Französische Liaison: Pflichtfälle und Verbote erkennen
Bei der Liaison sprichst du einen sonst stummen Endkonsonanten vor dem Vokalanfang des nächsten Wortes, auch nach einem h muet. Ob du die Verbindung tatsächlich sprichst, hängt von der Wortgruppe ab. So wird zum Beispiel les amis mit einem hörbaren [z] zwischen den Wörtern gesprochen.
Du lernst, sichere Pflichtfälle zu erkennen, verbotene Verbindungen zu vermeiden und fakultative Liaisons einzuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entsteht eine Liaison?
Ein Vokal ist ein Selbstlaut, ein Konsonant ein Mitlaut. Das h muet ist ein stummes h, das die Verbindung zum folgenden Vokal zulässt.
Auf dieser Seite markieren eckige Klammern den verbindenden Laut: [z] klingt wie das stimmhafte s in „Sonne“, nicht wie das deutsche z in „Zeit“. [t] und [n] bezeichnen die entsprechenden Mitlaute. Der Strich | bedeutet „keine Liaison“; er verlangt keine zusätzliche Sprechpause. Die Markierungen ändern die französische Rechtschreibung nicht.
Viele französische Endkonsonanten bleiben normalerweise stumm. Beginnt das folgende Wort mit einem Vokal oder einem h muet, kann der Endkonsonant jedoch hörbar werden und sich mit der nächsten Silbe verbinden.
Liaison
Eine Liaison ist die hörbare Verbindung eines sonst stummen Endkonsonanten mit dem Anfangsvokal des folgenden Wortes, auch wenn davor ein stummes h muet steht. Beide Wörter gehören dabei zu einer zusammenhängend gesprochenen Einheit.
In nous allons ist das End-s von nous normalerweise stumm. Vor dem Vokal von allons wird es als [z] gesprochen: nous[z]allons.
Auch in de beaux habits verbindet sich das End-x mit dem folgenden h muet: beaux[z]habits.
Nicht jeder geschriebene Endkonsonant klingt bei der Liaison genauso wie im Alphabet:
- s und x werden als [z] gesprochen: les[z]enfants, de beaux[z]enfants.
- d wird als [t] gesprochen: grand[t]écran.
- n wird als [n] gesprochen: mon[n]enfant.
Ein Sonderfall ist neuf heures: Hier hörst du häufig [v], wie das deutsche w. Das ist keine gewöhnliche Liaison eines sonst stummen Konsonanten, denn in neuf allein wird das f bereits gesprochen. Wenn ein ohnehin hörbarer Endkonsonant mit dem nächsten Vokal eine Silbe bildet, heißt dieser Vorgang enchaînement. Verwechsle dieses Weiterverbinden nicht mit dem zusätzlichen Hörbarwerden bei der Liaison.
Ein Vokal am Anfang des zweiten Wortes ermöglicht eine Liaison, erzwingt sie aber nicht immer. Du musst zusätzlich die grammatische Verbindung und mögliche Verbote prüfen.
Wo ist die Liaison Pflicht?
Eine obligatorische Liaison musst du sprechen. Besonders verlässlich sind eng zusammengehörende Wortgruppen.
Begleiter oder Zahlwort vor dem Nomen
Ein Nomen bezeichnet zum Beispiel Personen, Dinge oder Begriffe. Ein Determinant ist sein Begleiter. Dazu gehören Artikel wie les und Possessivbegleiter wie mon („mein“). Auch Zahlwörter wie deux („zwei“) bestimmen das Nomen. Bei den folgenden Verbindungen ist die Liaison Pflicht:
- les[z]enfants
- des[z]animaux
- mon[n]enfant
- deux[z]artistes
- trois[z]ans
Vorangestelltes Adjektiv vor dem Nomen
Ein Adjektiv beschreibt eine Eigenschaft. Steht es wie in den folgenden Beispielen direkt vor dem Nomen, ist die Liaison Pflicht:
- petit[t]éléphant
- grand[t]écran
- premier[r]enfant
Die Stellung ist wichtig: petit éléphant („kleiner Elefant“) hat eine Liaison, éléphant intelligent („intelligenter Elefant“) dagegen nicht. [r] steht hier für den französischen r-Laut.
Personalpronomen vor dem Verb
Ein Personalpronomen steht für Personen oder Dinge, zum Beispiel nous, vous, ils und elles.
- nous[z]achetons
- vous[z]allez
- ils[z]ont
- elles[z]envoient
Häufige kurze Wörter
Merke dir auch très[z]aimable („sehr freundlich“) als Pflichtfall. Nach den Präpositionen, also Verhältniswörtern, dans, chez, sans und sous wird vor einem passenden Vokalanfang ebenfalls verbunden: etwa chez[z]eux („bei ihnen“) und sous[z]un abri („unter einem Unterstand“). Das gilt nicht für jede Präposition und nicht für jedes kurze Wort.
Feste Wendungen
Einige häufige Ausdrücke werden als feste Einheit mit Liaison gesprochen:
- de temps[z]en temps
- de plus[z]en plus
- quand[t]est-ce que
Prüfe les anciens étudiants:
- les bestimmt die folgende Wortgruppe. Zwischen les und anciens besteht daher eine Pflicht-Liaison: les[z]anciens.
- anciens ist ein vorangestelltes Adjektiv vor étudiants. Auch hier wird verbunden: anciens[z]étudiants.
- Die Wortgruppe enthält somit zwei hörbare Liaisonlaute.
Wann darfst du keine Liaison sprechen?
Eine verbotene Liaison wird auch dann nicht gesprochen, wenn das zweite Wort mit einem geschriebenen Vokal oder h beginnt.
Vor h aspiré
Ein h aspiré am Wortanfang blockiert die Liaison. Das h selbst wird dabei nicht wie ein deutsches h ausgesprochen.
- les | héros
- les | haricots
Das h muet blockiert die Verbindung dagegen nicht:
- les[z]hommes
- les[z]histoires
- des[z]horloges
Die Schreibweise mit h allein verrät nicht, ob ein Wort h muet oder h aspiré hat. Für die Beispiele dieser Seite gilt: hommes erlaubt die Liaison, héros und haricots blockieren sie.
Nach et und an deutlichen Sprechgrenzen
Nach et wird keine Liaison gesprochen:
- une fille et | un fils
- Jules et | Isabelle
Auch eine deutliche Pause oder ein Satzzeichen trennt die Wörter. Eine Liaison wird nicht über diese Grenze hinweg gesprochen.
Nach einem Nomen im Singular
Nach einem Nomen im Singular, also in der Einzahl, sprichst du im normalen Satz keine Liaison. Das gilt auch vor einem Verb:
- le chat | est parti („die Katze ist weggegangen“)
Nach einem Nomen im Plural, also in der Mehrzahl, ist die Lage anders: Vor einem Verb bleibt die Liaison im Alltag meist aus. In sehr förmlicher Sprache kann sie vorkommen. Mes parents | ont beaucoup d’argent ist daher eine übliche Aussprache, aber kein ausnahmsloses Liaisonverbot.
Zwischen Nomen und nachgestelltem Adjektiv
Nach einem Nomen im Singular wird vor einem nachgestellten Adjektiv keine Liaison gesprochen:
- un cours | intéressant
- du chocolat | amer
- un étudiant | allemand
Ein weiterer Verbotsfall ist selon | une étude („laut einer Studie“): Nach der Präposition selon wird keine Liaison gesprochen.
Übertrage das Verbot nach einem Nomen im Singular nicht auf den Plural. In des enfants aimables kann zwischen enfants und aimables eine Liaison stehen. Die Pflichtverbindung zwischen des und enfants bleibt davon unabhängig.
Bei einer Inversion steht das Subjektpronomen hinter dem Verb, etwa in einer Frage. Es gibt an, wer etwas tut, zum Beispiel ils („sie“). Dabei musst du zwei verschiedene Wortgrenzen unterscheiden. Zwischen dem Verb und dem nachgestellten Personalpronomen wird verbunden: In ont-ils wird das End-t von ont hörbar. Nach dem invertierten Pronomen beginnt dagegen eine neue Grenze: In sont-ils | arrivés ? gibt es keine Liaison von ils zu arrivés. Die Beispiele beschreiben also unterschiedliche Stellen und widersprechen einander nicht.
Wann ist die Liaison fakultativ?
Eine fakultative Liaison darf gesprochen oder ausgelassen werden. Bei ihr sind beide Aussprachen möglich. Diese Seite zeigt häufige Fälle; aus dem Fehlen einer hier genannten Regel folgt noch nicht, dass jede andere Verbindung frei wählbar ist.
Beispiele sind:
- pas encore („noch nicht“): mit oder ohne [z]
- des enfants aimables („freundliche Kinder“): zwischen enfants und aimables mit oder ohne [z]
- nous avons aimé („wir haben gemocht“): zwischen avons und aimé mit oder ohne [z]
Auch nach einem Adverb auf -ment, etwa in vraiment important („wirklich wichtig“), ist eine Liaison mit [t] möglich, besonders bei förmlichem Sprechen. Sie ist also nicht grundsätzlich verboten. Ein Adverb bestimmt hier eine Eigenschaft näher: vraiment verstärkt important.
Eine fakultative Liaison kann gepflegter oder förmlicher wirken. Eine Sprechpause verhindert die Verbindung. Pflicht-Liaisons bleiben dagegen auch in alltäglicher Sprache Pflicht.
In pas encore kann das End-s als [z] hörbar werden. Die Verbindung ist hier möglich, aber nicht vorgeschrieben.
In les enfants hast du diese Wahl nicht: Die Liaison zwischen Determinant und Nomen ist obligatorisch.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In les amis ist die Liaison . Nach et ist sie . In pas encore kann sie sein. End-s klingt bei einer Liaison meist wie .
Wie entscheidest du bei einer neuen Wortgruppe?
Nutze diese Reihenfolge:
- Prüfe, ob das zweite Wort mit einem Vokal oder einem h muet beginnt.
- Prüfe, ob beide Wörter ohne deutliche Pause zusammengehören.
- Prüfe Verbote wie h aspiré, et oder ein vorausgehendes Nomen im Singular.
- Suche nach einem sicheren Pflichtfall, etwa Begleiter–Nomen oder Personalpronomen–Verb.
- Prüfe, ob du einen fakultativen Fall kennst. Bei unbekannten Wortgruppen können weitere Regeln oder feste Wendungen wichtig sein.
- Bestimme zuletzt den hörbaren Laut, zum Beispiel [z] bei s oder x.
Entscheide bei deux artistes:
- artistes beginnt mit einem Vokal.
- Zahlwort und Nomen gehören eng zusammen.
- Nach dem Zahlwort deux liegt ein Pflichtfall vor.
- Das End-x wird als [z] gesprochen.
Ergebnis: deux[z]artistes.
Deine Anwendung
Ordne jede Wortgruppe einer Kategorie zu und begründe deine Entscheidung:
- vous allez
- les héros
- un cours intéressant
- de temps en temps
- enfants aimables
Lösungen zur Anwendung
- vous[z]allez: Pflicht, weil Personalpronomen und Verb verbunden werden.
- les | héros: verboten, weil héros mit h aspiré beginnt.
- un cours | intéressant: verboten, weil cours hier ein Nomen im Singular ist.
- de temps[z]en temps: Pflicht-Liaison in einer festen Wendung.
- enfants aimables: fakultativ, weil ein Nomen im Plural vor einem nachgestellten Adjektiv steht. Du kannst enfants[z]aimables oder enfants | aimables sprechen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Französische Liaison
- Grundidee
- sonst stummer Endkonsonant wird hörbar
- Folgewort beginnt mit Vokal oder h muet
- Pflicht
- Determinant oder Zahlwort vor Nomen
- vorangestelltes Adjektiv vor Nomen
- Personalpronomen vor Verb
- feste Wendung
- Verbot
- vor h aspiré
- nach et
- nach Nomen im Singular
- nach selon
- an Pause oder Satzgrenze
- Fakultativ
- Pluralnomen vor nachgestelltem Adjektiv
- häufig stilabhängig
- möglich nach Adverbien auf -ment
- Aussprache
- s und x werden [z]
- d wird [t]
- n wird [n]
- Grundidee
Abschluss-Check
Du beherrschst die Grundregel, wenn du nicht nur auf den ersten Buchstaben des zweiten Wortes schaust, sondern auch die grammatische Verbindung prüfst: erst Lautvoraussetzung und Verbote, dann Pflichtfälle und bekannte fakultative Möglichkeiten.
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