaßnahmen kombinieren. — Feuchter Boden kann als Elektrolyt wirken. Eine Beschichtung bildet eine Barriere; kathodischer Schutz kann das Rohr zusätzlich schützen. Beide Systeme müssen kontrolliert werden.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Korrosionsschutz
    • Passiv: Barriere oder Passivschicht
    • Kathodisch: Opferanode oder Fremdstrom
    • Konstruktiv: Wasser ableiten und Spalten vermeiden
    • Auswahl: Umgebung und Werkstoff prüfen
    • Lebenszyklus: kontrollieren, warten und ersetzen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt passiven Korrosionsschutz?
Lösung: Eine dichte Schicht trennt das Metall vom korrosiven Medium. — Passiver Schutz vermindert den Kontakt des Werkstoffs mit Wasser, Sauerstoff oder anderen korrosiven Stoffen.
Frage 2 von 3MittelAn einer Zink-Opferanode entstehen Zinkionen und Elektronen. Was folgt daraus?
Lösung: Zink wird oxidiert und nach und nach verbraucht. — Die Opferanode ist der anodische Bereich. Sie gibt Elektronen ab und muss deshalb kontrolliert und später ersetzt werden.
Frage 3 von 3SchwerZwei Schutzideen stehen zur Wahl: eine unkontrollierbare Lackschicht oder eine zugängliche Beschichtung mit Wartungsplan. Warum ist die zweite Idee meist belastbarer?
Lösung: Schutzwirkung und Schäden können geprüft und bei Bedarf instand gesetzt werden. — Ein Schutzverfahren muss nicht nur anfangs wirken. Einsatzbedingungen, mögliche Schäden, Kontrolle, Wartung und Materialverbrauch gehören zur Bewertung des gesamten Lebenszyklus.

Du kannst ein Schutzverfahren jetzt über sein Wirkprinzip erklären: Barrieren trennen, Opferanoden werden anstelle des Bauteils oxidiert, Fremdstrom hält das Bauteil kathodisch und eine geeignete Konstruktion vermindert korrosionsfördernde Bedingungen. Eine gute Auswahl verbindet diese Wirkung mit Umgebung, Sicherheit, Wartung und Ressourcenbedarf.

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