Kartenprojektion: Verzerrungen verstehen
Eine Kartenprojektion überträgt die gekrümmte Erdoberfläche auf eine flache Karte. Dabei entstehen immer Verzerrungen. Eine Karte kann deshalb nicht gleichzeitig überall Flächen, Formen, Winkel und Entfernungen korrekt zeigen. Welche Verzerrung sinnvoll ist, hängt vom Zweck der Karte ab.
Auf dieser Seite lernst du, Projektionseigenschaften zu unterscheiden, zwei Weltkarten begründet zu vergleichen und Karten kritisch zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum jede ebene Karte verzerrt
Kartenprojektion
Eine Kartenprojektion ist eine grafische, geometrische oder mathematische Vorschrift, die Punkte der gekrümmten Erde auf eine Ebene überträgt. Aus geografischer Länge und Breite werden dabei Positionen auf der flachen Karte.
Stell dir eine Orange vor. Ihre Schale ist gekrümmt. Willst du sie als zusammenhängende Fläche flach auf den Tisch legen, musst du sie dehnen, drücken, falten oder einreißen. Ähnlich ist es mit der Erdoberfläche: Kugel und Ebene haben verschiedene Krümmungen. Eine verzerrungsfreie Übertragung ist daher unmöglich.
Eine Projektion beseitigt Verzerrung nicht. Sie verteilt Verzerrungen so, dass die Karte für einen bestimmten Zweck brauchbar wird.
Welche Eigenschaft soll erhalten bleiben
Treue bedeutet bei einer Projektion nicht, dass alles richtig dargestellt wird. Sie bezeichnet die geometrische Eigenschaft, die unter bestimmten Bedingungen erhalten bleibt.
- Flächentreu: Flächen stehen im richtigen Größenverhältnis. Formen und Winkel können verzerrt sein.
- Winkeltreu: Lokale Winkel bleiben erhalten. Das ist für Navigation wichtig; Flächen können stark falsch wirken.
- Längentreu oder äquidistant: Bestimmte Entfernungen stimmen, zum Beispiel vom Kartenmittelpunkt aus. Eine ebene Karte kann nicht überall und in jeder Richtung längentreu sein.
- Vermittelnd: Mehrere Verzerrungsarten werden ausgeglichen, ohne eine Eigenschaft vollständig zu erhalten.
Eine Karte soll Entfernungen von einer Funkantenne zu verschiedenen Orten zeigen. Eine äquidistante azimutale Projektion mit der Antenne im Mittelpunkt ist passend: Entfernungen und Richtungen vom Mittelpunkt lassen sich ablesen. Daraus folgt nicht, dass beliebige Entfernungen zwischen zwei anderen Orten ebenfalls unverzerrt sind.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Für den Vergleich von Ländergrößen ist eine Projektion passend. Für die Navigation ist oft eine Projektion wichtig. Eine längentreue Projektion bewahrt Entfernungen. Eine vermittelnde Projektion ist ein zwischen mehreren Verzerrungsarten.
Was Mercator und Gall-Peters zeigen
Die Mercator-Projektion ist winkeltreu. Deshalb eignet sie sich besonders für Navigation. Am Äquator werden Größen korrekt dargestellt; mit wachsender Entfernung vom Äquator erscheinen Flächen zunehmend vergrößert. So kann Grönland auf einer Mercator-Weltkarte ungefähr so groß wie Afrika wirken.
Die Gall-Peters-Projektion ist flächentreu. Länderflächen stehen im korrekten Größenverhältnis zueinander. Dafür werden Umrisse, Formen und Winkel teils stark verzerrt. Sie eignet sich also für Flächenvergleiche, nicht für winkeltreue Navigation.
Aufgabe: Du möchtest die Flächengröße von Europa und Südamerika vergleichen. Welche der beiden Projektionen wählst du?
Lösung: Du wählst Gall-Peters, weil diese Projektion Flächenverhältnisse bewahrt. Mercator wäre für diesen Zweck ungeeignet: Die zunehmende Flächenvergrößerung in höheren Breiten lässt Europa zu groß erscheinen. Gall-Peters zeigt dafür die Formen weniger naturgetreu. Die passende Antwort lautet deshalb nicht „Gall-Peters ist immer besser“, sondern „Gall-Peters passt besser zu diesem Zweck“.
Wie du eine Projektion passend auswählst
Beginne nicht mit der Frage „Welche Projektion ist die beste?“. Frage zuerst: Was soll die Karte leisten?
- Bestimme den Zweck: navigieren, Flächen vergleichen, Entfernungen von einem Punkt messen oder einen ausgewogenen Überblick geben.
- Wähle die dafür wichtige Treueart.
- Benenne ausdrücklich, welche Eigenschaft dafür verzerrt werden darf.
- Prüfe, ob der dargestellte Erdraum günstig zur Projektionsfläche liegt. An Berühr- oder Schnittlinien ist die Verzerrung gering; mit wachsendem Abstand kann sie zunehmen.
| Zweck | sinnvolle Eigenschaft | wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Navigation | Winkeltreue | Flächen können falsch wirken |
| Vergleich von Länderflächen | Flächentreue | Formen und Winkel können verzerrt sein |
| Entfernungen von einem Mittelpunkt | Äquidistanz vom Mittelpunkt | andere Strecken müssen nicht stimmen |
| Weltkarte als Überblick | vermittelnder Kompromiss | keine Eigenschaft bleibt vollständig erhalten |
Wie du Karten kritisch vergleichst
Eine Kartenanalyse wird klarer, wenn du drei Schritte trennst:
- Beschreiben: Nenne nur, was du auf der Karte erkennst.
- Erklären: Verbinde die Beobachtung mit Projektion, Zentrierung, Ausrichtung oder Grenzdarstellung.
- Deuten: Formuliere vorsichtig, welche Wirkung oder Aussage dadurch entstehen kann.
Beschreibung: Auf einer Mercator-Weltkarte wirkt Grönland ungefähr so groß wie Afrika.
Erklärung: Grönland liegt weit vom Äquator entfernt. Mercator vergrößert Flächen mit zunehmender geografischer Breite stark, während Größen am Äquator korrekt dargestellt werden.
Deutung: Die Darstellung kann dazu führen, dass Betrachtende die Fläche Grönlands überschätzen. Das ist eine begründete mögliche Wirkung, keine direkt in der Karte messbare Absicht.
Projektion ist nur eine Entscheidung. Auch Kartenmittelpunkt, Ausrichtung und dargestellte Grenzen beeinflussen das Weltbild. Norden muss nicht oben und Europa nicht in der Mitte liegen. Politisch umstrittene Grenzen können außerdem je nach Herkunft der Karte verschieden erscheinen.
Trenne technische Verzerrung und mögliche Wirkung: Erst beschreiben, dann erklären, schließlich vorsichtig deuten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kartenprojektion
- Grundproblem
- gekrümmte Erde wird zur ebenen Karte
- Verzerrung ist unvermeidlich
- Auswahl nach Zweck
- Navigation braucht Winkeltreue
- Flächenvergleich braucht Flächentreue
- bestimmte Entfernungen brauchen passende Längentreue
- kritische Analyse
- Beobachtung beschreiben
- Ursache erklären
- mögliche Wirkung deuten
- Grundproblem
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