Manchmal verändert ein Datum den Stundenplan, die Nachrichten und das Leben vieler Familien zugleich. Bei der deutschen Wiedervereinigung ging es nicht nur um Politiker und Verträge. Es ging auch um Menschen, die reisen, wählen, frei sprechen und zusammenleben wollten.
- Du kannst erklären, warum Deutschland nach 1945 geteilt war.
- Du kannst wichtige Schritte von 1989 und 1990 in die richtige Reihenfolge bringen.
- Du kannst den Mauerfall, die Friedliche Revolution, die Volkskammerwahl, den Zwei-plus-Vier-Vertrag und den Einigungsvertrag unterscheiden.
- Du kannst Folgen der Wiedervereinigung für Menschen in Ost und West benennen.
Warum Deutschland geteilt war
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland stark zerstört. Die Siegermächte wollten verhindern, dass von Deutschland noch einmal Krieg ausgeht. Deshalb wurde Deutschland zunächst von vier Staaten kontrolliert: den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion.
Die Siegermächte waren die Staaten, die Deutschland 1945 besiegt hatten und danach wichtige Entscheidungen über Deutschland trafen. Für Deutschland waren besonders vier Siegermächte wichtig: USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion.
Aus den unterschiedlichen Interessen der Siegermächte entstand später eine feste Teilung. Im Westen entstand 1949 die Bundesrepublik Deutschland, kurz BRD. Im Osten entstand 1949 die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR.
Die Bundesrepublik Deutschland war der westdeutsche Staat. Sie war demokratisch organisiert und gehörte politisch zum Westen.
Die DDR war der ostdeutsche Staat. Sie nannte sich demokratisch, wurde aber von der SED beherrscht. SED bedeutet Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Sie war die allein herrschende Staatspartei der DDR. Freie Wahlen, freie Medien und echte politische Konkurrenz gab es dort nicht.
Der Gegensatz zwischen dem Westen und der Sowjetunion prägte diese Zeit. Man nennt ihn Kalter Krieg. Dabei kämpften die Seiten nicht direkt in einem großen Krieg gegeneinander, aber sie standen sich politisch, militärisch und wirtschaftlich feindlich gegenüber.
Eine Familie lebte nach 1949 vielleicht in Leipzig, ihre Verwandten aber in Köln. Beide Orte lagen in deutschen Staaten mit verschiedenen Regierungen, verschiedenen Wirtschaftssystemen und verschiedenen Möglichkeiten zu reisen.
Die deutsche Teilung entstand aus den Folgen des Zweiten Weltkriegs und aus dem Kalten Krieg. Aus einem besetzten Deutschland wurden 1949 zwei deutsche Staaten.
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Leben mit Mauer und Grenze
Viele Menschen in der DDR waren mit ihrem Staat unzufrieden. Sie konnten nicht frei wählen, die Regierung offen kritisieren oder einfach in den Westen ziehen. Viele versuchten trotzdem zu fliehen.
Damit immer weniger Menschen die DDR verließen, ließ die DDR-Führung 1961 die Berliner Mauer bauen. Sie trennte West-Berlin vom Ostteil der Stadt und von der DDR. Auch die innerdeutsche Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik wurde streng bewacht.
Die Berliner Mauer war eine befestigte Grenze in Berlin. Sie wurde 1961 gebaut und sollte Menschen aus der DDR an der Flucht nach West-Berlin hindern.
Die Mauer war mehr als Beton. Sie stand für Unfreiheit, getrennte Familien und die Teilung Europas. Wer versuchte, die Grenze heimlich zu überwinden, riskierte Gefängnis oder sogar den Tod.
Stell dir vor, deine Großeltern wohnen nur wenige Kilometer entfernt, aber eine bewachte Grenze liegt dazwischen. Du kannst sie nicht einfach besuchen. Genau solche Trennungen gehörten für viele Familien zum Alltag.
Nicht alle Menschen in der DDR dachten gleich. Manche wollten vor allem ausreisen. Andere wollten bleiben und den Staat verändern. Beides erhöhte Ende der 1980er Jahre den Druck auf die DDR-Führung.
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Friedliche Revolution und Mauerfall
1989 veränderte sich viel in Osteuropa. In mehreren Ländern wurden Reformen möglich. Auch in der DDR wurden immer mehr Menschen mutiger. Sie kritisierten Wahlfälschungen, forderten Reisefreiheit und verlangten echte Demokratie.
Die Friedliche Revolution war die Protestbewegung in der DDR 1989. Viele Menschen demonstrierten ohne Gewalt für Freiheit, freie Wahlen und politische Veränderung.
Ein wichtiger Ort waren die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Menschen gingen nach Friedensgebeten auf die Straße. Sie riefen nach Freiheit und Reformen. Der Satz "Wir sind das Volk" bedeutete: Nicht die Partei allein entscheidet, sondern die Bürgerinnen und Bürger.
Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in Leipzig sehr viele Menschen. Viele hatten Angst vor Gewalt. Doch die Demonstration blieb friedlich, und die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Das gab vielen Menschen Mut.
Der wichtigste sichtbare Wendepunkt war der Mauerfall am 9. November 1989. An diesem Abend wurde eine neue Reiseregelung schlecht erklärt. Viele Menschen gingen sofort zu den Grenzübergängen. Die Grenzposten öffneten schließlich die Übergänge.
Der Mauerfall bezeichnet die Öffnung der Berliner Mauer am Abend des 9. November 1989. Danach konnten Menschen aus Ost- und West-Berlin wieder direkt zueinander.
Die Mauer fiel nicht einfach wegen eines einzelnen Satzes. Der Fehler auf der Pressekonferenz wirkte nur, weil vorher monatelang Menschen demonstriert, geflohen und Veränderungen erzwungen hatten.
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Der Weg zur staatlichen Einheit 1990
Nach dem Mauerfall war noch nicht klar, wie es weitergehen sollte. Manche Menschen wollten eine erneuerte DDR. Viele andere wollten schnell die Einheit mit der Bundesrepublik. Diese Frage wurde 1990 politisch entschieden.
Am 18. März 1990 wählten die Menschen in der DDR zum ersten Mal frei ihre Volkskammer. Die Volkskammer war das Parlament der DDR. Bei dieser Wahl gewannen Parteien, die eine schnelle Wiedervereinigung unterstützten.
Eine freie Wahl bedeutet: Mehrere Parteien können antreten, Menschen dürfen ohne Zwang wählen, Stimmen werden korrekt gezählt, und das Ergebnis entscheidet wirklich über die Politik.
Vor 1990 konnten Menschen in der DDR nicht frei zwischen echten politischen Alternativen wählen. Am 18. März 1990 konnten sie dagegen Parteien wählen, die verschiedene Wege in die Zukunft vorschlugen.
Ein weiterer Schritt war die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990. Das bedeutet: Die DDR übernahm die D-Mark, viele Regeln der westdeutschen Wirtschaft und wichtige Teile des westdeutschen Sozialsystems.
Die Währungsunion ist die Einführung einer gemeinsamen Währung. 1990 wurde die D-Mark in der DDR Zahlungsmittel.
Die Wirtschaftsunion bedeutet hier, dass die DDR Regeln der sozialen Marktwirtschaft übernahm. Das ist ein Wirtschaftssystem mit Wettbewerb, in dem Betriebe sich am Markt behaupten müssen und der Staat soziale Absicherung organisiert.
Die Sozialunion bedeutet, dass wichtige soziale Sicherungssysteme wie Renten- und Krankenversicherung angepasst wurden.
Das brachte Hoffnung, aber auch harte Folgen. Viele DDR-Betriebe waren nicht auf die Konkurrenz in einer Marktwirtschaft vorbereitet. In den folgenden Jahren verloren viele Menschen ihre Arbeitsplätze.
1990 war kein einzelner Moment, sondern eine schnelle Abfolge politischer Entscheidungen: freie Wahl, gemeinsame Währung, Verträge und schließlich der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.
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Zwei-plus-Vier-Vertrag und Einigungsvertrag
Für die Wiedervereinigung reichten Entscheidungen in Deutschland allein nicht aus. Die vier Siegermächte hatten seit 1945 noch besondere Rechte in Bezug auf Deutschland. Deshalb mussten auch internationale Fragen geklärt werden.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag war ein Vertrag von 1990 zwischen den zwei deutschen Staaten und den vier Siegermächten. Er regelte die äußeren Bedingungen der deutschen Einheit.
"Zwei" meint Bundesrepublik und DDR. "Vier" meint USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion. In diesem Vertrag erhielt das vereinte Deutschland volle Souveränität.
Souveränität bedeutet, dass ein Staat selbst über seine inneren und äußeren Angelegenheiten entscheiden darf.
Der Vertrag regelte unter anderem Deutschlands Grenzen, den Verzicht auf Gebietsansprüche und Fragen zur Armee. Damit war außenpolitisch der Weg frei.
Wenn eine Klasse ein Projekt mit einer anderen Schule macht, müssen beide Klassen zustimmen. Wenn aber auch die Schulleitung Regeln vorgegeben hat, muss sie ebenfalls einverstanden sein. Ähnlich brauchte Deutschland 1990 neben deutschen Entscheidungen auch die Zustimmung der vier Mächte.
Der Einigungsvertrag regelte dann die konkrete staatliche Vereinigung. Er wurde zwischen der DDR und der Bundesrepublik geschlossen. Am 3. Oktober 1990 trat er in Kraft. Seitdem ist dieser Tag der Tag der Deutschen Einheit.
Der Einigungsvertrag war der Vertrag zwischen DDR und Bundesrepublik, der den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik regelte. Er trat am 3. Oktober 1990 in Kraft.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag klärte die äußeren Fragen mit den Siegermächten. Der Einigungsvertrag regelte die konkrete Einheit zwischen DDR und Bundesrepublik.
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Folgen und Bedeutung
Die Wiedervereinigung war für viele Menschen ein Glücksmoment. Familien konnten leichter zusammenkommen. Menschen in Ostdeutschland erhielten politische Freiheitsrechte, freie Wahlen und Reisefreiheit. Deutschland wurde wieder ein gemeinsamer Staat.
Die Deutsche Einheit bezeichnet den Zustand seit dem 3. Oktober 1990, in dem die frühere DDR und die Bundesrepublik einen gemeinsamen deutschen Staat bilden.
Gleichzeitig brachte die Einheit große Veränderungen. Viele Menschen in Ostdeutschland mussten sich beruflich neu orientieren. Betriebe wurden geschlossen oder verkauft. Manche Lebensleistungen wurden weniger anerkannt, als Betroffene es erwartet hatten. Deshalb wird die Wiedervereinigung bis heute unterschiedlich erlebt.
Eine Person konnte sich 1990 über freie Wahlen und Reisefreiheit freuen. Gleichzeitig konnte sie wenige Jahre später ihren Arbeitsplatz verlieren, weil ihr Betrieb nicht konkurrenzfähig war. Beides kann zur gleichen Geschichte gehören.
Wichtig ist auch: Die Einheit war nicht nur ein Ereignis, sondern ein langer Prozess. Löhne, Vermögen, Lebenswege und politische Einstellungen näherten sich nicht überall gleich schnell an. Manche Unterschiede zwischen Ost und West bestehen weiter. Andere Unterschiede verlaufen heute eher zwischen Stadt und Land, armen und reichen Regionen oder jungen und alten Menschen.
Der 3. Oktober ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Er heißt Tag der Deutschen Einheit und erinnert an die staatliche Wiedervereinigung von 1990.
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Zusammenfassung
Die Wiedervereinigung erklärt man am besten als Weg von der Teilung zur Einheit. Nach 1945 bestimmten die Siegermächte über Deutschland mit. 1949 entstanden zwei deutsche Staaten: die Bundesrepublik im Westen und die DDR im Osten.
In der DDR fehlten wichtige Freiheitsrechte. Die Berliner Mauer trennte Menschen und sollte Flucht verhindern. 1989 protestierten viele Menschen friedlich gegen die SED-Herrschaft. Der Mauerfall am 9. November 1989 war der sichtbare Durchbruch.
1990 folgten freie Wahlen in der DDR, die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, der Zwei-plus-Vier-Vertrag und der Einigungsvertrag. Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland staatlich vereinigt. Die Einheit brachte Freiheit und neue Chancen, aber auch schwierige wirtschaftliche und soziale Veränderungen.
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