Kontinentaldrift: Belege, Ursachen und Folgen
Kontinente verändern tatsächlich ihre Lage. Sie bewegen sich mit den Lithosphärenplatten meist nur wenige Zentimeter pro Jahr. Über Millionen Jahre öffnen und schließen sich dadurch Ozeane, und die Anordnung der Kontinente verändert sich grundlegend.
Auf dieser Seite lernst du, Kontinentaldrift und Plattentektonik zu unterscheiden, Wegeners Belege zu erklären und Folgen der Plattenbewegung herzuleiten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Kontinente und Platten unterscheiden
Stell dir die feste Außenschale der Erde wie eine gesprungene Eierschale vor. Sie besteht nicht aus einem einzigen Stück, sondern aus großen und kleinen Platten. Diese bewegen sich auf heißem, zäh verformbarem Gesteinsmaterial.
Kontinentaldrift
Kontinentaldrift oder Kontinentalverschiebung ist die langsame Bewegung, Trennung und Vereinigung von Kontinenten.
Lithosphärenplatte
Eine Lithosphärenplatte ist ein beweglicher Teil der festen äußeren Erdhülle. Die Lithosphäre umfasst die Erdkruste und den obersten Teil des Erdmantels. Eine Platte kann kontinentale Kruste, ozeanische Kruste oder beides tragen.
Plattentektonik
Die Plattentektonik beschreibt die Bewegung der Lithosphärenplatten und die Vorgänge an ihren Grenzen. Kontinentaldrift ist ein sichtbarer Teil dieses umfassenderen Modells.
Kontinente gleiten also nicht allein durch den Ozeanboden. Sie werden von den Platten mitbewegt, auf denen sie liegen.
Kontinentaldrift beschreibt die Wanderung der Kontinente. Plattentektonik erklärt den größeren Zusammenhang aus bewegten Platten, neuer Kruste und abtauchender Kruste.
Belege verraten eine frühere Verbindung
Warum nahm Alfred Wegener an, dass heute getrennte Kontinente früher zusammenhingen? Eine passende Küstenform allein wäre nur ein Hinweis. Überzeugender wird die Erklärung, wenn verschiedene Beobachtungen dasselbe Bild stützen.
Wegener verband mehrere voneinander unabhängige Indizien:
- Die Formen Südamerikas und Afrikas passen zusammen. Noch genauer passen die unter Wasser liegenden Kontinentalränder.
- Gesteinsabfolgen und geologische Strukturen auf beiden Seiten des Atlantiks ähneln einander.
- Gleichgerichtete Spuren einer früheren Vereisung kommen auf mehreren Südkontinenten vor.
- Verwandte Fossilien von Land- oder Süßwasserlebewesen wurden auf heute weit getrennten Kontinenten gefunden.
Indiz
Ein Indiz ist eine Beobachtung, die eine Erklärung stützt, sie aber nicht allein beweist. Mehrere unabhängige Indizien bilden gemeinsam eine stärkere Begründung.
Fossilien desselben Süßwasserlebewesens werden in Südamerika und Afrika gefunden. Ein großer Ozean wäre für dieses Tier eine kaum überwindbare Strecke gewesen. Zusammen mit passenden Gesteinen und Kontinentalrändern spricht der Fund deshalb dafür, dass beide Landmassen früher verbunden waren.
Aus solchen Befunden rekonstruierte Wegener Pangaea, einen früheren Superkontinent, in dem die heutigen Kontinentalmassen vereinigt waren.
Vom richtigen Befund zum tragfähigen Modell
Wegener stellte seine Theorie besonders 1912 und 1915 vor. Sein entscheidender Gedanke war richtig: Kontinente sind beweglich und waren früher anders angeordnet.
Seine Erklärung für den Antrieb überzeugte jedoch nicht. Er vermutete unter anderem Flieh- und Gezeitenkräfte. Diese Mechanismen erwiesen sich als ungeeignet, die Bewegung zu erklären. Deshalb setzte sich die Driftlehre zunächst nicht allgemein durch.
Erst Erkenntnisse über die Plattentektonik führten ab den 1960er Jahren zur breiten Anerkennung des Bewegungsbefunds. An manchen Plattengrenzen entsteht neue ozeanische Kruste; an anderen taucht Kruste in den Mantel ab.
Ein richtiger Befund und eine richtige Erklärung seines Mechanismus sind nicht dasselbe. Wegeners Belege für bewegliche Kontinente blieben wertvoll, obwohl sein vorgeschlagener Antrieb falsch war.
Die Bewegung wird mit Vorgängen im heißen Erdinneren verbunden. Mantelströmungen können Material transportieren. Außerdem kann eine kalte, schwere, absinkende Plattenkante den restlichen Teil der Platte nachziehen. Wie stark die verschiedenen Kräfte jeweils beitragen, wird in vereinfachten Modellen nicht vollständig gezeigt.
Plattengrenzen formen die Erdoberfläche
Besonders deutliche Folgen der Plattenbewegung findest du an Plattengrenzen.
Wenn Platten auseinanderweichen
- Heißes Gesteinsmaterial steigt auf.
- Material kühlt ab und erstarrt.
- Neue Erdkruste entsteht.
- Die Platten entfernen sich weiter voneinander.
Dieser Vorgang heißt Ozeanbodenspreizung. Dabei können mittelozeanische Rücken entstehen und Ozeane breiter werden.
Wenn Platten zusammenstoßen
Trifft schwere ozeanische Kruste auf eine andere Platte, kann sie in den Mantel absinken.
Subduktion
Subduktion ist das Abtauchen einer kalten, schweren Lithosphärenplatte in den Erdmantel. Dabei können Tiefseegräben, Vulkane und starke Erdbeben auftreten.
Stoßen kontinentale Bereiche zusammen, wird die leichtere kontinentale Kruste eher gestaucht als tief in den Mantel gezogen. Dadurch können Gebirge entstehen.
Plattengrenzen verbinden Bewegung und Landschaft: Auseinanderweichen kann neue Kruste bilden; Zusammenstoßen kann Subduktion oder Gebirgsbildung auslösen.
Kleine Geschwindigkeit, große Veränderung
Typische Plattenbewegungen liegen bei etwa 1 bis 10 Zentimetern pro Jahr. Das wirkt langsam, summiert sich über geologische Zeiträume aber zu großen Entfernungen.
Eine Platte bewegt sich gleichbleibend mit 10 Zentimetern pro Jahr.
In 10 Jahren legt sie zurück:
10 cm/Jahr · 10 Jahre = 100 cm = 1 m
In 1 Million Jahren wären es bei unveränderter Geschwindigkeit:
10 cm/Jahr · 1 000 000 Jahre = 10 000 000 cm = 100 km
Die Einheitenkontrolle passt: Die Jahre kürzen sich, übrig bleibt eine Entfernung. Die Rechnung zeigt, warum wenige Zentimeter pro Jahr langfristig ganze Ozeanräume verändern können.
Diese Hochrechnung ist ein Modell. Platten brauchen zwar sehr lange, um ihre Richtung deutlich zu ändern, doch Geschwindigkeit und Richtung bleiben über Hunderte Millionen Jahre nicht sicher konstant. Eine Zukunftskarte ist deshalb eine Extrapolation, keine genaue Vorhersage.
Deine Anwendung
Eine Platte bewegt sich mit 4 Zentimetern pro Jahr. Wie weit würde sie bei gleichbleibender Geschwindigkeit in 1 Million Jahren wandern? Nenne außerdem eine Grenze dieser Rechnung.
Lösung: 4 cm/Jahr · 1 000 000 Jahre = 4 000 000 cm = 40 km.
Die Rechnung setzt voraus, dass Richtung und Geschwindigkeit während der gesamten Zeit gleich bleiben. Genau das ist über sehr lange Zeiträume unsicher. Das Ergebnis beschreibt daher eine modellhafte Hochrechnung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kontinentaldrift
- beschreibt
- langsame Wanderung der Kontinente
- Trennung und Vereinigung von Landmassen
- wird belegt durch
- passende Kontinentalränder
- Gesteine, Vereisungsspuren und Fossilien
- gehört zur Plattentektonik
- neue Kruste durch Spreizung
- alte Kruste durch Subduktion im Mantel
- hat Folgen
- Gebirge und Tiefseegräben
- Vulkane und Erdbeben
- wirkt über lange Zeit
- Zentimeter pro Jahr ergeben große Entfernungen
- Zukunftskarten bleiben unsichere Extrapolationen
- beschreibt
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du drei Ebenen sauber verbindest: Belege zeigen die Bewegung, Plattentektonik erklärt die Zusammenhänge und Plattengrenzen machen viele Folgen sichtbar.
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