Russische Revolution: Ursachen, Verlauf und Folgen
Die Russische Revolution war kein einzelnes Ereignis. Auf die gescheiterte Revolution von 1905 folgten 1917 zwei Umbrüche: Die Februarrevolution beendete die Zarenherrschaft, der Oktoberumsturz brachte die Bolschewiki an die Macht. Bürgerkrieg und Diktatur prägten den weiteren Weg bis zur Gründung der Sowjetunion 1922.
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Warum geriet das Zarenreich in die Krise?
Russland wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Zar Nikolaus II. autoritär regiert. Eine wirksame parlamentarische Kontrolle fehlte. Viele Bauern lebten trotz der 1861 abgeschafften Leibeigenschaft weiterhin in wirtschaftlicher Abhängigkeit. Zugleich entstand durch die Industrialisierung eine Arbeiterschaft, die politische Mitsprache verlangte.
Der verlorene Russisch-Japanische Krieg von 1904/05 verschärfte Armut und Unzufriedenheit. Als Regierungstruppen 1905 eine friedliche Demonstration niederschlugen, breiteten sich Proteste aus. Dieses Ereignis wurde als Blutiger Sonntag bekannt.
Der Zar ließ anschließend eine Volksvertretung wählen: die Duma. Sie besaß jedoch nur geringen Einfluss und wurde mehrfach aufgelöst. Die Vorherrschaft des Zaren blieb bestehen. Die Revolution von 1905 veränderte das Herrschaftssystem deshalb nur begrenzt.
Militärische Niederlagen verursachten die Revolutionen nicht allein. Sie verschärften bereits vorhandene soziale, wirtschaftliche und politische Konflikte.
Wie beendete die Februarrevolution die Zarenherrschaft?
Im Ersten Weltkrieg erlitt Russland schwere militärische Rückschläge. Soldaten waren schlecht versorgt, in den Städten fehlten Lebensmittel und viele Menschen waren kriegsmüde. Anfang März 1917 nach heutiger Zeitrechnung entstanden in Petrograd Streiks und Massendemonstrationen.
Der entscheidende Unterschied zu 1905 lag im Verhalten des Militärs: Soldaten und Kosaken gehorchten den Befehlen zur Niederschlagung nur noch teilweise. Viele schlossen sich den Aufständischen an. Damit verlor der Zar sein wichtigstes Machtmittel.
Am 15. März 1917 nach heutiger Zeitrechnung dankte Nikolaus II. ab. Die Monarchie war beendet. Weil Russland damals noch den julianischen Kalender verwendete, heißt dieser Umbruch traditionell Februarrevolution, obwohl er nach dem heute gebräuchlichen gregorianischen Kalender im März stattfand.
So kannst du eine Ursache-Wirkungs-Kette erklären:
Kriegsniederlagen und Versorgungsmangel → Vertrauensverlust und Proteste → Überlaufen von Soldaten → Verlust der staatlichen Gewaltmittel → Abdankung des Zaren
Der entscheidende Gedanke lautet: Proteste allein stürzten den Zaren nicht. Erfolgreich wurden sie, als große Teile des Militärs die Herrschaft nicht mehr verteidigten.
Warum scheiterte die Doppelherrschaft?
Nach der Abdankung entstanden zwei politische Machtzentren.
Provisorische Regierung
Die Provisorische Regierung übernahm vorläufig die staatlichen Regierungsgeschäfte. Sie sollte Russland bis zu einer dauerhaften politischen Neuordnung führen.
Sowjet
„Sowjet“ bedeutet „Rat“. Arbeiter- und Soldatenräte vertraten die Interessen ihrer Wähler und verfügten besonders in Petrograd über großen politischen Einfluss.
Dieses Nebeneinander wird Doppelherrschaft genannt. Beide Seiten arbeiteten teilweise zusammen, konkurrierten aber zugleich um Einfluss.
Die Provisorische Regierung setzte den Krieg fort. Lebensmittelknappheit, Wirtschaftskrise und die ungelöste Landfrage blieben bestehen. Viele Soldaten waren Bauern und wollten bei einer möglichen Verteilung von Land nicht an der Front fehlen. Dadurch verlor die Regierung weiter an Vertrauen.
Die Bolschewiki waren eine revolutionäre politische Gruppierung unter der Führung Wladimir Lenins. Sie forderten ein schnelles Kriegsende, Land für die Bauern und die Übertragung der Macht an die Sowjets. Mit Forderungen wie „Friede, Land und Brot“ gewannen sie an Unterstützung.
Was geschah beim Oktoberumsturz?
Lenin kehrte im April 1917 aus dem Exil nach Petrograd zurück. Er verlangte den Sturz der Provisorischen Regierung und wollte die Bolschewiki zunächst in den Räten stärken. Nach einem gescheiterten Aufstand im Juli floh er zeitweise aus Petrograd. Im Oktober kehrte er zurück und drängte auf einen bewaffneten Umsturz.
In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1917 nach heutiger Zeitrechnung besetzten bolschewistische Kräfte strategisch wichtige Punkte in Petrograd, darunter Brücken und Bahnhöfe. Die Provisorische Regierung wurde im Winterpalast festgenommen. Der Widerstand blieb gering.
Auch hier erklärt der frühere julianische Kalender den Namen: In Russland fiel der Umsturz auf den 24. und 25. Oktober. Deshalb heißt er bis heute Oktoberrevolution.
Revolution oder Putsch?
Die Bezeichnung hängt davon ab, welche Merkmale betont werden:
- Für Revolution spricht, dass die Machtübernahme Teil eines tiefen politischen und gesellschaftlichen Umbruchs war und die bestehende Ordnung grundlegend veränderte.
- Für Putsch, Militärputsch oder Staatsstreich spricht, dass eine organisierte Gruppe den bewaffneten Umsturz gezielt plante, strategische Orte besetzte und die Regierung mit begrenztem unmittelbarem Widerstand absetzte.
Die Februarrevolution war deutlich von Streiks und Massendemonstrationen getragen. Der Oktoberumsturz war dagegen genauer geplant und wurde von bolschewistischen Kräften durchgeführt. Eine begründete Beurteilung nennt diese Unterschiede, statt nur ein Etikett zu wählen.
Die Namen „Februarrevolution“ und „Oktoberrevolution“ folgen dem damals in Russland verwendeten Kalender. Nach heutiger Zeitrechnung fanden die Ereignisse im März und November 1917 statt.
Wie entstand aus dem Umsturz eine Diktatur?
Nach der Machtübernahme bildeten die Bolschewiki unter Lenin den Rat der Volkskommissare. Sie verkündeten unter anderem ein Friedensangebot und die Enteignung des Großgrundbesitzes.
Eine reichsweite Wahl zeigte jedoch die Grenzen ihrer Unterstützung: Die Bolschewiki erhielten 168 von 707 Mandaten und damit ungefähr ein Viertel der Sitze in der Verfassunggebenden Versammlung. Als dieses Parlament im Januar 1918 zusammentrat, ließen sie es auflösen.
Anschließend wurden konkurrierende Parteien unterdrückt oder verboten. Die Ende 1917 gegründete Geheimpolizei Tscheka verfolgte politische Gegner. Mit der Ausschaltung des Parlaments, anderer Parteien und der Gewaltenteilung entstand eine bolschewistische Diktatur.
Im Bürgerkrieg kämpften die bolschewistischen Roten gegen verschiedene als Weiße bezeichnete Gegner und weitere Gruppen. Ausländische Interventionen und nationale Unabhängigkeitskämpfe verschärften den Konflikt. Je nach Abgrenzung wird der Bürgerkrieg unterschiedlich datiert; die Darstellungen reichen von 1917/18 bis 1921/22. Sicher ist: Die Bolschewiki siegten, und 1922 wurde die Sowjetunion gegründet.
- 1905Revolution, Blutiger Sonntag und Einführung der politisch schwachen Duma
- März 1917Massenproteste, Überlaufen von Soldaten und Abdankung Nikolaus’ II.
- April 1917Lenin kehrt nach Petrograd zurück und stellt sein Programm vor
- Juli 1917Ein schlecht koordinierter Aufstand scheitert
- November 1917Bolschewistische Kräfte stürzen die Provisorische Regierung
- Januar 1918Die Verfassunggebende Versammlung wird aufgelöst
- 1918–1922Bürgerkrieg und Festigung der bolschewistischen Herrschaft
- 1922Gründung der Sowjetunion
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Alles auf einen Blick
- Russische Revolution
- Voraussetzungen: autoritäre Herrschaft, soziale Not und militärische Niederlagen
- 1905: Proteste, Duma, aber Fortbestand der Zarenmacht
- Februar 1917: Massenaufstand, Überlaufen der Soldaten und Ende der Monarchie
- Doppelherrschaft: Provisorische Regierung neben Arbeiter- und Soldatenräten
- Oktober 1917: geplanter bolschewistischer Umsturz in Petrograd
- Machtsicherung: Auflösung des gewählten Parlaments und Verfolgung politischer Gegner
- Folgen: Bürgerkrieg, Diktatur und Gründung der Sowjetunion 1922
Die Entwicklung verlief nicht zwangsläufig. Erst das Zusammenwirken von Krieg, Versorgungsnot, ungelösten politischen und sozialen Konflikten sowie den Entscheidungen verschiedener Akteure erklärt, warum die Zarenherrschaft zusammenbrach und die Bolschewiki die Macht sichern konnten.
Abschluss-Check
Prüfe deine Erklärung zum Schluss: Kannst du die Entwicklung in vier Schritten darstellen — Krise des Zarenreichs, Februarrevolution, Doppelherrschaft, bolschewistische Machtsicherung — und zu jedem Schritt mindestens eine Ursache oder Folge nennen? Dann hast du den Kern des Lernwegs erfasst.
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