Mauerfall 1989: Ursachen, Ablauf und Folgen
Die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989, weil Massenflucht und friedliche Proteste die SED-Diktatur unter Druck gesetzt hatten. Eine missverständlich bekannt gegebene Reiseregelung löste einen großen Andrang aus. Grenzkommandanten öffneten schließlich ohne zentralen Öffnungsbefehl die Übergänge.
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Was trennte die Berliner Mauer?
Von 1949 bis 1990 bestanden in Deutschland zwei Staaten: die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. West-Berlin war vom Gebiet der DDR umgeben, gehörte aber nicht zur DDR.
Die Berliner Mauer umschloss West-Berlin ab dem 13. August 1961 auf einer Länge von etwa 155 Kilometern. Sie sollte verhindern, dass Menschen aus Ost-Berlin oder der DDR in den Westen flohen.
SED-Diktatur
Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED, beherrschte die DDR. Freie Wahlen, freie politische Betätigung und freie Meinungsäußerung waren stark eingeschränkt. Der Staat überwachte die Bevölkerung und begrenzte ihre Reisefreiheit.
Die Mauer war nicht nur eine Betonwand. Zu ihr gehörte ein tief gestaffeltes Grenzsystem mit Zäunen, Signalvorrichtungen, Kontrollstreifen, Wachtürmen und bewaffneten Grenzsoldaten. An der Berliner Mauer starben Menschen bei Fluchtversuchen.
Der Mauerfall bezeichnet die Öffnung der Berliner Grenzübergänge. Der systematische Abriss der Anlagen folgte erst später.
Warum geriet die DDR 1989 in eine Krise?
Der Mauerfall hatte nicht nur eine Ursache. Mehrere Entwicklungen verstärkten sich gegenseitig.
Unzufriedenheit im Inneren
Viele Menschen litten unter fehlender politischer Freiheit, begrenzter Reisefreiheit, wirtschaftlicher Stagnation, Versorgungsproblemen und Umweltschäden. Bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 wurde Wahlbetrug nachgewiesen. Dadurch verloren noch mehr Menschen das Vertrauen in die Staatsführung.
Veränderungen im Ostblock
Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow leitete Reformen ein. Glasnost stand für mehr Offenheit, Perestroika für Umbau und Modernisierung. Andere Ostblockstaaten gewannen politischen Spielraum. Ungarn öffnete 1989 seine Grenze zu Österreich für DDR-Bürger. Damit entstand ein Fluchtweg in den Westen.
Allein im Juli und August 1989 flohen mehr als 50.000 Menschen aus der DDR. Andere suchten Zuflucht in westdeutschen Botschaften.
Friedlicher Protest
Gleichzeitig gingen Menschen auf die Straße, die bleiben und die DDR verändern wollten. Sie forderten freie Wahlen, Meinungsfreiheit und Reisefreiheit. Wichtige Rufe lauteten „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“.
Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in Leipzig mehr als 70.000 Menschen friedlich. Am 4. November versammelten sich auf dem Berliner Alexanderplatz mehr als eine halbe Million Menschen.
So kannst du die Ursachen als Wirkungskette erklären:
- Reformen in der Sowjetunion und offene Grenzen in Ungarn schwächten die äußere Absicherung der SED-Herrschaft.
- Immer mehr Menschen verließen die DDR. Dadurch wurde die politische Krise sichtbar.
- Gleichzeitig verlangten große friedliche Demonstrationen Veränderungen innerhalb der DDR.
- Die SED-Führung verlor Rückhalt und musste Zugeständnisse machen.
- Eines dieser Zugeständnisse war eine neue Reiseregelung.
Entscheidend ist das Zusammenspiel: Weder ein einzelner Protest noch ein einzelner Satz Schabowskis erklärt den gesamten Mauerfall.
Was geschah am 9. November 1989?
Die DDR-Führung wollte Reisen erleichtern, aber zunächst weiterhin durch Anträge und Genehmigungen regeln. Die neue Regelung sollte erst am 10. November um 4:00 Uhr veröffentlicht werden.
Günter Schabowski erhielt die Unterlagen kurz vor einer live übertragenen Pressekonferenz. Er hatte an den Beratungen nicht teilgenommen und kannte die Einzelheiten sowie den vorgesehenen Beginn nicht genau.
Vom missverständlichen Satz zum Menschenandrang
- 18:57 Uhr: Schabowski liest aus der neuen Regelung vor. Auf die Frage, wann sie gelte, antwortet er nach seiner Kenntnis: „sofort, unverzüglich“.
- Ab 19:04 Uhr: Nachrichtenagenturen und Medien verbreiten die Meldung als sofortige Grenzöffnung.
- Ab etwa 20:30 Uhr: Immer mehr Menschen kommen zu den Berliner Grenzübergängen. Die Grenzsoldaten haben weder passende Anweisungen noch einen Öffnungsbefehl.
- 21:00 Uhr: Die Menge wird größer und verlangt: „Tor auf!“
- Gegen 23:30 Uhr: Am Übergang Bornholmer Straße werden die Tore wegen des wachsenden Drucks geöffnet. Andere Übergänge folgen.
- Um 0:00 Uhr: Alle Berliner Grenzübergänge sind offen.
Menschen aus Ost- und West-Berlin begegneten einander, feierten und besuchten sich. Später schlugen sogenannte Mauerspechte mit Werkzeugen Stücke aus der Mauer.
Die Grenzöffnung blieb friedlich, obwohl die Lage gefährlich war. Bewaffnete Grenzkräfte standen großen Menschenmengen gegenüber, während klare Befehle der politischen und militärischen Führung ausblieben.
War der Mauerfall geplant?
Eine neue Reiseregelung war geplant. Die sofortige, unkontrollierte Öffnung aller Berliner Grenzübergänge war es nicht.
Reiseregelung
Die geplante Regelung sollte DDR-Bürgern Privat- und Auslandsreisen ermöglichen. Dafür waren zunächst Anträge, Genehmigungen und Visa vorgesehen.
Schabowskis Formulierung erzeugte den Eindruck, die Grenze sei sofort offen. Die Medien verstärkten diese Erwartung. An den Übergängen trafen deshalb zwei Wirklichkeiten aufeinander:
- Die Menschen erwarteten eine sofortige Ausreise.
- Die Grenzbediensteten besaßen noch keine passenden Anweisungen.
Die Grenzkommandanten mussten vor Ort entscheiden. Wegen des gefährlichen Massendrucks öffneten sie die Tore ohne zentralen Befehl.
Schabowskis Aussage war der Auslöser des Abends, aber nicht die alleinige Ursache des Mauerfalls. Die jahrelange Krise und der Druck der Bevölkerung machten die Grenzöffnung erst möglich.
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Die DDR-Führung plante eine neue . Schabowskis Aussage wurde als verstanden. An den Übergängen fehlte ein zentraler . Schließlich öffneten Grenzkommandanten unter dem Druck der die Tore.
Was änderte sich nach der Grenzöffnung?
Die Grenzöffnung nahm den Berliner Sperranlagen ihre bisherige Funktion, Fluchten in den Westen zu verhindern, und beschleunigte das Ende der SED-Diktatur. Sie vereinigte Deutschland aber noch nicht sofort zu einem Staat.
Friedliche Revolution
Als Friedliche Revolution wird der gewaltlose Umbruch bezeichnet, mit dem Bürgerinnen und Bürger 1989 die SED-Diktatur herausforderten und politische Veränderungen erzwangen.
Wiedervereinigung
Die Wiedervereinigung bezeichnet die staatliche Einheit von DDR und BRD am 3. Oktober 1990. Die DDR trat der Bundesrepublik bei.
Zwischen beiden Daten lagen wichtige politische Schritte:
- Bürgerrechtsgruppen und Regierung berieten am Runden Tisch über die Zukunft der DDR.
- Am 18. März 1990 fand die einzige freie Volkskammerwahl der DDR statt.
- Die BRD, die DDR und die vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich verhandelten im Zwei-plus-Vier-Prozess über die äußeren Bedingungen der Einheit.
- Am 12. September 1990 wurde der Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet.
- Am 3. Oktober 1990 entstand die staatliche Einheit.
Eine genaue zeitliche Einordnung lautet:
Mauerfall: Am 9. November 1989 wurden die Berliner Grenzübergänge geöffnet.
Wiedervereinigung: Am 3. Oktober 1990 wurden DDR und BRD staatlich vereinigt.
Daher ist der Satz „Mit dem Mauerfall war Deutschland sofort wiedervereinigt“ falsch. Der Mauerfall eröffnete den Weg zur Einheit, ersetzte aber nicht die politischen Entscheidungen und internationalen Verhandlungen.
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Alles auf einen Blick
- Mauerfall am 9. November 1989
- Vorgeschichte
- Wirtschaftliche und politische Krise der DDR
- Reformen im Ostblock
- Massenflucht und friedliche Proteste
- Unmittelbarer Auslöser
- Missverständlich bekannt gegebene Reiseregelung
- Medien melden eine sofortige Grenzöffnung
- Grenzübergänge
- Große Menschenmengen verlangen die Ausreise
- Grenzkräfte haben keinen Öffnungsbefehl
- Kommandanten öffnen eigenmächtig die Tore
- Folgen
- Sperranlagen verlieren ihre bisherige Fluchtverhinderungsfunktion
- Ende der SED-Diktatur wird beschleunigt
- Staatliche Einheit folgt am 3. Oktober 1990
- Vorgeschichte
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du den Mauerfall als Wirkungskette erklären und ihn klar von der Wiedervereinigung unterscheiden kannst.
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