Plattengrenzen: Typen, Prozesse und Folgen
An Plattengrenzen treffen bewegliche Teile der festen äußeren Erdhülle aufeinander. Je nachdem, ob sie auseinanderdriften, zusammenstoßen oder seitlich aneinander vorbeigleiten, entstehen unterschiedliche Landschaftsformen und Naturereignisse.
Auf dieser Seite lernst du, die drei Grenztypen an ihrer Bewegung und ihren typischen Folgen zu erkennen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bewegt sich an einer Plattengrenze?
Die feste äußere Hülle der Erde ist kein zusammenhängendes Stück. Ihre Lithosphäre besteht aus mehreren großen und kleineren Platten. Zur Lithosphäre gehören die Erdkruste und der feste oberste Teil des Erdmantels.
Unter der Lithosphäre liegt die Asthenosphäre. Ihr Gestein ist heiß und kann sich über lange Zeiträume zähplastisch verformen. Dadurch können sich die darüberliegenden Platten langsam bewegen.
Plattengrenze
Eine Plattengrenze ist der Bereich, in dem zwei Lithosphärenplatten aneinandergrenzen und sich relativ zueinander bewegen.
Eine Platte ist nicht automatisch eine reine „Kontinentalplatte“. Sie kann kontinentale Kruste, ozeanische Kruste oder beides tragen. Ozeanische Kruste ist dünner und dichter als kontinentale Kruste. Dieser Dichteunterschied ist bei manchen Kollisionen entscheidend.
Die Bewegung wird unter anderem mit Strömungen im Erdmantel, dem Zug absinkender Plattenteile und Kräften an mittelozeanischen Rücken erklärt.
Darstellungen mit Platten und Strömungspfeilen sind Modelle. Sie helfen beim Erklären, zeigen aber nicht jede Gesteinsbewegung oder jede Kraft im Erdinneren vollständig.
Drei Bewegungen bestimmen den Grenztyp
Du kannst die drei Plattengrenzen zuerst an der Bewegungsrichtung unterscheiden:
| Grenztyp | Bewegung | Grundwirkung |
|---|---|---|
| divergierend oder konstruktiv | voneinander weg | Neue Kruste entsteht. |
| konvergierend oder destruktiv | aufeinander zu | Subduktion oder Gebirgsbildung findet statt. |
| konservativ oder Transformgrenze | seitlich aneinander vorbei | Kruste wird weder neu gebildet noch in den Mantel zurückgeführt. |
Erst die Bewegung, dann die Folge: auseinander – neu bilden; aufeinander zu – abtauchen oder auffalten; seitlich vorbei – Spannung aufbauen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bewegen sich Platten voneinander weg, ist die Grenze . Bewegen sie sich aufeinander zu, heißt sie . Gleiten sie seitlich vorbei, liegt eine vor.
Divergenz bildet neue Kruste
An einer divergierenden Plattengrenze bewegen sich zwei Platten auseinander. Gesteinsmaterial steigt auf, kühlt ab und bildet neue Kruste. Deshalb wird diese Grenze auch konstruktiv genannt.
Unter dem Meer entstehen dabei lang gestreckte Gebirgszüge, die mittelozeanischen Rücken. Ein Beispiel ist der Mittelatlantische Rücken. Die fortgesetzte Bildung von Meeresboden wird Meeresbodenausbreitung genannt.
Auf einem Kontinent kann die Dehnung zunächst Risse und einen Grabenbruch erzeugen. Setzt sich das Auseinanderdriften fort, kann der Kontinent vollständig durchreißen und langfristig ein neuer Ozean entstehen. Der Ostafrikanische Graben ist ein Beispiel für einen solchen kontinentalen Riftbereich.
Am Meeresboden entfernen sich zwei Platten. In der Mitte steigt Material auf und erstarrt.
- Die Bewegungsrichtung ist voneinander weg.
- Neues Gestein bildet Meeresboden.
- Damit handelt es sich um eine divergierende beziehungsweise konstruktive Grenze.
- Als Landschaftsform ist ein mittelozeanischer Rücken zu erwarten.
Erdbeben an divergierenden Grenzen sind häufig flach. Auch Vulkanismus kann auftreten, weil Material aus der Tiefe aufsteigt.
Konvergenz erzeugt Subduktion oder Gebirge
An einer konvergierenden Plattengrenze bewegen sich Platten aufeinander zu. Was geschieht, hängt vor allem von den beteiligten Krustenarten ab.
Ozeanische und kontinentale Kruste treffen aufeinander
Die dichtere ozeanische Lithosphäre taucht unter die kontinentale Platte in den Erdmantel ab. Dieser Vorgang heißt Subduktion, der Grenzbereich Subduktionszone.
Dabei können ein Tiefseegraben, starke Erdbeben und Vulkanismus entstehen. Die Erdbebenherde können entlang der absinkenden Platte bis in große Tiefen reichen.
Zwei ozeanische Bereiche treffen aufeinander
Auch hier kann eine Platte unter die andere abtauchen. Dabei können Tiefseegräben und vulkanische Inselbögen entstehen. Der Marianengraben ist ein Beispiel für einen besonders tiefen Ozeangraben an einer solchen Konvergenzzone.
Zwei Kontinente treffen aufeinander
Kontinentale Kruste ist im Vergleich zu ozeanischer Kruste weniger dicht. Treffen zwei Kontinente zusammen, taucht deshalb keiner von ihnen leicht tief in den Mantel ab. Die Kruste wird gestaucht, gefaltet und angehoben. So entstehen Gebirge wie die Alpen oder der Himalaya.
Zwei Platten bewegen sich aufeinander zu. Zwischen ihnen verschwindet kein Kontinent in der Tiefe; stattdessen wird kontinentale Kruste zusammengeschoben und angehoben.
Die Bewegung zeigt Konvergenz. Weil zwei kontinentale Bereiche beteiligt sind, ist eine Kontinentkollision mit Gebirgsbildung die passende Erklärung.
Konvergenz bedeutet nicht immer Subduktion: Mit ozeanischer Lithosphäre ist Abtauchen möglich; bei einer Kontinent-Kontinent-Kollision steht die Auffaltung eines Gebirges im Mittelpunkt.
Transformgrenzen bauen Spannung auf
An einer Transformgrenze gleiten zwei Platten seitlich aneinander vorbei. Diese Grenze heißt auch konservativ, weil dabei weder neue Lithosphäre gebildet noch vorhandene Lithosphäre in den Erdmantel zurückgeführt wird.
Die Plattenränder sind rau und können sich verhaken. Obwohl sich die Platten weiterbewegen, bleiben Abschnitte der Grenze zunächst fest. Dadurch baut sich Spannung auf. Löst sich die Blockierung ruckartig, bebt die Erde.
An der San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien bewegen sich Platten seitlich gegeneinander. Sie verhaken sich zeitweise, Spannung sammelt sich und löst sich plötzlich. Deshalb treten dort starke, überwiegend flache Erdbeben auf.
Transformstörungen gibt es nicht nur auf Kontinenten. Sie versetzen auch Abschnitte mittelozeanischer Rücken gegeneinander.
Wie du unbekannte Plattengrenzen bestimmst
Bei einem neuen Raumbeispiel brauchst du nicht sofort einen Ortsnamen. Untersuche die Hinweise in dieser Reihenfolge:
- Bestimme die Bewegung: auseinander, aufeinander zu oder seitlich vorbei.
- Prüfe die Krustenbilanz: Entsteht neue Kruste, taucht Lithosphäre ab oder bleibt die Menge im Grenzbereich ungefähr erhalten?
- Ordne die Formen zu: Rücken und Rift, Tiefseegraben und Gebirge oder seitliche Verwerfung.
- Nutze Naturereignisse als Zusatzhinweis: Vulkanismus sowie Lage und Tiefe von Erdbeben können die Zuordnung stützen.
- Formuliere eine Wirkungskette: Bewegung → Prozess → Landschaftsform oder Naturereignis.
Beobachtung: Entlang einer schmalen Zone treten starke, flache Erdbeben auf. Es gibt weder einen mittelozeanischen Rücken noch einen Tiefseegraben. Messungen zeigen eine seitliche Bewegung.
Schlussfolgerung: Die seitliche Bewegung ist der wichtigste Hinweis. Die flachen Erdbeben passen zum Spannungsaufbau an einer Transformgrenze. Das Fehlen von Krustenbildung und Subduktion stützt die Zuordnung.
Ein einzelnes Merkmal reicht nicht immer aus. Erdbeben kommen an allen drei Grenztypen vor. Entscheidend ist die Kombination aus Bewegung, Krustenbilanz und geographischen Formen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Plattengrenzen
- Divergenz: auseinander, neue Kruste, Rücken oder Rift
- Konvergenz mit ozeanischer Lithosphäre: Subduktion, Tiefseegraben, Erdbeben, oft Vulkanismus
- Kontinent-Kontinent-Konvergenz: Stauchung, Auffaltung, Gebirge
- Transformbewegung: seitliches Gleiten, Spannung, flache Erdbeben
- Zuordnung: Bewegung, Krustenbilanz und Landschaftsformen gemeinsam prüfen
- Modellgrenze: vereinfachte Pfeile zeigen nicht alle Kräfte und Gesteinsbewegungen
Abschluss-Check
Du kannst Plattengrenzen nun mit einer Wirkungskette erklären: Bewegungsrichtung bestimmen, Prozess zuordnen und Folgen begründen. Denke dabei daran, dass ein Modell die komplexe Wirklichkeit gezielt vereinfacht.
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