Wortarten bestimmen: Übersicht und Methode
Wortarten sind Gruppen von Wörtern mit gemeinsamen Merkmalen. Um die Wortart eines Wortes sicher zu bestimmen, prüfst du Form, Funktion und Bedeutung im Satz. Ein einzelnes Merkmal reicht nicht immer aus.
Auf dieser Seite lernst du das schulische Modell mit zehn Wortarten kennen. Du erfährst außerdem, wie du veränderliche und unveränderliche Wörter unterscheidest und mehrdeutige Formen im Satz klärst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die Grundidee: Wörter haben gemeinsame Merkmale
Wörter derselben Wortart ähneln sich in ihrer Bedeutung, ihrer Form oder ihrer Aufgabe im Satz. Nomen benennen zum Beispiel Personen, Dinge oder Gedanken. Konjunktionen verbinden Wörter, Wortgruppen oder Sätze.
Im verbreiteten schulischen Modell unterscheidest du zehn Wortarten:
- Nomen
- Verb
- Adjektiv
- Artikel
- Pronomen
- Adverb
- Präposition
- Konjunktion
- Interjektion
- Numerale
Andere grammatische Modelle können Wörter teilweise anders einteilen. Einige führen etwa Partikeln als eigene Wortart. Für die Bestimmung ist deshalb wichtig, dass du innerhalb eines verwendeten Modells konsequent bleibst.
Wortart
Eine Wortart ist eine Gruppe von Wörtern mit gemeinsamen grammatischen Merkmalen. Wortart und Satzglied sind nicht dasselbe: Die Wortart beschreibt das einzelne Wort, ein Satzglied seine Aufgabe als Teil des Satzes.
Bestimme eine Wortart nicht nur mit einer Frageprobe. Verbinde möglichst mehrere Hinweise: Veränderbarkeit, Stellung, Funktion und Bedeutung.
Veränderbare Wörter: Konjugation und Deklination
Ein Wort ist flektierbar, wenn seine Form verändert werden kann. Diese Formveränderung heißt Flexion oder Beugung.
Bei Verben heißt die Beugung Konjugation. Das Verb passt seine Form unter anderem an die Person an:
- ich lerne
- du lernst
- er oder sie lernt
- wir lernen
- ihr lernt
- sie lernen
Bei Nomen, Artikeln, Pronomen und Adjektiven heißt die Beugung Deklination. Dabei kann sich die Form nach Fall, Anzahl oder grammatischem Geschlecht richten:
- der alte Baum
- des alten Baumes
- den alten Bäumen
Hier verändern sich Artikel, Adjektiv und Nomen gemeinsam.
Bei Numeralien hängt die Veränderbarkeit von der Unterart ab. Kardinalzahlen wie zwei bleiben meistens gleich: zwei Bücher, mit zwei Büchern. Ordinalzahlen werden dagegen gebeugt: der erste Platz, dem ersten Sieger.
Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen und Interjektionen sind unveränderlich.
Konjugation
Konjugation ist die Beugung eines Verbs, zum Beispiel von lernen zu du lernst oder wir lernen.
Deklination
Deklination ist die Beugung von Nomen, Artikeln, Pronomen und Adjektiven nach grammatischen Merkmalen wie Fall und Anzahl.
Untersuche die Wortgruppe mit den schnellen Pferden:
- mit verändert seine Form nicht. Es ist eine Präposition.
- den gehört zum Nomen und zeigt hier eine gebeugte Artikelform.
- schnellen beschreibt die Pferde und besitzt eine passende Endung. Es ist ein Adjektiv.
- Pferden benennt Lebewesen, wird großgeschrieben und ist eine gebeugte Form des Nomens Pferd.
Die Wortformen liefern mehrere Hinweise, die sich gegenseitig bestätigen.
Die zehn Wortarten erkennen
Nomen, Artikel, Pronomen, Adjektiv und Verb
Nomen oder Substantive benennen Personen, Lebewesen, Dinge, Orte, Gedanken oder Gefühle. Sie werden großgeschrieben und stehen häufig mit einem Artikel: der Hund, eine Schule, das Glück.
Artikel begleiten Nomen. Sie zeigen unter anderem Bestimmtheit an: der, die, das sind bestimmte Artikel; ein, eine sind unbestimmte Artikel. Ihre Form kann sich ändern: der Hund, des Hundes, dem Hund.
Pronomen ersetzen ein Nomen oder verweisen darauf. So vermeidest du Wiederholungen: Lena hat einen Hund. Sie geht mit ihm spazieren. Zu den Pronomen gehören beispielsweise ich, du, er, sie, es, mein, dieser.
Adjektive beschreiben Eigenschaften: ein schneller Zug, eine helle Lampe. Vor einem Nomen erhalten sie häufig eine Endung. Viele Adjektive lassen sich steigern: schnell – schneller – am schnellsten.
Verben bezeichnen Handlungen, Vorgänge oder Zustände: schreiben, wachsen, sein. Sie werden konjugiert und bilden den verbalen Kern eines Satzes: Ich schreibe. Die Pflanze wächst. Das Fenster ist offen.
Adverb, Präposition, Konjunktion, Interjektion und Numerale
Adverbien geben Umstände an, zum Beispiel Zeit, Ort, Art oder Grund: heute, dort, gern, deshalb. Sie sind unveränderlich.
Präpositionen zeigen Beziehungen an und stehen meist vor einem Nomen oder Pronomen: mit dem Freund, durch den Garten, nach der Schule. Sie bestimmen den Fall ihres Bezugswortes mit.
Konjunktionen verbinden Wörter, Wortgruppen oder Sätze: Tee oder Kakao, Mia spielt und Tom liest, Ich bleibe zu Hause, weil ich krank bin.
Interjektionen sind kurze Ausrufe, die Gefühle oder spontane Reaktionen ausdrücken: Aua!, Juhu!, Oh!, Hm …
Numeralien geben Zahlen, Mengen, Reihenfolgen oder Anteile an: drei Bücher, der zweite Platz, ein Viertel der Pizza.
Wortarten Schritt für Schritt bestimmen
Gehe bei einer Satzanalyse in vier Schritten vor:
- Lies den ganzen Satz. Beachte Großschreibung, Endungen und Begleiter.
- Prüfe die Form. Kannst du das Wort konjugieren, deklinieren oder steigern?
- Prüfe die Funktion. Benennt, beschreibt, ersetzt oder verbindet das Wort etwas? Zeigt es eine Beziehung oder einen Umstand?
- Prüfe die Bedeutung im Satz. Entscheide erst danach endgültig.
Bestimme die Wortarten in Gestern kaufte ich meinen blauen Ball.
- Gestern nennt einen Zeitpunkt und ist unveränderlich: Adverb.
- kaufte lässt sich verändern: ich kaufte, wir kauften. Es ist ein Verb.
- ich steht für die sprechende Person und kann ein Nomen ersetzen: Pronomen.
- meinen begleitet das Nomen Ball und zeigt Besitz an. Im hier verwendeten Schulmodell wird es als Pronomen eingeordnet.
- blauen beschreibt den Ball und besitzt eine angepasste Endung: Adjektiv.
- Ball benennt einen Gegenstand, wird großgeschrieben und kann mit einem Artikel stehen: Nomen.
Der entscheidende Denkweg lautet: Erst sammelst du Merkmale, dann entscheidest du. Die Bedeutung allein genügt nicht immer.
Nutze eine Probe nur als Hinweis. Eine sichere Bestimmung entsteht, wenn Form, Funktion und Bedeutung zusammenpassen.
Wenn der Satzkontext entscheidet
Dasselbe Wortbild kann je nach Verwendung zu unterschiedlichen Wortarten gehören. Achte deshalb auf den vollständigen Satz.
Vergleiche:
- Morgen beginnt die Schule später. – Morgen gibt einen Zeitpunkt an: Adverb.
- Der Morgen war kühl. – Morgen steht mit einem Artikel und wird großgeschrieben: Nomen.
Auch Verben können substantiviert werden. Dann werden sie wie Nomen verwendet und großgeschrieben:
- Wir laufen schnell. – laufen ist ein Verb.
- Das Laufen macht mir Spaß. – Laufen ist ein substantivierter Infinitiv und damit ein Nomen.
Analysiere Das schnelle Laufen ermüdet.
- Das begleitet Laufen: Artikel.
- schnelle beschreibt Laufen und besitzt eine Endung: Adjektiv.
- Laufen stammt zwar von einem Verb, wird hier aber mit Artikel und Adjektiv wie ein Nomen gebraucht. Es ist ein substantivierter Infinitiv.
- ermüdet bezeichnet das Geschehen und lässt sich konjugieren: Verb.
Die Herkunft eines Wortes entscheidet also nicht allein über seine aktuelle Wortart. Entscheidend ist seine Verwendung im Satz.
Ein Adjektiv kann außerdem eine Handlung näher beschreiben, ohne seine Wortart zu wechseln: In Die Kinder lachen laut beschreibt laut die Art des Lachens. Es ist ein adverbial verwendetes Adjektiv. In Der Laut erschreckte uns ist Laut dagegen ein Nomen.
Adverb und adverbiale Verwendung sind nicht dasselbe. Ein Adverb ist eine Wortart, etwa heute. „Adverbial“ bezeichnet eine Funktion im Satz. Auch ein Adjektiv wie laut kann diese Funktion übernehmen.
Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: „Ein großgeschriebenes Wort ist immer ein Nomen.“
Am Satzanfang wird jedes Wort großgeschrieben. Prüfe deshalb zusätzlich Begleiter, Form und Funktion.
Fehler 2: „Jedes Wort vor einem Nomen ist ein Artikel.“
In der schnelle Zug ist der ein Artikel, aber schnelle ein Adjektiv. Der Artikel begleitet das Nomen; das Adjektiv beschreibt es.
Fehler 3: „Ein Wort mit einer Umstandsbedeutung ist immer ein Adverb.“
In laut lachen übernimmt das Adjektiv laut eine adverbiale Funktion. Wortart und Verwendung müssen getrennt werden.
Fehler 4: „Alle Numeralien sind unveränderlich.“
Kardinalzahlen wie zwei bleiben meist gleich. Ordinalzahlen können Endungen tragen: der erste Versuch, beim ersten Versuch.
Fehler 5: „Eine Frageprobe genügt.“
Die Frage Wie? kann auf ein Adverb oder auf ein adverbial verwendetes Adjektiv führen. Prüfe daher immer mehrere Kriterien.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Verben werden . Nomen, Artikel, Pronomen und Adjektive können werden. Das Wort weil ist eine . In „Das Laufen macht Spaß“ ist Laufen ein .
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wortarten bestimmen
- Form prüfen: konjugieren, deklinieren, steigern oder unveränderlich
- Funktion prüfen: benennen, beschreiben, ersetzen, verbinden oder Beziehungen zeigen
- Bedeutung im ganzen Satz prüfen
- Veränderbare Wortarten: Nomen, Verb, Adjektiv, Artikel, Pronomen und teilweise Numerale
- Unveränderliche Wortarten: Adverb, Präposition, Konjunktion und Interjektion
- Mehrdeutige Formen mit mehreren Kriterien entscheiden
Abschluss-Check
Du kannst Wortarten sicher bestimmen, wenn du nicht nur auf die Bedeutung eines Wortes schaust. Prüfe seine Form, seine Aufgabe und seine konkrete Verwendung im Satz. Besonders bei Wortartwechseln und ähnlichen Funktionen schützt dich diese Mehrfachprobe vor vorschnellen Entscheidungen.
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