Geschichte

Frankenreich: Entstehung, Blüte und Teilung

Frankenreich: Entstehung, Blüte und Teilung
Frankenreich: Entstehung, Blüte und Teilung
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Das Frankenreich war ein frühmittelalterliches Königreich, das vom 5. bis zum 9. Jahrhundert bestand. Chlodwig schuf ein großes fränkisches Herrschaftsgebiet. Später übernahmen die Karolinger die Macht, und unter Karl dem Großen erreichte das Reich seine größte Bedeutung. Konflikte um die Nachfolge führten schließlich zu mehreren Teilreichen.

Deine Lernziele

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Wie entstand das Frankenreich?

Nach dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahr 476 zerfiel die römische Herrschaft in Westeuropa. In Gallien, das ungefähr das heutige Frankreich und angrenzende Gebiete umfasste, gewannen fränkische Herrscher an Macht.

Die Franken waren kein von Anfang an einheitliches Volk. Verschiedene Kriegergruppen hatten zuvor teilweise als Föderaten für Rom gedient. Föderaten waren verbündete Gruppen, die unter eigenen Anführern militärische Aufgaben für das Römische Reich übernahmen.

Definition

Merowinger

Die Merowinger waren das fränkische Königsgeschlecht, aus dem Chlodwig stammte. Sie herrschten bis zum Dynastiewechsel von 751.

Chlodwig besiegte 486 oder 487 den römischen Machthaber Syagrius. Anschließend erweiterte er seinen Herrschaftsbereich gegen andere fränkische Könige, die Alemannen und die Westgoten. Dabei übernahm er nicht nur Gebiete: Er nutzte auch verbliebene römische Truppen, Verwaltungsstrukturen und die Zusammenarbeit mit Bischöfen.

Beispiel

Chlodwigs Reichsbildung war keine vollständige Ersetzung alles Römischen. In eroberten Gebieten ließ er brauchbare Teile der Verwaltung bestehen. Dadurch konnte er Abgaben einziehen und seine Herrschaft über eine große gallorömische Bevölkerung ausüben.

Chlodwig trat zum katholischen Christentum über. Das genaue Jahr seiner Taufe ist umstritten; genannt werden Daten zwischen 496 und 508. Politisch wichtig war die Taufe unabhängig vom genauen Jahr: Sie erleichterte die Zusammenarbeit mit katholischen Bischöfen und mit Teilen der gallorömischen Bevölkerung.

Merke

Chlodwigs Stärke beruhte auf einer Verbindung: fränkische Militärmacht, übernommene römische Strukturen und Unterstützung durch die katholische Kirche.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt Chlodwigs Reichsbildung am besten?
Lösung: Er eroberte Gebiete und verband fränkische Herrschaft mit römischen Strukturen. — Chlodwigs Reich entstand vor allem in Gallien. Seine Herrschaft verband Eroberung mit der Nutzung vorhandener Strukturen.
Frage 2 von 2MittelWarum stärkte Chlodwigs katholische Taufe wahrscheinlich seine Herrschaft?
Lösung: Sie erleichterte die Zusammenarbeit mit Bischöfen und der katholischen gallorömischen Bevölkerung. — Die Taufe hatte neben ihrer religiösen auch eine politische Bedeutung: Sie schuf eine wichtige Verbindung zwischen König, Kirche und Bevölkerung.
Wie wechselte die Macht zu den Karolingern?

Nach Chlodwigs Tod im Jahr 511 teilten seine vier Söhne das Reich. Solche Teilungen kamen wiederholt vor. Trotzdem blieb die Vorstellung bestehen, dass die Teilreiche zusammen zum Frankenreich gehörten.

Mit der Zeit gewannen die Hausmeier an Einfluss. Ursprünglich waren sie hohe Amtsträger am Königshof. Spätestens seit dem späten 7. Jahrhundert übten sie häufig die tatsächliche politische und militärische Macht aus.

Definition

Dynastiewechsel

Ein Dynastiewechsel ist der Übergang der Herrschaft von einem Königsgeschlecht zu einem anderen. Im Frankenreich wechselte das Königtum 751 von den Merowingern zu den Karolingern.

Der Hausmeier Pippin der Mittlere stärkte seine Familie durch seinen Sieg bei Tertry im Jahr 687. Sein Sohn Karl Martell setzte sich nach weiteren Machtkämpfen durch und regierte zeitweise sogar ohne einen amtierenden König.

Pippin der Jüngere ging den entscheidenden Schritt: Mit Zustimmung des Papstes setzte er 751 den letzten merowingischen König Childerich III. ab und ließ sich selbst zum König erheben. Damit begann die Herrschaft der Karolinger.

Beispiel

Vor 751 besaßen die Hausmeier bereits große tatsächliche Macht, aber der Königstitel gehörte noch den Merowingern. Pippins Erhebung verband nun beides: politische Macht und königlichen Titel. Die päpstliche Zustimmung half, diesen Wechsel zu legitimieren.

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Frage 1 von 1MittelWas änderte sich durch Pippins Königserhebung 751?
Lösung: Die Familie der Hausmeier übernahm nun auch offiziell das Königtum. — Pippin machte aus der tatsächlichen Vorherrschaft seiner Familie ein offiziell anerkanntes Königtum. So begann die karolingische Dynastie.
Warum war Karl der Große so bedeutend?

Nach Pippins Tod im Jahr 768 teilten seine Söhne Karl und Karlmann zunächst das Reich. Als Karlmann 771 starb, wurde Karl Alleinherrscher. Er erweiterte das Frankenreich durch zahlreiche Feldzüge.

Zu seinen Eroberungen gehörten das Langobardenreich in Italien und Sachsen. Die Sachsenkriege dauerten von 772 bis 804. Sie waren besonders gewaltsam und umfassten Zwangstaufen sowie Hinrichtungen. Die Ausbreitung des Christentums war hier mit militärischer Unterwerfung verbunden.

Zur Sicherung gefährdeter Grenzen ließ Karl Marken einrichten. Diese Grenzräume dienten der Verteidigung und konnten zugleich Ausgangspunkte weiterer Feldzüge sein. Markgrafen erhielten wegen ihrer besonderen Aufgabe erweiterte Befugnisse.

Am 25. Dezember 800 krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser. Damit entstand im Westen erneut ein Kaisertum. Karls Anspruch stand neben dem Kaisertum des Byzantinischen Reiches im Osten. Die Krönung verband fränkische Herrschaft, christliche Legitimation und die Vorstellung einer erneuerten römischen Kaiserwürde.

Gut zu wissen

Karl war nicht nur Eroberer. Er baute Aachen zu seinem bevorzugten Herrschaftszentrum aus, förderte Bildung und Kirchenreformen und versuchte, die Verwaltung des großen Reiches wirksamer zu kontrollieren.

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Frage 1 von 2LeichtWelches Ereignis fand am 25. Dezember 800 statt?
Lösung: Karl der Große wurde in Rom zum Kaiser gekrönt. — Die Kaiserkrönung von 800 machte Karls gesteigerten Herrschaftsanspruch sichtbar.
Frage 2 von 2SchwerWarum waren Marken für Karls Herrschaft nützlich?
Lösung: Sie sicherten gefährdete Grenzen und dienten teilweise als Ausgangsräume weiterer Expansion. — Eine Mark war ein besonders organisierter Grenzraum. Ihre militärische Bedeutung erklärt die erweiterten Rechte der Markgrafen.
Wie wurde das große Reich regiert und versorgt?

Der König besaß keine moderne Hauptstadt mit einer flächendeckenden Verwaltung. Er reiste mit seinem Hof zwischen Pfalzen, also königlichen Aufenthalts- und Versorgungsorten. Aachen wurde unter Karl zum bevorzugten Mittelpunkt, doch die Reiseherrschaft blieb wichtig.

Grafen verwalteten Amtsbezirke und Königsgüter. Sie wirkten am Heeresaufgebot mit und zogen bestimmte Einnahmen ein. Königsboten, die sogenannten missi dominici, sollten Amtsträger kontrollieren und königliche Anordnungen übermitteln.

Beispiel

Der reisende Hof machte Herrschaft sichtbar. Wenn der König mit seinem Gefolge in einer Pfalz eintraf, konnte er Recht sprechen, Amtsträger treffen und Vorräte aus umliegenden Königsgütern nutzen. Das Reisen war damit eine Antwort auf weite Entfernungen und schwache Verkehrswege.

Die meisten Menschen lebten als Bauern oder bäuerliches Gesinde. Eine zentrale Wirtschafts- und Herrschaftsform war die Grundherrschaft. König, Adlige, Bischöfe oder Klöster verfügten über Land. Abhängige Bauern bewirtschafteten eigene Nutzflächen, mussten aber Abgaben leisten und häufig auf dem Land des Grundherrn arbeiten. Diese Arbeitsleistungen heißen Frondienste.

Der Grundherr versprach dafür Schutz und übernahm innerhalb seines Herrschaftsbereichs Aufgaben bei Streitfällen. Dieses Verhältnis war ungleich: Viele Bauern konnten Land und Herrn nicht frei verlassen.

Auch Klöster waren religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Zentren. Sie besaßen Land, unterhielten Werkstätten und bewahrten durch das Abschreiben von Handschriften Texte. Zugleich konnten sie der Sicherung königlicher Herrschaft dienen.

Merke

Das Frankenreich wurde nicht von einer einzigen Zentrale aus verwaltet. Königshof, Grafen, Bischöfe, Klöster, Königsgüter und persönliche Bindungen hielten es zusammen.

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Frage 1 von 2MittelEin Bauer muss regelmäßig auf den Feldern seines Grundherrn arbeiten. Welcher Begriff passt dazu?
Lösung: Frondienst — Frondienste waren geschuldete Arbeitsleistungen. Sie gehörten neben Abgaben zu den Pflichten vieler abhängiger Bauern.
Frage 2 von 2SchwerWas zeigt die Reiseherrschaft über die Bedingungen im Frankenreich?
Lösung: Herrschaft musste wegen großer Entfernungen und begrenzter Verwaltung vor Ort persönlich sichtbar gemacht werden. — Der reisende Hof verband Versorgung, Kontrolle und Rechtsprechung. Aachen war ein bevorzugtes Zentrum, aber keine moderne Hauptstadt im heutigen Sinn.
Warum wurde das Frankenreich geteilt?

Nach Karls Tod im Jahr 814 folgte sein Sohn Ludwig der Fromme. Ludwig wollte die Einheit des Kaisertums erhalten. Gleichzeitig erwarteten seine Söhne eigene Herrschaftsgebiete. Seit 829 führten diese unterschiedlichen Ziele zu schweren Konflikten.

Ludwig starb 840. Danach kämpften seine Söhne weiter um Macht und Gebiete. Im Vertrag von Verdun einigten sie sich 843 auf eine Dreiteilung:

  • Karl der Kahle erhielt das Westfränkische Reich.
  • Ludwig der Deutsche erhielt das Ostfränkische Reich.
  • Lothar I. erhielt das lang gestreckte Mittelreich und behielt die Kaiserwürde.
Zeitstrahl
  1. 486/487Chlodwig besiegt Syagrius und erweitert seine Herrschaft in Gallien.
  2. 511Nach Chlodwigs Tod teilen seine Söhne das Reich.
  3. 751Pippin der Jüngere wird König; die Karolinger übernehmen das Königtum.
  4. 768–814Karl der Große herrscht.
  5. 800Karl wird in Rom zum Kaiser gekrönt.
  6. 814Ludwig der Fromme folgt Karl als Kaiser.
  7. 843Der Vertrag von Verdun teilt das Reich in West-, Mittel- und Ostfranken.

Die Teilung von 843 war nicht der einzige Teilungsvorgang. Das Mittelreich wurde später weiter aufgeteilt, und Grenzen verschoben sich. Westfranken wurde langfristig zu einem politischen Ausgangspunkt Frankreichs, Ostfranken zu einem Ausgangspunkt des späteren Deutschlands. Das bedeutet nicht, dass 843 bereits die heutigen Staaten entstanden.

Merke

Der Vertrag von Verdun schuf noch nicht Frankreich und Deutschland in ihrer heutigen Form. Er leitete aber eine dauerhafte politische Trennung der west- und ostfränkischen Räume ein.

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Frage 1 von 2MittelWelche Ursache trug zur Teilung von 843 bei?
Lösung: Die Söhne Ludwigs des Frommen stritten um Herrschaft und Gebiete. — Nach Ludwigs Tod setzten seine Söhne ihre Machtkämpfe fort. Der Vertrag von Verdun regelte schließlich die Aufteilung.
Frage 2 von 2SchwerWelche Aussage über die Folgen von 843 ist am genauesten?
Lösung: West- und Ostfranken wurden langfristig politische Ausgangspunkte Frankreichs und Deutschlands. — Die späteren Staaten entwickelten sich über einen langen Zeitraum. Der Vertrag von Verdun war ein wichtiger Ausgangspunkt, aber kein fertiger Staatsgründungsplan.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Frankenreich
    • Entstehung
      • Chlodwig erweitert die Herrschaft in Gallien
      • Römische Strukturen und Kirche stützen das Königtum
    • Dynastien
      • Merowinger herrschen zuerst
      • Karolinger übernehmen 751 das Königtum
    • Karl der Große
      • Expansion und Grenzmarken
      • Kaiserkrönung im Jahr 800
    • Herrschaft und Gesellschaft
      • Reisehof, Pfalzen, Grafen und Königsboten
      • Grundherrschaft, Bauern und Klöster
    • Teilung
      • Konflikte um die Nachfolge
      • Vertrag von Verdun 843
      • West-, Mittel- und Ostfranken
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWer begründete den Aufstieg eines großen merowingischen Frankenreiches in Gallien?
Lösung: Chlodwig — Chlodwig besiegte Syagrius, setzte sich gegen andere fränkische Herrscher durch und erweiterte sein Gebiet.
Frage 2 von 4MittelWarum konnten die Karolinger 751 das Königtum übernehmen?
Lösung: Ihre Familie besaß als Hausmeier bereits große Macht, und Pippin ließ seinen Königsanspruch päpstlich legitimieren. — Der Dynastiewechsel verband die bereits vorhandene Macht der Hausmeier mit Königstitel und religiöser Legitimation.
Frage 3 von 4MittelWelche Verbindung zwischen Herrschaft und Gesellschaft ist richtig?
Lösung: Grundherrschaft verband Landbesitz mit Abgaben, Diensten und Abhängigkeiten. — Politische, wirtschaftliche und persönliche Abhängigkeiten griffen ineinander. Grundbesitz war eine wichtige Grundlage von Herrschaft.
Frage 4 von 4SchwerEin Mitschüler sagt: „Im Jahr 843 wurden Frankreich und Deutschland mit ihren heutigen Grenzen gegründet.“ Wie verbesserst du die Aussage?
Lösung: West- und Ostfranken waren langfristige Ausgangspunkte späterer Reiche, aber noch keine heutigen Nationalstaaten. — Historische Entwicklungen brauchen Zeit. Der Vertrag von Verdun war eine wichtige Weichenstellung, führte aber nicht sofort zu modernen Staaten.

Du kannst die Geschichte des Frankenreiches nun als Zusammenhang erklären: Chlodwig verband Eroberung mit vorhandenen Strukturen, die Karolinger machten tatsächliche Macht zum Königtum, Karl der Große baute das Reich aus, und Nachfolgekonflikte führten zur Teilung.

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