Mathematik

Bedingte Wahrscheinlichkeit: Formel und Aufgaben

Bedingte Wahrscheinlichkeit: Formel und Aufgaben
Bedingte Wahrscheinlichkeit: Formel und Aufgaben
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Eine bedingte Wahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich ein Ereignis ist, wenn eine Zusatzinformation bereits feststeht. Du betrachtest dann nicht mehr alle möglichen Fälle, sondern nur noch die Fälle, welche die Bedingung erfüllen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was verändert eine Bedingung?

Stell dir eine Klasse mit 30 Personen vor. Du möchtest wissen, wie wahrscheinlich es ist, eine blonde Person auszuwählen. Ohne weitere Information betrachtest du alle 30 Personen.

Erfährst du jedoch, dass die ausgewählte Person weiblich ist, bleiben nur die 15 weiblichen Personen übrig. Diese eingeschränkte Gruppe ist deine neue Grundgesamtheit.

Definition

Bedingte Wahrscheinlichkeit

Die Schreibweise $P(A\mid B)$ bedeutet: Wie wahrscheinlich ist das Ereignis $A$, wenn bekannt ist, dass $B$ eingetreten ist? Links vom Strich steht das Gesuchte, rechts davon die Bedingung.

Typische Signalwörter sind „unter der Bedingung, dass“ und „wenn bekannt ist, dass“.

Merke

Lies $P(A\mid B)$ so: „Wahrscheinlichkeit von $A$ unter der Bedingung $B$.“ Die Bedingung rechts vom Strich legt die neue Grundgesamtheit fest.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas bedeutet $P(A\mid B)$?
Lösung: Die Wahrscheinlichkeit von $A$, wenn $B$ bereits feststeht — Links vom Strich steht das gesuchte Ereignis, rechts vom Strich die bekannte Bedingung.
Wie berechnest du die Wahrscheinlichkeit?

Für zwei Ereignisse $A$ und $B$ gilt:

$$P(A\mid B)=\frac{P(A\cap B)}{P(B)}$$

Dabei muss $P(B)>0$ gelten. Eine Bedingung mit Wahrscheinlichkeit null kann nicht als neue Grundgesamtheit verwendet werden.

Das Zeichen $A\cap B$ bezeichnet die Schnittmenge: Beide Ereignisse treten gemeinsam ein.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Bestimme die Bedingung $B$.
  2. Bestimme innerhalb von $B$ die Fälle, in denen auch $A$ gilt.
  3. Bilde den Anteil der gemeinsamen Fälle an allen Bedingungsfällen.
  4. Prüfe, ob dein Ergebnis zwischen 0 und 1 beziehungsweise zwischen $0\,\%$ und $100\,\%$ liegt.
Beispiel

In einer Klasse sind 30 Personen. 15 sind weiblich. Von diesen 15 Personen sind 6 blond.

Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person blond ist, wenn bekannt ist, dass sie weiblich ist.

  • $A$: „Die Person ist blond.“
  • $B$: „Die Person ist weiblich.“
  • Gemeinsame Fälle: 6 Personen sind blond und weiblich.
  • Bedingungsfälle: 15 Personen sind weiblich.

Daher gilt:

$$P(A\mid B)=\frac{6}{15}=\frac{2}{5}=0{,}4=40\,\%$$

Die Antwort im Sachzusammenhang lautet: Unter den weiblichen Personen sind $40\,\%$ blond.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelIn einer Gruppe erfüllen 20 Personen die Bedingung $B$. Acht von ihnen erfüllen zusätzlich $A$. Welcher Ansatz ist richtig?
Lösung: $P(A\mid B)=\frac{8}{20}$ — Der Zähler enthält die gemeinsamen Fälle. Der Nenner enthält alle Fälle der Bedingung $B$.
Wie hilft eine Vierfeldertafel?

Eine Vierfeldertafel ordnet zwei Ereignisse, ihre Gegenereignisse und die zugehörigen Summen. Sie macht besonders deutlich, welcher Zeilen- oder Spaltensumme die Bedingung entspricht.

Für die Schulklasse sieht sie so aus:

blondnicht blondinsgesamt
weiblich6915
männlich41115
insgesamt102030

Für „blond, wenn weiblich“ verwendest du:

  • das gemeinsame Feld „blond und weiblich“: 6;
  • die Summe der Bedingungszeile „weiblich“: 15.

Die Rechnung lautet deshalb $6:15$.

Merke

Bei einer Vierfeldertafel teilst du das gemeinsame Feld durch die Summe der Zeile oder Spalte, welche die Bedingung beschreibt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei $P(A\mid B)$ steht das links vom Strich. Das Ereignis rechts vom Strich bildet die . Im Zähler steht die $A\cap B$, im Nenner die Wahrscheinlichkeit von .

Lösungen: Lücke 1: gesuchte Ereignis; Lücke 2: neue Grundgesamtheit; Lücke 3: Schnittmenge; Lücke 4: B. Prüfe zuerst die Leserichtung: Gesucht wird $A$, bekannt ist $B$. Danach lautet der Quotient $P(A\cap B):P(B)$.
Warum darfst du die Richtung nicht vertauschen?

$P(A\mid B)$ und $P(B\mid A)$ verwenden zwar dieselbe Schnittmenge, aber unterschiedliche Grundgesamtheiten:

$$P(A\mid B)=\frac{P(A\cap B)}{P(B)}$$

$$P(B\mid A)=\frac{P(A\cap B)}{P(A)}$$

In der Klassentafel bedeutet das:

  • Bei „blond, wenn weiblich“ ist die Gruppe der 15 weiblichen Personen die Grundgesamtheit. Daher gilt $P(\text{blond}\mid\text{weiblich})=6:15=40\,\%$.
  • Bei „weiblich, wenn blond“ ist dagegen die Gruppe der 10 blonden Personen die Grundgesamtheit. Daher gilt $P(\text{weiblich}\mid\text{blond})=6:10=60\,\%$.

Die Zusatzinformation entscheidet über den Nenner. Im Beispiel führen dieselben sechs gemeinsamen Fälle deshalb zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Bayes-Formel verbindet beide Richtungen:

$$P(A\mid B)=\frac{P(B\mid A)\cdot P(A)}{P(B)}$$

Sie ist besonders nützlich, wenn ein beobachtetes Ergebnis $B$ bekannt ist und du die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Ursache $A$ suchst.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Größe gehört bei $P(B\mid A)$ in den Nenner?
Lösung: $P(A)$ — Der Nenner ist immer die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses rechts vom Bedingungsstrich.
Frage 2 von 2SchwerWarum können $P(A\mid B)$ und $P(B\mid A)$ verschieden sein?
Lösung: Weil sie sich auf unterschiedliche bedingte Grundgesamtheiten beziehen — Beide Rechnungen verwenden dieselbe Schnittmenge, teilen aber im Allgemeinen durch unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten.
Wie prüfst du stochastische Unabhängigkeit?

Zwei Ereignisse sind stochastisch unabhängig, wenn das Eintreten des einen die Wahrscheinlichkeit des anderen nicht verändert.

Das Produktkriterium lautet:

$$P(A\cap B)=P(A)\cdot P(B)$$

Sind $P(A)>0$ und $P(B)>0$, kannst du gleichwertig prüfen, ob $P(A\mid B)=P(A)$ gilt.

Beispiel

An einer Schule besuchen $30\,\%$ einen Förderkurs und $60\,\%$ eine AG. $15\,\%$ besuchen beides.

Gegeben ist:

$$P(F\cap AG)=0{,}15$$

Bei Unabhängigkeit müsste gelten:

$$P(F)\cdot P(AG)=0{,}3\cdot0{,}6=0{,}18$$

Da $0{,}15\ne0{,}18$ gilt, sind die beiden Ereignisse in diesem Datensatz nicht unabhängig.

Unabhängigkeit ist nicht dasselbe wie Unvereinbarkeit. Unvereinbare Ereignisse können nicht gemeinsam eintreten, ihre Schnittmenge ist also leer. Unabhängige Ereignisse dürfen dagegen durchaus gemeinsam eintreten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Gleichung kennzeichnet unabhängige Ereignisse?
Lösung: $P(A\cap B)=P(A)\cdot P(B)$ — Beim Produktkriterium wird die tatsächliche Wahrscheinlichkeit der Schnittmenge mit dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten verglichen.
Frage 2 von 2SchwerZwei Ereignisse haben positive Wahrscheinlichkeiten und sind unvereinbar. Können sie zugleich unabhängig sein?
Lösung: Nein, denn ihre Schnittmenge hat Wahrscheinlichkeit 0, das Produkt der positiven Einzelwahrscheinlichkeiten aber nicht. — Bei positiven Einzelwahrscheinlichkeiten ist $P(A)\cdot P(B)>0$. Für unvereinbare Ereignisse gilt jedoch $P(A\cap B)=0$; das Produktkriterium ist daher nicht erfüllt.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bedingte Wahrscheinlichkeit
    • Leserichtung
      • Gesuchtes links, Bedingung rechts
    • Berechnung
      • Schnittmenge durch Bedingungswahrscheinlichkeit
    • Darstellung
      • Mengen, Vierfeldertafel oder Baumdiagramm
    • Richtungswechsel
      • Bayes-Formel
    • Unabhängigkeit
      • Produktkriterium prüfen
    • Abgrenzung
      • Unabhängigkeit ist nicht Unvereinbarkeit
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWas bestimmt bei $P(A\mid B)$ die neue Grundgesamtheit?
Lösung: Das Ereignis $B$ — Das Ereignis rechts vom Strich ist die bekannte Bedingung und legt den Nenner fest.
Frage 2 von 4MittelIn einer Vierfeldertafel liegen 12 Fälle in $A\cap B$. Insgesamt erfüllen 30 Fälle die Bedingung $B$. Welcher Quotient berechnet $P(A\mid B)$?
Lösung: $12:30$ — Teile die gemeinsamen Fälle durch alle Fälle, welche die Bedingung erfüllen.
Frage 3 von 4SchwerEine Person behauptet: „Wenn $P(A\mid B)$ groß ist, muss auch $P(B\mid A)$ gleich groß sein.“ Wie beurteilst du das?
Lösung: Die Aussage ist falsch, weil beide Wahrscheinlichkeiten unterschiedliche Nenner haben können. — Prüfe bei jeder Richtung das Ereignis rechts vom Strich. Erst wenn die jeweiligen Nenner berücksichtigt wurden, darfst du die Werte vergleichen.
Frage 4 von 4SchwerFür zwei Ereignisse gilt $P(A\cap B)\ne P(A)\cdot P(B)$. Was folgt daraus?
Lösung: Die Ereignisse sind nicht stochastisch unabhängig. — Das Produktkriterium ist genau dann erfüllt, wenn die Ereignisse unabhängig sind. Eine Abweichung zeigt Abhängigkeit.

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