Karte lesen: Orientierung, Maßstab und Legende
Eine Karte zeigt einen Raum verkleinert und vereinfacht. Um sie sicher zu lesen, prüfst du zuerst Kartenart, Ausrichtung, Legende und Maßstab. Danach kannst du Orte finden, Entfernungen berechnen, Gelände einschätzen und eine Route planen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Zuerst die passende Karte prüfen
Welche Karte du brauchst, hängt von deinem Vorhaben ab. Eine Stadtkarte hilft dir bei der Suche nach Straßen und Sehenswürdigkeiten. Eine topographische Karte zeigt zusätzlich Gelände, Wege und Höhen und eignet sich deshalb für Wanderungen. Eine Straßenkarte stellt vor allem Verkehrswege dar.
Bevor du Einzelheiten suchst, prüfst du vier Dinge:
- Passt die Kartenart zu deinem Vorhaben?
- Wo liegt Norden?
- Was bedeuten Zeichen, Linien und Farben laut Legende?
- Welcher Maßstab ist angegeben?
Legende
Die Legende erklärt die Zeichen, Farben und Linien einer bestimmten Karte. Du musst Kartensymbole nicht auswendig lernen, denn ihre genaue Bedeutung kann sich von Karte zu Karte unterscheiden.
Blau steht häufig für Wasser und Grün häufig für Wälder, Wiesen oder Parks. Das sind aber keine Regeln für jede Karte. Entscheidend ist immer die jeweilige Legende.
Du siehst auf einer Karte eine blaue Linie und ein schwarzes Zeichen mit einem Kreuz. Die Legende ordnet der blauen Linie einen Fluss und dem Kreuzzeichen eine Kirche zu. Damit kannst du den Weg so beschreiben: „Die Route führt an der Kirche vorbei und überquert den Fluss.“
Orte mit Himmelsrichtungen und Planquadraten finden
Viele Karten sind so ausgerichtet, dass Norden oben liegt. Verlasse dich darauf aber erst, nachdem du einen Nordpfeil, eine Windrose oder einen Hinweis in der Legende geprüft hast.
Bei einer nach Norden ausgerichteten Karte gilt:
- oben: Norden
- rechts: Osten
- unten: Süden
- links: Westen
Zwischen den Hauptrichtungen liegen Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten. Beschreibe eine Lage mit diesen Richtungen statt nur mit „oben“ oder „rechts“.
Prüfe zuerst die Ausrichtung der Karte. Erst danach darfst du aus einer Position auf der Karte eine Himmelsrichtung ableiten.
Ein Kartenraster teilt die Fläche in Planquadrate. Häufig kennzeichnen Buchstaben die Spalten und Zahlen die Zeilen. Bei der Angabe C/3 suchst du zuerst die Spalte C und dann die Zeile 3. Ihr Schnittbereich ist das gesuchte Quadrat.
Auf einer nach Norden ausgerichteten Karte liegt das Schwimmbad rechts oberhalb des Bahnhofs. Vom Bahnhof aus liegt es deshalb im Nordosten. Ist dieser Bereich zugleich mit C/3 beschriftet, findest du das Schwimmbad im Planquadrat C/3.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei einer nach Norden ausgerichteten Karte liegt Osten . Für das Planquadrat B/2 suchst du die und die .
Entfernungen mit dem Maßstab berechnen
Der Maßstab vergleicht eine Länge auf der Karte mit derselben Länge in der Wirklichkeit. Der Maßstab $1:50\,000$ bedeutet: 1 Zentimeter auf der Karte entspricht 50.000 Zentimetern in der Wirklichkeit.
Da 100 Zentimeter 1 Meter ergeben, gilt:
$$50\,000\ \text{cm} \div 100 = 500\ \text{m}$$
Also entspricht bei diesem Maßstab 1 Zentimeter auf der Karte 500 Metern in der Wirklichkeit.
Eine Strecke ist auf einer Karte 20 cm lang. Der Maßstab beträgt $1:30\,000$.
Zuerst rechnest du die Kartenlänge in die wirkliche Länge um:
$$20\ \text{cm} \cdot 30\,000 = 600\,000\ \text{cm}$$
Ein Kilometer sind 100.000 Zentimeter. Deshalb rechnest du weiter:
$$600\,000\ \text{cm} \div 100\,000 = 6\ \text{km}$$
Die Strecke ist in Wirklichkeit 6 km lang. Einheit und Größenordnung sind plausibel: Auf einer stark verkleinerten Karte stehen wenige Zentimeter für mehrere Kilometer.
Eine gerade Strecke misst du mit einem Lineal. Bei einem gekrümmten Weg kannst du einen Faden entlang der Route legen, ihn anschließend geradeziehen und an einer Maßstabsleiste oder mit dem Zahlenmaßstab auswerten.
Höhenlinien lesen und eine Route planen
Eine flache Karte kann Berge nicht dreidimensional zeigen. Deshalb stellt sie Höhen oft durch Farben oder Höhenlinien dar. Welche Höhe eine Farbe oder Linie bedeutet, musst du auf der Karte prüfen.
Höhenlinien verbinden Punkte gleicher Höhe. Geschlossene Ringe können einen Hügel oder Berg darstellen. Für den Abstand der Linien gilt:
- eng beieinander: steiler Hang
- weit auseinander: flacher Hang
Ein Modellhügel wird in vier gleich hohe Schichten zerlegt. Jede Schicht entspricht 50 Höhenmetern. Die Umrisse der Schichten werden als geschlossene Linien übertragen.
$$4 \cdot 50\ \text{m} = 200\ \text{m}$$
Der Hügel ist im Modell 200 m hoch. Liegen seine Umrisslinien an einer Seite dicht zusammen, steigt das Gelände dort besonders steil an.
Für eine Route reichen Entfernung und Zielrichtung nicht aus. Prüfe zusätzlich Wege, Gewässer, Gelände und markante Orte. Beim Abgleich mit der wirklichen Umgebung geben zwei oder drei übereinstimmende Merkmale mehr Sicherheit als ein einziges Zeichen.
Ein sinnvoller Ablauf ist:
- Start und Ziel finden.
- Richtung und Planquadrate bestimmen.
- mögliche Wege mithilfe der Legende erkennen.
- Entfernung berechnen.
- Höhenlinien und Hindernisse prüfen.
- unterwegs mehrere Merkmale mit der Karte vergleichen.
Karten als vereinfachte Modelle beurteilen
Eine Karte ist kein vollständiges Abbild der Wirklichkeit. Sie ist ein Modell: Sie verkleinert den Raum, wählt Informationen aus und stellt sie durch Zeichen dar. Eine Wanderkarte hebt andere Merkmale hervor als eine Straßen- oder Stadtkarte.
Diese Vereinfachung wird auch Generalisierung genannt. Kleine oder weniger wichtige Einzelheiten können weggelassen, zusammengefasst oder deutlicher dargestellt werden. Das macht die Karte lesbar, kann aber auch deinen Eindruck eines Raumes beeinflussen.
Gedruckte Karten halten den Informationsstand zum Druckzeitpunkt fest. Digitale Karten können Daten häufiger aktualisieren und Informationsebenen ein- oder ausblenden. Sie können jedoch von Akku, Technik, GPS oder Datenverbindung abhängen. Bei beiden Formen solltest du Zweck, Aktualität und Auswahl der Informationen prüfen.
Stelle bei einer Karte deshalb drei Fragen:
- Für welchen Zweck wurde sie erstellt?
- Welche Informationen zeigt oder betont sie?
- Welche Informationen fehlen oder könnten veraltet sein?
Eine Stadtkarte zeigt Straßen und Sehenswürdigkeiten deutlich, aber vielleicht keine Höhenlinien und schmalen Waldwege. Sie ist nicht falsch: Sie wurde für einen anderen Zweck vereinfacht. Für eine Wanderung wäre eine topographische Karte besser geeignet.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Karte lesen
- Karte vorbereiten
- passende Kartenart wählen
- Norden und Legende prüfen
- Orte finden
- Himmelsrichtungen nutzen
- Planquadrate bestimmen
- Strecke beurteilen
- Maßstab umrechnen
- Höhenlinien vergleichen
- Darstellung prüfen
- Zweck und Aktualität beachten
- Auswahl und Vereinfachung erkennen
- Karte vorbereiten
Abschluss-Check
Wenn du eine neue Karte liest, gehe immer vom Überblick zu den Einzelheiten: Kartenart wählen, Norden prüfen, Legende lesen, Orte finden, Maßstab und Höhen auswerten und die Darstellung kritisch prüfen.
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