Aktiv und Passiv einfach erklärt
Im Aktiv steht im Vordergrund, wer etwas tut. Im Passiv richtet sich der Blick auf den Vorgang, das Ergebnis oder die betroffene Person beziehungsweise Sache. Du kannst also denselben Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven ausdrücken: Die Technikerin repariert den Computer. – Der Computer wird repariert.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wer oder was steht im Mittelpunkt?
Vergleiche diese beiden Sätze:
- Aktiv: Tanja öffnet die Tür.
- Passiv: Die Tür wird von Tanja geöffnet.
Beide Sätze beschreiben denselben Vorgang. Die Perspektive verändert sich jedoch:
- Im Aktiv ist Tanja das Subjekt. Der Satz hebt die handelnde Person hervor.
- Im Passiv ist die Tür das Subjekt. Der Satz hebt die betroffene Sache und den Vorgang hervor.
Aktiv
Im Aktiv zeigt die Verbform den Sachverhalt aus der Perspektive des Handelnden: Jonas schießt den Ball.
Passiv
Im Passiv steht die Handlung, ihr Ergebnis oder das davon Betroffene im Vordergrund: Der Ball wird geschossen.
Die handelnde Person heißt auch Agens. Die betroffene Person oder Sache heißt Patiens. Das sind Bedeutungsrollen. Subjekt und Objekt sind dagegen grammatische Funktionen im Satz.
Beim Wechsel vom Aktiv zum Passiv bleiben Handelnder und Betroffener inhaltlich gleich. Ihre grammatische Stellung verändert sich.
Wie wird das Vorgangspassiv gebildet?
Das Vorgangspassiv beschreibt, dass etwas geschieht. Es besteht aus einer passenden Form von werden und dem Partizip II des Vollverbs.
Partizip II
Das Partizip II ist eine Verbform wie geöffnet, geschrieben, repariert oder gesehen. Im Vorgangspassiv steht es zusammen mit einer Form von werden.
Vorgangspassiv = Form von werden + Partizip II: wird geöffnet, wurde geschrieben, ist repariert worden.
So wandelst du einen Aktivsatz mit Akkusativobjekt um:
- Bestimme das Subjekt: Wer oder was handelt?
- Suche das Akkusativobjekt mit der Frage „Wen oder was?“.
- Setze das Akkusativobjekt in den Nominativ. Es wird zum neuen Subjekt.
- Bilde das Prädikat mit werden + Partizip II in derselben Zeitform.
- Lass das alte Subjekt weg oder ergänze es mit von.
- Übernimm die übrigen Satzglieder, wenn ihre Bedeutung gleich bleibt.
Aktiv: Die Technikerin repariert den Computer heute.
- Wer handelt? – die Technikerin: Subjekt und Agens.
- Wen oder was repariert sie? – den Computer: Akkusativobjekt und Patiens.
- Aus den Computer wird im Nominativ der Computer.
- Aus repariert wird wird repariert.
- heute bleibt erhalten.
Passiv ohne Agens: Der Computer wird heute repariert.
Passiv mit Agens: Der Computer wird heute von der Technikerin repariert.
Die Form von werden richtet sich nach dem neuen Subjekt: Das Auto wird gewaschen, aber die Autos werden gewaschen.
Wie verändern sich die Zeitformen?
Die Zeitform steckt im Passiv vor allem in den Formen der Hilfsverben. Das Partizip II des Vollverbs bleibt erhalten.
| Zeitform | Aktiv | Vorgangspassiv |
|---|---|---|
| Präsens | Tom schreibt einen Text. | Ein Text wird geschrieben. |
| Präteritum | Tom schrieb einen Text. | Ein Text wurde geschrieben. |
| Perfekt | Tom hat einen Text geschrieben. | Ein Text ist geschrieben worden. |
| Plusquamperfekt | Tom hatte einen Text geschrieben. | Ein Text war geschrieben worden. |
| Futur I | Tom wird einen Text schreiben. | Ein Text wird geschrieben werden. |
| Futur II | Tom wird einen Text geschrieben haben. | Ein Text wird geschrieben worden sein. |
Achte im Perfekt besonders auf worden: Es heißt ist geschrieben worden, nicht „ist geschrieben geworden“.
In der Verbgruppe ist die an Person, Zahl und Zeit angepasste Form das finite Verb. Weitere Verbformen sind infinit:
- Der Text wird geschrieben. – wird ist finit, geschrieben ist infinit.
- Der Text muss geschrieben werden. – muss ist finit; geschrieben und werden sind infinit.
Aktiv im Perfekt: Du hast mich gestern gesehen.
Das Akkusativobjekt mich wird im Passiv zum Subjekt ich. Die Zeitform bleibt Perfekt:
Passiv: Ich bin gestern gesehen worden.
Vorgang oder fertiger Zustand?
Nicht jeder Passivsatz beschreibt dasselbe. Das Vorgangspassiv bezeichnet eine Handlung oder Veränderung. Das Zustandspassiv beschreibt das Ergebnis nach einer Handlung.
| Vorgangspassiv mit werden | Zustandspassiv mit sein |
|---|---|
| Das Fenster wird geöffnet. | Das Fenster ist geöffnet. |
| Die Küche wird aufgebaut. | Die Küche ist aufgebaut. |
| Der Kuchen wird gebacken. | Der Kuchen ist gebacken. |
Jemand öffnet gerade die Tür. Während dieser Handlung passt: Die Tür wird geöffnet.
Nach der Handlung steht die Tür offen. Für dieses Ergebnis passt: Die Tür ist geöffnet.
Ein Zustandspassiv ist sinnvoll, wenn die Handlung zu einem erkennbaren Ergebnis oder neuen Zustand führt. Deshalb passt Die Tür ist geschlossen als Ergebnis von schließen.
Frage dich: Geschieht gerade etwas? Dann passt oft werden + Partizip II. Liegt das Ergebnis bereits vor? Dann passt oft sein + Partizip II.
Was geschieht ohne Akkusativobjekt?
Für das persönliche Passiv wird gewöhnlich ein Akkusativobjekt zum neuen Subjekt:
Die Klasse löst die Aufgabe. – Die Aufgabe wird gelöst.
Ein Satz ohne Akkusativobjekt kann kein solches Passivsubjekt liefern. Bei manchen Tätigkeiten ist aber ein unpersönliches Passiv möglich:
- Die Klasse arbeitet. – Es wird gearbeitet.
- Alle helfen den Kindern. – Den Kindern wird geholfen.
- Die Schüler warten auf den Bus. – Auf den Bus wird gewartet.
Das es ist nur ein Platzhalter am Satzanfang. Beginnt ein anderes Satzglied den Satz, fällt es weg:
- Es wird heute gefeiert.
- Heute wird gefeiert.
Dativ- und Präpositionalobjekte werden dabei nicht zu Subjekten. Deshalb bleibt den Kindern im Dativ und auf den Bus bleibt eine Präpositionalgruppe.
Nicht jedes Verb lässt sich sinnvoll passivieren. Besonders bei reflexiven Verben wie sich waschen oder Besitzangaben mit haben führt eine mechanische Umformung häufig zu keiner normalen, bedeutungsgleichen Passivform. Prüfe deshalb nicht nur die äußere Form, sondern auch die Bedeutung.
Die einfache Regel „Nur Sätze mit Akkusativobjekt können ins Passiv gesetzt werden“ gilt nur für das persönliche Passiv. Das unpersönliche Passiv erklärt Sätze wie Es wird gearbeitet oder Den Kindern wird geholfen.
Wie funktioniert das Passiv mit Modalverben?
Modalverben wie müssen, sollen, dürfen und können verändern die Aussage: Etwas ist notwendig, erwünscht, erlaubt oder möglich.
Im Passiv wird nur das Modalverb konjugiert. Danach folgen das Partizip II und werden im Infinitiv.
Passiv mit Modalverb = konjugiertes Modalverb + Partizip II + werden.
Aktiv: Wir müssen die Küche putzen.
- die Küche ist das Akkusativobjekt und wird zum Subjekt.
- müssen richtet sich nun nach die Küche und wird zu muss.
- putzen wird zu geputzt werden.
Passiv: Die Küche muss geputzt werden.
Beim Zustandspassiv steht nach dem Partizip II dagegen sein:
- Das Fenster muss geöffnet sein.
Dieser Satz verlangt nicht unbedingt den Vorgang des Öffnens. Er fordert den Zustand, dass das Fenster offen ist.
Typische Fehler vermeiden
Zeitform nicht verändern
Aus Der Vater tröstete das Kind wird Das Kind wurde getröstet. Die Form wird getröstet wäre Präsens statt Präteritum.
Kasus richtig anpassen
Aus dem Akkusativ den Computer wird als Passivsubjekt der Nominativ der Computer. Ein Dativobjekt wie den Kindern bleibt dagegen im Dativ.
Werden und sein nicht verwechseln
- wird geöffnet: Der Vorgang geschieht.
- ist geöffnet: Das Ergebnis liegt vor.
Handelnden nicht mit dem Subjekt verwechseln
In Der Ball wird von Jonas geschossen ist der Ball das Subjekt. Jonas bleibt inhaltlich der Handelnde, steht grammatisch aber in einer Ergänzung mit von.
Nicht nur Wörter umstellen
Eine Passivumformung verändert Satzglieder und die ganze Verbgruppe. Prüfe am Ende immer:
- Bleibt derselbe Sachverhalt erhalten?
- Bleibt die Zeitform erhalten?
- Stimmt die Form von werden oder sein mit dem neuen Subjekt überein?
- Ist das Passiv inhaltlich sinnvoll?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Aktiv und Passiv
- Aktiv: Handelnder im Mittelpunkt
- Vorgangspassiv: werden + Partizip II
- Zustandspassiv: sein + Partizip II
- Umformung: Akkusativobjekt wird Subjekt
- Agens: entfällt oder folgt mit von
- Zeitform: bleibt beim Umformen erhalten
- Unpersönliches Passiv: kein inhaltliches Subjekt
- Modalverb: muss, soll, darf oder kann + Partizip II + werden
Abschluss-Check
Wenn du Aktiv und Passiv prüfst, beginne immer mit der Bedeutung: Wer handelt, was ist betroffen und worauf soll der Blick fallen? Untersuche danach Satzglieder, Zeitform und Verbgruppe. So vermeidest du eine bloß mechanische Umformung ohne passenden Sinn.
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