Geschichte

BRD und DDR im Vergleich: Unterschiede erklärt

BRD und DDR im Vergleich: Unterschiede erklärt
BRD und DDR im Vergleich: Unterschiede erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Von 1949 bis 1990 gab es zwei deutsche Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) war eine parlamentarische Demokratie mit sozialer Marktwirtschaft. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war eine von der SED beherrschte Diktatur mit Planwirtschaft. Ein guter Vergleich zeigt aber nicht nur Gegensätze: Er erklärt auch, wie die Teilung entstand, wie sie den Alltag prägte und wie sie 1990 endete.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum entstanden 1949 zwei deutsche Staaten?

Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion Deutschland in Besatzungszonen. Zwischen den drei westlichen Mächten und der Sowjetunion verschärfte sich der politische Konflikt. Die westlichen Zonen und die sowjetische Zone wurden in gegnerische Machtblöcke eingebunden.

Aus dieser Entwicklung gingen 1949 zwei Staaten hervor:

Zeitstrahl
  1. 23. Mai 1949Das Grundgesetz tritt in Kraft; die BRD wird gegründet.
  2. 7. Oktober 1949In der sowjetischen Besatzungszone wird die DDR gegründet.
  3. 1961Die DDR schließt die Grenze in Berlin mit dem Bau der Berliner Mauer.
  4. 9. November 1989Die DDR öffnet die Grenzen; die Berliner Mauer verliert ihre trennende Funktion.
  5. 3. Oktober 1990Die DDR tritt der Bundesrepublik bei; die staatliche Einheit ist hergestellt.
Merke

Die Teilung war keine zufällige Grenzziehung. Sie entstand aus der Besatzung Deutschlands und dem Ost-West-Konflikt zwischen den westlichen Mächten und der Sowjetunion.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Erklärung trifft den Ausgangspunkt der deutschen Teilung am besten?
Lösung: Aus den Besatzungszonen und dem Konflikt der Siegermächte entwickelten sich zwei gegensätzliche Staaten. — Zuerst entstanden Besatzungszonen und gegnerische Machtblöcke. Die beiden Staaten wurden 1949 gegründet; die Berliner Mauer folgte erst 1961.
Wie unterschieden sich die politischen Systeme?

In der BRD sollten Wahlen, Parteienwettbewerb, Gewaltenteilung und Föderalismus politische Macht begrenzen. In der DDR gab es zwar staatliche Organe und mehrere formal zugelassene Parteien, doch die SED bestimmte die politischen Entscheidungen.

Definition

Gewaltenteilung

Staatliche Macht wird auf Legislative (Parlament), Exekutive (Regierung) und Judikative (Gerichte) verteilt. Die Bereiche kontrollieren und begrenzen einander.

Definition

Föderalismus

Die staatlichen Aufgaben sind zwischen Bund und Ländern verteilt. Über den Bundesrat wirken die Landesregierungen an der Gesetzgebung des Bundes mit.

KriteriumBRDDDR
Grundordnungparlamentarische, repräsentative Demokratiezentralistische SED-Diktatur
Wahlenallgemein, gleich, frei und geheim; Machtwechsel möglichEinheitsliste und vorbestimmte Sitzverteilung; kein wirksamer Wettbewerb um die Macht
Parteienpluralistisches MehrparteiensystemSED mit Führungsanspruch; andere Parteien in der Nationalen Front untergeordnet
MachtkontrolleGewaltenteilungkeine wirksame Gewaltenteilung; Partei und Staat eng verbunden
Staatsaufbauföderalzentralistisch
Meinung und Pressegrundrechtlich geschütztstaatliche Kontrolle und Zensur
Beispiel

So prüfst du Verfassungswirklichkeit: Die DDR besaß mit der Volkskammer formal ein Parlament. Das allein machte sie aber nicht demokratisch. Entscheidend ist, ob die Bevölkerung zwischen echten politischen Alternativen wählen und die Regierung absetzen konnte. Weil Einheitsliste und SED-Führung das verhinderten, bestand kein wirksamer Parteienwettbewerb.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Staat hat ein Parlament. Welche weitere Frage hilft am besten zu prüfen, ob er demokratisch ist?
Lösung: Können freie Wahlen zu einem tatsächlichen Machtwechsel führen? — Für Demokratie sind nicht nur formale Organe wichtig. Entscheidend sind unter anderem freie Wahlen, politische Alternativen, Grundrechte und wirksame Machtkontrolle.
Wie funktionierten die Wirtschaftssysteme?

Die BRD setzte auf die soziale Marktwirtschaft. Unternehmen entschieden grundsätzlich selbst, was sie produzierten. Wettbewerb und Preise spielten eine wichtige Rolle; zugleich gab es soziale Absicherung und staatliche Regeln.

Die DDR organisierte ihre Wirtschaft als Planwirtschaft. Der Staat legte zentrale Produktionsziele fest und verstaatlichte viele Produktionsmittel wie Fabriken und Land.

KriteriumSoziale Marktwirtschaft der BRDPlanwirtschaft der DDR
Produktionsentscheidungenüberwiegend durch Unternehmen und Nachfrageüberwiegend durch staatliche Pläne
Eigentum an Produktionsmittelnmeist privat, daneben staatliches Eigentumweitgehend staatlich beziehungsweise kollektiv
Soziale und staatliche Rollesoziale Absicherung und Regulierungstaatliche Planung von Produktion und Arbeit
Typische Entwicklung im Materialstarkes Wachstum der 1950er Jahre, „Wirtschaftswunder“Versorgungslücken, wirtschaftliche Probleme und staatliche Arbeitszuteilung
Gut zu wissen

Nicht verwechseln: Soziale Marktwirtschaft ist keine Mischung aus Markt- und Planwirtschaft. Der Markt bleibt das Grundprinzip; soziale Sicherung und staatliche Regeln sollen seine Folgen begrenzen und ordnen.

Beispiel

Ein Schuhbetrieb braucht eine Entscheidung über die Produktionsmenge. In einer Marktwirtschaft orientiert er sich vor allem an Nachfrage, Preisen und Wettbewerb. In einer Planwirtschaft gibt eine staatliche Stelle das Produktionsziel vor. Das Beispiel erklärt den Mechanismus, nicht automatisch die Qualität jedes einzelnen Schuhs oder den gesamten Lebensstandard.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Aussage vergleicht die Wirtschaftssysteme nach demselben Kriterium?
Lösung: In der BRD entschieden überwiegend Unternehmen über die Produktion; in der DDR bestimmten staatliche Pläne die Produktionsziele. — Ein sauberer Vergleich verwendet auf beiden Seiten dasselbe Kriterium, zum Beispiel Produktionsentscheidung, Eigentum oder soziale Absicherung.
Was bedeuteten die Systeme für Freiheit und Alltag?

Systembegriffe erklären wichtige Bedingungen des Alltags, aber nicht jede einzelne Lebenserfahrung. Menschen konnten auch in der DDR Familie, Arbeit und Freizeit gestalten. Zugleich setzte die SED-Diktatur enge politische Grenzen und griff durch Kontrolle und Überwachung in das Leben ein.

  • In der BRD waren Meinungs- und Pressefreiheit grundrechtlich geschützt; Reisen waren grundsätzlich möglich. Politische Bewegungen konnten öffentlich protestieren, etwa die 68er-Bewegung.
  • In der DDR waren offene Kritik und unabhängige politische Opposition gefährlich. Die Staatssicherheit, kurz Stasi, überwachte Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen.
  • Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zeigt, dass es früh Protest gegen die SED-Herrschaft gab. Er wurde gewaltsam niedergeschlagen.
  • Die DDR meldete Vollbeschäftigung und eine hohe Erwerbstätigkeit von Frauen. Gleichzeitig konnten Berufe und Arbeitsplätze staatlich zugeteilt werden.
  • Waren- und Wohnungsmangel sowie eingeschränkte Reisemöglichkeiten gehörten zu den wiederkehrenden Problemen der DDR.
Merke

Eine hohe Beschäftigung sagt etwas über Arbeit aus, aber noch nichts über freie Wahlen, Meinungsfreiheit oder freie Berufswahl. Vergleiche deshalb immer mehrere Kriterien.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerJemand sagt: „Weil in der DDR offiziell Vollbeschäftigung herrschte, war das gesamte System freier als die BRD.“ Wie beurteilst du die Aussage?
Lösung: Sie ist nicht schlüssig, weil Beschäftigung und politische Freiheit verschiedene Kriterien sind. — Ein begründetes Urteil trennt Kriterien. Offizielle Vollbeschäftigung kann eine Eigenschaft des Arbeitsmarkts sein; politische Freiheit prüfst du dagegen an Wahlen, Grundrechten und Machtkontrolle.
Wie wurden aus Abgrenzung Annäherung und Einheit?

Die Berliner Mauer sollte ab 1961 die Flucht aus der DDR stoppen und verfestigte die Teilung. Trotzdem blieben beide Staaten aufeinander bezogen.

1969 leitete Bundeskanzler Willy Brandt die Neue Ostpolitik ein. Unter dem Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“ sollten Gespräche und Vereinbarungen die Beziehungen verbessern. Der Grundlagenvertrag von 1973 regelte nachbarschaftliche Beziehungen auf Grundlage der Gleichberechtigung beider Staaten.

In den 1980er Jahren verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme der DDR. Die SED-Führung hielt trotz Reformen in der Sowjetunion am bisherigen System fest. Fluchtbewegung und Friedliche Revolution verbanden sich mit Forderungen nach Rechten und Freiheit. Am 9. November 1989 wurden die Grenzen geöffnet.

Beispiel

Eine Ursache-Folge-Kette: fehlende politische Freiheit und anhaltende Versorgungsprobleme → wachsende Unzufriedenheit, Flucht und Protest → Grenzöffnung am 9. November 1989 → Voraussetzung für die staatliche Einheit am 3. Oktober 1990.

Die Kette erklärt wichtige Zusammenhänge. Sie bedeutet nicht, dass ein einzelner Grund allein alle Ereignisse verursacht hat.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Einordnung der Neuen Ostpolitik ist richtig?
Lösung: Sie suchte durch Annäherung und Vereinbarungen eine Veränderung der deutsch-deutschen Beziehungen. — Die Neue Ostpolitik setzte nicht auf sofortige Einheit, sondern zunächst auf geregelte Beziehungen, Erleichterungen und Annäherung.
Wie gelingt ein begründeter Vergleich?

Ein Vergleich ist mehr als eine Liste. Du brauchst gemeinsame Kriterien und musst Beobachtung, Erklärung und Urteil trennen.

  1. Kriterium nennen: zum Beispiel Wahlen, Machtkontrolle, Produktion oder Reisefreiheit.
  2. Beide Staaten beschreiben: Verwende auf beiden Seiten dasselbe Kriterium.
  3. Unterschied erklären: Zeige, welche politischen oder wirtschaftlichen Strukturen dahinterstanden.
  4. Urteil begrenzen: Sage genau, worüber dein Befund etwas aussagt und worüber nicht.
Beispiel

Materialaussagen: In Staat A können mehrere Parteien regieren; Wahlen sind geheim, und ein Machtwechsel ist möglich. In Staat B legt eine Einheitsliste die Sitzverteilung fest; eine Partei beansprucht die Führung.

Auswertung: Nach dem Kriterium „politischer Wettbewerb“ entspricht Staat A der BRD und Staat B der DDR. Der mögliche Machtwechsel zeigt echten Parteienwettbewerb. Die Einheitsliste und der Führungsanspruch verhindern ihn in Staat B. Aus diesen Angaben lässt sich jedoch noch kein vollständiges Urteil über Wirtschaft oder Alltag ableiten.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein fairer Vergleich verwendet auf beiden Seiten dasselbe . Freie und geheime Wahlen mit möglichem Machtwechsel kennzeichnen die . Die staatliche Festlegung von Produktionszielen gehört zur . Ein einzelnes Merkmal reicht für ein nicht aus.

Lösungen: Lücke 1: Kriterium; Lücke 2: BRD; Lücke 3: Planwirtschaft; Lücke 4: Gesamturteil. Prüfe zuerst das Vergleichskriterium. Ordne dann den Befund einem System zu und begrenze dein Urteil auf das, was die Angaben tatsächlich zeigen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • BRD und DDR im Vergleich
    • Entstehung: Besatzungszonen, Ost-West-Konflikt, Gründungen 1949
    • Politik: Demokratie und Gewaltenteilung gegenüber SED-Diktatur
    • Wirtschaft: soziale Marktwirtschaft gegenüber Planwirtschaft
    • Alltag: unterschiedliche Rechte, Arbeit, Versorgung und Reisemöglichkeiten
    • Beziehungen: Mauerbau, Neue Ostpolitik, Friedliche Revolution
    • Ende der Teilung: Grenzöffnung 1989, staatliche Einheit 1990
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelches Merkmal gehört zur politischen Ordnung der BRD?
Lösung: Ein Machtwechsel durch freie Wahlen ist möglich. — Die BRD war eine pluralistische Demokratie. Freie Wahlen und Parteienwettbewerb ermöglichten politische Machtwechsel.
Frage 2 von 3MittelWelche Aussage verbindet Wirtschaftssystem und Entscheidungsweise korrekt?
Lösung: In der DDR legten staatliche Pläne zentrale Produktionsziele fest. — Die Planwirtschaft bündelte wirtschaftliche Entscheidungen beim Staat. In der sozialen Marktwirtschaft entschieden überwiegend Unternehmen innerhalb staatlicher Regeln.
Frage 3 von 3SchwerEin Material nennt geheime Wahlen, mehrere konkurrierende Parteien und eine absetzbare Regierung. Welches Urteil ist am besten begründet?
Lösung: Die Merkmale sprechen für eine parlamentarische Demokratie wie die BRD. — Die Angaben betreffen politische Machtkontrolle. Sie sprechen für eine parlamentarische Demokratie, erlauben aber ohne weitere Informationen kein Urteil über das Wirtschaftssystem.

Du kannst den Vergleich, wenn du bei jeder Aussage fragst: Welches Kriterium wird untersucht, welche Belege gibt es für beide Seiten und wie weit reicht das Urteil?

Passend dazu