Geschichte

Primärquelle und Sekundärquelle unterscheiden

Primärquelle und Sekundärquelle unterscheiden
Primärquelle und Sekundärquelle unterscheiden
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Eine Primärquelle steht dem untersuchten Gegenstand unmittelbar nahe. Eine Sekundärquelle vermittelt Informationen aus einer Primärquelle weiter. Entscheidend sind jedoch immer die Forschungsfrage und der Überlieferungsweg – nicht allein das Alter eines Materials.

Deine Lernziele

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Woran erkennst du Primär- und Sekundärquellen?
Definition

Primärquelle

Eine Primärquelle ist ein unmittelbares Zeugnis für den untersuchten Gegenstand. Das können beispielsweise ein Tagebuch einer beteiligten Person, eine zeitgenössische Münze, ein Gebäude oder ein Bild aus der untersuchten Zeit sein.

Definition

Sekundärquelle

Eine Sekundärquelle gibt Informationen aus einer Primärquelle weiter oder beruht auf ihr. Sie bildet damit ein weiteres Glied im Überlieferungsweg.

Primär bedeutet also nicht einfach „alt“. Frage stattdessen:

  1. Welchen Gegenstand untersuche ich?
  2. Wann und in welchem Zusammenhang entstand das Material?
  3. Berichtet es unmittelbar oder vermittelt es ein anderes Zeugnis?
Beispiel

Person A erlebt eine Demonstration und beschreibt sie in ihrem Tagebuch. Person B liest den Eintrag und berichtet darüber in einem Brief.

Für die Frage „Was geschah bei der Demonstration?“ ist As Tagebuch eine Primärquelle. Bs Brief ist eine Sekundärquelle, weil B das Ereignis nur über As Bericht kennt.

Ist das Tagebuch verloren, kann der Brief trotzdem Hinweise auf seinen Inhalt bewahren. Dabei bleibt offen, ob B alles richtig und vollständig wiedergegeben hat.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine Sekundärquelle im Überlieferungszusammenhang?
Lösung: Sie vermittelt Informationen, die aus einer Primärquelle stammen. — Entscheidend ist der Vermittlungsweg: Die Sekundärquelle beruht auf einer Primärquelle oder gibt deren Inhalt weiter.
Warum entscheidet die Forschungsfrage?

Die Einordnung ist relational: Sie beschreibt die Beziehung zwischen Material und Untersuchungsfrage. Ändert sich die Frage, kann sich auch die Einordnung ändern.

Beispiel

Ein Geschichtswerk von 1980 beschreibt den Kalten Krieg.

  • Für die Frage „Was geschah während des Kalten Krieges?“ ist das Werk eine spätere Darstellung.
  • Für die Frage „Wie deutete man 1980 den Kalten Krieg?“ kann dasselbe Werk als Primärquelle dienen. Nun wird seine eigene Entstehungszeit untersucht.

Auch ein späterer Bericht kann deshalb Primärquelle sein – nicht unbedingt für das darin geschilderte ältere Ereignis, aber beispielsweise für die Erinnerungen, Interessen oder Deutungen seiner Entstehungszeit.

Merke

Ordne nie nur das Material ein. Formuliere vollständig: „Dieses Material ist für die Frage … eine Primärquelle, Sekundärquelle oder Darstellung, weil …“

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Frage 1 von 1MittelEin Schulbuch von 1980 wird darauf untersucht, welches Bild vom Kalten Krieg damalige Schülerinnen und Schüler erhielten. Welche Einordnung passt?
Lösung: Es ist eine Primärquelle für die Geschichtsvermittlung im Jahr 1980. — Für die gewählte Frage ist das Schulbuch ein unmittelbares Zeugnis seiner eigenen Entstehungszeit.
Sagt „primär“ etwas über Zuverlässigkeit aus?

Nein. Die Bezeichnung beschreibt zunächst die Nähe zum Gegenstand oder den Überlieferungsweg. Sie ist kein Qualitätssiegel.

Eine beteiligte Person kann etwas übersehen, sich irren oder eigene Interessen verfolgen. Eine spätere Quelle kann frühere Angaben falsch wiedergeben. Sie kann aber auch mehrere Zeugnisse vergleichen und dadurch einen besseren Überblick bieten.

Prüfe deshalb bei jeder Quelle:

  • Wer hat sie wann und in welcher Situation geschaffen?
  • Was konnte die Person wissen oder beobachten?
  • Welche Absicht und Perspektive sind erkennbar?
  • Welche Angaben lassen sich mit anderen Quellen vergleichen?
  • Welche Frage kann das Material beantworten – und welche nicht?
Beispiel

Ein Feldherr berichtet selbst über einen Krieg, an dem er teilgenommen hat. Sein Bericht ist für den Kriegsverlauf eine Primärquelle. Weil er zugleich seine Entscheidungen rechtfertigen möchte, muss seine Darstellung trotzdem kritisch geprüft werden.

Ein späterer Autor war nicht dabei, kann aber mehrere Berichte vergleichen. Seine zeitliche Distanz macht ihn weder automatisch zuverlässiger noch automatisch schlechter.

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Frage 1 von 1MittelWarum ist eine Primärquelle nicht automatisch besonders zuverlässig?
Lösung: Unmittelbar Beteiligte können eine begrenzte Perspektive und eigene Interessen haben. — Nähe ermöglicht unmittelbare Beobachtungen, schützt aber nicht vor Irrtümern, Auslassungen oder interessengeleiteten Darstellungen.
Sekundärquelle oder Geschichtsdarstellung?

Die Begriffe werden nicht überall gleich verwendet. In einer genaueren geschichtswissenschaftlichen Unterscheidung gilt:

  • Primärquelle und Sekundärquelle sind beide historische Quellen. Die Sekundärquelle übermittelt dabei eine andere Quelle.
  • Eine Darstellung oder Sekundärliteratur ist moderne Fachliteratur, die Quellen auswertet und Geschichte erklärt, analysiert oder beurteilt.

Im schulischen und internationalen Sprachgebrauch wird „Sekundärquelle“ teilweise auch für solche späteren Darstellungen verwendet. Deshalb solltest du nicht nur ein Etikett nennen, sondern dein verwendetes Kriterium erklären.

Gut zu wissen

Ein verlorenes Zeugnis kann durch eine erhaltene Sekundärquelle teilweise erschlossen werden. Wer die ursprüngliche Quelle nicht selbst gesehen hat, muss den indirekten Weg kenntlich machen: ursprüngliche Quelle, dann „zitiert nach“, anschließend die tatsächlich benutzte Sekundärquelle.

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Frage 1 von 1MittelEine Historikerin vergleicht mehrere Quellen und veröffentlicht heute eine Untersuchung über ein mittelalterliches Ereignis. Wie wird der Text in der genaueren geschichtswissenschaftlichen Unterscheidung bezeichnet?
Lösung: Als moderne Darstellung oder Sekundärliteratur — Die Untersuchung wertet historische Quellen aus. Für das mittelalterliche Ereignis ist sie daher eine moderne Darstellung, nicht dessen unmittelbares Zeugnis.
So ordnest du neues Material ein

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Forschungsfrage nennen: Was genau möchtest du herausfinden?
  2. Entstehung klären: Wer schuf das Material wann und in welchem Zusammenhang?
  3. Überlieferungsweg prüfen: Beruht es auf eigener Beteiligung, auf einem anderen Zeugnis oder auf der Auswertung mehrerer Quellen?
  4. Einordnung begründen: Nenne Kategorie und Kriterium in einem vollständigen Satz.
Beispiel

Material: Eine Person erlebt den Fall der Berliner Mauer und schreibt am selben Abend Tagebuch.

Frage: Wie erlebte diese Person den Abend?

Einordnung: Der Tagebucheintrag ist für diese Frage eine Primärquelle, weil er die unmittelbare Wahrnehmung der beteiligten Person festhält. Er zeigt ihre Perspektive, aber nicht automatisch alle Abläufe des Ereignisses.

Übung: Drei Materialien, zwei Fragen

Gegeben sind:

  • M1: der Tagebucheintrag einer anwesenden Person;
  • M2: ein späterer Brief, der M1 zusammenfasst;
  • M3: eine heutige wissenschaftliche Untersuchung, die mehrere Quellen auswertet.
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Frage 1 von 3MittelWas ist M2 für die Frage „Was stand in M1?“
Lösung: Eine Sekundärquelle, weil der Brief den Tagebucheintrag vermittelt. — M2 überliefert Informationen aus M1 und ist daher für diese Frage eine Sekundärquelle.
Frage 2 von 3SchwerWas ist M2 für die Frage „Wie erinnerte sich die schreibende Person später an M1?“
Lösung: Eine Primärquelle für die spätere Erinnerung dieser Person — Die neue Forschungsfrage richtet sich auf M2s eigene Entstehungssituation. Dadurch ändert sich sein Quellenwert.
Frage 3 von 3SchwerWelche Begründung für M3 ist am genauesten?
Lösung: M3 ist für das historische Ereignis eine moderne Darstellung, kann aber für eine Untersuchung heutiger Geschichtsschreibung selbst Quelle werden. — Die Einordnung hängt von der Forschungsfrage ab: Für das Ereignis wertet M3 Quellen aus; für heutige Geschichtsschreibung kann M3 selbst untersucht werden.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Primärquelle und Sekundärquelle
    • Forschungsfrage bestimmt die Einordnung
    • Primärquelle steht dem Gegenstand unmittelbar nahe
    • Sekundärquelle vermittelt ein anderes Zeugnis
    • Darstellung wertet historische Quellen aus
    • Quellentyp garantiert keine Zuverlässigkeit
    • Quellenkritik prüft Perspektive, Wissen und Absicht
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Frage muss vor der Einordnung eines Materials geklärt werden?
Lösung: Was genau soll mit dem Material untersucht werden? — Erst die Forschungsfrage legt fest, in welcher Beziehung das Material zum untersuchten Gegenstand steht.
Frage 2 von 3MittelEin späterer Text bewahrt ein Zitat aus einem verlorenen Augenzeugenbericht. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Der spätere Text kann als Sekundärquelle Hinweise auf die verlorene Primärquelle liefern. — Der Vermittlungsweg liefert historische Informationen, muss aber offengelegt und kritisch geprüft werden.
Frage 3 von 3SchwerEine zeitgenössische Rede rechtfertigt eine umstrittene politische Entscheidung. Wie gehst du fachlich angemessen vor?
Lösung: Ich behandle sie als Primärquelle für die damalige Position und prüfe Perspektive, Absicht und weitere Quellen. — Die Rede ist ein unmittelbares Zeugnis, aber kein neutraler Spiegel der Vergangenheit. Ihr Quellenwert ergibt sich aus der Frage und der kritischen Auswertung.

Du kannst Quellen nun begründet einordnen: Formuliere zuerst die Forschungsfrage, untersuche Entstehung und Überlieferungsweg und prüfe anschließend den Quellenwert. So vermeidest du die beiden häufigsten Fehler: „alt bedeutet primär“ und „primär bedeutet zuverlässig“.

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