Flexion: Deklination und Konjugation erklärt
Flexion oder Beugung bedeutet: Ein Wort verändert seine Form, damit es zu seiner grammatischen Aufgabe im Satz passt. Bei Nomen, Artikeln, Adjektiven und Pronomen heißt diese Veränderung Deklination, bei Verben Konjugation.
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Woran erkennst du Flexion?
Vergleiche die Sätze:
- Das Kind spielt.
- Die Kinder spielen.
Kind wird zu Kinder, das wird zu die und spielt wird zu spielen. Die Wortformen ändern sich, weil nun mehrere Kinder gemeint sind.
Flexion
Flexion ist die grammatisch bedingte Veränderung der Form eines Wortes. Dabei entsteht kein neues Wort, sondern eine andere Form desselben Wortes.
Flektierbar sind im Deutschen:
- Nomen: Kind – Kinder – Kindern
- Verben: spiele – spielst – spielte
- Adjektive: klein – kleine – kleinen
- Artikel: der – die – den
- Pronomen: ich – mir – mich
- manche Zahlwörter: ein – eines – einem
Präpositionen wie mit, Konjunktionen wie weil, Adverbien wie heute und andere Partikeln verändern ihre Form dagegen nicht.
Flexion passt eine Wortform an den Satz an. Das Wort bleibt in seiner Grundbedeutung dasselbe.
Wie funktioniert die Deklination?
Die Flexion von Nomen, Artikeln, Adjektiven und Pronomen heißt Deklination. Wichtig sind dabei drei Merkmale:
- Kasus: der Fall, also Nominativ, Genitiv, Dativ oder Akkusativ
- Numerus: die Zahl, also Singular oder Plural
- Genus: das grammatische Geschlecht, also Maskulinum, Femininum oder Neutrum
Ein Nomen besitzt normalerweise ein festes Genus. Kind ist zum Beispiel Neutrum. Kasus und Numerus können sich im Satz ändern. Artikel und Adjektive zeigen das Genus des Nomens durch ihre passende Form mit an.
Ein Nomen in vier Fällen
| Kasus | Frage | Singular | Plural |
|---|---|---|---|
| Nominativ | Wer oder was? | das Kind | die Kinder |
| Genitiv | Wessen? | des Kindes | der Kinder |
| Dativ | Wem? | dem Kind | den Kindern |
| Akkusativ | Wen oder was? | das Kind | die Kinder |
Wir helfen den kleinen Kindern.
- Das Verb helfen verlangt hier den Dativ: Wem helfen wir?
- Gemeint sind mehrere Kinder: Plural.
- Deshalb stehen Artikel, Adjektiv und Nomen im Dativ Plural: den kleinen Kindern.
- Am Nomen erscheint zusätzlich die Endung -n: Kindern.
Bei Adjektiven hängt die Endung außerdem davon ab, welcher Artikel vorausgeht:
- bestimmter Artikel: der alte Hund
- unbestimmter Artikel: ein alter Hund
- ohne Artikel: alter Hund
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In „Sie fährt mit einem neuen Fahrrad“ steht die Wortgruppe im . Der Artikel lautet , das Adjektiv .
Wie funktioniert die Konjugation?
Die Flexion eines Verbs heißt Konjugation. Die Verbform kann folgende grammatische Merkmale ausdrücken:
- Person: erste, zweite oder dritte Person
- Numerus: Singular oder Plural
- Tempus: die Zeitform
- Modus: zum Beispiel Aussage, Aufforderung oder Möglichkeit
- Genus Verbi: Aktiv oder Passiv
Das Verb spielen verändert sich mit Person und Numerus:
| Person | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1. Person | ich spiele | wir spielen |
| 2. Person | du spielst | ihr spielt |
| 3. Person | er, sie, es spielt | sie spielen |
In Du spielst zeigt die Endung -st die zweite Person Singular an.
Verbformen entstehen nicht immer nur durch eine Endung:
- schwach: spiele – spielte; das Präteritum wird mit -t- gebildet.
- stark: singe – sang; der Stammvokal verändert sich.
- unregelmäßig: bin – bist – ist – seid – sind; innerhalb des Verbs erscheinen stark verschiedene Formen.
Auch Modus und Genus Verbi verändern Verbformen:
- Aussage im Indikativ: Du kommst.
- Aufforderung im Imperativ: Komm!
- Wunsch im Konjunktiv II: Wenn du doch kämst!
- Aktiv: Der Unternehmer entließ die Angestellten.
- Passiv: Die Angestellten wurden entlassen.
Warum müssen Wortformen zusammenpassen?
Zusammengehörige Wörter tragen häufig passende grammatische Merkmale. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz.
Kongruenz
Kongruenz ist die grammatische Übereinstimmung zusammengehöriger Wörter oder Wortgruppen.
Betrachte den Satz:
Wir sehen den kleinen Jungen.
- Wir sehen: Das Subjekt steht in der ersten Person Plural. Dazu passt die Verbform sehen.
- den kleinen Jungen: Artikel, Adjektiv und Nomen gehören zusammen. Sie stehen im Akkusativ Singular Maskulinum.
Ein häufiger Fehler entsteht, wenn man sich beim Verb von einem nahe stehenden Pluralwort täuschen lässt:
- richtig: Das Korpus der Quellen besteht aus Berichten.
- falsch: Das Korpus der Quellen bestehen aus Berichten.
Das Subjekt ist das Korpus und steht im Singular. Deshalb muss auch das Verb im Singular stehen: besteht.
Was ist keine Flexion?
Nicht jede Veränderung eines Wortes ist Flexion. Entscheidend ist, ob nur eine grammatische Form oder ein neues Wort entsteht.
| Vorgang | Beispiel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Flexion | spielen – spielst | andere Form desselben Verbs |
| Ableitung | spielen – Spieler | neues Wort mit neuer Bedeutung |
| Zusammensetzung | Spiel + Platz – Spielplatz | neues Wort aus mehreren Wörtern |
Ändert sich nur die grammatische Form, liegt Flexion vor. Entsteht ein neues Wort mit eigener Bedeutung, liegt Wortbildung vor.
Nicht alle Flexionsformen folgen einem einzigen Muster. Bei einigen Verben gibt es mehrere gebräuchliche Varianten. So gelten sowohl du backst als auch du bäckst sowie er backt und er bäckt.
Ein besonderer Fall ist möchte: Diese Form gehört zum Konjunktiv II von mögen. Es gibt deshalb keine Vergangenheitsform möchtete.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Flexion
- Deklination: nominale Wortarten
- Konjugation: Verben
- Merkmale: Kasus, Numerus, Genus, Person und Zeit
- Kongruenz: passende Formen im Satz
- Abgrenzung: Flexion verändert die Form, Wortbildung erzeugt ein neues Wort
Abschluss-Check
Prüfe beim nächsten Satz in drei Schritten: Welche Wörter sind flektierbar? Welche grammatischen Merkmale verlangt der Satz? Passen die zusammengehörigen Formen zueinander?
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