Geschichte

Verfassung einfach erklärt: Staat und Grundrechte

Verfassung einfach erklärt: Staat und Grundrechte
Verfassung einfach erklärt: Staat und Grundrechte
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Eine Verfassung enthält die wichtigsten Regeln eines Staates. Sie legt fest, wie staatliche Macht verteilt wird, welche Grenzen sie hat und welche Rechte Menschen gegenüber dem Staat besitzen. In Deutschland heißt die Verfassung Grundgesetz.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du eine Verfassung?

Stell dir einen Staat als große Gemeinschaft vor. Damit nicht einzelne Personen beliebig entscheiden, braucht diese Gemeinschaft verbindliche Grundregeln.

Definition

Verfassung

Eine Verfassung ist die rechtliche Grundordnung eines Staates. Sie bestimmt den Aufbau des Staates, die Aufgaben seiner Institutionen, die Verteilung staatlicher Macht und die geschützten Rechte der Menschen.

Eine Verfassung beantwortet vor allem vier Fragen:

  1. Wer darf entscheiden? Sie legt Aufgaben und Befugnisse staatlicher Organe fest.
  2. Wie wird Macht verteilt? Sie ordnet das Verhältnis zwischen Parlament, Regierung, Gerichten und weiteren Institutionen.
  3. Welche Grenzen gelten? Staatliche Stellen dürfen nicht beliebig handeln.
  4. Welche Rechte sind geschützt? Menschen können sich gegenüber dem Staat auf Grundrechte berufen.
Beispiel

Eine Behörde darf nicht allein deshalb anders mit einer Person umgehen, weil eine Mitarbeiterin dies persönlich so möchte. Sie ist an Recht und Gesetz gebunden und muss geschützte Rechte beachten. Die Verfassung setzt dafür den übergeordneten Rahmen.

Merke

Eine Verfassung organisiert staatliche Macht und begrenzt sie zugleich.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt die Aufgabe einer Verfassung am besten?
Lösung: Sie legt die grundlegende Ordnung des Staates fest und schützt Rechte. — Die Verfassung steht über der täglichen Politik. Sie bestimmt deren Grundregeln und Grenzen.
Warum steht die Verfassung über gewöhnlichen Gesetzen?

Gewöhnliche Gesetze regeln einzelne Lebensbereiche. Eine Verfassung legt dagegen fest, innerhalb welcher Grenzen solche Gesetze entstehen und was sie beachten müssen.

VerfassungGewöhnliches Gesetz
bestimmt die Grundordnung des Staatesregelt einen bestimmten Sachbereich
bindet Parlament, Regierung, Verwaltung und Gerichtemuss mit der Verfassung vereinbar sein
schützt grundlegende Rechtegestaltet diese Vorgaben genauer aus
kann nur unter besonderen Bedingungen geändert werdenkann nach dem üblichen Gesetzgebungsverfahren geändert werden
Beispiel

Angenommen, ein gewöhnliches Gesetz erlaubt einer Behörde, Menschen ohne sachlichen Grund ungleich zu behandeln. Dann reicht es nicht, dass das Gesetz ordnungsgemäß beschlossen wurde. Es muss zusätzlich an den Grundrechten des Grundgesetzes gemessen werden, denn kein gewöhnliches Gesetz darf dem Grundgesetz widersprechen.

Die Verfassung verhindert damit, dass eine wechselnde politische Mehrheit die staatliche Ordnung und geschützte Rechte nach Belieben verändert.

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Frage 1 von 1MittelEin neues Gesetz widerspricht einem Grundrecht. Welche Prüfung ist entscheidend?
Lösung: Das Gesetz muss mit dem Grundgesetz vereinbar sein. — Auch ein demokratisch beschlossenes Gesetz bleibt an die Verfassung gebunden.
Welche Ordnung schafft das Grundgesetz?

Das Grundgesetz, abgekürzt GG, ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Die Grundrechte stehen bewusst am Anfang in den Artikeln 1 bis 19. Diese Stellung zeigt ihren besonderen Rang nach den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur.

Definition

Grundrechte

Grundrechte sind besonders geschützte Rechte der Menschen gegenüber dem Staat. Sie schützen unter anderem Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit und begrenzen dadurch staatliche Macht.

Artikel 20 enthält zentrale Grundentscheidungen der staatlichen Ordnung:

  • Demokratie: Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. Bürgerinnen und Bürger bestimmen durch Wahlen, wer für eine begrenzte Zeit politische Verantwortung übernimmt.
  • Rechtsstaat: Staatliche Stellen sind an Recht und Gesetz gebunden. Unabhängige Gerichte sichern den Rechtsweg.
  • Sozialstaat: Der Staat trägt Verantwortung für soziale Sicherheit und einen sozialen Ausgleich.
  • Föderalismus: Deutschland ist ein Bundesstaat. Zuständigkeiten sind zwischen Bund und Ländern verteilt.

Deutschland besteht aus 16 Bundesländern. Jedes Land besitzt eine eigene Landesverfassung. Diese darf dem Grundgesetz nicht widersprechen. Über den Bundesrat wirken die Länder außerdem an der Gesetzgebung des Bundes mit.

Gut zu wissen

Föderalismus verteilt politische Zuständigkeiten auf mehrere Ebenen. Diese Verteilung erschwert eine einseitige Konzentration staatlicher Macht.

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Frage 1 von 1MittelWarum kann die föderale Ordnung Machtkonzentration begrenzen?
Lösung: Weil Bund und Länder unterschiedliche Zuständigkeiten besitzen und die Länder im Bundesrat mitwirken. — Föderalismus teilt Zuständigkeiten auf. Die Länder bleiben dabei an die gemeinsame Verfassungsordnung gebunden.
Was lehrt die deutsche Verfassungsgeschichte?

Eine wichtige Unterscheidung lautet: Ein Staat mit einer Verfassung ist nicht automatisch eine Demokratie. Entscheidend ist, wie Macht verteilt wird, welche Rechte gelten und ob die Bevölkerung Regierung und Gesetzgebung wirksam beeinflussen kann.

Zeitstrahl
  1. 1849Die Paulskirchenverfassung verbindet Grundrechte und Volksvertretung, scheitert aber an der bestehenden Macht der Einzelstaaten und Monarchen.
  2. 1871Das Deutsche Reich erhält eine Verfassung mit gewähltem Reichstag; dieser kann die Regierungsbildung jedoch nicht kontrollieren.
  3. 1919Die Weimarer Verfassung begründet eine Republik mit allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen sowie dem Frauenwahlrecht.
  4. 1949Das Grundgesetz tritt als Verfassung der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

Die Paulskirchenverfassung 1849

Die Nationalversammlung trat 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Ihre Verfassung enthielt Grundrechte und sah ein Parlament vor. Sie konnte jedoch nicht wirksam durchgesetzt werden, weil die bestehenden Monarchen und Einzelstaaten ihre Macht nicht abgaben. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene Kaiserkrone ab.

Die Reichsverfassung von 1871

Der Reichstag wurde allgemein und geheim gewählt. Trotzdem war die Ordnung keine parlamentarische Demokratie: Der Reichstag entschied nicht darüber, wer die Regierung führte. Kaiser, Reichskanzler und Bundesrat besaßen starke Machtstellungen.

Die Weimarer Verfassung von 1919

Die Staatsgewalt ging vom Volk aus, und Frauen besaßen erstmals in der deutschen Geschichte das Wahlrecht. Gleichzeitig hatte der Reichspräsident weitreichende Befugnisse. Nach Artikel 48 konnte er bei einer Gefahr für Sicherheit und öffentliche Ordnung den Ausnahmezustand verhängen. Solche Notstandsbefugnisse konnten Parlament und reguläre Gesetzgebung schwächen.

Merke

Für die Beurteilung einer Verfassung genügt die Frage „Gibt es Wahlen?“ nicht. Prüfe zusätzlich Grundrechte, Gewaltbegrenzung, Beteiligung des Parlaments und tatsächliche Kontrolle der Regierung.

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Frage 1 von 1SchwerEin Staat hat eine geschriebene Verfassung und ein gewähltes Parlament. Was musst du zusätzlich prüfen, bevor du ihn als parlamentarische Demokratie beurteilst?
Lösung: Ob das Parlament die Regierung wirksam kontrolliert und die Rechte der Bevölkerung geschützt sind. — Eine demokratische Beurteilung braucht Kriterien: politische Beteiligung, geschützte Rechte und wirksame Begrenzung der Regierungsmacht.
Wie entstand das Grundgesetz?

Nach der nationalsozialistischen Diktatur sollte eine neue Ordnung Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde dauerhaft sichern. Zugleich war Deutschland 1948 in Besatzungszonen aufgeteilt und politisch gespalten.

Die westlichen Besatzungsmächte beauftragten die elf westdeutschen Länder, eine demokratische und föderale Ordnung mit garantierten Grundrechten zu erarbeiten. Die Ministerpräsidenten wollten jedoch nicht den Eindruck erwecken, die deutsche Teilung sei endgültig. Deshalb beriefen sie keine Nationalversammlung, sondern den Parlamentarischen Rat ein. Das neue Dokument erhielt den vorläufig klingenden Namen Grundgesetz.

Der Parlamentarische Rat begann am 1. September 1948 in Bonn mit seiner Arbeit. Ihm gehörten 65 stimmberechtigte Mitglieder an, darunter die vier „Mütter des Grundgesetzes“ Helene Wessel, Helene Weber, Friederike Nadig und Elisabeth Selbert. Konrad Adenauer wurde zum Präsidenten des Rates gewählt.

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet. Mit Ablauf dieses Tages trat es in Kraft. Obwohl es zunächst als vorläufige Ordnung für Westdeutschland gedacht war, ist es die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Auch nach der deutschen Vereinigung 1990 blieb der historische Name erhalten.

Beispiel

Der Name „Grundgesetz“ bedeutete nicht, dass das Dokument nur ein gewöhnliches Gesetz war. Er sollte 1948/1949 ausdrücken, dass die deutsche Einheit offenblieb. Rang und Funktion entsprechen einer Verfassung.

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Frage 1 von 1LeichtWarum wurde 1949 der Name „Grundgesetz“ gewählt?
Lösung: Die Ordnung sollte zunächst vorläufig sein und die deutsche Einheit offenhalten. — Der Name erklärt sich aus der damaligen Teilungslage, nicht aus einem geringeren rechtlichen Rang.
Wie schützt sich die Verfassungsordnung?

Das Grundgesetz soll veränderbar bleiben, aber nicht von einer einfachen politischen Mehrheit beliebig umgestaltet werden können. Deshalb gelten besondere Schutzmechanismen.

Hohe Hürden für Änderungen

Eine Änderung des Grundgesetzes benötigt eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Die Regierung allein kann das Grundgesetz weder ändern noch außer Kraft setzen.

Unveränderliche Grundentscheidungen

Die sogenannte Ewigkeitsklausel schützt bestimmte grundlegende Prinzipien dauerhaft. Dazu gehören die Grundsätze der Menschenwürde und der staatlichen Ordnung aus den Artikeln 1 und 20 sowie die föderale Grundstruktur. Selbst die für eine Verfassungsänderung erforderlichen Mehrheiten dürfen diese Grundlagen nicht beseitigen.

Schutz durch Verfassungsbeschwerde

Wer sich durch staatliches Handeln in Grundrechten verletzt sieht, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen. In der Regel müssen zuvor die vorgesehenen gerichtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sein. Das Gericht prüft zunächst, ob die Beschwerde angenommen und inhaltlich entschieden werden kann. Eine Einreichung führt daher nicht automatisch zum Erfolg.

Beispiel

Eine Regierung möchte allein beschließen, dass Wahlen künftig entfallen. Das wäre keine gewöhnliche politische Reform. Der demokratische Grundsatz gehört zum geschützten Kern der Verfassungsordnung und darf nicht beseitigt werden.

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Frage 1 von 1SchwerBundestag und Bundesrat erreichen die nötigen Zweidrittelmehrheiten. Dürfen sie deshalb jede beliebige Verfassungsänderung beschließen?
Lösung: Nein. Die Ewigkeitsklausel schützt bestimmte grundlegende Prinzipien auch vor solchen Mehrheiten. — Das Grundgesetz verbindet Änderbarkeit mit einem dauerhaft geschützten Kern.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Verfassung
    • ordnet den Staat
      • Aufgaben und Zuständigkeiten
      • Verhältnis staatlicher Organe
    • begrenzt Macht
      • Bindung an Recht und Gesetz
      • Vorrang vor gewöhnlichen Gesetzen
    • schützt Menschen
      • Menschenwürde
      • Freiheit und Gleichheit
    • prägt Deutschland
      • Grundgesetz seit 1949
      • Bund und 16 Länder
    • schützt ihre Grundlagen
      • Zweidrittelmehrheiten für Änderungen
      • Ewigkeitsklausel

Eine Verfassung ist mehr als ein Text mit staatlichen Regeln. Ihre Bedeutung zeigt sich daran, wer Macht erhält, wie diese Macht kontrolliert wird und welche Rechte auch gegen politische Mehrheiten geschützt bleiben.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage über das Grundgesetz stimmt?
Lösung: Es ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. — Das Grundgesetz bildet die gemeinsame Verfassungsordnung von Bund und Ländern.
Frage 2 von 3MittelEin Landesgesetz widerspricht dem Grundgesetz. Welche Ordnung hat Vorrang?
Lösung: Das Grundgesetz hat Vorrang. — Föderalismus bedeutet geteilte Zuständigkeiten innerhalb einer gemeinsamen Verfassungsordnung.
Frage 3 von 3SchwerZwei Staaten führen regelmäßige Parlamentswahlen durch. In Staat A kontrolliert das Parlament die Regierung, Gerichte sind unabhängig und Grundrechte gelten. In Staat B bestimmt die Regierung trotz der Wahlen allein und verfolgt Oppositionelle. Welches Urteil ist begründet?
Lösung: Wahlen allein reichen nicht; nur Staat A erfüllt die genannten demokratischen Kriterien. — Ein begründetes Urteil verbindet mehrere Kriterien: Wahlen, Grundrechte, unabhängige Gerichte und wirksame Begrenzung der Regierungsmacht.

Prüfe dich zum Schluss: Kannst du an einer unbekannten Verfassungsordnung untersuchen, wer entscheidet, wer kontrolliert, welche Rechte geschützt sind und wie die Grundregeln verändert werden dürfen? Dann kannst du Verfassungen nicht nur beschreiben, sondern auch beurteilen.

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