Partizip I und II: Bildung und Verwendung
Ein Partizip wird aus einem Verb gebildet, kann aber wie ein Adjektiv verwendet werden. Das Partizip I zeigt meist eine aktive, gerade ablaufende oder gleichzeitige Handlung; das Partizip II steht häufig für eine frühere, passive oder bereits zu einem Ergebnis geführte Handlung.
Auf dieser Seite lernst du, beide Formen zu bilden, im Satz zu erkennen und passend zu verwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was Partizipien besonders macht
Partizip
Ein Partizip, auch Mittelwort, verbindet Eigenschaften von Verb und Adjektiv: Es stammt von einem Verb, kann aber ein Nomen beschreiben oder eine Handlung näher bestimmen.
Vergleiche:
- Das Kind singt. Das finite Verb singt passt zu Person und Zahl.
- das singende Kind Das Partizip I singend beschreibt das Nomen Kind und erhält die Adjektivendung -e.
- das gesungene Lied Das Partizip II gesungen beschreibt etwas, das gesungen wurde.
Partizip I bedeutet meist aktiv und gleichzeitig. Partizip II bedeutet häufig vorher, passiv oder als Ergebnis vorhanden. Es geht also nicht bloß um „Gegenwart oder Vergangenheit“.
So bildest du das Partizip I
Die Grundregel ist einfach:
Infinitiv + d
- spielen → spielend
- lesen → lesend
- fahren → fahrend
- lachen → lachend
Bei sein und tun erleichtert ein zusätzliches e die Aussprache:
- sein → seiend
- tun → tuend
Steht das Partizip I vor einem Nomen, kommt eine Adjektivendung hinzu: spielend wird zum Beispiel zu das spielende Kind oder mit den spielenden Kindern. Welche Endung du brauchst, hängt wie bei einem Adjektiv von Kasus, Genus, Numerus und Begleitwort ab.
Aus den Sätzen „Der Vogel singt. Der Vogel weckt mich.“ wird:
Der singende Vogel weckt mich.
Der Infinitiv singen erhält zuerst -d: singend. Vor dem maskulinen Nomen mit der kommt die Adjektivendung -e hinzu: singende. Das Singen läuft gleichzeitig mit dem Wecken ab.
So bildest du das Partizip II
Bei vielen schwachen Verben gilt:
ge- + Verbstamm + -t
- spielen → gespielt
- lernen → gelernt
- fragen → gefragt
Endet der Stamm eines schwachen Verbs auf -d oder -t, steht meist -et: baden → gebadet, warten → gewartet.
Viele starke Verben enden auf -en und verändern ihren Stamm. Diese Formen musst du mitlernen: sehen → gesehen, trinken → getrunken, gehen → gegangen. Gemischte Verben verbinden Merkmale beider Muster, zum Beispiel bringen → gebracht und nennen → genannt.
Wo steht ge- und wo fällt es weg?
| Verbtyp | Bildung | Beispiel |
|---|---|---|
| trennbares Verb | ge- steht zwischen Präfix und Stamm | ankommen → angekommen |
| Verb mit nicht trennbarem Präfix | kein ge- | verstehen → verstanden |
| Verb auf -ieren | kein ge- | studieren → studiert |
Bei starken und gemischten Verben lässt sich die genaue Form nicht immer sicher aus dem Infinitiv ableiten. Lerne deshalb den Infinitiv und das Partizip II zusammen, zum Beispiel schreiben – geschrieben.
So verwendest du beide Formen
Partizip I: aktiv und gleichzeitig
Das Partizip I beschreibt meist jemanden oder etwas, der, die oder das die Handlung selbst ausführt:
- die lernende Gruppe: Die Gruppe lernt.
- Er kommt lachend zur Tür. Das Kommen und Lachen geschehen gleichzeitig.
- die Lernenden: Das großgeschriebene Partizip bezeichnet Personen, die lernen.
Partizip II: vorher, passiv oder als Zustand
Das Partizip II kann zeigen, dass eine Handlung vorher stattgefunden hat, dass etwas von einer Handlung betroffen ist oder dass ein Ergebnis vorliegt:
- die gelöste Aufgabe: Jemand hat die Aufgabe gelöst.
- Gut vorbereitet beginnt Mia den Vortrag. Die Vorbereitung ist vorher abgeschlossen.
- Die Tür bleibt geschlossen. Der Zustand besteht bereits.
- die Eingeladenen: Das großgeschriebene Partizip bezeichnet Personen, die eingeladen wurden.
Außerdem brauchst du das Partizip II für Zeitformen und das Passiv:
- Perfekt: Mia hat die Aufgabe gelöst.
- Plusquamperfekt: Mia hatte die Aufgabe gelöst.
- Futur II: Mia wird die Aufgabe gelöst haben.
- Vorgangspassiv: Die Aufgabe wird gelöst.
Vertiefung: Notwendigkeit mit zu + Partizip I
Die Verbindung zu + Partizip I heißt Gerundiv. Sie drückt aus, dass etwas getan werden soll oder muss:
- der zu analysierende Text = der Text, der analysiert werden soll
- die zu erledigende Aufgabe = die Aufgabe, die erledigt werden muss
So entscheidest du im Satz
Gehe in vier Schritten vor:
- Suche das Bezugswort oder die Haupthandlung.
- Frage: Führt das Bezugswort die Handlung selbst aus, oder ist es von ihr betroffen?
- Frage nach der Reihenfolge: Läuft die Handlung gleichzeitig, oder ist sie bereits geschehen?
- Bilde das Partizip und ergänze vor einem Nomen die passende Adjektivendung.
Du willst ausdrücken, dass die Feuerwehr ein Feuer gerade bekämpft.
- Das Feuer brennt noch. Daher heißt es das brennende Feuer: aktiv und andauernd, also Partizip I.
- Bei das gelöschte Feuer ist das Löschen bereits geschehen. Das Feuer ist betroffen, also Partizip II.
Der entscheidende Unterschied steckt nicht in der Endung allein, sondern in der gemeinten Handlung.
Setze die passende Form ein und achte auf Großschreibung und Endung.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Das Feuer ist noch aktiv: Die Feuerwehr bekämpft das Haus. Danach kontrolliert sie das Feuer. Ein Schüler kommt zur Gruppe. Die warten bereits vor der Tür.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Partizipien
- Partizip I: Infinitiv + d
- aktiv, laufend oder gleichzeitig
- lachend, die Lernenden
- Partizip II: Grundmuster mit -t oder -en
- vorher, passiv oder als Ergebnis
- gelöst, die Eingeladenen
- Verwendung wie ein Adjektiv
- vor Nomen mit Adjektivendung
- nominalisiert mit Großschreibung
- Weitere Funktionen
- Partizip II in Zeitformen und Passiv
- zu + Partizip I für Notwendigkeit
- Partizip I: Infinitiv + d
Abschluss-Check
Wenn du bei einer Form unsicher bist, prüfe zuerst aktiv oder betroffen und danach gleichzeitig oder vorher. Erst dann entscheidest du zwischen Partizip I und Partizip II und ergänzt bei attributivem Gebrauch die Adjektivendung.
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