Geschichte

Deutscher Bund: Aufbau, Konflikte und Ende

Deutscher Bund: Aufbau, Konflikte und Ende
Deutscher Bund: Aufbau, Konflikte und Ende
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Der Deutsche Bund verband von 1815 bis 1866 souveräne Fürsten und freie Städte. Er sollte seine Mitglieder schützen, war aber kein deutscher Nationalstaat: Es gab weder eine gewählte gesamtdeutsche Volksvertretung noch eine Regierung mit unmittelbarer Gewalt über alle Einwohner.

Auf dieser Seite untersuchst du, wie der Bund funktionierte, warum er zugleich Sicherheit und politische Unterdrückung fördern konnte und weshalb er 1866 zerbrach.

Deine Lernziele

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Vom Wiener Kongress zum Deutschen Bund

Nach den napoleonischen Kriegen ordnete der Wiener Kongress Europa 1814/15 neu. Die beteiligten Mächte wollten Frieden und ein Gleichgewicht schaffen. Für das Gebiet des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches entstand kein einheitlicher deutscher Staat.

Am 8. Juni 1815 wurde stattdessen die Deutsche Bundesakte unterzeichnet. Sie war die Gründungsurkunde des Deutschen Bundes und gehörte zur europäischen Friedensordnung nach Napoleon.

Definition

Staatenbund

Ein Staatenbund ist ein Zusammenschluss selbstständiger Staaten. Die Mitgliedstaaten behalten ihre Souveränität und vermitteln die gemeinsamen Beschlüsse an ihre Bevölkerung. Anders als ein Bundesstaat besitzt der Staatenbund keine starke zentrale Staatsgewalt, die unmittelbar für alle Einwohner handelt.

Der Bund sollte vor allem die äußere und innere Sicherheit sowie die Unabhängigkeit und territoriale Unverletzlichkeit seiner Mitglieder schützen. Er war weder ein neues Reich noch ein Nationalstaat wie das spätere Deutsche Reich.

Die Mitgliederzahl veränderte sich. Zunächst unterzeichneten Vertreter von 34 Fürstentümern und vier freien Städten. Später gehörten zeitweise 41 Staaten zum Bund; 1863 waren es noch 35. Eine Mitgliederzahl ist deshalb nur zusammen mit dem jeweiligen Zeitpunkt aussagekräftig.

Merke

1815 entstand ein Bund deutscher Staaten, nicht ein deutscher Einheitsstaat.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung trifft den Deutschen Bund von 1815 am besten?
Lösung: Ein Zusammenschluss souveräner Staaten zur gemeinsamen Sicherung — Die Mitgliedstaaten blieben selbstständig. Gemeinsam regelten sie vor allem Fragen der inneren und äußeren Sicherheit.
Wie der Bundestag Entscheidungen traf

Das zentrale und grundsätzlich einzige Verfassungsorgan war die Bundesversammlung, meist Bundestag genannt. Sie tagte in Frankfurt am Main und bestand aus Gesandten der Regierungen. Diese Gesandten vertraten also ihre Staaten, nicht unmittelbar die Bevölkerung.

Definition

Bundestag

Der Bundestag des Deutschen Bundes war ein ständig tagender Gesandtenkongress unter österreichischem Vorsitz. Er war keine gewählte Volksvertretung und keine moderne Zentralregierung.

Der Bundestag arbeitete in zwei Formen:

  • Das Plenum entschied über Grundsatzfragen. Die Stimmenzahl hing von der Größe eines Staates ab; häufig war Einstimmigkeit nötig.
  • Der Engere Rat bearbeitete die laufenden Angelegenheiten. Dort verfügten größere Staaten über eigene Stimmen, während kleinere Staaten gemeinsame Stimmen abgaben.

Der Bund konnte verbindliche Beschlüsse fassen und Maßnahmen gegen Mitgliedstaaten oder Aufstände veranlassen. Seine Macht war dennoch begrenzt: Er besaß keine getrennte zentrale Regierung, Gesetzgebung und Rechtsprechung. Außerdem konnte die notwendige Einigkeit grundlegende Reformen blockieren.

Beispiel

Warum erschwerte Einstimmigkeit eine Reform?

Angenommen, fast alle Regierungen wollten eine neue Bundesinstitution schaffen, eine Regierung lehnte sie jedoch ab. War für diese Grundsatzfrage Einstimmigkeit erforderlich, kam die Reform nicht zustande. Die Regel schützte damit die Souveränität einzelner Mitglieder, machte gemeinsame Veränderungen aber schwer.

Österreich und Preußen konnten den Bundestag nicht jeweils allein beherrschen. Wegen ihrer politischen und militärischen Stärke prägten sie den Bund jedoch besonders. Arbeiteten sie zusammen, konnte der Bund gegenüber kleineren Staaten wirksam handeln. Gerieten sie in Konflikt, drohten Blockade und Machtkampf.

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Frage 1 von 1MittelWarum war der Bundestag trotz verbindlicher Beschlüsse keine Volksvertretung?
Lösung: Seine Gesandten wurden von den Regierungen der Mitgliedstaaten entsandt. — Entscheidend ist nicht nur die Macht eines Organs, sondern auch seine Zusammensetzung: Im Bundestag saßen Vertreter der Regierungen, keine gewählten Vertreter des Volkes.
Sicherheit und restaurative Ordnung

Die politische Neuordnung nach Napoleon folgte dem Gedanken der Restauration. Damit ist der Versuch gemeint, monarchische Herrschaft zu sichern und liberale oder revolutionäre Veränderungen zurückzudrängen.

Die Bundesakte verlangte zwar in Artikel 13 für die Mitgliedstaaten eine landständische Verfassung. Sie erklärte aber nicht eindeutig, ob damit eine moderne Verfassung mit gewähltem Parlament oder eine traditionelle Vertretung gesellschaftlicher Stände gemeint war. Einige Staaten wie Bayern, Baden und Württemberg erhielten früh Verfassungen. Österreich und Preußen besaßen vor 1848 keine gesamtstaatliche Verfassung.

Gleichzeitig gingen die Regierungen gegen oppositionelle Bewegungen vor. Nach dem Wartburgfest von 1817 und der Ermordung eines Schriftstellers durch einen Studenten beschlossen führende Staaten 1819 die Karlsbader Beschlüsse.

Zu ihren Folgen gehörten:

  • das Verbot der Burschenschaften,
  • die Überwachung und Entlassung politisch verdächtiger Professoren,
  • strenge Pressezensur,
  • Untersuchungen und Strafen gegen Oppositionelle.
Gut zu wissen

Der Bund war nicht nur ein Werkzeug der Unterdrückung. Er half auch, Streit zwischen Mitgliedern zu vermitteln, territoriale Integrität zu schützen und gemeinsame Verteidigung zu organisieren. Seine geschichtliche Bedeutung lässt sich deshalb nicht auf ein einziges Urteil reduzieren.

Das Bundesheer bestand aus Truppenkontingenten der Mitgliedstaaten, nicht aus einer einheitlichen nationalen Armee. Der Bund konnte damit einen äußeren Angriff abwehren, Bundesrecht gegen eine Regierung durchsetzen oder eine Regierung gegen einen Aufstand unterstützen.

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Frage 1 von 1MittelWelche Spannung prägte die Ordnung des Deutschen Bundes?
Lösung: Er sollte Sicherheit schaffen, schützte aber zugleich eine Ordnung, die politische Freiheit begrenzte. — Sicherheit und Restauration wirkten zusammen: Der Bund schützte seine Mitglieder nach außen und stabilisierte die fürstliche Herrschaft im Inneren.
Warum Einheit und Freiheit gefordert wurden

Viele Bürger und Studenten wollten mehr politische Mitsprache. Zwei Forderungen standen im Vormärz häufig nebeneinander:

  • Einheit meinte die Bildung eines deutschen Nationalstaats.
  • Freiheit meinte unter anderem Verfassungen, Grundrechte, Meinungs- und Pressefreiheit sowie politische Mitbestimmung.

Beim Hambacher Fest 1832 versammelten sich etwa 20.000 bis 30.000 Menschen. Schwarz-Rot-Gold wurde zum Zeichen der nationalen und liberalen Bewegung. Die Teilnehmer verbanden Forderungen nach deutscher Einheit mit Freiheit und der Gleichberechtigung der Völker, einigten sich aber nicht auf ein gemeinsames revolutionäres Vorgehen.

Der Bund reagierte mit verschärfter Zensur sowie Verboten politischer Vereine, Versammlungen und Feste. Die Opposition verschwand dadurch nicht. Soziale Not, politische Unzufriedenheit und nationale Forderungen verstärkten sich in den 1840er Jahren gegenseitig.

Beispiel

Einheit und Freiheit sind nicht dasselbe.

Wer einen deutschen Nationalstaat forderte, verlangte Einheit. Daraus folgte nicht automatisch, dass dieser Staat demokratisch sein sollte. Wer zusätzlich Grundrechte, ein gewähltes Parlament und politische Mitbestimmung forderte, verlangte auch Freiheit.

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Frage 1 von 1SchwerEine Gruppe fordert einen deutschen Gesamtstaat unter einem Fürsten, lehnt aber ein vom Volk gewähltes Parlament ab. Welche Beurteilung passt?
Lösung: Sie fordert nationale Einheit, aber nur eingeschränkte politische Freiheit. — Nationale und liberale Ziele konnten verbunden sein, mussten es aber nicht. Prüfe deshalb getrennt, welche Staatsgrenzen und welche politische Ordnung verlangt wurden.
Wie die Revolution 1848 den Bund veränderte

Im März 1848 setzten sich in vielen Bundesstaaten zunächst liberale Reformkräfte durch. Der Bundestag hob repressive Bundesgesetze auf und leitete die Wahl einer Nationalversammlung ein.

Am 18. Mai 1848 trat die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche zusammen. Sie war das erste gewählte gesamtdeutsche Parlament. Mit dem Zentralgewaltgesetz vom 28. Juni 1848 entstand eine vorläufige Reichsordnung. Der Bundestag stellte daraufhin seine Tätigkeit ein und übertrug seine Befugnisse auf die neue Zentralgewalt.

Die Nationalversammlung beschloss am 28. März 1849 eine Reichsverfassung. Sie trat jedoch nicht wirksam in Kraft. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die ihm angebotene Kaiserwürde ab, und die Revolution wurde militärisch niedergeschlagen.

Danach blieb die deutsche Ordnung zunächst umkämpft. Preußen versuchte einen engeren, preußisch geführten Bund ohne Österreich zu schaffen. Österreich widersetzte sich. Nachdem Preußen 1850 nachgegeben hatte, wurde der Deutsche Bund 1851 weitgehend in seiner alten Form wiederhergestellt.

Merke

Die Revolution beseitigte den Deutschen Bund nicht dauerhaft. Sie unterbrach und veränderte seine Arbeit, scheiterte aber mit dem Versuch, eine wirksame gesamtdeutsche Verfassung durchzusetzen.

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Frage 1 von 1MittelWas geschah 1848 mit dem Bundestag?
Lösung: Er stellte seine Tätigkeit ein und übertrug seine Befugnisse auf die revolutionäre Zentralgewalt. — Die Revolution schuf vorübergehend eine neue gesamtdeutsche Ordnung. Nach ihrem Scheitern wurde der alte Bund jedoch wiederhergestellt.
Warum der Bund 1866 zerbrach

Seit dem Ende der 1850er Jahre wurden erneut Reformen des Bundes diskutiert. Österreich schlug 1863 unter anderem eine stärkere Exekutive, ein Bundesgericht und weitere gemeinsame Organe vor. Preußen blieb dem Frankfurter Fürstentag fern und verlangte andere Bedingungen, darunter ein gewähltes Parlament.

Hinter den Reformfragen stand der Dualismus: Österreich und Preußen stritten um die Vorherrschaft in Deutschland. Der Konflikt verschärfte sich nach dem gemeinsamen Krieg gegen Dänemark von 1864, weil beide Mächte über Schleswig und Holstein uneinig waren.

1866 marschierte Preußen in das von Österreich verwaltete Holstein ein. Der Bundestag beschloss die Mobilisierung gegen Preußen. Preußen erklärte daraufhin den Bund für aufgelöst. Im Deutschen Krieg besiegte es Österreich und dessen Verbündete.

Im Prager Frieden vom 23. August 1866 erkannte Österreich die Auflösung an. Am folgenden Tag tagte der Bundestag zum letzten Mal. Der Bund hatte keinen Rechtsnachfolger.

Preußen schuf mit norddeutschen Staaten zum 1. Juli 1867 den Norddeutschen Bund als Bundesstaat. Die süddeutschen Staaten blieben zunächst außerhalb. 1870/71 traten sie dem erweiterten Bund bei, der den Namen Deutsches Reich erhielt.

Beispiel

Zusammenarbeit und Rivalität hatten gegensätzliche Folgen:

1864 kämpften Österreich und Preußen noch gemeinsam gegen Dänemark. Als sie anschließend über die eroberten Gebiete und die deutsche Ordnung stritten, wurde ihre Rivalität zum Auslöser des Krieges von 1866. Der Bund konnte den Konflikt seiner beiden stärksten Mächte nicht lösen.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Erklärung erfasst das Ende des Bundes am besten?
Lösung: Der Machtkonflikt zwischen Österreich und Preußen eskalierte 1866 zum Krieg und zerstörte die gemeinsame Bundesordnung. — Der Bund wurde nach 1848 wiederhergestellt. Sein endgültiges Ende kam 1866 durch den österreichisch-preußischen Machtkampf.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Deutscher Bund 1815–1866
    • Gründung und Zweck
      • Bundesakte von 1815
      • innere und äußere Sicherheit
    • Politische Ordnung
      • souveräne Mitgliedstaaten
      • Bundestag als Gesandtenkongress
    • Zentrale Spannung
      • restaurative Fürstenordnung
      • Forderungen nach Einheit und Freiheit
    • Umbruch und Ende
      • Revolution 1848/49
      • Wiederherstellung 1851
      • österreichisch-preußischer Konflikt 1866
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Merkmal unterscheidet den Deutschen Bund von einem Nationalstaat?
Lösung: Seine Mitglieder blieben souveräne Staaten. — Der Bund verband mehrere selbstständige Staaten. Gemeinsame Entscheidungen wurden grundsätzlich durch die Mitgliedstaaten vermittelt.
Frage 2 von 3MittelWarum konnte die Entscheidungsordnung gleichzeitig schützen und blockieren?
Lösung: Sie bewahrte den Einfluss der Mitgliedstaaten, erschwerte aber grundlegende gemeinsame Reformen. — Besonders hohe Zustimmungshürden schützten staatliche Souveränität. Derselbe Schutz machte Veränderungen der Bundesordnung schwierig.
Frage 3 von 3SchwerBeurteile die Aussage: „Der Deutsche Bund war nur ein wirkungsloser Vorläufer des Deutschen Reiches.“
Lösung: Die Aussage greift zu kurz: Der Bund stabilisierte fürstliche Herrschaft und begrenzte Reformen, konnte aber auch Sicherheit, Streitbeilegung und gemeinsame Verteidigung organisieren. — Ein begründetes Urteil berücksichtigt mehrere Funktionen. Der Bund war kein Nationalstaat, aber auch nicht bedeutungslos: Er verband Friedenssicherung und föderale Ansätze mit restaurativer Politik und struktureller Reformschwäche.

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