Apostroph-Regeln: Pflicht, Wahl und Fehler
Der Apostroph ’ zeigt meist, dass Buchstaben oder eine Endung fehlen. Du brauchst ihn vor allem bei schwer verständlichen Auslassungen und bei artikellosen Genitivnamen, die etwa auf s, ß, z oder x enden. Beim gewöhnlichen Genitiv und beim Plural steht dagegen normalerweise kein Apostroph.
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Auslassungen sichtbar machen
Der Apostroph heißt auch Auslassungszeichen. Er markiert die Stelle, an der ein oder mehrere Buchstaben fehlen.
Auslassungsapostroph
Ein Auslassungsapostroph zeigt an, dass eine verkürzte Schreibweise nicht alle Buchstaben der vollständigen Form enthält.
Ist eine Verkürzung ohne Kennzeichnung schwer lesbar oder missverständlich, steht der Apostroph:
- Käpt’n für Kapitän
- ’s ist spät für es ist spät
- D’dorf für Düsseldorf
- Ku’damm für Kurfürstendamm
Aus Es ist schon dunkel wird in gesprochener Sprache ’s ist schon dunkel. Der Apostroph steht am Anfang, weil dort das E aus es fehlt.
Bei häufigen Verschmelzungen besteht teilweise Schreibwahl. Deshalb sind beispielsweise Wie geht’s? und Wie gehts? möglich. Entscheidend ist, dass die Form verständlich bleibt.
Frage dich bei einer Verkürzung: Fehlen Buchstaben, und wäre die Stelle ohne Zeichen schwer zu erkennen? Dann setzt du einen Apostroph.
Namen mit s-artigem Ausgang
Bei einem Namen im Genitiv beantwortest du die Frage Wessen? Normalerweise erhält der Name ein -s: Evas Heft, Peters Fahrrad.
Endet die Grundform jedoch auf s, ss, ß, z, tz, x oder ce, wird kein weiteres Genitiv-s angehängt. Ein Apostroph markiert dessen Stelle.
Wessen Fahrrad ist gemeint? Es gehört Max.
Richtig ist: Max’ Fahrrad.
Die Grundform Max endet auf x. Deshalb steht der Apostroph anstelle der Genitivendung: nicht Maxs Fahrrad und nicht Max’s Fahrrad.
Weitere Beispiele sind:
- Moritz’ Schuhe
- Marx’ Texte
- Iris’ Haus
- Maurice’ Freundin
Diese Regel gilt, wenn der Name ohne vorausgehenden Artikel oder ein vorausgehendes Pronomen verwendet wird. Mit einem Artikel wird die Form anders gebaut, zum Beispiel die Romane der Anna Seghers.
Artikelloser Name mit s-artigem Ausgang: Der Apostroph ersetzt das fehlende Genitiv-s. An den Apostroph kommt kein zusätzliches s.
Wo kein Apostroph steht
Ein gewöhnliches Genitiv-s wird im Deutschen nicht mit einem Apostroph abgetrennt:
- Evas Mutter, nicht Eva’s Mutter
- Peters Auto, nicht Peter’s Auto
- Nikas Heft, nicht Nika’s Heft
Auch ein Plural-s braucht keinen Apostroph:
- Autos, nicht Auto’s
- Studios, nicht Studio’s
- CDs, nicht CD’s
- WCs, nicht WC’s
In Die CDs liegen in Evas Tasche stehen zwei Formen auf s:
- CDs ist ein Plural.
- Evas ist ein gewöhnlicher Genitiv.
Keine der beiden Formen benötigt einen Apostroph.
Ein s am Wortende ist kein Grund für einen Apostroph. Entscheide zuerst: Liegt eine Auslassung oder ein besonderer Namensfall vor?
Sonderfall: Ein Name für ein Geschäft
Eine begrenzte Ausnahme betrifft Wortgruppen, die insgesamt als Eigenname dienen, etwa als Name eines Geschäfts. Hier darf ein Apostroph vor dem Genitiv-s die Grundform des Personennamens verdeutlichen.
Ein Blumenladen trägt einen festen Namen. Möglich sind:
- Eva’s Blumenladen
- Evas Blumenladen
Beide Varianten können als Geschäftsname verwendet werden. In der gewöhnlichen Wortgruppe Evas Mutter ist der Apostroph dagegen nicht zulässig.
Der Sonderfall hängt also nicht allein vom folgenden Substantiv ab. Entscheidend ist, ob die gesamte Verbindung als Eigenname verwendet wird.
Der Apostroph kann außerdem eine Namensform klären: Andrea’s Kiosk macht sichtbar, dass der zugrunde liegende Name Andrea lautet und nicht Andreas.
Geschäftsname: Eva’s Blumenladen oder Evas Blumenladen sind möglich. Gewöhnliche Wortgruppe: nur Evas Mutter.
Namensadjektive und das richtige Zeichen
Von Namen abgeleitete Adjektive auf -sch können auf zwei Arten geschrieben werden:
- die grimmschen Märchen
- die Grimm’schen Märchen
Ohne Apostroph wird das Adjektiv kleingeschrieben. Mit Apostroph bleibt die Grundform des Namens sichtbar und großgeschrieben. Ebenso möglich sind das ohmsche Gesetz und das Ohm’sche Gesetz.
Der typografisch richtige Apostroph sieht aus wie eine hochgestellte kleine Neun: ’. Ein Akzent wie ´, ein Gravis wie ` oder das öffnende Anführungszeichen ‘ ersetzt ihn nicht.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Apostroph-Regeln
- Pflicht: schwer erkennbare Auslassung
- Pflicht: artikelloser Genitivname mit s-artigem Ausgang
- Wahl: häufige Verschmelzung
- Wahl: Namensadjektiv vor -sch
- Wahl: verdeutlichender Apostroph im Eigennamen
- Falsch: gewöhnlicher Genitivapostroph
- Falsch: Pluralapostroph
Abschluss-Check
Prüfe beim Schreiben immer in dieser Reihenfolge: Welche Funktion hat die Form? Fehlen Buchstaben? Liegt ein besonderer Namensausgang oder ein echter Eigenname vor? Erst danach entscheidest du über den Apostroph.
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