Mathematik

Satz von Bayes einfach erklärt und angewendet

Satz von Bayes einfach erklärt und angewendet
Satz von Bayes einfach erklärt und angewendet
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Der Satz von Bayes berechnet eine Wahrscheinlichkeit in der umgekehrten Bedingungsrichtung. Kennst du zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Test bei einer kranken Person, kannst du damit die Wahrscheinlichkeit für eine Krankheit nach einem positiven Test bestimmen. Entscheidend sind dabei auch die Basisrate und die Gesamtwahrscheinlichkeit des beobachteten Ergebnisses.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die Richtung der Bedingung richtig lesen

Eine bedingte Wahrscheinlichkeit betrachtet nur die Fälle, in denen die Bedingung bereits erfüllt ist.

Definition

Bedingte Wahrscheinlichkeit

$P(A\mid B)$ bedeutet: Wie wahrscheinlich ist $A$, wenn $B$ eingetreten ist? Das Ereignis hinter dem senkrechten Strich ist die Bedingung.

Bei einem medizinischen Test sind diese beiden Fragen verschieden:

  • $P(\text{positiv}\mid\text{krank})$: Wie oft ist der Test bei kranken Personen positiv?
  • $P(\text{krank}\mid\text{positiv})$: Wie viele der positiv getesteten Personen sind tatsächlich krank?

Die zweite Wahrscheinlichkeit lässt sich nicht allein aus der ersten ablesen.

Merke

Lies $P(A\mid B)$ von rechts nach links: Unter der Bedingung $B$ interessiert mich $A$. Vertauschst du $A$ und $B$, beantwortest du eine andere Frage.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Schreibweise passt zur Frage „Wie wahrscheinlich ist eine Krankheit nach einem positiven Test?“
Lösung: $P(\text{krank}\mid\text{positiv})$ — Nach dem senkrechten Strich steht die bereits bekannte Bedingung. Bekannt ist ein positives Ergebnis; gesucht ist „krank“.
So entsteht die Bayes-Formel

Für Ereignisse $A$ und $B$ mit $P(A)>0$ und $P(B)>0$ gilt:

$$P(A\mid B)=\frac{P(B\mid A)\cdot P(A)}{P(B)}$$

Die Bedingung $P(B)>0$ ist nötig, weil nicht durch null geteilt werden darf. Außerdem muss $P(A)>0$ gelten, damit $P(B\mid A)$ definiert ist.

Die Formel folgt aus zwei Blickrichtungen auf dieselbe Schnittmenge $A\cap B$:

$$P(A\mid B)=\frac{P(A\cap B)}{P(B)}$$

und

$$P(B\mid A)=\frac{P(A\cap B)}{P(A)}.$$

Aus der zweiten Gleichung folgt $P(A\cap B)=P(B\mid A)\cdot P(A)$. Setzt du dies in die erste Gleichung ein, erhältst du die Bayes-Formel.

Beispiel

Ein Test fällt bei 2 % aller getesteten Personen positiv aus. 0,5 % der Personen sind infiziert, und bei Infizierten ist der Test zu 99 % positiv.

Gesucht ist $P(I\mid T)$, also die Wahrscheinlichkeit einer Infektion $I$ nach einem positiven Test $T$:

$$P(I\mid T)=\frac{P(T\mid I)P(I)}{P(T)}$$

$$P(I\mid T)=\frac{0{,}99\cdot0{,}005}{0{,}02}=0{,}2475.$$

Eine positiv getestete Person ist nach diesen Angaben mit 24,75 %, gerundet etwa 25 %, tatsächlich infiziert. Die 99 % beschreiben dagegen $P(T\mid I)$ und damit die andere Bedingungsrichtung.

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Frage 1 von 1MittelWarum steht $P(B)$ im Nenner der Bayes-Formel?
Lösung: Weil nach dem Eintreten von $B$ nur noch die Fälle mit $B$ den Bezugsraum bilden. — Bei $P(A\mid B)$ wird auf alle Fälle mit $B$ eingeschränkt. Deshalb wird der gemeinsame Anteil $P(A\cap B)$ durch $P(B)$ geteilt.
So berechnest du einen fehlenden Nenner

In vielen Aufgaben ist $P(B)$ nicht direkt angegeben. Dann zerlegst du alle möglichen Fälle, in denen $B$ eintreten kann. Für $A$ und das Gegenereignis $A^{\mathrm c}$ gilt:

$$P(B)=P(B\mid A)P(A)+P(B\mid A^{\mathrm c})P(A^{\mathrm c}).$$

Das ist der Satz der totalen Wahrscheinlichkeit. Da $P(A^{\mathrm c})=1-P(A)$ gilt, erhältst du die häufig verwendete Bayes-Form:

$$P(A\mid B)=\frac{P(B\mid A)P(A)}{P(B\mid A)P(A)+P(B\mid A^{\mathrm c})P(A^{\mathrm c})}.$$

Merke

Im Nenner stehen alle Wege zu $B$. Im Zähler steht nur der Weg, der zugleich zu $A$ und $B$ führt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Für $P(A\mid B)$ ist $B$ die . Fehlt $P(B)$, addierst du die Wahrscheinlichkeiten Wege zu $B$. Das Gegenereignis von $A$ hat die Wahrscheinlichkeit .

Lösungen: Lücke 1: Bedingung; Lücke 2: aller; Lücke 3: $1-P(A)$. Der Nenner beschreibt den gesamten Bezugsraum mit $B$. Deshalb müssen dort alle möglichen Wege zu $B$ berücksichtigt werden.
Vollständiges Beispiel mit zwei Urnen

Urne $A$ enthält sieben rote und drei weiße Kugeln. Urne $B$ enthält eine rote und neun weiße Kugeln. Beide Urnen werden mit Wahrscheinlichkeit $\frac12$ gewählt. Eine gezogene Kugel ist rot. Wie wahrscheinlich stammt sie aus Urne $A$?

1. Ereignisse und Richtung festlegen

Gesucht ist $P(A\mid R)$: die Wahrscheinlichkeit für Urne $A$ unter der Bedingung, dass die Kugel rot ist.

Gegeben sind:

$$P(A)=P(B)=\frac12,\qquad P(R\mid A)=\frac7{10},\qquad P(R\mid B)=\frac1{10}.$$

2. Gesamtwahrscheinlichkeit für Rot berechnen

Eine rote Kugel kann aus beiden Urnen stammen:

$$P(R)=\frac7{10}\cdot\frac12+\frac1{10}\cdot\frac12=\frac25.$$

3. Bayes anwenden

$$P(A\mid R)=\frac{P(R\mid A)P(A)}{P(R)}$$

$$P(A\mid R)=\frac{\frac7{10}\cdot\frac12}{\frac25}=\frac78=87{,}5\,\%.$$

Beispiel

Du kannst das Ergebnis mit natürlichen Häufigkeiten prüfen: Denk dir 20 Ziehungen mit Zurücklegen. Im Mittel wird jede Urne zehnmal gewählt. Aus Urne $A$ kommen dabei sieben rote Kugeln, aus Urne $B$ eine rote Kugel. Von insgesamt acht roten Kugeln stammen also sieben aus Urne $A$: $\frac78$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum ist $P(R)$ hier nicht einfach $\frac7{10}$?
Lösung: Weil die rote Kugel aus Urne $A$ oder aus Urne $B$ stammen kann. — $\frac7{10}$ ist nur $P(R\mid A)$. Für $P(R)$ werden die Wege über beide Urnen addiert.
Warum die Basisrate bei Tests zählt

Die Basisrate ist die unbedingte Wahrscheinlichkeit $P(A)$ vor der neuen Beobachtung. Bei Krankheiten heißt sie häufig Prävalenz. Eine hohe Testempfindlichkeit allein beantwortet nicht, wie wahrscheinlich eine Krankheit nach einem positiven Ergebnis ist.

Betrachte ein Screening mit diesen Werten:

  • 20 von 100.000 Personen sind krank: $P(K)=0{,}0002$.
  • Bei Kranken ist der Test zu 95 % positiv: $P(T\mid K)=0{,}95$.
  • Bei Gesunden ist der Test zu 1 % falsch positiv: $P(T\mid K^{\mathrm c})=0{,}01$.

Mit Bayes folgt:

$$P(K\mid T)=\frac{0{,}95\cdot0{,}0002}{0{,}95\cdot0{,}0002+0{,}01\cdot0{,}9998}\approx0{,}0186.$$

Eine positiv getestete Person ist unter diesen Annahmen also nur mit ungefähr 1,86 % Wahrscheinlichkeit krank.

Mit Häufigkeiten verstehen

Unter 100.000 Personen sind 20 krank. Davon werden 19 positiv getestet. Von 99.980 gesunden Personen erhalten ungefähr 1.000 ein falsch positives Ergebnis. Unter etwa 1.019 positiven Ergebnissen sind damit nur 19 tatsächlich Erkrankte.

Gut zu wissen

Ein positives Ergebnis beweist weder eine Krankheit noch eine Ursache. Der berechnete Wert gilt nur für die angegebenen Basisraten und Testwahrscheinlichkeiten.

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Frage 1 von 1SchwerEin Test erkennt fast alle Kranken. Warum kann $P(\text{krank}\mid\text{positiv})$ trotzdem klein sein?
Lösung: Bei einer sehr seltenen Krankheit können die falsch positiven Ergebnisse unter den vielen Gesunden überwiegen. — Entscheidend ist das Verhältnis: Eine kleine Falsch-Positiv-Rate wirkt auf eine sehr große Gruppe Gesunder, während richtige positive Ergebnisse nur aus der kleinen Gruppe Kranker kommen.
Den Rechenweg selbst anwenden

5 % einer Gruppe haben Alkohol konsumiert. Ein Test ist bei diesen Personen zu 99,9 % positiv. Bei Personen ohne Alkoholkonsum liefert er in 3 % der Fälle trotzdem ein positives Ergebnis. Wie wahrscheinlich hat eine positiv getestete Person tatsächlich Alkohol konsumiert?

Setze $A$ für Alkoholkonsum und $T$ für einen positiven Test. Dann gilt:

$$P(A)=0{,}05,\qquad P(A^{\mathrm c})=0{,}95,$$

$$P(T\mid A)=0{,}999,\qquad P(T\mid A^{\mathrm c})=0{,}03.$$

1. Positiven Test insgesamt berechnen

$$P(T)=0{,}999\cdot0{,}05+0{,}03\cdot0{,}95=0{,}07845.$$

2. Bedingungsrichtung umkehren

$$P(A\mid T)=\frac{0{,}999\cdot0{,}05}{0{,}07845}\approx0{,}6367.$$

Nach diesen Angaben beträgt die Wahrscheinlichkeit also ungefähr 63,67 %.

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Frage 1 von 1MittelWelcher Term gehört in den Nenner von $P(A\mid T)$?
Lösung: $0{,}999\cdot0{,}05+0{,}03\cdot0{,}95$ — Der Nenner ist die Gesamtwahrscheinlichkeit eines positiven Tests. Dazu gehören richtige positive Ergebnisse und falsch positive Ergebnisse.

Prüfe Ergebnisse immer in drei Schritten:

  1. Liegt der Wert zwischen 0 und 1 beziehungsweise zwischen 0 % und 100 %?
  2. Passt die Bedingungsrichtung zur Frage?
  3. Wurde ein fehlendes $P(B)$ aus allen möglichen Wegen berechnet?
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Satz von Bayes
    • Richtung lesen: $P(A\mid B)$ ist $A$ unter der Bedingung $B$
    • Zähler: gemeinsamer Weg über $P(B\mid A)P(A)$
    • Nenner: Gesamtwahrscheinlichkeit $P(B)$
    • Fehlender Nenner: alle Wege zu $B$ addieren
    • Basisrate: beeinflusst die umgekehrte Wahrscheinlichkeit
    • Kontrolle: Richtung, Wertebereich und Kontext prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas ist der zentrale Unterschied zwischen $P(B\mid A)$ und $P(A\mid B)$?
Lösung: Die Bedingung und damit der betrachtete Bezugsraum sind vertauscht. — Das Ereignis hinter dem senkrechten Strich bestimmt jeweils, auf welche Fälle du einschränkst.
Frage 2 von 3MittelBei den beiden gleich wahrscheinlich gewählten Urnen gilt $P(R\mid A)=\frac7{10}$ und $P(R\mid B)=\frac1{10}$. Wie groß ist $P(A\mid R)$?
Lösung: $\frac78$ — Insgesamt stammen im Mittel sieben rote Kugeln aus Urne $A$ und eine aus Urne $B$. Daher kommen sieben von acht roten Kugeln aus $A$.
Frage 3 von 3SchwerBei einer seltenen Krankheit sinkt die Basisrate, während Sensitivität und Falsch-Positiv-Rate gleich bleiben. Welche Entwicklung ist typischerweise zu erwarten?
Lösung: Der Anteil tatsächlich Kranker unter den positiv Getesteten sinkt. — Bei kleinerer Basisrate gibt es weniger richtig positive Fälle aus der Gruppe Kranker, während weiterhin falsch positive Fälle aus der großen Gruppe Gesunder entstehen können.

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