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Aussagenlogik: Formeln und Wahrheitstabellen

Aussagenlogik: Formeln und Wahrheitstabellen
Aussagenlogik: Formeln und Wahrheitstabellen
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Die Aussagenlogik untersucht, wie sich Aussagen mit „nicht“, „und“, „oder“ und „wenn … dann“ verknüpfen lassen. Entscheidend ist nicht der Inhalt, sondern ob eine Aussage wahr oder falsch ist und wie sich daraus der Wahrheitswert einer ganzen Formel ergibt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was ist überhaupt eine Aussage?

Eine Aussage ist ein Satz, der einen eindeutigen Wahrheitswert besitzt: wahr oder falsch, aber nicht beides. Ob du den Wahrheitswert bereits kennst, ist dabei nicht entscheidend.

Beispiel

„12 ist durch 3 teilbar.“ ist eine wahre Aussage. „12 ist eine Primzahl.“ ist eine falsche Aussage. Beide Sätze sind Aussagen, weil ihr Wahrheitswert eindeutig feststeht.

„Ist 12 durch 3 teilbar?“ ist eine Frage und deshalb keine Aussage. „Rechne die Aufgabe!“ ist ein Befehl und ebenfalls keine Aussage.

Für Aussagen verwendet man kurze Platzhalter, die Aussagenvariablen heißen. Zum Beispiel kann $P$ für „Es regnet“ und $Q$ für „Die Straße ist nass“ stehen. Eine Aussage ohne logische Verknüpfung heißt atomare Aussage.

Definition

Zusammengesetzte Aussage

Eine zusammengesetzte Aussage entsteht, wenn atomare Aussagen durch logische Verknüpfungen verbunden werden. Diese Verknüpfungen heißen Junktoren.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Satz ist eine Aussage?
Lösung: 15 ist eine ungerade Zahl. — Eine Aussage muss eindeutig wahr oder falsch sein. Ob sie tatsächlich wahr ist, spielt für die Einordnung als Aussage keine Rolle.
Wie funktionieren die Junktoren?

Die fünf wichtigsten Junktoren legen fest, wie die Wahrheitswerte ihrer Teilaussagen zum Gesamtwert verbunden werden.

ZeichenNameLesartWann wahr?
$\neg A$Negationnicht Awenn $A$ falsch ist
$A\land B$KonjunktionA und Bnur wenn beide wahr sind
$A\lor B$DisjunktionA oder Bwenn mindestens eine wahr ist
$A\to B$Implikationwenn A, dann Baußer bei $A$ wahr und $B$ falsch
$A\leftrightarrow B$BikonditionalA genau dann, wenn Bwenn beide denselben Wert haben
Merke

Das logische Oder $\lor$ ist einschließend: $A\lor B$ ist auch dann wahr, wenn $A$ und $B$ beide wahr sind. Das ausschließende Oder $A\oplus B$ ist dagegen nur wahr, wenn genau eine Teilaussage wahr ist.

Die Implikation $A\to B$ sorgt oft für Verwirrung. Sie ist nur in einem Fall falsch: $A$ ist wahr, aber das versprochene $B$ bleibt falsch. Die Formel behauptet keine Ursache und keine zeitliche Reihenfolge.

Beispiel

$A$: „Eine Zahl ist durch 6 teilbar.“ $B$: „Die Zahl ist durch 3 teilbar.“

$A\to B$ ist richtig. Die Teilbarkeit durch 6 ist hinreichend für die Teilbarkeit durch 3. Die Teilbarkeit durch 3 ist notwendig, wenn eine Zahl durch 6 teilbar sein soll.

Die Umkehrung $B\to A$ ist falsch: 9 ist durch 3, aber nicht durch 6 teilbar. Ein Gegenbeispiel genügt, um die Umkehrung zu widerlegen.

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Frage 1 von 2LeichtWann ist $A\to B$ falsch?
Lösung: Wenn $A$ wahr und $B$ falsch ist. — Eine Implikation scheitert genau dann, wenn die Voraussetzung erfüllt ist, die Folgerung aber nicht.
Frage 2 von 2MittelEs gilt $A\lor B$, und $A$ ist falsch. Was folgt?
Lösung: $B$ ist wahr. — Da mindestens eine Teilaussage wahr sein muss und $A$ falsch ist, bleibt nur $B$.
Wie liest du eine Formel richtig?

Klammern zeigen, welche Teilaussagen zuerst verbunden werden. Ohne zusätzliche Klammern gilt gewöhnlich diese Bindungsstärke:

$$\neg\;>\;\land\;>\;\lor\;>\;\to\;>\;\leftrightarrow$$

Du liest also $\neg P\land Q\lor R$ als $((\neg P)\land Q)\lor R$.

Definition

Hauptoperator

Der Hauptoperator ist der Junktor, der die gesamte Formel in ihre unmittelbaren Teilformeln zerlegt. Er wird zuletzt ausgewertet.

Bei $(P\land Q)\to R$ ist $\to$ der Hauptoperator. Links steht die Teilformel $P\land Q$, rechts die atomare Aussage $R$. In einem Syntaxbaum wäre $\to$ die Wurzel, $\land$ ein innerer Knoten und $P$, $Q$, $R$ wären Blätter.

Beispiel

Werte $(\neg P\lor Q)\land R$ für $P=w$, $Q=f$ und $R=w$ aus:

  1. Zuerst: $\neg P=f$.
  2. Dann: $\neg P\lor Q=f\lor f=f$.
  3. Zuletzt: $(\neg P\lor Q)\land R=f\land w=f$.

Der Hauptoperator $\land$ kommt zuletzt an die Reihe.

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Frage 1 von 1MittelWas ist der Hauptoperator von $\neg(P\lor Q)\to R$?
Lösung: $\to$ — Der äußerste Aufbau lautet „linke Teilformel $\to$ rechte Teilformel“. Deshalb ist $\to$ der Hauptoperator.
Wie erstellst du eine Wahrheitstabelle?

Eine Wahrheitstabelle zeigt den Wert einer Formel für jede mögliche Belegung ihrer Variablen. Bei $n$ verschiedenen Variablen brauchst du $2^n$ Zeilen. Für drei Variablen sind das $2^3=8$ Zeilen.

Gehe so vor:

  1. Liste alle Belegungen der Variablen auf.
  2. Zerlege die Formel nach ihrer Klammerung.
  3. Ergänze für jede benötigte Teilformel eine Spalte.
  4. Werte von innen nach außen aus.
  5. Prüfe zuletzt die Spalte der Gesamtformel.
Beispiel

Für $(P\land Q)\to R$ brauchst du zuerst die Zwischenspalte $P\land Q$.

$P$$Q$$R$$P\land Q$$(P\land Q)\to R$
wwwww
wwfwf
wfwfw
wfffw
fwwfw
fwffw
ffwfw
ffffw

Nur in der zweiten Zeile ist die Voraussetzung $P\land Q$ wahr und die Folgerung $R$ falsch. Genau dort ist die Implikation falsch.

Wahrheitstabellen beschreiben auch einfache digitale Schaltungen: UND-, ODER- und NICHT-Gatter verarbeiten binäre Eingänge nach denselben Wahrheitsregeln. Die Tabelle beschreibt dabei die logische Funktion; wie ein Gatter physisch gebaut wird, ist eine andere Betrachtungsebene.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWie viele Zeilen hat eine vollständige Wahrheitstabelle mit vier Variablen?
Lösung: 16 — Mit $n$ Variablen gibt es $2^n$ Belegungen. Für $n=4$ ergibt das 16.
Frage 2 von 2MittelFür welche Belegung ist $(P\land Q)\to R$ falsch?
Lösung: $P=w$, $Q=w$, $R=f$ — Die Implikation ist nur falsch, wenn ihre gesamte Voraussetzung wahr und ihre Folgerung falsch ist.
Was verrät der Wahrheitswerteverlauf?

Aus der letzten Spalte einer Wahrheitstabelle kannst du eine Formel einordnen.

Definition

Tautologie, Kontradiktion und Erfüllbarkeit

  • Eine Tautologie ist bei jeder Belegung wahr, zum Beispiel $P\lor\neg P$.
  • Eine Kontradiktion ist bei jeder Belegung falsch, zum Beispiel $P\land\neg P$.
  • Eine Formel ist erfüllbar, wenn sie bei mindestens einer Belegung wahr ist.
  • Eine Formel ist kontingent, wenn sie bei manchen Belegungen wahr und bei anderen falsch ist.

Zwei Formeln sind logisch äquivalent, wenn sie bei jeder Belegung denselben Wahrheitswert besitzen. Wichtige Äquivalenzen sind:

$$P\to Q\equiv\neg P\lor Q$$

$$\neg(P\land Q)\equiv\neg P\lor\neg Q$$

$$\neg(P\lor Q)\equiv\neg P\land\neg Q$$

Die letzten beiden Regeln heißen De-Morgan-Gesetze. Beim Negieren einer Verbindung vertauschst du UND und ODER und negierst beide Teilaussagen.

Beispiel

Die Verneinung von „Die Datei ist gespeichert und die Verbindung ist aktiv“ lautet:

„Die Datei ist nicht gespeichert oder die Verbindung ist nicht aktiv.“

Es genügt, dass mindestens eine der beiden ursprünglichen Bedingungen nicht erfüllt ist.

Ein logischer Schluss besteht aus Prämissen und einer Konklusion. Beim Modus Ponens gilt:

$$P\to Q,\quad P\quad\therefore Q$$

Der Schluss ist gültig, weil die Formel $((P\to Q)\land P)\to Q$ eine Tautologie ist. Dagegen darfst du aus $P\to Q$ und $Q$ nicht allgemein auf $P$ schließen. Das wäre die ungültige Umkehrung.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Formel ist eine Tautologie?
Lösung: $P\lor\neg P$ — Bei jeder Belegung ist entweder $P$ oder $\neg P$ wahr. Daher ist ihre Disjunktion immer wahr.
Frage 2 von 2SchwerGegeben sind $P\to Q$ und $\neg Q$. Welcher Schluss ist gültig?
Lösung: $\neg P$ — Das ist der Modus Tollens: Aus $P\to Q$ und $\neg Q$ folgt $\neg P$. Er entspricht der Kontraposition $P\to Q\equiv\neg Q\to\neg P$.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Aussagenlogik
    • Bausteine: Aussagenvariablen und Junktoren
    • Syntax: Klammern, Bindung, Hauptoperator und Teilformeln
    • Semantik: Belegungen und Wahrheitstabellen
    • Beurteilung: Tautologie, Kontradiktion, Äquivalenz und gültige Schlüsse
    • Informatik: Boolesche Funktionen und logische Gatter
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Verknüpfung ist nur dann wahr, wenn beide Teilaussagen wahr sind?
Lösung: $A\land B$ — Die Konjunktion $A\land B$ verlangt zwei wahre Teilaussagen.
Frage 2 von 4MittelWerte $\neg P\lor Q$ für $P=w$ und $Q=f$ aus.
Lösung: falsch — Zuerst wird negiert: $\neg P=f$. Danach ergibt $f\lor f$ den Wert falsch.
Frage 3 von 4SchwerWelche Begründung zeigt, dass $Q\to P$ nicht aus $P\to Q$ folgt?
Lösung: Eine Belegung mit $P=f$ und $Q=w$ macht $P\to Q$ wahr, aber $Q\to P$ falsch. — Ein einziges Gegenbeispiel widerlegt die behauptete Äquivalenz. Bei $P=f$, $Q=w$ unterscheiden sich die beiden Formeln.
Frage 4 von 4SchwerEine Formel ist in genau drei Zeilen ihrer Wahrheitstabelle wahr und in den übrigen Zeilen falsch. Wie ist sie einzuordnen?
Lösung: erfüllbar und kontingent — Mindestens eine wahre Zeile macht die Formel erfüllbar. Da es zugleich falsche Zeilen gibt, ist sie kontingent.

Du kannst Aussagenlogik sicher anwenden, wenn du zuerst die Formelstruktur klärst, dann jede Teilformel auswertest und erst danach den Wahrheitswerteverlauf deutest.

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