Wechselpräpositionen: Dativ oder Akkusativ?
Bei einer räumlichen Wechselpräposition wählst du den Dativ für einen bestehenden Ort und den Akkusativ für ein räumliches Ziel: Das Buch liegt auf dem Tisch. – Ich lege das Buch auf den Tisch. Entscheidend ist die Bedeutung der ganzen Präpositionalgruppe, nicht bloß eine sichtbare Bewegung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Präpositionen können den Kasus wechseln?
Die neun räumlichen Wechselpräpositionen sind:
an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen
Wechselpräposition
Eine Wechselpräposition kann eine Nominalgruppe im Dativ oder im Akkusativ verlangen. Welcher Kasus passt, hängt bei räumlicher Verwendung davon ab, ob die Gruppe einen bestehenden Ort oder ein Ziel bezeichnet.
Die Nominalgruppe besteht aus dem Nomen und seinen Begleitern, zum Beispiel dem Tisch, die Wand oder den Stühlen. Der Kasus zeigt sich häufig am Artikel.
- Die Katze sitzt vor der Tür. – vor ist die Präposition; der Tür ist die Nominalgruppe im Dativ.
- Die Katze setzt sich vor die Tür. – vor ist die Präposition; die Tür ist die Nominalgruppe im Akkusativ.
Bezeichnet die Gruppe einen Ort oder ein Ziel?
Frage zuerst nach der räumlichen Bedeutung:
- Bestehender Ort: Wo befindet sich jemand oder etwas? → Dativ
- Räumliches Ziel: Wohin gelangt jemand oder etwas? → Akkusativ
Der Hund läuft auf dem Gehweg.
Der Hund bewegt sich, aber auf dem Gehweg bezeichnet den Ort, innerhalb dessen er läuft. Deshalb steht der Dativ.
Der Hund läuft auf den Gehweg.
Hier wechselt der Hund auf den Gehweg. Auf den Gehweg bezeichnet das Ziel. Deshalb steht der Akkusativ.
Nicht „Bewegung oder keine Bewegung?“ entscheidet, sondern Ort oder Ziel? Eine Bewegung innerhalb eines Ortes kann mit dem Dativ stehen.
Wie bildest du die vollständige Form?
Nach der Bedeutungsentscheidung musst du den passenden Artikel einsetzen.
| Form | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Dativ | dem | der | dem | den |
| Akkusativ | den | die | das | die |
Im Dativ Plural erhält das Nomen häufig zusätzlich ein -n, wenn seine Form nicht schon auf -n oder -s endet: zwischen den Stühlen.
Einige häufige Verbindungen werden zusammengezogen:
- am = an dem
- im = in dem
- ins = in das
Ausgangssatz: Die Vase steht auf ___ Tisch.
- auf beschreibt die räumliche Beziehung.
- Die Vase befindet sich dort: bestehender Ort → Dativ.
- Tisch ist maskulin: Dativ Singular → dem.
- Ergebnis: Die Vase steht auf dem Tisch.
Bei einem Ziel verändert sich die Form: Ich stelle die Vase auf den Tisch.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Das Bild hängt an Wand. Ich hänge es an Wand. Der Ball liegt unter Bett. Danach rollt er unter Bett.
Welche Verben helfen bei der Entscheidung?
Bestimmte Verbpaare geben einen nützlichen Hinweis:
| Position am Ort | Platzierung an ein Ziel |
|---|---|
| stehen | stellen |
| liegen | legen |
| sitzen | setzen |
- Der Schreibtisch steht neben dem Fenster.
- Ich stelle den Schreibtisch neben das Fenster.
- Das Buch liegt auf dem Tisch.
- Ich lege das Buch auf den Tisch.
- Das Kind sitzt auf dem Stuhl.
- Ich setze das Kind auf den Stuhl.
Auch hängen kann beides ausdrücken:
- Das Bild hängt an der Wand. – bestehende Position
- Ich hänge das Bild an die Wand. – Platzierung mit einem Ziel
Verben wie gehen, fahren, laufen und hängen bestimmen den Kasus also nicht allein. Prüfe immer, was die Präpositionalgruppe bezeichnet.
Auch bei einem Modalverb kann ein Ziel vorliegen: Ich muss ins Bett. Gedanklich lässt sich gehen ergänzen: Ich muss ins Bett gehen.
So löst du einen neuen Satz Schritt für Schritt
Nutze dieses Verfahren:
- Finde die Präposition. Gehört sie zu den neun Wechselpräpositionen?
- Markiere die Nominalgruppe. Welches Nomen mit Artikel gehört zur Präposition?
- Prüfe die räumliche Bedeutung. Bezeichnet die Gruppe einen bestehenden Ort oder ein Ziel?
- Wähle den Kasus. Ort → Dativ; Ziel → Akkusativ.
- Bilde die ganze Form. Kontrolliere Artikel und bei Bedarf die Endung des Nomens.
- Lies den Satz erneut. Passt die Form zur gemeinten Situation?
Aufgabe: Ergänze den Satz Ich stelle mein Fahrrad hinter ___ Baum.
- hinter ist eine Wechselpräposition.
- Die Nominalgruppe enthält das maskuline Nomen Baum.
- Das Fahrrad gelangt an eine neue Stelle. Hinter den Baum ist das Ziel.
- Ein Ziel verlangt den Akkusativ.
- Der Akkusativartikel von der Baum lautet den.
Lösung: Ich stelle mein Fahrrad hinter den Baum.
Zum Vergleich: Mein Fahrrad steht hinter dem Baum. Hier bezeichnet die Gruppe den bestehenden Ort und steht deshalb im Dativ.
Wo endet die räumliche Wechselregel?
Die Regel Ort → Dativ, Ziel → Akkusativ gilt für die räumliche Verwendung der neun Wechselpräpositionen. Bei nicht räumlichen oder festen Verbindungen darfst du sie nicht automatisch übertragen.
Vergleiche:
- Im Herbst fahre ich in den Urlaub. – im Herbst bezeichnet eine Zeit.
- Am Dienstag bin ich zurück. – am Dienstag bezeichnet ebenfalls eine Zeit.
- Übers Wochenende fahre ich weg. – auch diese Verbindung ist zeitlich.
Hier geht es weder um einen bestehenden räumlichen Ort noch um ein räumliches Ziel. Behandle solche Verwendungen daher als eigene feste Verbindungen. Die räumliche Entscheidungsregel allein reicht für sie nicht aus.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wechselpräpositionen
- Bestand: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen
- Bestehender Ort: Dativ
- Räumliches Ziel: Akkusativ
- Formkontrolle: Artikel und Nomen prüfen
- Verbhinweis: stehen–stellen, liegen–legen, sitzen–setzen
- Bedeutungsprüfung: Bewegung allein entscheidet nicht
- Geltungsbereich: räumliche Verwendungen
Abschluss-Check
Du kannst deine Entscheidung nun in einem Satz begründen: Die Präpositionalgruppe bezeichnet einen Ort oder ein Ziel; daraus folgen Kasus und vollständige Form.
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