Thematische Karte erstellen: Schritt für Schritt
Eine thematische Karte zeigt, wie ein bestimmter Sachverhalt räumlich verteilt ist. Dafür trägst du auf einer passenden Grundkarte Daten mit Farben, Symbolen oder Diagrammen ein. Entscheidend ist nicht nur das Zeichenprogramm: Daten, Kategorien, Legende und Darstellung müssen zusammenpassen.
Auf dieser Seite entwickelst du Schritt für Schritt eine einfache Karte und prüfst anschließend, welche Aussage sie ermöglicht – und wo sie täuschen könnte.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was macht eine Karte thematisch?
Stell dir einen Stadtplan vor, auf dem nur Straßen, Gewässer und Ortsnamen stehen. Er hilft dir bei der Orientierung. Markierst du darauf zusätzlich alle öffentlichen Sportplätze, entsteht eine Karte zu einem bestimmten Thema.
Thematische Karte
Eine thematische Karte stellt einen ausgewählten, räumlich zuordenbaren Sachverhalt auf einer topographischen Grundkarte dar. Topographisch bedeutet: Die Grundkarte zeigt die räumliche Lage wichtiger Elemente wie Orte, Wege, Gewässer oder Grenzen. Das Thema wird durch Farben, Symbole, Abstufungen oder Diagramme ergänzt.
Eine thematische Karte ist also keine vollständige Abbildung der Wirklichkeit. Du wählst aus, welche Daten sichtbar werden, vereinfachst sie und gestaltest daraus eine Aussage.
Thema: Spielplätze im Stadtteil
Eine geeignete Grundkarte zeigt Straßen und Grenzen des Stadtteils. Für jeden Spielplatz setzt du ein einheitliches Symbol an die richtige Stelle. Verschiedene Symbole können zusätzlich kenntlich machen, ob es dort etwa ein Ballfeld oder Klettergeräte gibt. Eine Legende erklärt jedes verwendete Zeichen.
Eine Straßenkarte ohne hervorgehobene Spielplätze wäre dagegen noch keine thematische Karte zu diesem Thema.
Wie werden aus Daten Kartenkategorien?
Beginne nicht mit einer Farbe, sondern mit einer Frage. Zum Beispiel: Wie unterscheiden sich vier gleich große Schulhofbereiche in der Zahl schattiger Sitzplätze? Erst diese Frage zeigt dir, welche Daten du brauchst.
Gehe bei der Vorbereitung so vor:
- Lege Thema, Raum und Fragestellung fest.
- Erfasse räumlich zuordenbare Daten oder wähle eine verlässliche Datenquelle.
- Prüfe Bezeichnungen, Werte, Bezugsraum und Erhebungszeit.
- Bilde Kategorien, die zur Frage und zu den Daten passen.
- Lege für jede Kategorie eine eindeutige Farbe, Abstufung oder Signatur fest.
Eine Kategorie fasst Werte zusammen. Die Grenzen zwischen Zahlenkategorien heißen Schwellenwerte oder Klassengrenzen. Sie dürfen sich nicht überschneiden, und jeder Wert muss eindeutig zugeordnet werden können.
Für ein Übungsbeispiel wurden in vier gleich großen Schulhofbereichen schattige Sitzplätze gezählt:
| Bereich | Anzahl | Kategorie |
|---|---|---|
| Nord | 3 | wenige: 0–4 |
| Ost | 7 | einige: 5–9 |
| Süd | 11 | viele: 10–15 |
| West | 15 | viele: 10–15 |
Du könntest die drei Kategorien durch drei gut unterscheidbare Abstufungen einer Farbe darstellen. Die Legende muss die Wörter wenige, einige und viele zusammen mit den Zahlenbereichen nennen. So können andere die Zuordnung prüfen.
Kategorien sind keine bloße Dekoration. Andere Klassengrenzen können das Muster der Karte und damit ihre wahrgenommene Aussage verändern.
Wie setzt du den Kartenplan um?
Wähle zuerst eine Grundkarte, deren Ausschnitt und Ausstattung zu deiner Frage passen. Für ein Schulhofprojekt brauchst du einen detaillierten Plan; für einen Vergleich von Staaten genügt ein viel größerer Ausschnitt. Unnötige Details lenken von der thematischen Aussage ab.
Danach entscheidest du dich für eine Darstellungsform:
- Flächenfarben oder Abstufungen ordnen abgegrenzte Gebiete Kategorien zu.
- Symbole markieren einzelne Orte oder Objekte.
- Diagramme in der Karte können mehrere Werte an einem Ort zusammenfassen.
So entsteht die Schulhofkarte vollständig:
- Zeichne oder öffne eine Grundkarte mit den vier gleich großen Bereichen Nord, Ost, Süd und West.
- Übertrage die geprüften Werte 3, 7, 11 und 15 aus der Datentabelle.
- Verwende die festgelegten Kategorien 0–4, 5–9 und 10–15.
- Färbe Nord mit der Abstufung für „wenige“, Ost mit „einige“ sowie Süd und West mit „viele“.
- Ergänze den Titel Schattige Sitzplätze auf dem Schulhof.
- Erstelle eine Legende mit den drei Abstufungen, Bezeichnungen und Zahlenbereichen.
- Notiere, worauf die Zählung beruht und wann sie durchgeführt wurde.
- Prüfe, ob alle Flächen richtig zugeordnet und Legendenzeichen eindeutig sind.
Die Karte zeigt nun auf einen Blick: In den Bereichen Süd und West wurde die höchste der gewählten Kategorien erfasst. Sie zeigt nicht, warum dort mehr schattige Sitzplätze vorhanden sind; dafür wären weitere Informationen nötig.
Du kannst analog oder digital arbeiten. Analog lässt sich eine Umriss- oder Grundkarte durchpausen und mit Farben sowie Signaturen bearbeiten. Digital hängt der Ablauf vom Werkzeug ab:
- Ein einfaches Färbewerkzeug kann Gebiete manuell einfärben, Farblabels in einer Legende erklären und die fertige Karte als PNG ausgeben.
- uMap erstellt interaktive, verschiebbare und zoombare Karten auf OpenStreetMap-Grundlage. Mehrere Ebenen lassen sich getrennt verwalten. Bereits vorhandene Kartendaten können als GeoJSON exportiert und in einer Zielkarte als neue Ebene importiert werden.
- Für einen druckfertigen Stadtplan auf OpenStreetMap-Grundlage kann ein Stadtplanwerkzeug Ausgaben wie PNG, PDF oder SVG erzeugen.
Das Werkzeug nimmt dir die fachlichen Entscheidungen nicht ab. Prüfe vor der Wahl, ob es die benötigte Grundkarte, Darstellungsform, Legende, Genauigkeit und Ausgabeform unterstützt.
Woran erkennst du eine überzeugende Karte?
Prüfe deine Karte aus zwei Blickwinkeln: Ist sie fachlich sauber? Und: Welche Wirkung erzeugt ihre Gestaltung?
Fachlicher Kartencheck
- Passt die Grundkarte zu Thema und Maßstab?
- Sind Daten, Bezugsräume und Erhebungszeit geprüft?
- Sind Kategorien und Schwellenwerte sinnvoll und eindeutig?
- Passen Farben, Symbole oder Diagramme zum Thema?
- Liegen Einträge möglichst genau am richtigen Ort?
- Erklärt die Legende jedes Zeichen und jede Kategorie?
- Nennt der Titel klar Thema und Raum?
- Ist erkennbar, worauf die Daten beruhen?
Gestaltung kritisch prüfen
Jede Karte ist eine Konstruktion: Die kartenerstellende Person wählt aus, vereinfacht und gestaltet. Die lesende Person deutet das Ergebnis aus ihrer Perspektive. Farben, Formen, Grautöne und Abstufungen können Unterschiede schwach oder besonders stark wirken lassen.
Auch die Kartenprojektion beeinflusst die Darstellung. Sie überträgt die gekrümmte Erdoberfläche auf eine ebene Karte. Dabei können etwa Flächen, Abstände oder Größenverhältnisse verzerrt erscheinen. Deshalb darfst du die sichtbare Größe eines Landes nicht ungeprüft als seine tatsächliche Größe verstehen.
Mit denselben Übungsdaten könnten zwei Karten verschiedene Eindrücke erzeugen:
- Karte A nutzt drei Kategorien: 0–4, 5–9 und 10–15.
- Karte B nutzt zwei Kategorien: 0–10 und 11–15.
In Karte A gehören Nord, Ost und Süd zu drei verschiedenen Abstufungen. In Karte B erscheinen Nord und Ost gemeinsam in der unteren Kategorie, Süd und West in der oberen. Keine Klasseneinteilung erklärt sich von selbst. Du musst begründen, warum sie zur Fragestellung passt, und die Grenzen in der Legende offenlegen.
Eine auffällige Gestaltung ist nicht automatisch eine Manipulation. Problematisch wird sie, wenn Auswahl, Klassengrenzen, Projektion oder Signaturen einen irreführenden Eindruck erzeugen oder wichtige Bedingungen verborgen bleiben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Thematische Karte erstellen
- Frage und Raum festlegen
- Daten erfassen und prüfen
- Kategorien und Schwellenwerte begründen
- Grundkarte und Darstellungsform wählen
- Farben, Symbole oder Diagramme eintragen
- Titel und Legende ergänzen
- Lagetreue und Zuordnungen kontrollieren
- Wirkung und Grenzen kritisch prüfen
Abschluss-Check
Bearbeite die Fragen ohne Blick auf die Karten. Nutze die Rückmeldungen, um deinen Kartenplan gezielt zu verbessern.
Zum Schluss kannst du deinen eigenen Entwurf mit einem Satz prüfen: Meine Karte beantwortet die Frage …, weil ich die Daten … geordnet und durch … eindeutig dargestellt habe. Wenn du die Lücken präzise füllen und deine Klassengrenzen begründen kannst, ist deine Kartenidee fachlich nachvollziehbar.
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