Periglazial: Frostprozesse und Landschaftsformen
Periglazial sind überwiegend unvergletscherte Räume, in denen Frost sowie wiederholtes Gefrieren und Auftauen die Landschaft deutlich formen. Sie müssen weder direkt neben einem Gletscher liegen noch zwingend Permafrost besitzen.
Du lernst, welche Bedingungen periglaziale Prozesse steuern, wie typische Formen entstehen und wie du Landschaftsspuren als Indizien für frühere Prozesse auswertest.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was macht einen Raum periglazial?
Das Wort bedeutet ursprünglich „um das Eis herum“. Die heutige Bedeutung ist weiter: Entscheidend ist nicht die Entfernung zu einem Gletscher, sondern die landschaftsprägende Frostwirkung.
Periglazial
Periglazial bezeichnet Klimabedingungen, Prozesse und Landformen in überwiegend unvergletscherten Räumen, deren Entwicklung wesentlich durch Bodeneis sowie Gefrier- und Auftauvorgänge bestimmt wird.
Glaziale Prozesse gehen unmittelbar vom Gletschereis aus. Periglaziale Prozesse wirken dagegen gewöhnlich außerhalb vergletscherter Flächen. Ein periglazialer Raum kann deshalb weit von einem Gletscher entfernt liegen.
Auch Permafrost und Periglazial sind nicht dasselbe. Permafrost ist Boden oder Gestein, dessen Temperatur mindestens zwei Jahre lang höchstens 0 °C beträgt. Er begünstigt zahlreiche periglaziale Prozesse, ist nach der breiteren prozessbezogenen Abgrenzung aber keine allgemeine Voraussetzung.
Periglaziale Gebiete gibt es heute vor allem in hohen Breiten und in den Höhenstufen von Hochgebirgen. Während der pleistozänen Kaltzeiten waren auch große eisfreie Teile Mitteleuropas periglazial geprägt.
Nicht die Nähe zu einem Gletscher entscheidet, sondern die nachweisbare landschaftliche Wirkung von Frost und Frost-Tau-Wechseln.
Wie wird Frost landschaftlich wirksam?
Kälte allein formt noch keine periglaziale Landschaft. Frost muss mit Wasser und einem geeigneten Untergrund zusammenwirken. Zusätzlich beeinflussen Relief, Schnee und Vegetation die Stärke der Prozesse.
Wichtige Steuerungsfaktoren sind:
- Temperaturverlauf: Entscheidend sind Dauer, Häufigkeit und Tiefe des Gefrierens und Auftauens.
- Wasser: Ohne Bodenfeuchtigkeit kann sich kaum wirksames Bodeneis bilden. Sehr trockene Räume besitzen deshalb eine Grenze periglazialer Formung.
- Substrat: Korngröße, Gesteinsart und Bodentextur bestimmen, wie Wasser gespeichert und verlagert wird.
- Relief: An Hängen kann die Schwerkraft gelockertes oder wassergesättigtes Material abwärts bewegen.
- Schnee und Vegetation: Beide können den Boden gegen schnelle Temperaturwechsel isolieren.
Beim Gefrieren kann Wasser zur Gefrierfront, also zur Grenze zwischen gefrorenem und ungefrorenem Boden, wandern. Dort entstehen Eislinsen oder Eisschichten. Ihr Wachstum übt Druck aus und hebt oder staucht das umgebende Material.
Ein feuchter, schluffreicher Boden friert langsam von oben nach unten. Wasser wandert aus tieferen Bereichen zur Gefrierfront und bildet dort eine Eislinse. Die wachsende Eislinse hebt einen Stein an. Beim Auftauen schmilzt das Eis, und Feinmaterial füllt einen Teil des frei gewordenen Raums. Wiederholt sich der Vorgang, wird der Stein schrittweise verlagert. Der entscheidende Zusammenhang lautet daher:
Frost-Tau-Wechsel + Wasser + geeignetes Substrat → Eislinsen → Frosthub und Materialsortierung
Welche Prozesse und Formen entstehen?
An Hängen ist Solifluktion ein wichtiger Verlagerungsprozess. Dabei bewegt sich durch Frostwechsel beeinflusstes Bodenmaterial langsam hangabwärts. Sie kann auch ohne dauerhaft gefrorenen Untergrund auftreten.
Eine besondere Form ist die Gelifluktion: Im Sommer taut eine wassergesättigte obere Bodenschicht auf, während der Untergrund gefroren bleibt. Das Wasser kann kaum versickern, die Auftauschicht verliert an Stabilität und fließt am Hang langsam abwärts.
Auf eher ebenen Flächen kann wiederholter Frosthub Material sortieren. So entstehen Frostmusterböden wie Steinringe oder Polygone. An geneigten Flächen können sich die sortierten Bestandteile zu Steinstreifen anordnen.
Weitere periglaziale Formen und Prozesse sind:
- Eiskeile: Eis füllt wiederholt Frostspalten; netzartige Strukturen können an der Oberfläche erkennbar werden.
- Kryoturbation: Gefrieren und Auftauen durchmischen oder verformen Bodenschichten.
- Nivation: Lange liegende Schneefelder fördern durch Schmelzwasser, Frostwechsel und Schneebewegung die Ausbildung örtlicher Hohlformen.
- Thermokarst: Tauender Permafrost verliert Eisvolumen und Tragfähigkeit; die Oberfläche kann absinken und Mulden oder Tauseen bilden.
- periglaziale Spüldenudation: Schmelzwasser spült lockeres Material flächenhaft ab.
Nicht jede genannte Form beweist für sich allein ein periglaziales Gebiet. Einige Formen können auch unter anderen Bedingungen entstehen oder aus einer früheren Kaltzeit erhalten geblieben sein.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Wandert Wasser beim Gefrieren zur Gefrierfront, können sich bilden. Eine wassergesättigte Auftauschicht über gefrorenem Untergrund begünstigt die . Das Auftauen eisreichen Permafrosts kann zu führen.
Wie rekonstruierst du eine periglaziale Landschaft?
Eine Landform ist ein Indiz, also ein beobachtbarer Hinweis auf einen möglichen Entstehungsprozess. Sie ist selten ein eindeutiger Beweis. Für eine Rekonstruktion verbindest du deshalb mehrere Beobachtungen.
Gehe in vier Schritten vor:
- Form oder Sediment beschreiben: Was ist tatsächlich zu erkennen, ohne es schon zu deuten?
- notwendige Bedingungen bestimmen: Welche Rolle müssten Frost, Wasser, Substrat und Relief gespielt haben?
- Prozessfolge aufstellen: In welcher zeitlichen Reihenfolge können Erosion, Verlagerung und Ablagerung gewirkt haben?
- Alternativen prüfen: Könnte die Form anders entstanden oder später überprägt worden sein?
Ein breites Tal besitzt mehrere Schotterterrassen auf unterschiedlichen Höhen. Eine mögliche periglaziale Prozessfolge lautet:
- Zu Beginn einer Kaltphase nimmt die Vegetationsbedeckung ab.
- Konzentrierte Schmelzwasserabflüsse erodieren Talboden und Talhänge.
- Später gelangt so viel Hangmaterial in den Fluss, dass er mehr Schotter erhält, als er abtransportieren kann. Material wird abgelagert.
- Bei erneuter Erwärmung und verändertem Abfluss schneidet sich der Fluss wieder ein.
- Reste älterer Talböden bleiben als Terrassen oberhalb des neuen Flussbetts erhalten.
Die Terrassen passen somit zu einem Wechsel von Eintiefung und Ablagerung. Sie beweisen aber keine überall gleich starke periglaziale Talbildung. Regionale Bedingungen und andere fluviale Einflüsse müssen mitgeprüft werden.
Fossile und aktuelle Formen sind ebenfalls zu unterscheiden. Rezente Formen entstehen unter heutigen Bedingungen. Fossile Formen stammen aus früheren Kaltzeiten und sind heute nur noch erhalten oder überprägt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Periglazial
- Kennzeichen: landschaftswirksamer Frost in überwiegend unvergletscherten Räumen
- Steuerung: Temperatur, Wasser, Substrat, Relief, Schnee und Vegetation
- Bodeneis: Eislinsen erzeugen Frosthub und Materialsortierung
- Hangprozesse: Solifluktion und Gelifluktion verlagern Material
- Tauprozesse: Permafrostabbau kann Thermokarst verursachen
- Zeitbezug: Formen können rezent oder fossil sein
- Rekonstruktion: Beobachtung, Bedingungen, Prozessfolge und Alternativen prüfen
Abschluss-Check
Wenn du Periglazial erklären willst, denke immer als Wirkungskette: Klima und Frost treffen auf Wasser, Substrat und Relief; daraus entstehen Prozesse, und diese hinterlassen Formen und Sedimente.
Mit Google fortfahren