Primärquelle und Sekundärquelle unterscheiden
Eine Primärquelle steht dem untersuchten Gegenstand unmittelbar nahe. Eine Sekundärquelle vermittelt Informationen aus einer Primärquelle weiter. Entscheidend sind jedoch immer die Forschungsfrage und der Überlieferungsweg – nicht allein das Alter eines Materials.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Primär- und Sekundärquellen?
Primärquelle
Eine Primärquelle ist ein unmittelbares Zeugnis für den untersuchten Gegenstand. Das können beispielsweise ein Tagebuch einer beteiligten Person, eine zeitgenössische Münze, ein Gebäude oder ein Bild aus der untersuchten Zeit sein.
Sekundärquelle
Eine Sekundärquelle gibt Informationen aus einer Primärquelle weiter oder beruht auf ihr. Sie bildet damit ein weiteres Glied im Überlieferungsweg.
Primär bedeutet also nicht einfach „alt“. Frage stattdessen:
- Welchen Gegenstand untersuche ich?
- Wann und in welchem Zusammenhang entstand das Material?
- Berichtet es unmittelbar oder vermittelt es ein anderes Zeugnis?
Person A erlebt eine Demonstration und beschreibt sie in ihrem Tagebuch. Person B liest den Eintrag und berichtet darüber in einem Brief.
Für die Frage „Was geschah bei der Demonstration?“ ist As Tagebuch eine Primärquelle. Bs Brief ist eine Sekundärquelle, weil B das Ereignis nur über As Bericht kennt.
Ist das Tagebuch verloren, kann der Brief trotzdem Hinweise auf seinen Inhalt bewahren. Dabei bleibt offen, ob B alles richtig und vollständig wiedergegeben hat.
Warum entscheidet die Forschungsfrage?
Die Einordnung ist relational: Sie beschreibt die Beziehung zwischen Material und Untersuchungsfrage. Ändert sich die Frage, kann sich auch die Einordnung ändern.
Ein Geschichtswerk von 1980 beschreibt den Kalten Krieg.
- Für die Frage „Was geschah während des Kalten Krieges?“ ist das Werk eine spätere Darstellung.
- Für die Frage „Wie deutete man 1980 den Kalten Krieg?“ kann dasselbe Werk als Primärquelle dienen. Nun wird seine eigene Entstehungszeit untersucht.
Auch ein späterer Bericht kann deshalb Primärquelle sein – nicht unbedingt für das darin geschilderte ältere Ereignis, aber beispielsweise für die Erinnerungen, Interessen oder Deutungen seiner Entstehungszeit.
Ordne nie nur das Material ein. Formuliere vollständig: „Dieses Material ist für die Frage … eine Primärquelle, Sekundärquelle oder Darstellung, weil …“
Sagt „primär“ etwas über Zuverlässigkeit aus?
Nein. Die Bezeichnung beschreibt zunächst die Nähe zum Gegenstand oder den Überlieferungsweg. Sie ist kein Qualitätssiegel.
Eine beteiligte Person kann etwas übersehen, sich irren oder eigene Interessen verfolgen. Eine spätere Quelle kann frühere Angaben falsch wiedergeben. Sie kann aber auch mehrere Zeugnisse vergleichen und dadurch einen besseren Überblick bieten.
Prüfe deshalb bei jeder Quelle:
- Wer hat sie wann und in welcher Situation geschaffen?
- Was konnte die Person wissen oder beobachten?
- Welche Absicht und Perspektive sind erkennbar?
- Welche Angaben lassen sich mit anderen Quellen vergleichen?
- Welche Frage kann das Material beantworten – und welche nicht?
Ein Feldherr berichtet selbst über einen Krieg, an dem er teilgenommen hat. Sein Bericht ist für den Kriegsverlauf eine Primärquelle. Weil er zugleich seine Entscheidungen rechtfertigen möchte, muss seine Darstellung trotzdem kritisch geprüft werden.
Ein späterer Autor war nicht dabei, kann aber mehrere Berichte vergleichen. Seine zeitliche Distanz macht ihn weder automatisch zuverlässiger noch automatisch schlechter.
Sekundärquelle oder Geschichtsdarstellung?
Die Begriffe werden nicht überall gleich verwendet. In einer genaueren geschichtswissenschaftlichen Unterscheidung gilt:
- Primärquelle und Sekundärquelle sind beide historische Quellen. Die Sekundärquelle übermittelt dabei eine andere Quelle.
- Eine Darstellung oder Sekundärliteratur ist moderne Fachliteratur, die Quellen auswertet und Geschichte erklärt, analysiert oder beurteilt.
Im schulischen und internationalen Sprachgebrauch wird „Sekundärquelle“ teilweise auch für solche späteren Darstellungen verwendet. Deshalb solltest du nicht nur ein Etikett nennen, sondern dein verwendetes Kriterium erklären.
Ein verlorenes Zeugnis kann durch eine erhaltene Sekundärquelle teilweise erschlossen werden. Wer die ursprüngliche Quelle nicht selbst gesehen hat, muss den indirekten Weg kenntlich machen: ursprüngliche Quelle, dann „zitiert nach“, anschließend die tatsächlich benutzte Sekundärquelle.
So ordnest du neues Material ein
Gehe in vier Schritten vor:
- Forschungsfrage nennen: Was genau möchtest du herausfinden?
- Entstehung klären: Wer schuf das Material wann und in welchem Zusammenhang?
- Überlieferungsweg prüfen: Beruht es auf eigener Beteiligung, auf einem anderen Zeugnis oder auf der Auswertung mehrerer Quellen?
- Einordnung begründen: Nenne Kategorie und Kriterium in einem vollständigen Satz.
Material: Eine Person erlebt den Fall der Berliner Mauer und schreibt am selben Abend Tagebuch.
Frage: Wie erlebte diese Person den Abend?
Einordnung: Der Tagebucheintrag ist für diese Frage eine Primärquelle, weil er die unmittelbare Wahrnehmung der beteiligten Person festhält. Er zeigt ihre Perspektive, aber nicht automatisch alle Abläufe des Ereignisses.
Übung: Drei Materialien, zwei Fragen
Gegeben sind:
- M1: der Tagebucheintrag einer anwesenden Person;
- M2: ein späterer Brief, der M1 zusammenfasst;
- M3: eine heutige wissenschaftliche Untersuchung, die mehrere Quellen auswertet.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Primärquelle und Sekundärquelle
- Forschungsfrage bestimmt die Einordnung
- Primärquelle steht dem Gegenstand unmittelbar nahe
- Sekundärquelle vermittelt ein anderes Zeugnis
- Darstellung wertet historische Quellen aus
- Quellentyp garantiert keine Zuverlässigkeit
- Quellenkritik prüft Perspektive, Wissen und Absicht
Abschluss-Check
Du kannst Quellen nun begründet einordnen: Formuliere zuerst die Forschungsfrage, untersuche Entstehung und Überlieferungsweg und prüfe anschließend den Quellenwert. So vermeidest du die beiden häufigsten Fehler: „alt bedeutet primär“ und „primär bedeutet zuverlässig“.
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