Geschichte

Deutsche Wiedervereinigung 1989/90 einfach erklärt

Deutsche Wiedervereinigung 1989/90 einfach erklärt
Deutsche Wiedervereinigung 1989/90 einfach erklärt
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Die deutsche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 vollzogen: Die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland bei. Möglich wurde dies durch die friedliche Revolution in der DDR, den Mauerfall, freie politische Entscheidungen und internationale Verhandlungen.

Du lernst hier, warum das SED-Regime 1989 seine Macht verlor, wie sich der Weg zur Einheit entwickelte und weshalb Mauerfall, Wiedervereinigung und gesellschaftliche Einheit nicht dasselbe sind.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum geriet die DDR 1989 in die Krise?

Seit 1949 bestanden zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Eine streng bewachte Grenze, zu der die Berliner Mauer gehörte, trennte sie.

In der DDR besaß die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) die entscheidende politische Macht. Freie Wahlen und eine wirksame Gewaltenteilung fehlten. Der Staat überwachte viele Menschen durch das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi.

Ende der 1980er-Jahre verstärkten mehrere Entwicklungen die Krise:

  • Viele Menschen waren mit fehlender Freiheit, politischer Bevormundung und wirtschaftlichen Problemen unzufrieden.
  • Bürgerrechtsgruppen forderten Demokratie und freie Wahlen.
  • Bei der Kommunalwahl vom 7. Mai 1989 wiesen Oppositionelle Manipulationen der Stimmenauszählung nach.
  • Die sowjetischen Reformen Glasnost und Perestroika schufen im Ostblock größere politische Handlungsspielräume.
  • Über Ungarn und westdeutsche Botschaften versuchten immer mehr Menschen, die DDR zu verlassen.

Allein im Juli und August 1989 flohen mehr als 50.000 Menschen. Beim Paneuropäischen Picknick am 19. August gelangten etwa 700 DDR-Bürger durch ein vorübergehend geöffnetes ungarisches Grenztor nach Österreich.

Definition

Friedliche Revolution

Als friedliche Revolution bezeichnet man den politischen Umbruch in der DDR 1989/90, den Bürgerinnen und Bürger vor allem durch Protest, Opposition und gewaltlosen Widerstand vorantrieben. Er beendete die SED-Herrschaft und ermöglichte freie Wahlen.

Merke

Die DDR-Führung geriet von zwei Seiten unter Druck: Viele Menschen gingen durch Flucht und Ausreise, andere blieben und protestierten für Veränderungen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage verbindet die Ursachen der DDR-Krise zutreffend?
Lösung: Sowjetische Reformen, Ausreisebewegung und Proteste vergrößerten gemeinsam den Druck auf die SED-Führung. — Der Umbruch hatte mehrere miteinander verbundene Ursachen. Veränderungen im Ostblock schufen Spielräume, während Ausreise und Protest die Krise innerhalb der DDR verschärften.
Wie führten Protest und Reiseregelung zum Mauerfall?

Seit September 1989 fanden in mehreren Städten Montagsdemonstrationen statt. Die Teilnehmenden verlangten politische Reformen, freie Wahlen und mehr Freiheit. Mit „Wir sind das Volk!“ bestritten sie den Anspruch der SED, für die gesamte Bevölkerung zu sprechen.

Der Ruf „Keine Gewalt!“ war ebenfalls wichtig. Die Demonstrierenden wussten nicht, ob die Staatsmacht gewaltsam gegen sie vorgehen würde. Am 9. Oktober 1989 demonstrierten rund 70.000 Menschen. Der friedliche Verlauf stärkte die Protestbewegung.

Am Abend des 9. November 1989 verlas der SED-Funktionär Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz eine neue Reiseregelung. Auf die Frage, wann sie gelte, antwortete er: „sofort, unverzüglich“.

Daraufhin strömten Tausende zu den Berliner Grenzübergängen. Die Grenzbediensteten waren auf den Andrang nicht vorbereitet und öffneten schließlich die Schlagbäume ohne entsprechende offizielle Anweisung. Die Berliner Mauer hatte ihre trennende Wirkung verloren.

Beispiel

Die Grenzöffnung war nicht die Folge eines einzigen Ereignisses. Die Kette lautete:

  1. Unzufriedenheit und Protest schwächten die SED-Herrschaft.
  2. Die Ausreisebewegung erhöhte den Handlungsdruck.
  3. Die Regierung beschloss eine neue Reiseregelung.
  4. Schabowskis Bekanntgabe wurde als sofortige Öffnung verstanden.
  5. Der Massenandrang brachte die Grenzübergänge zum Öffnen.

Der entscheidende Gedanke: Schabowskis Worte lösten den unmittelbaren Andrang aus, wirkten aber in einer bereits weit fortgeschrittenen politischen Krise.

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Frage 1 von 1MittelWarum erklärt Schabowskis Pressekonferenz den Mauerfall nicht vollständig?
Lösung: Weil Proteste, Ausreise und die Krise der SED bereits die Voraussetzungen für den Massenandrang geschaffen hatten. — Die Bekanntgabe war der unmittelbare Auslöser der Grenzöffnung. Ohne die vorausgehende Krise und den gesellschaftlichen Druck lässt sich ihre Wirkung jedoch nicht erklären.
Warum folgte auf den Mauerfall nicht sofort die Einheit?

Der Mauerfall öffnete die Grenze, vereinigte aber noch keine Staaten. Nach dem 9. November war zunächst offen, wie die DDR künftig aussehen sollte. Einige Bürgerrechtsgruppen wollten eine demokratisch reformierte, eigenständige DDR. Andere strebten eine schnelle Vereinigung mit der Bundesrepublik an.

Am Zentralen Runden Tisch berieten Regierung, Parteien und Opposition über die Zukunft der DDR. Demonstrierende besetzten am 15. Januar 1990 die Stasi-Zentrale in Ost-Berlin. Sie wollten die Auflösung der Staatssicherheit und die Sicherung ihrer Akten erreichen.

Am 18. März 1990 fand die erste und einzige freie Volkskammerwahl der DDR statt. Die auf eine Wiedervereinigung ausgerichtete Allianz für Deutschland gewann deutlich. Damit erhielt der schnelle Weg zur staatlichen Einheit eine demokratische Grundlage.

Definition

Volkskammer

Die Volkskammer war das Parlament der DDR. Erst die Wahl vom 18. März 1990 war frei und bot den Wahlberechtigten eine echte Auswahl zwischen konkurrierenden Parteien und Listenverbindungen.

Merke

Mauerfall bedeutet Grenzöffnung. Wiedervereinigung bedeutet die rechtliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Dazwischen lagen Wahlen, Verträge und politische Entscheidungen.

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Frage 1 von 1MittelWelche Aussage unterscheidet Mauerfall und Wiedervereinigung richtig?
Lösung: Am 9. November 1989 öffneten sich die Grenzen; am 3. Oktober 1990 wurde die staatliche Einheit vollzogen. — Die Wahl entschied über den politischen Kurs der DDR. Die staatliche Einheit trat erst am 3. Oktober 1990 in Kraft.
Welche inneren und äußeren Schritte waren nötig?

Die Vereinigung hatte eine innere und eine äußere Seite. Innerhalb Deutschlands mussten Politik, Recht, Währung, Wirtschaft und soziale Sicherung zusammengeführt werden. International mussten noch bestehende Rechte der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs geregelt werden.

Innere Vereinigung

Am 1. Juli 1990 trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Die D-Mark wurde Zahlungsmittel in der DDR, die soziale Marktwirtschaft ersetzte die Planwirtschaft und das bundesdeutsche Sozialversicherungssystem wurde eingeführt.

Am 23. August beschloss die Volkskammer den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Am 31. August unterzeichneten Vertreter beider Staaten den Einigungsvertrag. Er regelte die rechtlichen Einzelheiten des Beitritts.

Äußere Vereinigung

Die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich besaßen als Siegermächte des Zweiten Weltkriegs weiterhin Rechte in Bezug auf Deutschland. Deshalb konnten BRD und DDR die äußeren Bedingungen der Einheit nicht allein regeln.

In den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen standen die zwei deutschen Staaten den vier Siegermächten gegenüber. Verhandelt wurde unter anderem über:

  • die volle Souveränität Deutschlands,
  • die Bündniszugehörigkeit des vereinten Staates,
  • militärische Fragen,
  • die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze zu Polen.

Am 12. September 1990 unterzeichneten die sechs Staaten den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Die Vier Mächte verzichteten auf ihre Rechte an und in Deutschland. Damit entfiel das völkerrechtliche Hindernis für die Einheit.

Beispiel

Die unterschiedlichen Verträge beantworten unterschiedliche Fragen:

  • Der Einigungsvertrag regelte, wie die DDR der Bundesrepublik beitrat und welche innerstaatlichen Folgen das hatte.
  • Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte die äußeren Bedingungen und die volle Souveränität des vereinten Deutschlands.

Keiner der beiden Verträge ersetzte den anderen.

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Frage 1 von 2MittelWarum waren die vier Siegermächte an den Verhandlungen beteiligt?
Lösung: Weil sie noch Rechte in Bezug auf Deutschland besaßen und die äußeren Bedingungen der Einheit geregelt werden mussten. — Die innerdeutsche Vereinigung wurde von BRD und DDR gestaltet. Für volle Souveränität und außenpolitische Fragen war zusätzlich eine internationale Regelung nötig.
Frage 2 von 2SchwerWelche Beurteilung des Zwei-plus-Vier-Prozesses ist am besten begründet?
Lösung: Er verband das deutsche Ziel der Einheit mit Sicherheits-, Grenz- und Souveränitätsfragen der beteiligten Staaten. — Der Prozess zeigt, dass Wiedervereinigung zugleich eine deutsche und eine internationale Angelegenheit war.
Was geschah am 3. Oktober – und was blieb offen?

Am 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag in Kraft. Die DDR trat der Bundesrepublik bei und wurde als eigener Staat aufgelöst. Seitdem ist der 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit.

Die staatliche Einheit war damit rechtlich vollzogen. Sie beseitigte jedoch nicht sofort alle Unterschiede zwischen Ost und West. Wirtschaftsordnung, Arbeitswelt, Verwaltung und Alltag veränderten sich tiefgreifend. Unterschiedliche Lebensverhältnisse und Erfahrungen blieben bestehen.

Definition

Gesellschaftliche Transformation

Eine gesellschaftliche Transformation ist ein länger dauernder grundlegender Wandel von Institutionen, Wirtschaft und Lebensverhältnissen. Im Unterschied zur staatlichen Vereinigung lässt sie sich nicht auf einen einzigen Tag festlegen.

Zeitstrahl
  1. 9. November 1989Öffnung der Berliner Grenzübergänge
  2. 18. März 1990Erste freie Volkskammerwahl
  3. 1. Juli 1990Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
  4. 23. August 1990Volkskammer beschließt den Beitritt
  5. 31. August 1990Einigungsvertrag wird unterzeichnet
  6. 12. September 1990Zwei-plus-Vier-Vertrag wird unterzeichnet
  7. 3. Oktober 1990Staatliche Einheit tritt in Kraft
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Frage 1 von 1SchwerWelche Aussage berücksichtigt den Unterschied zwischen staatlicher und gesellschaftlicher Einheit?
Lösung: Der Staat war ab dem 3. Oktober 1990 vereinigt, während die Angleichung von Lebensverhältnissen ein längerer Prozess blieb. — Ein politisches Datum markiert die staatliche Einheit. Gesellschaftliche Veränderungen entwickeln sich über längere Zeit und können regional verschieden erlebt werden.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wiedervereinigung 1989/90
    • Voraussetzungen
      • Sowjetische Reformpolitik
      • Unzufriedenheit und Opposition
      • Ausreisebewegung
    • Friedliche Revolution
      • Montagsdemonstrationen
      • Ende der SED-Herrschaft
      • Mauerfall
    • Demokratische Entscheidung
      • Freie Volkskammerwahl
      • Beitrittsbeschluss
    • Innere Regelung
      • Wirtschafts- und Währungsunion
      • Einigungsvertrag
    • Äußere Regelung
      • Vier-Mächte-Rechte
      • Zwei-plus-Vier-Vertrag
      • Volle Souveränität
    • Ergebnis und Folge
      • Staatliche Einheit am 3. Oktober 1990
      • Längerfristige gesellschaftliche Transformation
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Ereignis markiert die staatliche Wiedervereinigung?
Lösung: Das Inkrafttreten des Beitritts der DDR am 3. Oktober 1990 — Die Wiedervereinigung war ein rechtlicher Staatsakt am 3. Oktober 1990.
Frage 2 von 3MittelWelche Reihenfolge ist richtig?
Lösung: Mauerfall – freie Volkskammerwahl – Wirtschaftsunion – Einigungsvertrag – Zwei-plus-Vier-Vertrag – staatliche Einheit — Der Weg führte von Protest und Grenzöffnung über demokratische Entscheidungen und Verträge zur staatlichen Einheit.
Frage 3 von 3SchwerEine Person behauptet: „Die unklare Pressekonferenz allein hat Deutschland wiedervereinigt.“ Welche Antwort trifft am besten zu?
Lösung: Die Pressekonferenz löste den unmittelbaren Massenandrang aus, doch Protest, Ausreise, Wahlen und innerdeutsche sowie internationale Verträge waren ebenfalls notwendig. — Eine überzeugende historische Erklärung verbindet Auslöser, längerfristige Ursachen und die späteren politischen Entscheidungen.

Du kannst den Prozess erklären, wenn du drei Ebenen auseinanderhältst: Die friedliche Revolution beendete die SED-Herrschaft, Verträge und Beschlüsse schufen die staatliche Einheit, und die gesellschaftliche Transformation dauerte über den 3. Oktober 1990 hinaus an.

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