Hilfsverben: haben, sein und werden verstehen
Die Hilfsverben haben, sein und werden verbinden sich mit einer weiteren Verbform. Gemeinsam bilden sie unter anderem Vergangenheit, Zukunft oder Passiv: Ich habe gelernt. Sie wird gefragt. Dabei zeigt die konkrete Verwendung, ob ein Verb gerade Hilfsverb oder selbstständiges Verb ist.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du ein Hilfsverb?
Ein Hilfsverb unterstützt eine andere Verbform dabei, eine grammatische Konstruktion zu bilden.
Hilfsverb
Ein Hilfsverb bildet zusammen mit einem Infinitiv oder Partizip II eine mehrteilige Verbgruppe. Die zentralen deutschen Hilfsverben sind haben, sein und werden.
Vergleiche:
- Mia hat einen Ball. – hat trägt hier selbst eine Bedeutung: Mia besitzt etwas.
- Mia hat gespielt. – hat hilft hier, das Perfekt zu bilden. Die Handlung steckt vor allem in gespielt.
Das Hilfsverb ist meistens die finite Verbform. Das bedeutet: Es ist an Person und Zeit angepasst. In Wir haben gewonnen ist haben finit; gewonnen ist das Partizip II.
Im Satz Du wirst morgen schwimmen besteht die Verbgruppe aus wirst und schwimmen.
- wirst ist an die Person du angepasst und deshalb finit.
- schwimmen steht im Infinitiv.
- werden + Infinitiv bildet hier das Futur I.
Damit wird wirst als Hilfsverb verwendet.
Welche Formen haben haben, sein und werden?
Die drei Hilfsverben werden unregelmäßig verändert. Ihre Präsens- und Präteritumformen brauchst du für mehrere Zeitformen und für das Passiv.
| Person | haben: Präsens / Präteritum | sein: Präsens / Präteritum | werden: Präsens / Präteritum |
|---|---|---|---|
| ich | habe / hatte | bin / war | werde / wurde |
| du | hast / hattest | bist / warst | wirst / wurdest |
| er/sie/es | hat / hatte | ist / war | wird / wurde |
| wir | haben / hatten | sind / waren | werden / wurden |
| ihr | habt / hattet | seid / wart | werdet / wurdet |
| sie/Sie | haben / hatten | sind / waren | werden / wurden |
Achte besonders auf bist, ist, wirst und wird. Bei diesen Formen lässt sich der Infinitiv nicht einfach am unveränderten Wortstamm ablesen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im Satz Ihr habt lange gewartet ist die finite Form. Im Satz Du wirst morgen lernen steht beim Subjekt du. Das Präteritum von wir sind lautet *wir *.
Wie bilden Hilfsverben die Zeitformen?
Für jede Zeitform brauchst du eine bestimmte Kombination aus Hilfsverb und weiterer Verbform.
| Zeitform | Bildung | Beispiel |
|---|---|---|
| Perfekt | haben/sein im Präsens + Partizip II | Ich habe gelernt. Er ist gegangen. |
| Plusquamperfekt | haben/sein im Präteritum + Partizip II | Ich hatte gelernt. Er war gegangen. |
| Futur I | werden im Präsens + Infinitiv | Ich werde lernen. |
| Futur II | werden im Präsens + Partizip II + haben/sein | Ich werde gelernt haben. Er wird gegangen sein. |
Das Perfekt stellt eine Handlung als vergangen oder abgeschlossen dar. Das Plusquamperfekt zeigt, dass etwas bereits vor einem anderen vergangenen Ereignis geschehen war.
Lea hatte ihre Aufgabe beendet, bevor der Unterricht begann.
- Beide Ereignisse liegen in der Vergangenheit.
- Das Beenden geschah zuerst.
- Deshalb steht hatte beendet im Plusquamperfekt.
- Das spätere Ereignis steht hier im Präteritum: begann.
Das Futur II blickt von einem zukünftigen Zeitpunkt auf etwas bereits Abgeschlossenes: Bis Freitag werde ich das Buch gelesen haben.
Wann steht im Perfekt haben oder sein?
Bei den meisten Verben wird das Perfekt mit haben gebildet:
- Wir haben gelernt.
- Sie hat geschlafen.
- Du hast das Bild gemalt.
sein steht typischerweise bei Verben der Fortbewegung, des Ortswechsels oder der Zustandsänderung:
- Wir sind nach Hause gegangen.
- Der Zug ist gefahren.
- Das Kind ist eingeschlafen.
- Die Kirschen sind gereift.
Die Gegenüberstellung „Bewegung gleich sein, sonst haben“ ist nur eine Merkhilfe. Entscheidend ist die Verbindung mit dem konkreten Vollverb. Deshalb heißt es Ich bin gegangen, aber Ich habe ein Bild gesehen.
Gesucht ist das Perfekt von Nora fährt in die Stadt.
- Das Vollverb lautet fahren.
- Im Satz bezeichnet es eine Fortbewegung zu einem anderen Ort.
- Dazu wird in diesem Beispiel sein verwendet.
- Die passende Form lautet: Nora ist in die Stadt gefahren.
Wie unterscheiden sich Vorgangs- und Zustandspassiv?
Im Passiv tritt die handelnde Person zurück. Entscheidend ist dann entweder die Handlung oder ihr Ergebnis.
Vorgangspassiv
Das Vorgangspassiv richtet den Blick auf eine Handlung oder einen Ablauf. Es wird mit werden + Partizip II gebildet: Die Tür wird geschlossen.
Zustandspassiv
Das Zustandspassiv beschreibt das Ergebnis beziehungsweise den Zustand nach einer Handlung. Es wird mit sein + Partizip II gebildet: Die Tür ist geschlossen.
Vergleiche die Fragen:
- Was geschieht gerade? – Die Tafel wird gewischt.
- In welchem Zustand ist sie danach? – Die Tafel ist gewischt.
Im Präteritum verändern sich die Hilfsverben:
- Vorgang: Die Aufgaben wurden erledigt.
- Zustand: Die Tür war abgeschlossen.
Ausgangspunkt ist: Jemand öffnet das Fenster.
- Soll der Vorgang im Mittelpunkt stehen, heißt es: Das Fenster wird geöffnet.
- Soll das Ergebnis beschrieben werden, heißt es: Das Fenster ist geöffnet.
Die beiden Sätze haben deshalb nicht dieselbe Perspektive.
Welche Funktion hat das Verb im Satz?
Haben, sein und werden sind nicht in jedem Satz Hilfsverben. Ihre Funktion ergibt sich aus der gesamten Verbgruppe.
| Verwendung | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Hilfsverb | bildet mit einer weiteren Verbform Zeitform oder Passiv | Caro hat geschrieben. |
| Vollverb | trägt selbst die zentrale Bedeutung | Caro hat einen Hund. |
| Kopulaverb | verbindet das Subjekt mit einer Eigenschaft oder Rolle | Caro ist zufrieden. Paul wird Anwalt. |
| Modalverb | verbindet sich meist mit einem Infinitiv und verändert dessen Bedeutung | Caro kann schwimmen. |
Die Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen drücken zum Beispiel Erlaubnis, Möglichkeit, Wunsch oder Notwendigkeit aus. Sie sind eine eigene Verbgruppe und nicht mit den drei Hilfsverben gleichzusetzen.
Eine weitere wichtige Unterscheidung betrifft geworden und worden:
- geworden bezeichnet eine Entwicklung: Das Bild ist schön geworden.
- worden steht im Passiv bei einem weiteren Partizip II: Das Bild ist gemalt worden.
Frage nicht nur: „Welches Verb sehe ich?“ Frage: „Welche Aufgabe erfüllt es in diesem Satz?“ Dasselbe Verb kann je nach Verwendung eine andere Funktion haben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Hilfsverben: haben, sein, werden
- Vergangenheit: Perfekt und Plusquamperfekt
- Zukunft: Futur I und Futur II
- Vorgangspassiv: werden + Partizip II
- Zustandspassiv: sein + Partizip II
- Form bestimmen: finite und infinite Verbteile
- Verwendung prüfen: Hilfsverb, Vollverb oder Kopulaverb
- Sonderfall: geworden und worden unterscheiden
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss bei jeder Verbgruppe drei Dinge: Welche Form ist finit? Welche weiteren Verbformen stehen dabei? Welche grammatische Aufgabe erfüllt die gesamte Verbindung? So erkennst du Hilfsverben auch in neuen Sätzen zuverlässig.
Mit Google fortfahren