Mathematik

Newton-Verfahren: Nullstellen näherungsweise finden

Newton-Verfahren: Nullstellen näherungsweise finden
Newton-Verfahren: Nullstellen näherungsweise finden
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Mit dem Newton-Verfahren näherst du eine Nullstelle von $f$ schrittweise an. Du startest bei $x_0$, legst am Graphen eine Tangente an und verwendest deren Nullstelle als nächsten Näherungswert:

$$x_{n+1}=x_n-\frac{f(x_n)}{f'(x_n)}$$

Das Verfahren kann sehr schnell sein. Es braucht aber einen geeigneten Startwert und darf nicht an einer Stelle mit $f'(x_n)=0$ angewendet werden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie entsteht der nächste Näherungswert?

Angenommen, dein aktueller Näherungswert ist $x_n$. Auf dem Graphen gehört dazu der Punkt $(x_n,f(x_n))$. Die Tangente in diesem Punkt hat die Gleichung

$$t(x)=f(x_n)+f'(x_n)(x-x_n).$$

In der Nähe von $x_n$ ersetzt diese Gerade den gekrümmten Graphen näherungsweise. Ihre Nullstelle soll der nächste Wert $x_{n+1}$ sein. Deshalb setzt du $t(x_{n+1})=0$:

$$0=f(x_n)+f'(x_n)(x_{n+1}-x_n).$$

Nun löst du nach $x_{n+1}$ auf:

$$x_{n+1}=x_n-\frac{f(x_n)}{f'(x_n)}.$$

Definition

Iteration

Bei einer Iteration wird das Ergebnis eines Rechenschritts wieder als Eingabe für den nächsten Schritt verwendet. Aus $x_0$ entstehen so $x_1,x_2,x_3,\ldots$

Merke

Newton ersetzt den Graphen am aktuellen Punkt durch seine Tangente. Die Nullstelle dieser Tangente ist der nächste Näherungswert.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWarum setzt man die Tangente gleich null?
Lösung: Ihre Nullstelle liefert den nächsten Näherungswert. — Die Tangente stimmt nur in der Nähe des Berührpunkts gut mit dem Graphen überein. Ihre Nullstelle ist deshalb zunächst eine Näherung.
Wie führe ich das Verfahren durch?

Gehe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Bestimme die Funktion $f$ und ihre Ableitung $f'$.
  2. Wähle einen Startwert $x_0$ in der Nähe der gesuchten Nullstelle.
  3. Prüfe vor jedem Schritt, dass $f'(x_n)\ne0$ ist.
  4. Berechne $x_{n+1}$ mit der Newtonformel.
  5. Verwende den neuen Wert für den nächsten Schritt.
  6. Prüfe am Ende die Schrittweite und den Funktionswert.
Beispiel

Gesucht ist die positive Nullstelle von

$$f(x)=x^2-2.$$

Sie entspricht $\sqrt 2$. Die Ableitung lautet

$$f'(x)=2x.$$

Da die positive Nullstelle zwischen $1$ und $2$ liegt, wählen wir $x_0=1$.

Erster Schritt:

$$x_1=1-\frac{1^2-2}{2\cdot1}=\frac32=1{,}5.$$

Zweiter Schritt:

$$x_2=\frac32-\frac{(\frac32)^2-2}{2\cdot\frac32}=\frac{17}{12}\approx1{,}4166667.$$

Dritter Schritt:

$$x_3=\frac{17}{12}-\frac{(\frac{17}{12})^2-2}{2\cdot\frac{17}{12}}=\frac{577}{408}\approx1{,}4142157.$$

Zur Kontrolle setzen wir $x_3$ in $f$ ein:

$$f\left(\frac{577}{408}\right)=\frac{1}{166464}\approx0{,}0000060.$$

Der Funktionswert liegt bereits sehr nahe bei null. Daher ist

$$\sqrt2\approx1{,}4142.$$

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Frage 1 von 2MittelFür $f(x)=x^2-2$ und $x_0=1$ gilt $f'(x)=2x$. Welcher Wert entsteht im ersten Newtonschritt?
Lösung: $x_1=1{,}5$ — Es gilt $x_1=1-(-1/2)=1{,}5$. Das Minus vor einem negativen Quotienten führt zur Addition.
Frage 2 von 2SchwerFür $f(x)=x^2-3$ und $x_0=2$ gilt $f'(x)=2x$. Welche Werte erhältst du nach zwei Newtonschritten?
Lösung: $x_1=\frac74$ und $x_2=\frac{97}{56}\approx1{,}7321$ — Zuerst erhältst du $x_1=2-(4-3)/4=7/4$. Diesen neuen Wert setzt du erneut ein und erhältst $x_2=7/4-((7/4)^2-3)/(2\cdot7/4)=97/56$.
Wie wähle und prüfe ich den Startwert?

Ein guter Startwert liegt möglichst nahe bei der gesuchten Nullstelle. Kennst du ein Intervall $[a;b]$, in dem eine stetige Funktion das Vorzeichen wechselt, liegt darin mindestens eine Nullstelle. Die Intervallmitte kann dann ein brauchbarer Startwert sein.

Ein Vorzeichenwechsel hilft bei der Suche, garantiert aber nicht, dass Newton von jedem Wert des Intervalls aus zur gewünschten Nullstelle läuft. Bei mehreren Nullstellen kann die Iteration auch eine andere erreichen.

Prüfe außerdem die Steigung:

  • Bei $f'(x_n)=0$ ist der Newtonschritt nicht definiert.
  • Bei sehr kleinem $|f'(x_n)|$ kann der Quotient sehr groß werden. Der nächste Wert springt dann möglicherweise weit weg.
  • In beiden Fällen ist ein anderer Startwert sinnvoll. Eine Dämpfung kann große Schritte zusätzlich verkleinern.

Beim gedämpften Verfahren gilt

$$x_{n+1}=x_n-\omega\frac{f(x_n)}{f'(x_n)},\qquad 0<\omega\le1.$$

Für $\omega<1$ wird nur ein Teil des gewöhnlichen Newtonschritts ausgeführt.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelAm aktuellen Wert gilt $f'(x_n)=0$. Was solltest du tun?
Lösung: Einen anderen geeigneten Startwert wählen. — Eine waagerechte Tangente hat keine eindeutige endliche Nullstelle, die sich mit der Newtonformel berechnen lässt.
Wann darf ich die Rechnung beenden?

Ein einzelnes Abbruchsignal kann täuschen. Eine kleine Schrittweite bedeutet nicht automatisch, dass $f(x_n)$ nahe null liegt. Prüfe deshalb mindestens zwei Größen:

  • Schrittweite: $|x_{n+1}-x_n|$ ist kleiner als eine gewählte Toleranz.
  • Restwert: $|f(x_{n+1})|$ ist ebenfalls klein.

Setze zusätzlich eine Höchstzahl von Schritten fest. So endet die Rechnung auch dann, wenn die Folge nicht konvergiert.

Wenn du nur eine bestimmte Zahl von Nachkommastellen brauchst, kannst du beobachten, ob diese stabil bleiben. Die Probe mit $f(x_n)$ solltest du trotzdem durchführen.

Merke

Beende nicht allein deshalb, weil zwei Näherungswerte ähnlich aussehen. Prüfe auch, ob der Funktionswert tatsächlich nahe null liegt.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerZwei aufeinanderfolgende Näherungswerte unterscheiden sich kaum. Was ist die verlässlichste nächste Prüfung?
Lösung: Zusätzlich kontrollieren, ob $|f(x_n)|$ klein ist. — Schrittweite und Restwert untersuchen verschiedene Dinge. Gemeinsam liefern sie eine bessere Kontrolle der Näherung.
Warum kann Newton scheitern oder langsam werden?

Das Newton-Verfahren ist lokal konvergent: Seine schnelle Annäherung ist vor allem dann zu erwarten, wenn der Startwert ausreichend nahe bei einer geeigneten Nullstelle liegt.

Bei einem ungünstigen Startwert kann die Folge

  • gegen eine andere Nullstelle laufen,
  • zwischen Werten hin- und herspringen,
  • oder sich immer weiter entfernen.

Ein konkreter Zweierzyklus entsteht bei

$$f(x)=x^3-2x+2$$

mit $x_0=0$. Dann gilt

$$x_1=0-\frac{2}{-2}=1$$

und anschließend

$$x_2=1-\frac{1}{1}=0.$$

Die Werte wechseln also dauerhaft zwischen $0$ und $1$. Keiner der beiden Werte ist eine Nullstelle.

Vertiefung: mehrfache Nullstellen

Bei einer einfachen Nullstelle kann Newton in der Nähe sehr schnell konvergieren. Bei einer $k$-fachen Nullstelle wird das gewöhnliche Verfahren dagegen meist deutlich langsamer.

Ein Beispiel ist

$$f(x)=x^3-3x+2=(x-1)^2(x+2).$$

Die Nullstelle $x=1$ ist doppelt. Ist die Vielfachheit $k$ bekannt, kann die angepasste Formel

$$x_{n+1}=x_n-k\frac{f(x_n)}{f'(x_n)}$$

die schnelle Annäherung wiederherstellen.

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Frage 1 von 1SchwerEine Newtonfolge wechselt dauerhaft zwischen zwei Werten, deren Funktionswerte nicht null sind. Wie ist dieses Verhalten einzuordnen?
Lösung: Die Folge oszilliert und liefert keine Nullstellennäherung. — Bei einer periodischen Oszillation wiederholen sich Werte, ohne dass die Folge zur gesuchten Nullstelle gelangt. Ein anderer Startwert ist nötig.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Newton-Verfahren
    • Grundidee
      • Graph durch Tangente annähern
      • Tangentennullstelle als neuen Wert nutzen
    • Rechenweg
      • Funktion und Ableitung bestimmen
      • Startwert wählen
      • Newtonformel wiederholt anwenden
    • Kontrolle
      • Schrittweite prüfen
      • Restwert prüfen
      • Iterationsgrenze beachten
    • Risiken
      • Ableitung null oder sehr klein
      • ungeeigneter Startwert
      • Oszillation oder falsche Nullstelle
      • langsame Annäherung bei mehrfachen Nullstellen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe steht im Nenner der Newtonformel?
Lösung: $f'(x_n)$ — Der Newtonschritt teilt den aktuellen Funktionswert durch die aktuelle Tangentensteigung $f'(x_n)$.
Frage 2 von 3MittelEine stetige Funktion hat in $[a;b]$ Funktionswerte mit verschiedenen Vorzeichen. Was folgt daraus für die Startwertsuche?
Lösung: Das Intervall enthält mindestens eine Nullstelle und bietet einen Suchbereich; Newton ist von der Intervallmitte aus trotzdem nicht allgemein garantiert. — Der Vorzeichenwechsel hilft beim Eingrenzen. Das globale Verhalten der Newtoniteration hängt dennoch vom Funktionsverlauf und vom Startwert ab.
Frage 3 von 3SchwerNach mehreren Schritten sind $|x_{n+1}-x_n|$ und $|f(x_{n+1})|$ klein. Was spricht diese Kombination aus?
Lösung: Der Wert ist eine gut kontrollierte Näherung an eine Nullstelle. — Eine kleine Schrittweite zeigt Stabilität, ein kleiner Restwert die Nähe zur Gleichung $f(x)=0$. Zusammen sind sie ein sinnvolles Abbruchsignal.

Du kannst das Verfahren sicher anwenden, wenn du nicht nur die Formel einsetzt, sondern auch Startwert, Ableitung und Ergebnis kontrollierst.

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