Geschichte

Deutsche Frage: Von 1806 zur Einheit 1990

Deutsche Frage: Von 1806 zur Einheit 1990
Deutsche Frage: Von 1806 zur Einheit 1990
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Die Deutsche Frage bezeichnet den historischen Streit darüber, welche Gebiete und Menschen zu Deutschland gehören und wie ein deutscher Staat politisch gestaltet sein soll. Sie begann nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806, veränderte sich mehrfach und gilt seit der Wiedervereinigung 1990 sowie der Anerkennung der bestehenden Grenzen als beantwortet.

Auf dieser Seite untersuchst du die wichtigsten Wendepunkte. Dabei erkennst du: Die Reichsgründung von 1871 und die Wiedervereinigung von 1990 waren Ergebnisse politischer Konflikte und Entscheidungen – keine zwangsläufigen Entwicklungen.

Deine Lernziele

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Was war die Deutsche Frage?

Vor 1871 gab es keinen deutschen Nationalstaat. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation verband zahlreiche weitgehend selbstständige Herrschaften. Es umfasste außerdem Gebiete, Bevölkerungsgruppen und Sprachen, die nicht mit dem heutigen Deutschland übereinstimmten.

1806 legte Kaiser Franz II. unter dem Druck Napoleons die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder. Das Reich endete. Damit stellte sich neu die Frage, ob und in welcher Form die deutschen Staaten vereinigt werden sollten.

Definition

Deutsche Frage

Die Deutsche Frage war der von 1806 bis 1990 wiederkehrende Konflikt um die Einheit, Grenzen, Zugehörigkeit und politische Ordnung Deutschlands. Ihre konkrete Bedeutung änderte sich mit den historischen Bedingungen.

Im 19. Jahrhundert ging es vor allem um einen Nationalstaat. Nach 1945 standen dagegen die Teilung Deutschlands, seine Grenzen und seine staatliche Souveränität im Mittelpunkt.

Merke

Die Deutsche Frage war keine einzige unveränderte Frage. Kriege, Revolutionen, Staatsgründungen und internationale Ordnungen gaben ihr immer wieder eine neue Form.

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Frage 1 von 1LeichtWas gehörte dauerhaft zum Kern der Deutschen Frage?
Lösung: Der Streit um Deutschlands Einheit, Grenzen und politische Ordnung — Vor 1945 und nach 1945 standen unterschiedliche Probleme im Vordergrund. Der gemeinsame Kern war die politische und territoriale Ordnung Deutschlands.
Warum scheiterte die Einigung 1848/49?

Nach den Kriegen gegen Napoleon wuchs bei vielen Menschen ein deutsches Nationalbewusstsein. Besonders Teile des Bildungs- und Besitzbürgertums verlangten nationale Einheit und politische Grundrechte.

Der Wiener Kongress gründete 1815 jedoch den Deutschen Bund. Dieser lockere Staatenbund ließ seine Mitgliedstaaten selbstständig und schuf keinen deutschen Nationalstaat.

Während der Revolution von 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche erstmals eine gesamtdeutsche Nationalversammlung zusammen. Sie sollte eine Verfassung ausarbeiten und einen Nationalstaat vorbereiten. Dabei musste sie mehrere Konflikte lösen:

  • Sollte der neue Staat eine Monarchie oder eine Republik werden?
  • Wie weit sollten Grundrechte und politische Mitbestimmung reichen?
  • Sollte Österreich zum neuen Staat gehören?
  • Sollte Preußen oder Österreich die führende Macht sein?
Definition

Großdeutsche und kleindeutsche Lösung

Die großdeutsche Lösung sollte Österreich einbeziehen. Die kleindeutsche Lösung schloss Österreich aus und sah eine führende Rolle Preußens vor.

Die Nationalversammlung entschied sich schließlich für eine kleindeutsche Monarchie. Der preußische König lehnte die angebotene Kaiserkrone jedoch ab. Zugleich konnten sich die revolutionären Kräfte nicht gegen die Fürsten durchsetzen. 1849 wurde die Nationalversammlung aufgelöst.

Beispiel

Die Gegensätze lassen sich an Österreich erkennen: Seine Einbeziehung entsprach der großdeutschen Idee. Sie war politisch schwierig, weil Österreich ein Reich mit zahlreichen nicht deutschsprachigen Gebieten beherrschte. Sein Ausschluss erleichterte eine Einigung unter Preußens Führung, löste aber den Machtkonflikt nicht automatisch.

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Frage 1 von 1MittelEin Abgeordneter fordert 1848 einen deutschen Nationalstaat unter preußischer Führung und ohne Österreich. Welches Modell vertritt er?
Lösung: Die kleindeutsche Lösung — Die Kombination „ohne Österreich, unter preußischer Führung“ kennzeichnet die kleindeutsche Lösung.
Warum war 1871 nur eine vorläufige Antwort?

In den 1860er Jahren setzte Preußen seine Führung zunehmend durch. Nach Preußens Sieg über Österreich 1866 wurde der Deutsche Bund aufgelöst. Die norddeutschen Staaten schlossen sich im preußisch dominierten Norddeutschen Bund zusammen.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg traten auch die süddeutschen Staaten dem neuen Reich bei. 1871 wurde der preußische König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser ausgerufen. Damit entstand ein kleindeutscher Nationalstaat unter preußischer Führung und ohne Österreich.

Gut zu wissen

Die Reichsgründung wird manchmal wie das zwangsläufige Ziel der deutschen Geschichte erzählt. Das ist irreführend: Noch 1848/49 waren verschiedene Staatsformen, Grenzen und Führungsmächte umstritten. Auch andere Entwicklungen waren denkbar. 1871 setzte sich eine bestimmte Lösung unter konkreten politischen und militärischen Bedingungen durch.

1871 beantwortete die Deutsche Frage zunächst, aber nicht endgültig. Das neue Reich umfasste nicht alle deutschsprachigen Menschen. Außerdem veränderten spätere Kriege erneut seine Grenzen und seine politische Ordnung.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Beurteilung der Reichsgründung ist historisch am treffendsten?
Lösung: Sie verwirklichte unter bestimmten Bedingungen die kleindeutsche Lösung, war aber nicht zwangsläufig. — Historische Entwicklungen entstehen aus Entscheidungen, Machtverhältnissen und Alternativen. Die Lösung von 1871 war deshalb weder selbstverständlich noch endgültig.
Wie öffneten die Weltkriege die Frage erneut?

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel Österreich-Ungarn. Deutschösterreich erklärte sich 1918 zum Bestandteil Deutschlands. Die Siegermächte untersagten den Zusammenschluss jedoch in den Friedensverträgen. Deutschland verlor außerdem Gebiete, und die neue Grenzordnung blieb politisch umkämpft.

Die Nationalsozialisten nutzten die Deutsche Frage für eine aggressive Expansionspolitik. 1938 gliederte das NS-Regime Österreich in das Deutsche Reich ein. Es eroberte und annektierte weitere Gebiete und verband die Vorstellung eines „Großdeutschland“ mit Diktatur, Unterdrückung und Krieg.

Merke

Die nationalsozialistische Expansion war keine Fortsetzung eines neutralen Einigungsprojekts. Sie diente einer rassistischen Diktatur und wurde mit Zwang, Verfolgung und Krieg durchgesetzt.

Die deutsche Niederlage und die bedingungslose Kapitulation 1945 beendeten diese staatliche Ordnung. Österreich wurde wiederhergestellt. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt; Gebiete östlich von Oder und Neiße kamen unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung. Flucht und Vertreibung veränderten die Bevölkerungsverteilung tiefgreifend.

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Frage 1 von 1MittelWarum kann der Anschluss Österreichs 1938 nicht einfach als demokratische Lösung der Deutschen Frage gelten?
Lösung: Er war Teil der gewaltsamen Expansions- und Unterdrückungspolitik der NS-Diktatur. — Politische Einheit allein sagt nichts über Freiheit oder Rechtmäßigkeit aus. Entscheidend sind auch Herrschaftsform, Verfahren und Folgen.
Wie wurde aus der Deutschen Frage die Teilungsfrage?

Die Gegensätze zwischen den westlichen Siegermächten und der Sowjetunion verschärften sich zum Ost-West-Konflikt. 1949 entstanden zwei deutsche Staaten:

  • am 23. Mai die Bundesrepublik Deutschland, kurz BRD;
  • am 7. Oktober die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR.

Die Blockgrenze verlief nun mitten durch Deutschland. Der Bau der Berliner Mauer 1961 vertiefte die Trennung.

Die BRD hielt grundsätzlich am Ziel der Wiedervereinigung fest und beanspruchte lange, Deutschland insgesamt zu vertreten. Die DDR betonte dagegen zunehmend ihre Eigenstaatlichkeit und ging von zwei selbstständigen deutschen Staaten aus.

In den 1970er Jahren verbesserte die Neue Ostpolitik die Beziehungen. Im Grundlagenvertrag von 1972 regelten BRD und DDR ihr Verhältnis auf der Grundlage ihrer staatlichen Selbstständigkeit. 1973 wurden beide Mitglieder der Vereinten Nationen. Die Zweistaatlichkeit wurde damit praktisch anerkannt, während das westdeutsche Einheitsziel fortbestand.

Beispiel

Der Grundlagenvertrag löste einen Teil des Problems: BRD und DDR konnten ihre Beziehungen verbindlich regeln. Er beseitigte aber nicht alle Gegensätze. Zwei Staaten bestanden weiter, und die Frage einer möglichen Einheit blieb offen.

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Frage 1 von 1SchwerWeshalb war die Deutsche Frage nach dem Grundlagenvertrag nicht vollständig beantwortet?
Lösung: Die Zweistaatlichkeit war praktisch anerkannt, doch Teilung und Einheitsfrage bestanden fort. — Eine vertragliche Regelung des Nebeneinanders war noch keine staatliche Einheit. Sie machte den Umgang mit der Teilung berechenbarer.
Warum gilt die Deutsche Frage seit 1990 als gelöst?

1989 führten Proteste und die friedliche Revolution zum Zusammenbruch der SED-Herrschaft in der DDR. Die Forderung „Wir sind das Volk“ verlangte zunächst Demokratie und die Beachtung des Volkswillens. Sie war nicht von Anfang an gleichbedeutend mit der später verbreiteten Einheitsparole „Wir sind ein Volk“.

Auch nach dem Mauerfall befürworteten nicht alle oppositionellen Gruppen sofort eine Wiedervereinigung. Manche wollten eine eigenständige, demokratisch reformierte DDR. Welche Lösung sich durchsetzen würde, war zunächst offen.

Für die Einheit war zudem internationale Zustimmung nötig. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag regelten BRD, DDR und die vier früheren Besatzungsmächte die äußeren Bedingungen. Deutschland erhielt volle Souveränität und bestätigte die bestehende Grenzordnung.

Am 3. Oktober 1990 traten die neu gebildeten Länder der DDR nach dem damaligen Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik bei. Damit war Deutschland staatlich vereinigt.

Definition

Souveränität

Souveränität bedeutet hier, dass der vereinigte deutsche Staat seine inneren und äußeren Angelegenheiten grundsätzlich selbstständig regeln konnte. Die besonderen Rechte der vier Mächte endeten.

Merke

Die Lösung von 1990 bestand aus mehreren Teilen: staatliche Einheit, demokratische Legitimation, internationale Zustimmung, volle Souveränität und Anerkennung der Grenzen.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Erklärung erfasst am vollständigsten, warum die Deutsche Frage 1990 als gelöst gilt?
Lösung: Einheit, Souveränität, internationale Zustimmung und anerkannte Grenzen kamen zusammen. — Der Mauerfall eröffnete den Einigungsprozess. Politisch und völkerrechtlich abgeschlossen wurde er erst durch die inneren und internationalen Vereinbarungen.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Deutsche Frage 1806–1990
    • 1806: Ende des alten Reiches eröffnet die Einheitsfrage
    • 1848/49: Verfassungs- und Einigungsversuch scheitert
    • 1871: kleindeutscher Nationalstaat entsteht
    • 1918–1945: Kriege und Grenzänderungen öffnen die Frage erneut
    • 1949: BRD und DDR machen sie zur Teilungsfrage
    • 1972: Grundlagenvertrag regelt die Zweistaatlichkeit
    • 1989: friedliche Revolution eröffnet neue Möglichkeiten
    • 1990: Einheit, Souveränität und anerkannte Grenzen beantworten die Frage

Das wiederkehrende Muster lautet: Eine bestehende Ordnung zerfällt, Grenzen und politische Führung werden umstritten, eine Lösung setzt sich durch – und eine neue Kriegs-, Grenz- oder Systemordnung öffnet die Frage erneut. Erst 1990 wurden ihre wesentlichen politischen, staatlichen und internationalen Teile gemeinsam geregelt.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Gegenüberstellung prägte die Einigungsdebatte des 19. Jahrhunderts?
Lösung: Großdeutsche und kleindeutsche Lösung — Im 19. Jahrhundert war vor allem umstritten, ob Österreich einbezogen oder ein Staat unter preußischer Führung geschaffen werden sollte.
Frage 2 von 3MittelOrdne die Aussage ein: „1871 war die Deutsche Frage endgültig gelöst.“
Lösung: Die Aussage ist falsch, weil spätere Kriege, Grenzänderungen und die Teilung die Frage erneut öffneten. — Die Reichsgründung war eine vorläufige kleindeutsche Antwort. „Endgültig“ beschreibt die weitere Entwicklung nicht angemessen.
Frage 3 von 3SchwerEine Darstellung erklärt die Wiedervereinigung ausschließlich mit dem Wunsch der Deutschen nach Einheit. Was fehlt?
Lösung: Die internationale Machtlage, die Zustimmung der vier Mächte und die Regelung von Souveränität und Grenzen — Der Wille vieler Menschen war wichtig. Ohne die veränderte internationale Lage und verbindliche Vereinbarungen hätte die staatliche Einheit jedoch nicht in dieser Form verwirklicht werden können.

Du hast den Zusammenhang verstanden, wenn du die Deutsche Frage nicht als geraden Weg zu einem vorherbestimmten Ziel erzählst. Entscheidend ist, bei jeder Phase zu fragen: Welche Ordnung war zerbrochen, welche Lösungen standen zur Wahl, wer besaß Entscheidungsmacht und warum blieb die Antwort vorläufig oder wurde dauerhaft?

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