Datenauswertung: Daten prüfen und richtig deuten
Datenauswertung bedeutet: Du gehst von einer klaren Frage aus, prüfst die Daten, wertest sie passend aus und formulierst nur Schlussfolgerungen, die deine Daten tragen. Ein Diagramm oder eine Kennzahl allein ist noch keine fertige Aussage.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Von der Frage zur begründeten Aussage
Eine Datenauswertung beginnt nicht mit einem Diagramm, sondern mit einer Frage. „Wie laufen unsere Kanäle?“ ist zu ungenau. „Welcher Kanal bringt die meisten Anfragen pro investiertem Euro?“ nennt dagegen eine Vergleichsgröße und zeigt, welche Entscheidung unterstützt werden soll.
Datenauswertung
Datenauswertung ist ein Prozess: Du formulierst eine Frage, sammelst passende Daten, bereitest sie auf, untersuchst sie und deutest das Ergebnis im Sachzusammenhang.
Ein hilfreicher Ablauf besteht aus fünf Schritten:
- Frage klären: Was genau möchtest du entscheiden oder erklären?
- Daten auswählen und erfassen: Welche Merkmale brauchst du dafür?
- Daten bereinigen: Sind Werte fehlend, doppelt, uneinheitlich oder unplausibel?
- Daten auswerten und darstellen: Welche Kennzahl oder Grafik beantwortet die Frage?
- Ergebnis einordnen: Was zeigt es, was zeigt es nicht und welche Handlung folgt daraus?
Der Ablauf ist nicht immer streng linear. Entdeckst du beim Auswerten einen Fehler, gehst du zur Bereinigung zurück.
Daten auswählen und bereinigen
Erhebe nur Daten, die zu deiner Frage beitragen. Für die Frage nach Anfragen pro investiertem Euro brauchst du mindestens den Kanal, die Zahl der Anfragen und die Ausgaben. Die Lieblingsfarbe der Kundinnen und Kunden hilft bei dieser Frage nicht.
Datenbereinigung
Bei der Datenbereinigung suchst und behandelst du Fehler oder Unstimmigkeiten, bevor du rechnest. Typische Fälle sind fehlende Werte, mögliche Duplikate und verschiedene Schreib- oder Datumsformate.
Betrachte diesen Ausschnitt:
| Datum | Firma | Anfragen |
|---|---|---|
| 01.03.2026 | GmbH | 12 |
| 2026-03-01 | gmbh | 12 |
| 02.03.2026 | Gmbh | fehlt |
Hier fallen drei Dinge auf:
- Das Datum ist in zwei Formaten geschrieben.
GmbH,gmbhundGmbhkönnen dieselbe Schreibweise meinen.- Ein Wert fehlt.
Die ersten beiden Zeilen könnten Duplikate sein, müssen es aber nicht. Prüfe weitere Merkmale, bevor du eine Zeile löschst. Einen fehlenden Wert darfst du ebenfalls nicht automatisch als 0 deuten: „nicht erfasst“ und „keine Anfrage“ sind verschiedene Aussagen.
Erst prüfen, dann vereinheitlichen oder ändern. Dokumentiere jede Bereinigungsentscheidung, damit die Auswertung nachvollziehbar bleibt.
Mittelwert und Median passend nutzen
Der Mittelwert verteilt die Summe aller Werte rechnerisch gleichmäßig auf alle Datenpunkte.
$$\bar{x}=\frac{\text{Summe aller Werte}}{\text{Anzahl der Werte}}$$
Für die Werte $4, 7, 8, 6, 5$ gilt:
$$4+7+8+6+5=30$$
$$\bar{x}=\frac{30}{5}=6$$
Der Mittelwert beträgt 6.
Der Median ist der mittlere Wert einer sortierten Datenreihe. Bei einer geraden Anzahl nimmst du den Mittelwert der beiden mittleren Werte. Für $78, 82, 85, 95, 99, 105$ ist das:
$$\operatorname{Median}=\frac{85+95}{2}=90$$
Der Median reagiert weniger stark auf Ausreißer. Bei $4, 5, 6, 7, 30$ ist der Mittelwert $10{,}4$, der Median aber $6$. Der einzelne hohe Wert zieht den Mittelwert deutlich nach oben.
Nutze den Mittelwert, wenn alle Werte angemessen in die rechnerische Mitte eingehen sollen. Prüfe bei Ausreißern zusätzlich den Median. Ein Ausreißer ist nicht automatisch ein Fehler und darf nicht ohne Prüfung entfernt werden.
Die passende Darstellung wählen
Eine Darstellung ist passend, wenn sie deine Frage schnell und unverzerrt beantwortet.
| Frage | Passende Darstellung | Was du erkennst |
|---|---|---|
| Wie unterscheiden sich Kategorien? | Balken- oder Säulendiagramm | Größenunterschiede |
| Wie verändert sich ein Wert über die Zeit? | Liniendiagramm | Verlauf und Trends |
| Wie sind viele Zahlenwerte verteilt? | Histogramm | Häufigkeitsverteilung |
| Gibt es einen Zusammenhang zwischen zwei Zahlenmerkmalen? | Streudiagramm | Muster, Richtung und Ausreißer |
| Wo liegen Median, Quartile und Ausreißer? | Boxplot | Lage und Streuung |
Beschrifte Achsen und Einheiten. Prüfe außerdem, ob alle verglichenen Gruppen und Zeiträume nach derselben Regel gebildet wurden.
In einer Tabellenkalkulation beziehen sich Formeln und Diagramme auf Zellen oder Zellbereiche. Änderst du einen Ausgangswert, werden Rechenergebnis und Diagramm über diese Referenzen automatisch aktualisiert. Trotzdem musst du prüfen, ob der referenzierte Bereich noch vollständig und richtig ist.
Ergebnisse vorsichtig interpretieren
Korrelation
Eine Korrelation ist ein statistischer Zusammenhang: Zwei Merkmale verändern sich in den Daten gemeinsam. Das beweist noch nicht, dass eines das andere verursacht.
Steigen Eisverkäufe und Sonnenbrandfälle gleichzeitig, darfst du nicht folgern, Eis verursache Sonnenbrand. Eine weitere Größe könnte beide beeinflussen. Für eine Ursachenaussage brauchst du zusätzliche Belege und einen geeigneten Untersuchungsaufbau.
Auch die Auswahl der Daten begrenzt deine Aussage. Eine Population ist die gesamte Gruppe, über die du etwas wissen möchtest. Eine Stichprobe ist der tatsächlich untersuchte Teil. Nur wenn die Stichprobe passend ausgewählt und ausreichend aussagekräftig ist, sind vorsichtige Rückschlüsse auf die Population möglich. Fünf Kundenbewertungen allein tragen keine belastbare Aussage über alle Kundinnen und Kunden.
Kennzahlen brauchen außerdem einen Vergleich. Ein Umsatzplus von 20 % klingt gut. Wächst der gesamte Markt im selben Zeitraum um 40 %, kann das Unternehmen trotzdem Marktanteil verloren haben.
Ein Onlineshop hat 10.000 Besuche und 50 Käufe.
$$\text{Conversion Rate}=\frac{50}{10.000}\cdot 100\%=0{,}5\%$$
Die Rechnung zeigt den Anteil der Käufe. Sie erklärt noch nicht, warum Menschen nicht kaufen. Dafür müssten weitere passende Daten untersucht werden, etwa zu Absprüngen im Bestellvorgang.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Datenauswertung
- Klare Frage bestimmt benötigte Daten
- Bereinigung verbessert die Datenqualität
- Kennzahlen und Diagramme beantworten die Frage
- Stichprobe begrenzt Verallgemeinerungen
- Korrelation beweist keine Ursache
- Interpretation nennt Ergebnis und Grenzen
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