Wetterkarte lesen: Symbole und Prognosen
Eine Wetterkarte stellt die Wetterlage eines Gebiets zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinfacht dar. Du liest zuerst Zeit, Raum und Legende, untersuchst dann Druckgebiete, Fronten und Stationsdaten und leitest daraus vorsichtig die weitere Entwicklung ab.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Informationen zeigt eine Wetterkarte?
Wetterkarte
Eine Wetterkarte ist eine vereinfachte Landkarte, auf der Messwerte und Wettererscheinungen für ein bestimmtes Gebiet und einen bestimmten Zeitpunkt dargestellt werden.
Auf einer Bodenwetterkarte findest du Informationen aus der unteren Troposphäre. Die Troposphäre ist die unterste Schicht der Atmosphäre. Dort spielt sich der größte Teil unseres Wetters ab.
Typische Kartenelemente sind:
- Hoch- und Tiefdruckgebiete,
- Isobaren,
- Warmfronten, Kaltfronten und Okklusionen,
- Temperatur und Luftdruck,
- Windrichtung und Windgeschwindigkeit,
- Bewölkung und Niederschlag.
Eine Höhenwetterkarte ergänzt die Bodenkarte um Druck-, Temperatur- und Strömungsverhältnisse in der freien Atmosphäre. Dort können Isohypsen eingezeichnet sein. Das sind Linien gleicher Höhe auf einer bestimmten Luftdruckfläche.
Boden- und Höhenkarte können unterschiedlich aussehen. Für eine gründliche Wetteranalyse werden deshalb häufig beide Karten sowie Satelliten- oder Radarbilder betrachtet.
Lies vor allen Wetterzeichen immer Überschrift, Datum, Uhrzeit, Kartengebiet und Legende. Ohne diese Angaben könntest du richtige Zeichen falsch einordnen.
Wie erkennst du die Großwetterlage?
Beginne mit den großräumigen Strukturen. Erst danach untersuchst du einzelne Wetterstationen.
Isobare
Eine Isobare verbindet Orte mit gleichem Luftdruck. Der Luftdruck wird in Hektopascal, kurz hPa, angegeben.
Eng beieinanderliegende Isobaren zeigen, dass sich der Luftdruck über eine kurze Entfernung stark ändert. Dann ist meist mit stärkerem Wind zu rechnen. Bei weit auseinanderliegenden Isobaren ist der Druckunterschied geringer.
Die Zentren von Hoch- und Tiefdruckgebieten sind meist mit H und T gekennzeichnet. Auf der Nordhalbkugel strömt bodennahe Luft im Uhrzeigersinn aus einem Hoch heraus. In ein Tief strömt sie gegen den Uhrzeigersinn hinein. Zusammen mit den Isobaren hilft dir dieses Muster, die Hauptwindrichtung einzuschätzen.
Ein Hoch bedeutet nicht ausnahmslos Sonnenschein und ein Tief nicht automatisch Dauerregen. Die Buchstaben zeigen zunächst die Druckverteilung. Für das tatsächliche Wetter musst du auch Jahreszeit, Luftmassen, Fronten und Stationsdaten prüfen.
Fronten richtig unterscheiden
Eine Front ist der Grenzbereich zwischen unterschiedlichen Luftmassen.
- Eine Warmfront wird meist als rote Linie mit Halbkreisen dargestellt.
- Eine Kaltfront wird meist als blaue Linie mit Dreiecken dargestellt.
- Halbkreise beziehungsweise Dreiecke liegen auf der Seite, in die sich die Front verlagert.
- Holt eine schnellere Kaltfront eine Warmfront ein, entsteht eine Okklusion.
Die genaue Darstellung kann je nach Wetterkarte variieren. Deshalb bleibt die Legende entscheidend.
Du siehst um ein Tief eng stehende Isobaren und eine Kaltfront, deren Dreiecke nach Osten weisen.
- Die engen Isobaren sprechen für größere Druckunterschiede und stärkeren Wind.
- Die Dreiecke zeigen, dass sich die Kaltfront nach Osten verlagert.
- Orte östlich der Front könnten daher bald von der Front erreicht werden.
Das ist noch keine vollständige Vorhersage. Dafür fehlen unter anderem Stationswerte und Informationen über die beteiligten Luftmassen.
Wie liest du die Daten einer Wetterstation?
Ein Stationseintrag bündelt mehrere Messwerte auf engem Raum. Die genaue Anordnung und die Abstufungen der Zeichen können sich unterscheiden. Arbeite deshalb immer mit der Legende der vorliegenden Karte.
Häufig findest du:
- einen teilweise oder vollständig gefüllten Kreis für den Bedeckungsgrad,
- eine Zahl für die Lufttemperatur in Grad Celsius,
- ein Zeichen für Niederschlag oder andere Wettererscheinungen,
- einen Windpfeil mit Fiedern für Richtung und Geschwindigkeit,
- eine codierte Zahl für den Luftdruck.
Der Wind wird nach der Richtung benannt, aus der er kommt. Ein Nordostwind weht also aus Nordosten in Richtung Südwesten. Die Fiedern am Windzeichen geben die Geschwindigkeit an; ihre genaue Bedeutung steht in der Legende.
Ein vollständig ausgewerteter Stationseintrag aus dem Ausgangsmaterial bedeutet:
- leicht bedeckt,
- Südostwind mit 28 km/h,
- Lufttemperatur 15 °C,
- Wassertemperatur 12 °C,
- leichter Nebel,
- 10 mm Niederschlag seit 6 Uhr.
Du liest nicht nur ein einzelnes Zeichen. Erst Kreisfüllung, Windzeichen, Zahlen und Wettersymbol ergeben gemeinsam die örtliche Wettersituation.
Auf manchen vereinfachten Karten steht der Stationsluftdruck ohne ausgeschriebene Einheit und in Zehntel-hPa. Verwende für die Entschlüsselung immer die zugehörige Legende; eine einzelne Zahl lässt sich ohne den Kartenstandard nicht sicher deuten.
Wie analysierst du eine Wetterkarte in vier Schritten?
Mit einer festen Reihenfolge verhinderst du, dass du einzelne Zeichen ohne Zusammenhang deutest.
- Wetterlage beschreiben: Bestimme Datum, Uhrzeit, Raum, Hochs, Tiefs und Fronten.
- Luftmassen bestimmen: Leite aus Druckverteilung, Windrichtung, Herkunftsraum und Jahreszeit ab, ob beispielsweise kalte polare oder warme tropische Luft herangeführt wird.
- Stationsdaten analysieren: Untersuche Temperatur, Luftdruck, Wind, Bewölkung und Niederschlag an ausgewählten Orten.
- Vorhersage formulieren: Beachte die erwartete Verlagerung von Druckgebieten und Fronten. Erkläre daraus mögliche Wetteränderungen.
Beispiel Deutschland am 5. Januar 1997:
Beobachtungen aus der Karte: Über Osteuropa liegt ein Festlandhoch. In Frankfurt werden −5 °C, 1025 hPa, bedeckter Himmel und Nordostwind mit 14–22 km/h angegeben. Auch Paris und Moskau sind bedeckt und kalt. Ein Frontensystem gehört zu einem Tief östlich der Britischen Inseln.
Deutung: Das osteuropäische Hoch führt kalte Festlandluft nach Deutschland. Die östlichen bis nordöstlichen Winde passen zu dieser Herkunft.
Prognose: Wenn das westlich gelegene Frontensystem weiter heranzieht, kann Deutschland zunehmend unter seinen Einfluss geraten. Dann wird zunächst mildere Meeresluft herangeführt und die Wetterlage verändert sich.
Der entscheidende Denkweg lautet: Kartenzeichen beobachten, räumlichen Zusammenhang erklären und erst danach eine Entwicklung vorhersagen.
Wie entsteht eine Prognose – und wie sicher ist sie?
Wetterstationen, Satelliten und Radiosonden liefern Messwerte. Daraus entstehen Analyse- und Vorhersagekarten. Leistungsfähige Computer berechnen mit physikalischen Modellen mögliche Entwicklungen der Atmosphäre.
Der vereinfachte Arbeitsweg lautet:
Messwerte → Analysekarten → Modellberechnungen → meteorologische Prüfung → Prognose
Eine Prognose ist eine fachlich begründete Aussage über die wahrscheinliche Entwicklung, keine Gewissheit. Messabstände, Modellannahmen und die komplizierte Dynamik der Atmosphäre begrenzen ihre Sicherheit.
Auch Zusatzbilder müssen vorsichtig gelesen werden. Satellitenbilder zeigen beispielsweise Bewölkung und wolkenfreie Gebiete. Im Winter können Wolken und eine Schneedecke auf Bildern ähnlich aussehen.
Eine gute Wetterprognose nennt nicht nur das erwartete Wetter. Sie erklärt, welche Druckgebiete, Fronten, Luftmassen und Messwerte diese Erwartung stützen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wetterkarte lesen
- Orientierung
- Datum, Uhrzeit, Raum und Legende
- Großwetterlage
- Hochs, Tiefs, Isobaren und Fronten
- Luftmassen
- Herkunft, Temperatur und Windrichtung
- Stationsdaten
- Temperatur, Druck, Wind, Bewölkung und Niederschlag
- Prognose
- Verlagerungen erkennen und Folgen begründen
- Grenzen
- Modelle, Messdaten und Erfahrung gemeinsam prüfen
- Orientierung
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du bei einer unbekannten Wetterkarte zuerst Beobachtungen notieren, daraus eine Deutung entwickeln und anschließend eine vorsichtige Prognose begründen? Dann beherrschst du den wichtigsten Analyseweg.
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