Chemie

Siedetemperatur: Sieden und Druck verstehen

Siedetemperatur: Sieden und Druck verstehen
Siedetemperatur: Sieden und Druck verstehen
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Die Siedetemperatur ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit bei einem bestimmten Druck in den gasförmigen Zustand übergeht. Sie ist keine unveränderliche Zahl: Sinkt der äußere Druck, sinkt auch die Siedetemperatur. Steigt der Druck, steigt sie.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was beim Sieden geschieht

Beim Erwärmen einer Flüssigkeit bewegen sich ihre Teilchen stärker. An der Siedetemperatur geht der Stoff in allen Teilen der Flüssigkeit in den gasförmigen Zustand über. Deshalb entstehen Dampfblasen auch innerhalb der Flüssigkeit und steigen nach oben.

Definition

Sieden

Sieden ist der Übergang eines Stoffes vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand in der gesamten Flüssigkeit.

Die Teilchen selbst bleiben dabei dieselben. Ein Wasserteilchen wird beim Sieden also nicht zu einem anderen Stoff. Es ändern sich vor allem Bewegung und Abstand der Teilchen.

Bei einem Reinstoff und gleichbleibendem Druck steigt die Temperatur während des Siedens trotz weiterer Energiezufuhr zunächst nicht weiter. Die zugeführte Energie wird für den Übergang in den gasförmigen Zustand benötigt.

Beispiel

Wasser wird bei einem Druck von etwa 1 013,3 hPa erwärmt. Bei ungefähr 100 °C bilden sich in der gesamten Flüssigkeit Dampfblasen. Während Wasser siedet, liegen flüssiges Wasser und Wasserdampf gleichzeitig vor.

Merke

Beim Sieden verändert sich der Aggregatzustand des Stoffes, nicht die Art seiner Teilchen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Beobachtung kennzeichnet Sieden?
Lösung: In der gesamten Flüssigkeit entstehen Dampfblasen. — Beim Sieden geht derselbe Stoff von flüssig zu gasförmig über. Dampfblasen entstehen auch im Inneren der Flüssigkeit.
Frage 2 von 2MittelWarum steigt die Temperatur eines siedenden Reinstoffs bei gleichbleibendem Druck zunächst nicht weiter?
Lösung: Die weitere Energie wird für den Übergang in den gasförmigen Zustand benötigt. — Während des Siedens wird Energie für die Zustandsänderung benötigt. Die Teilchen bleiben dabei in Bewegung.
Siedetemperatur und Siedepunkt unterscheiden

Im Alltag und in vielen Schultexten werden Siedetemperatur und Siedepunkt gleichbedeutend verwendet. Eine genauere Unterscheidung hilft dir jedoch, die Druckabhängigkeit nicht zu übersehen.

Definition

Siedetemperatur

Die Siedetemperatur ist der Temperaturwert, bei dem ein Stoff bei einem festgelegten Druck siedet.

Definition

Siedepunkt

Der Siedepunkt beschreibt die zusammengehörigen Bedingungen aus Siedetemperatur und Siededruck.

Die Aussage „Wasser siedet bei 100 °C“ ist deshalb unvollständig, wenn der Druck nicht mitgedacht wird. Sie gilt näherungsweise bei normalem atmosphärischem Druck.

Beispiel

Für Wasser gehören ungefähr 100 °C und 1 013,3 hPa zusammen. Bei 60 °C kann Wasser dagegen bereits bei einem viel niedrigeren Druck von ungefähr 199,46 hPa sieden.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die ist ein Temperaturwert. Der genaue Siedepunkt verbindet Temperatur und . Ohne Angabe der äußeren Bedingungen ist ein Siedewert daher nur aussagekräftig.

Lösungen: Lücke 1: Siedetemperatur; Lücke 2: Druck; Lücke 3: eingeschränkt. Ein Siedewert gehört zu einem bestimmten Druck. Deshalb müssen Temperatur und Druck gemeinsam betrachtet werden.
Wie der Druck die Siedetemperatur verändert

Eine Flüssigkeit muss beim Sieden gegen den äußeren Druck in den gasförmigen Zustand übergehen. Bei höherem Druck ist dafür eine höhere Temperatur nötig. Bei niedrigerem Druck genügt eine niedrigere Temperatur.

Merke

Druck steigt → Siedetemperatur steigt. Druck sinkt → Siedetemperatur sinkt.

Wasser auf einem hohen Berg

In großer Höhe ist der Luftdruck geringer als auf Meereshöhe. Wasser siedet dort schon bei weniger als 100 °C. Es kocht zwar sichtbar, ist dabei aber nicht so heiß wie kochendes Wasser bei normalem Luftdruck.

Wasser im Schnellkochtopf

Ein Schnellkochtopf hält Wasserdampf zurück und erhöht dadurch den Druck. Wasser kann dann eine Temperatur von ungefähr 120 °C erreichen, bevor es unter diesen Bedingungen siedet. Die höhere Temperatur kann das Garen beschleunigen.

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Frage 1 von 3LeichtWas geschieht mit der Siedetemperatur von Wasser, wenn der äußere Druck sinkt?
Lösung: Sie sinkt. — Niedrigerer äußerer Druck ermöglicht das Sieden bei einer niedrigeren Temperatur.
Frage 2 von 3MittelWasser kocht auf einem hohen Berg. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Es kann dabei eine Temperatur unter 100 °C haben. — Auf einem hohen Berg ist der Luftdruck geringer. Deshalb siedet Wasser dort bei einer niedrigeren Temperatur.
Frage 3 von 3SchwerEin geschlossenes Kochgefäß erhöht den Druck über dem Wasser. Was ist zu erwarten?
Lösung: Das Wasser siedet erst bei einer höheren Temperatur. — Höherer Druck erhöht die zum Sieden erforderliche Temperatur.
Warum verschiedene Stoffe verschieden sieden

Bei gleichem Druck besitzen verschiedene Reinstoffe unterschiedliche Siedetemperaturen. Ein wichtiger Grund ist die Stärke der Anziehung zwischen ihren Teilchen: Je stärker diese zwischenmolekularen Kräfte sind, desto mehr Energie wird für den Übergang in die Gasphase benötigt.

Wasser bildet starke Wasserstoffbrücken zwischen seinen Molekülen. Sie tragen dazu bei, dass Wasser im Vergleich zu vielen ähnlich kleinen Molekülen eine hohe Siedetemperatur besitzt.

Ungefähre Werte bei normalem atmosphärischem Druck zeigen die Unterschiede:

StoffSiedetemperatur
Sauerstoff−183 °C
Methan−161,6 °C
Pentan36,1 °C
Methanol64,7 °C
Ethanol78 °C
Wasser100 °C
Butanol117,7 °C

Innerhalb einer vergleichbaren Stoffgruppe kann auch die Molekülgröße eine Rolle spielen. Bei den Alkanen steigt die Siedetemperatur beispielsweise von Methan über Ethan und Propan bis Butan.

Beispiel

Methanol siedet ungefähr bei 64,7 °C, Ethanol bei etwa 78 °C und Butanol bei etwa 117,7 °C. Der Vergleich zeigt: Innerhalb dieser Alkoholreihe nimmt die Siedetemperatur mit dem längeren Kohlenstoffrest zu.

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Frage 1 von 2MittelZwei Flüssigkeiten werden bei demselben Druck verglichen. Flüssigkeit A siedet bei 65 °C, Flüssigkeit B bei 100 °C. Welche Aussage ist sicher?
Lösung: Flüssigkeit B hat unter diesen Bedingungen die höhere Siedetemperatur. — Verglichen werden darf nur die angegebene Eigenschaft unter gleichen Bedingungen. Weitere Stoffeigenschaften folgen daraus nicht automatisch.
Frage 2 von 2SchwerWarum reicht die Aussage „Diese Flüssigkeit siedet bei 78 °C“ für eine sichere Stoffidentifikation oft nicht aus?
Lösung: Druckangabe und weitere Stoffeigenschaften fehlen. — Für eine belastbare Identifikation vergleichst du den Wert bei bekanntem Druck und ziehst weitere Eigenschaften wie Dichte oder Löslichkeit hinzu.
Reinstoffe und Lösungen richtig einordnen

Ein Reinstoff besitzt bei festgelegtem Druck eine charakteristische Siedetemperatur. Gemische zeigen dagegen häufig einen Siedebereich, weil sich ihre Zusammensetzung während des Siedens verändern kann.

Eine Lösung aus Wasser und Kochsalz siedet bei gleichem Druck bei einer höheren Temperatur als reines Wasser. Diese Siedepunkterhöhung hängt von der Anzahl der gelösten Teilchen ab. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich jedoch keine verlässliche Berechnungsformel ableiten.

Gut zu wissen

Eine konstante Siedetemperatur kann auf einen Reinstoff hindeuten. Sie beweist die Stoffreinheit aber nicht in jedem Fall: Bestimmte Gemische können bei einer besonderen Zusammensetzung ebenfalls bei einer festen Temperatur sieden.

Beispiel

Du vergleichst reines Wasser und eine Kochsalzlösung bei demselben Druck. Die Kochsalzlösung benötigt zum Sieden eine etwas höhere Temperatur. Für einen sinnvollen Vergleich müssen Druck und Messbedingungen gleich sein.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Probe hat bei gleichem Druck die höhere Siedetemperatur?
Lösung: Eine Kochsalzlösung im Vergleich zu reinem Wasser. — Gelöste Salzteilchen führen gegenüber reinem Wasser zu einer Siedepunkterhöhung.
Frage 2 von 2SchwerEine unbekannte Flüssigkeit siedet über einen Temperaturbereich statt bei einem einzelnen konstanten Wert. Welche Deutung liegt nahe?
Lösung: Es könnte sich um ein Gemisch handeln. — Ein Siedebereich ist typisch für viele Gemische. Für eine sichere Beurteilung müssen außerdem Druck und weitere Stoffeigenschaften geprüft werden.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Siedetemperatur
    • beschreibt den Übergang von flüssig zu gasförmig
    • gehört immer zu einem bestimmten Druck
    • sinkt bei sinkendem Druck
    • steigt bei steigendem Druck
    • unterscheidet sich von Stoff zu Stoff
    • kann zusammen mit weiteren Eigenschaften bei der Stoffidentifikation helfen
    • liegt bei Lösungen oft anders als beim reinen Lösungsmittel
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt die Siedetemperatur vollständig?
Lösung: Sie ist die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit bei einem bestimmten Druck siedet. — Zur Siedetemperatur gehören immer der Stoff und die Druckbedingung.
Frage 2 von 3MittelBei 1 013,3 hPa siedet Wasser ungefähr bei 100 °C. Was erwartest du bei deutlich geringerem Druck?
Lösung: Wasser siedet bei einer Temperatur unter 100 °C. — Sinkt der äußere Druck, sinkt auch die Siedetemperatur.
Frage 3 von 3SchwerEine unbekannte Probe siedet bei bekanntem Druck ungefähr bei 78 °C. Wie gehst du für eine zuverlässige Stoffzuordnung vor?
Lösung: Ich vergleiche den Wert mit Stoffdaten und prüfe weitere Eigenschaften der Probe. — Eine Siedetemperatur grenzt mögliche Stoffe ein. Eine sichere Identifikation stützt sich auf mehrere geeignete Eigenschaften und kontrollierte Messbedingungen.

Du kannst Siedevorgänge nun mit drei Fragen untersuchen: Welcher Stoff liegt vor? Welcher Druck herrscht? Welche Temperatur wird beobachtet? Erst zusammen ergeben diese Angaben eine aussagekräftige Beschreibung.

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