Abstand windschiefer Geraden berechnen

Abstand windschiefer Geraden berechnen
Abstand windschiefer Geraden berechnen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Der Abstand zweier windschiefer Geraden ist die Länge ihrer kürzesten Verbindungsstrecke. Diese Strecke steht senkrecht auf beiden Geraden. Wenn nur der Abstand gesucht ist, führt die direkte Abstandsformel meist am schnellsten zum Ziel.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Windschiefe Geraden und ihre kürzeste Verbindung

Zwei Geraden im Raum sind windschief, wenn sie sich nicht schneiden und nicht parallel sind. Diese Lage gibt es nur im Raum, nicht in einer Ebene.

Für

$$g:\vec x=\vec p+r\vec u$$

und

$$h:\vec x=\vec q+s\vec v$$

prüfst du deshalb zwei Bedingungen:

  1. Die Richtungsvektoren $\vec u$ und $\vec v$ sind keine Vielfachen voneinander. Die Geraden sind also nicht parallel.
  2. Die Gleichung $\vec p+r\vec u=\vec q+s\vec v$ besitzt keine Lösung. Die Geraden schneiden sich also nicht.

Nur der fehlende Parallelismus genügt nicht: Zwei nicht parallele Geraden könnten sich schneiden.

Definition

Gemeinsames Lot

Das gemeinsame Lot ist die Gerade, die beide windschiefen Geraden senkrecht schneidet. Der Abschnitt zwischen den beiden Schnittpunkten ist die kürzeste Verbindungsstrecke. Seine Länge ist der Abstand der Geraden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Kombination weist eine windschiefe Lage vollständig nach?
Lösung: Die Richtungsvektoren sind keine Vielfachen voneinander und beim Gleichsetzen entsteht ein unlösbares Gleichungssystem. — Windschiefe Geraden sind weder parallel noch schneiden sie sich. Deshalb müssen beide Bedingungen geprüft werden.
Die direkte Abstandsformel anwenden

Das Kreuzprodukt der beiden Richtungsvektoren liefert einen Vektor, der auf beiden Geradenrichtungen senkrecht steht:

$$\vec n=\vec u\times\vec v$$

Für windschiefe Geraden ist $\vec n\ne\vec 0$. Mit dem Verbindungsvektor der Stützpunkte $\vec q-\vec p$ gilt:

$$d(g,h)=\frac{|(\vec q-\vec p)\cdot\vec n|}{|\vec n|}$$

So gehst du vor:

  1. Berechne $\vec n=\vec u\times\vec v$.
  2. Kontrolliere $\vec n\cdot\vec u=0$ und $\vec n\cdot\vec v=0$.
  3. Bilde den Stützpunktverbindungsvektor $\vec q-\vec p$.
  4. Berechne das Skalarprodukt $(\vec q-\vec p)\cdot\vec n$.
  5. Teile dessen Betrag durch die Länge $|\vec n|$.
  6. Prüfe Einheit und Plausibilität des Ergebnisses.
Merke

Im Zähler steht ein Betrag, weil ein Abstand nie negativ ist. Im Nenner steht die Länge des Normalenvektors, nicht sein Quadrat.

Du darfst jedes von null verschiedene Vielfache von $\vec n$ verwenden. Der zusätzliche Faktor kürzt sich zwischen Zähler und Nenner heraus.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelDu ersetzt $\vec n$ durch $3\vec n$. Was geschieht mit dem berechneten Abstand?
Lösung: Er bleibt gleich. — Jedes von null verschiedene Vielfache eines gemeinsamen Normalenvektors führt zum gleichen Abstand.
Ein vollständiges Beispiel durchrechnen

Gegeben sind die Geraden

$$g:\vec x=\begin{pmatrix}1\\2\\2\end{pmatrix}+r\begin{pmatrix}1\\3\\1\end{pmatrix}$$

und

$$h:\vec x=\begin{pmatrix}3\\-7\\2\end{pmatrix}+s\begin{pmatrix}3\\-1\\-3\end{pmatrix}.$$

Zuerst prüfen wir ihre Lage. Die Richtungsvektoren sind keine Vielfachen. Beim Gleichsetzen liefern die erste und dritte Koordinate $r=1$ und $s=-\frac13$. Diese Werte erfüllen die zweite Koordinate nicht. Die Geraden besitzen daher keinen Schnittpunkt und sind windschief.

Beispiel

Nun berechnen wir das Kreuzprodukt der Richtungsvektoren:

$$\begin{pmatrix}1\\3\\1\end{pmatrix}\times\begin{pmatrix}3\\-1\\-3\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}-8\\6\\-10\end{pmatrix}.$$

Wir wählen das einfachere Vielfache

$$\vec n=\begin{pmatrix}4\\-3\\5\end{pmatrix}.$$

Die Kontrolle bestätigt die Orthogonalität:

$$\vec n\cdot\vec u=4-9+5=0$$

und

$$\vec n\cdot\vec v=12+3-15=0.$$

Der Verbindungsvektor der Stützpunkte ist

$$\vec q-\vec p=\begin{pmatrix}3\\-7\\2\end{pmatrix}-\begin{pmatrix}1\\2\\2\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}2\\-9\\0\end{pmatrix}.$$

Nun setzen wir in die Abstandsformel ein:

$$d(g,h)=\frac{\left|\begin{pmatrix}2\\-9\\0\end{pmatrix}\cdot\begin{pmatrix}4\\-3\\5\end{pmatrix}\right|}{\sqrt{4^2+(-3)^2+5^2}}$$

$$d(g,h)=\frac{|8+27+0|}{\sqrt{50}}=\frac{35}{\sqrt{50}}=\frac{7\sqrt{2}}{2}\approx4{,}95\ \mathrm{LE}.$$

Der Abstand der Geraden beträgt somit ungefähr $4{,}95$ Längeneinheiten.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum ist die Kontrolle $\vec n\cdot\vec u=\vec n\cdot\vec v=0$ nützlich?
Lösung: Sie deckt viele Vorzeichen- und Komponentenfehler beim Kreuzprodukt auf. — Ein korrektes Kreuzprodukt steht auf beiden Ausgangsvektoren senkrecht. Die beiden Skalarprodukte müssen daher null sein.
Frage 2 von 2MittelFür zwei Geraden gilt $\vec u=(3|-5|1)$, $\vec v=(-2|-2|0)$ und $\vec q-\vec p=(3|1|1)$. Welcher Abstand ergibt sich?
Lösung: $\frac{6}{\sqrt{66}}\approx0{,}74\ \mathrm{LE}$ — Als vereinfachten Normalenvektor erhältst du $\vec n=(1|-1|-8)$. Dann sind $|(\vec q-\vec p)\cdot\vec n|=|3-1-8|=6$ und $|\vec n|=\sqrt{66}$. Daher ist $d=6/\sqrt{66}\approx0{,}74\ \mathrm{LE}$.
Formel verstehen und passende Methode wählen

Die direkte Formel lässt sich mit einer Hilfsebene erklären. Die Ebene

$$E:\vec x=\vec p+t\vec u+a\vec v$$

enthält $g$ und ist zu $h$ parallel. Ihr Normalenvektor ist $\vec n=\vec u\times\vec v$. Deshalb entspricht der Abstand von $g$ zu $h$ dem Abstand des Stützpunkts $Q$ von $h$ zur Ebene $E$.

Eine zweite Deutung nutzt ein Parallelepiped: $|\vec u\times\vec v|$ ist die Grundfläche und $|(\vec q-\vec p)\cdot(\vec u\times\vec v)|$ das Volumen. Volumen geteilt durch Grundfläche ergibt die Höhe – also den Geradenabstand.

Welche Methode passt zu deiner Aufgabe?

  • Nur der Abstand ist gesucht: Verwende die direkte Formel.
  • Eine Ebene soll genutzt werden: Lege durch eine Gerade eine zur anderen Geraden parallele Hilfsebene und berechne einen Punkt-Ebene-Abstand.
  • Die nächstgelegenen Punkte sind gesucht: Verwende laufende Punkte $G(r)$ und $H(s)$. Setze ihren Verbindungsvektor zu beiden Richtungsvektoren orthogonal.

Beim Verfahren mit laufenden Punkten gilt:

$$\vec w(r,s)=H(s)-G(r)$$

$$\vec w(r,s)\cdot\vec u=0,\qquad \vec w(r,s)\cdot\vec v=0.$$

Das entstehende lineare Gleichungssystem liefert die Parameter der beiden Lotfußpunkte. Die Länge ihres Verbindungsvektors ist der Abstand.

Gut zu wissen

Ein negativer Zwischenwert im Skalarprodukt ist möglich. Erst der Betrag macht daraus einen nicht negativen Abstand. Ein negatives Endergebnis zeigt daher, dass der Betrag vergessen wurde.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerGesucht sind der Abstand und beide Endpunkte der kürzesten Verbindungsstrecke. Welche Methode ist besonders geeignet?
Lösung: Das Verfahren mit laufenden Punkten und zwei Orthogonalitätsbedingungen. — Laufende Punkte liefern zwei Parameter. Nach dem Lösen kannst du die beiden Lotfußpunkte und anschließend ihren Abstand bestimmen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Abstand windschiefer Geraden
    • Lage prüfen: nicht parallel und kein Schnittpunkt
    • Geometrie: gemeinsames Lot als kürzeste Verbindung
    • Normalenvektor: Kreuzprodukt der Richtungsvektoren
    • Direkte Formel: Betrag des Skalarprodukts durch Normalenlänge
    • Hilfsebene: eine Gerade enthalten und zur anderen parallel
    • Lotfußpunkte: laufende Punkte und Orthogonalitätsbedingungen
    • Kontrolle: Orthogonalität, Betrag, Einheit und Plausibilität
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Größe muss bei windschiefen Geraden positiv sein?
Lösung: Die Länge ihrer kürzesten Verbindungsstrecke. — Windschiefe Geraden schneiden sich nicht. Ihr Abstand ist deshalb größer als null.
Frage 2 von 3MittelWelcher Ausdruck gehört in den Nenner der direkten Abstandsformel?
Lösung: $|\vec u\times\vec v|$ — Der Nenner ist die Länge des gemeinsamen Normalenvektors $\vec n=\vec u\times\vec v$.
Frage 3 von 3SchwerDer Stützpunkt von $h$ wird entlang von $h$ verschoben. Warum bleibt der Formelwert gleich?
Lösung: Der zusätzliche Anteil ist ein Vielfaches von $\vec v$ und hat mit $\vec n$ das Skalarprodukt null. — Ersetzt du $\vec q$ durch $\vec q+s\vec v$, kommt im Zähler der Summand $s\vec v\cdot\vec n=0$ hinzu. Deshalb ist jeder Punkt von $h$ für die Formel geeignet.

Wenn du alle drei Fragen begründen kannst, beherrschst du nicht nur die Rechnung, sondern auch die geometrische Idee hinter der Formel.

Passend dazu