Stochastische Unabhängigkeit prüfen

Stochastische Unabhängigkeit prüfen
Stochastische Unabhängigkeit prüfen
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Zwei Ereignisse sind stochastisch unabhängig, wenn die Information über das eine Ereignis die Wahrscheinlichkeit des anderen nicht verändert. Rechnerisch prüfst du, ob die gemeinsame Wahrscheinlichkeit gleich dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten ist.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bedeutet stochastische Unabhängigkeit?

Betrachte zwei Ereignisse $A$ und $B$. Erfährst du, dass $B$ eingetreten ist, kann sich deine Einschätzung von $A$ ändern. Bleibt die Wahrscheinlichkeit von $A$ dagegen gleich, sind die Ereignisse unabhängig.

Definition

Stochastische Unabhängigkeit

Die Ereignisse $A$ und $B$ heißen stochastisch unabhängig, wenn

$$P(A \cap B)=P(A)\cdot P(B).$$

Dabei bezeichnet $A \cap B$ das gemeinsame Ereignis: $A$ und $B$ treten beide ein.

Die Gleichung ist die allgemeine Definition. Sie gilt auch dann als Prüfkriterium, wenn eines der Ereignisse die Wahrscheinlichkeit null hat.

Merke

Unabhängigkeit bedeutet: Die gemeinsame Wahrscheinlichkeit ist genau so groß, wie es das Produkt der beiden Einzelwahrscheinlichkeiten erwarten lässt.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Gleichung prüft die Unabhängigkeit von $A$ und $B$?
Lösung: $P(A \cap B)=P(A)\cdot P(B)$ — Vergleiche die Wahrscheinlichkeit des gemeinsamen Eintretens mit dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten.
Wie prüfst du die Produktregel?

Gehe immer in vier Schritten vor:

  1. Definiere die Ereignisse $A$ und $B$ eindeutig.
  2. Bestimme $P(A)$, $P(B)$ und $P(A \cap B)$.
  3. Berechne $P(A)\cdot P(B)$.
  4. Vergleiche das Produkt mit $P(A \cap B)$.

Sind beide Werte gleich, sind die Ereignisse unabhängig. Sind sie verschieden, sind sie abhängig.

Beispiel

Ein fairer Würfel wird einmal geworfen.

  • $A$: „Die Augenzahl ist ungerade“, also $A=\{1,3,5\}$.
  • $B$: „Die Augenzahl ist kleiner als 5“, also $B=\{1,2,3,4\}$.

Damit gilt:

$$P(A)=\frac{3}{6}=\frac{1}{2}$$

und

$$P(B)=\frac{4}{6}=\frac{2}{3}.$$

Für $A \cap B$ muss die Zahl ungerade und kleiner als 5 sein. Das trifft auf 1 und 3 zu:

$$P(A \cap B)=\frac{2}{6}=\frac{1}{3}.$$

Nun folgt die Prüfung:

$$P(A)\cdot P(B)=\frac{1}{2}\cdot\frac{2}{3}=\frac{1}{3}.$$

Das Produkt stimmt mit $P(A \cap B)$ überein. Deshalb sind $A$ und $B$ stochastisch unabhängig.

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Frage 1 von 1MittelBei einem fairen Würfel sei $A=\{2,4,6\}$ und $B=\{3,4,5,6\}$. Welche Rechnung zeigt die Unabhängigkeit?
Lösung: $P(A \cap B)=\frac{2}{6}=\frac{1}{3}$ und $P(A)P(B)=\frac{3}{6}\cdot\frac{4}{6}=\frac{1}{3}$ — Die Schnittmenge lautet $\{4,6\}$. Ihre Wahrscheinlichkeit stimmt mit dem Produkt der beiden Einzelwahrscheinlichkeiten überein.
Was hat die bedingte Wahrscheinlichkeit damit zu tun?

Die bedingte Wahrscheinlichkeit $P(A\mid B)$ beantwortet die Frage: Wie wahrscheinlich ist $A$, wenn bereits bekannt ist, dass $B$ eingetreten ist?

Für $P(B)>0$ gilt:

$$P(A\mid B)=\frac{P(A \cap B)}{P(B)}.$$

Sind $A$ und $B$ unabhängig, kannst du die Produktregel einsetzen:

$$P(A\mid B)=\frac{P(A)\cdot P(B)}{P(B)}=P(A).$$

Die Zusatzinformation $B$ verändert die Wahrscheinlichkeit von $A$ also nicht. Entsprechend gilt bei $P(A)>0$ auch $P(B\mid A)=P(B)$.

Merke

Bei positiven Nennern kannst du Unabhängigkeit auf zwei gleichwertige Arten prüfen:

  • $P(A \cap B)=P(A)\cdot P(B)$
  • $P(A\mid B)=P(A)$
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Frage 1 von 1MittelEs gilt $P(A)=0{,}4$ und $P(A\mid B)=0{,}6$. Was folgt daraus?
Lösung: $A$ und $B$ sind abhängig. — Die Information, dass $B$ eingetreten ist, erhöht die Wahrscheinlichkeit von $A$ von $0{,}4$ auf $0{,}6$. Daher sind die Ereignisse abhängig.
Wie erkennst du Abhängigkeit in einem Experiment?

In einer Urne liegen sechs rote und vier schwarze Kugeln. Es wird zweimal ohne Zurücklegen gezogen.

  • $A$: „Im ersten Zug wird eine schwarze Kugel gezogen.“
  • $B$: „Im zweiten Zug wird eine rote Kugel gezogen.“

Für den ersten Zug gilt $P(A)=\frac{4}{10}$. Die unbedingte Wahrscheinlichkeit einer roten Kugel im zweiten Zug berücksichtigt beide möglichen Farben im ersten Zug:

$$P(B)=\frac{4}{10}\cdot\frac{6}{9}+\frac{6}{10}\cdot\frac{5}{9}=\frac{3}{5}.$$

Wenn im ersten Zug Schwarz gezogen wurde, liegen danach noch sechs rote Kugeln unter neun Kugeln in der Urne. Deshalb gilt:

$$P(B\mid A)=\frac{6}{9}=\frac{2}{3}.$$

Da $\frac{2}{3}\neq\frac{3}{5}$ ist, verändert die Information über den ersten Zug die Wahrscheinlichkeit im zweiten Zug. Die Ereignisse sind abhängig.

Gut zu wissen

Beim Ziehen mit Zurücklegen wird die ursprüngliche Zusammensetzung wiederhergestellt. Die Wahrscheinlichkeiten bleiben von Zug zu Zug gleich. Beim Ziehen ohne Zurücklegen verändert der erste Zug die Zusammensetzung und damit gewöhnlich die späteren Wahrscheinlichkeiten.

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Frage 1 von 1MittelWarum sind die betrachteten Züge ohne Zurücklegen abhängig?
Lösung: Der erste Zug verändert die Zusammensetzung der Urne und damit die Wahrscheinlichkeit im zweiten Zug. — Nach dem ersten Zug liegt eine Kugel weniger in der Urne. Welche Farbe gezogen wurde, beeinflusst deshalb die Wahrscheinlichkeit der Farbe im zweiten Zug.
Welche Verwechslungen solltest du vermeiden?

Unabhängigkeit ist nicht Unvereinbarkeit

Unvereinbare Ereignisse können nicht gemeinsam eintreten. Dann gilt $A \cap B=\varnothing$ und damit $P(A \cap B)=0$.

Haben beide unvereinbaren Ereignisse eine positive Wahrscheinlichkeit, ist ihr Produkt $P(A)P(B)>0$. Die Produktregel ist dann nicht erfüllt: Die Ereignisse sind abhängig. Nur wenn mindestens eines der Ereignisse Wahrscheinlichkeit null hat, können unvereinbare Ereignisse zugleich unabhängig sein.

Abhängigkeit beweist keine Ursache

Stochastische Abhängigkeit beschreibt einen mathematischen Zusammenhang. Sie beweist nicht, dass ein Ereignis das andere verursacht. Weitere Einflüsse können beide Ereignisse betreffen.

Vertiefung: Drei Ereignisse

Bei drei Ereignissen reicht es nicht, nur jedes Paar zu prüfen. Für vollständige Unabhängigkeit müssen die Produktregeln für alle Paare gelten. Zusätzlich muss gelten:

$$P(A \cap B \cap C)=P(A)\cdot P(B)\cdot P(C).$$

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Frage 1 von 2SchwerZwei Ereignisse $A$ und $B$ schließen sich gegenseitig aus und haben beide eine positive Wahrscheinlichkeit. Wie sind sie einzuordnen?
Lösung: Sie sind stochastisch abhängig. — Für unvereinbare Ereignisse ist $P(A \cap B)=0$. Bei positiven Einzelwahrscheinlichkeiten ist $P(A)P(B)>0$; die Produktregel ist daher nicht erfüllt.
Frage 2 von 2SchwerWas folgt aus einem statistischen Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen?
Lösung: Die Ereignisse sind abhängig; eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist damit noch nicht bewiesen. — Abhängigkeit beschreibt eine Veränderung von Wahrscheinlichkeiten. Für eine Kausalaussage wären zusätzliche Belege nötig.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Stochastische Unabhängigkeit
    • Bedeutung: Eine Zusatzinformation verändert keine Wahrscheinlichkeit
    • Produktprüfung: Schnittwahrscheinlichkeit mit dem Produkt vergleichen
    • Bedingte Prüfung: bedingte und unbedingte Wahrscheinlichkeit vergleichen
    • Abhängigkeit: Ungleichheit beim gewählten Prüfkriterium
    • Fehlerquelle: Schnittmenge und Vereinigungsmenge unterscheiden
    • Abgrenzung: Unvereinbarkeit ist nicht Unabhängigkeit
    • Interpretation: Abhängigkeit ist kein Kausalitätsbeweis
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Größe bezeichnet das gemeinsame Eintreten von $A$ und $B$?
Lösung: $P(A \cap B)$ — Die Schnittmenge $A \cap B$ umfasst genau die Ergebnisse, die zu beiden Ereignissen gehören.
Frage 2 von 3MittelEs gilt $P(A)=0{,}5$, $P(B)=0{,}4$ und $P(A \cap B)=0{,}2$. Welche Aussage stimmt?
Lösung: $A$ und $B$ sind unabhängig, weil $0{,}5\cdot0{,}4=0{,}2$ gilt. — Das Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten stimmt genau mit der Schnittwahrscheinlichkeit überein.
Frage 3 von 3SchwerDrei Ereignisse sind paarweise unabhängig. Reicht das für vollständige Unabhängigkeit?
Lösung: Nein. Zusätzlich muss die Wahrscheinlichkeit des gemeinsamen Eintretens aller drei dem Produkt der drei Einzelwahrscheinlichkeiten entsprechen. — Für vollständige Unabhängigkeit brauchst du neben den Paarbedingungen auch $P(A \cap B \cap C)=P(A)P(B)P(C)$.

Du kannst Unabhängigkeit nun systematisch prüfen: Ereignisse festlegen, Wahrscheinlichkeiten bestimmen, die passende Gleichheit testen und das Ergebnis ohne vorschnelle Kausalaussage deuten.

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