Mathematik

Übergangsmatrix: Prozesse berechnen und verstehen

Übergangsmatrix: Prozesse berechnen und verstehen
Übergangsmatrix: Prozesse berechnen und verstehen
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Eine Übergangsmatrix beschreibt, wie sich ein System in festen Zeitschritten zwischen Zuständen verändert. Du legst zuerst Zustände, Reihenfolge und Zeitspanne fest, liest dann die Wahrscheinlichkeiten nach einer einheitlichen Konvention ein und berechnest Folgezustände durch Matrix-Vektor-Multiplikation.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Übergänge sicher lesen

Wir verwenden durchgehend die Spaltenkonvention: Eine Spalte beschreibt, woher ein Bestand kommt; eine Zeile beschreibt, wohin er geht. Der Eintrag $p_{ij}$ steht also für den Übergang von Zustand $j$ nach Zustand $i$.

Definition

Übergangsmatrix

Eine stochastische Übergangsmatrix ist quadratisch. Alle Einträge liegen zwischen $0$ und $1$. Bei der Spaltenkonvention ergibt jede Spaltensumme $1$, weil der gesamte Bestand eines Ausgangszustands verteilt wird.

Für drei Supermärkte $A$, $B$ und $C$ gilt:

$$P=\begin{pmatrix}0{,}7&0{,}2&0{,}3\\0{,}2&0{,}6&0{,}2\\0{,}1&0{,}2&0{,}5\end{pmatrix}$$

Die erste Spalte bedeutet: Von den bisherigen Kunden von $A$ bleiben $70\,%$ bei $A$, $20\,%$ wechseln zu $B$ und $10\,%$ zu $C$. Ihre Summe ist $1$.

Merke

Schreibe über jede Spalte „von“ und vor jede Zeile „nach“. So verwechselst du $p_{ij}$ nicht mit $p_{ji}$.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas beschreibt in der Spaltenkonvention eine Spalte?
Lösung: Alle Übergänge von einem Ausgangszustand — In einer Spalte wird der gesamte Bestand eines Ausgangszustands auf die Zielzustände verteilt.
Frage 2 von 2MittelWelcher Test passt zu einer spaltenstochastischen Matrix?
Lösung: Jede Spaltensumme ist 1. — Einträge zwischen 0 und 1 und Spaltensummen von 1 kennzeichnen die hier verwendete Konvention.
Matrix und Zustandsvektor aufstellen

Lege vor dem Eintragen die Reihenfolge fest, etwa $(A,B,C)$. Dieselbe Reihenfolge gilt für Zeilen, Spalten und Zustandsvektor. Der Vektor

$$x_0=\begin{pmatrix}600\\200\\200\end{pmatrix}$$

bedeutet: Zu Beginn gehören 600 Kunden zu $A$, 200 zu $B$ und 200 zu $C$.

Beispiel

Wenn von $A$ aus $70\,%$ bei $A$, $20\,%$ zu $B$ und $10\,%$ zu $C$ gehen, lautet die zugehörige erste Spalte $(0{,}7;0{,}2;0{,}1)^T$. Die drei Anteile ergeben zusammen $1$.

Eine gewöhnliche Prozessmatrix kann ebenfalls Entwicklungen beschreiben, muss aber nicht stochastisch sein. Prüfe deshalb, ob die Einträge wirklich Anteile sind und ob die geforderte Summe $1$ ergibt.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der Spaltenkonvention stehen die Ausgangszustände in den . Der Eintrag $p_{ij}$ führt von Zustand nach Zustand . Ein vollständiger Ausgangsbestand ergibt als Spaltensumme .

Lösungen: Lücke 1: Spalten; Lücke 2: j; Lücke 3: i; Lücke 4: 1. „Von“ gehört zur Spalte, „nach“ zur Zeile. Daher läuft $p_{ij}$ von $j$ nach $i$.
Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin System hat die Zustände $L$ und $R$ in dieser Reihenfolge. Von $L$ bleiben $80\,%$ in $L$, von $R$ wechseln $30\,%$ nach $L$. Anfangs sind 60 Einheiten in $L$ und 40 in $R$. Welche Darstellung passt zur Spaltenkonvention?
Lösung: $P=\begin{pmatrix}0{,}8&0{,}3\\0{,}2&0{,}7\end{pmatrix}$ und $x_0=\begin{pmatrix}60\\40\end{pmatrix}$ — Die erste Spalte enthält die Übergänge von $L$: $(0{,}8;0{,}2)^T$. Die zweite enthält die Übergänge von $R$: $(0{,}3;0{,}7)^T$. Der Zustandsvektor folgt derselben Reihenfolge $(L,R)$.
Folgezustände berechnen

Bei Spaltenvektoren steht die Matrix links:

$$x_{n+1}=Px_n$$

Jeder neue Eintrag ist die Summe aller Beiträge, die in den betreffenden Zielzustand gelangen.

Beispiel

Für das Supermarktmodell folgt nach einer Periode:

$$Px_0=\begin{pmatrix}0{,}7\cdot600+0{,}2\cdot200+0{,}3\cdot200\\0{,}2\cdot600+0{,}6\cdot200+0{,}2\cdot200\\0{,}1\cdot600+0{,}2\cdot200+0{,}5\cdot200\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}520\\280\\200\end{pmatrix}$$

Damit gehören nach einer Periode 520 Kunden zu $A$, 280 zu $B$ und 200 zu $C$. Die Summe bleibt 1000; das passt zum Modell, weil niemand das System verlässt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelIm Startvektor stehen 600, 200 und 200 Kunden. Was ist der Bestand bei A nach einer Periode?
Lösung: 520 — Für A addierst du alle Beiträge der ersten Zeile: $0{,}7\cdot600+0{,}2\cdot200+0{,}3\cdot200=520$.
Frage 2 von 2MittelWarum ist die Summe 1000 ein wichtiger Plausibilitätstest?
Lösung: Die stochastische Matrix verteilt denselben Gesamtbestand neu. — Bei einem geschlossenen stochastischen Modell geht kein Bestand verloren und keiner kommt hinzu.
Mehrere Schritte und Rückwärtsrechnung

Nach zwei Perioden gilt $x_2=P(Px_0)=P^2x_0$, allgemein also

$$x_n=P^nx_0$$

Die Matrix $P^2$ beschreibt Übergänge über zwei Perioden. Sie darf nicht als Ein-Schritt-Matrix gedeutet werden.

Für einen früheren Zustand löst du $Px_{\mathrm{vor}}=x$. Ist $P$ invertierbar, kannst du $x_{\mathrm{vor}}=P^{-1}x$ verwenden. Ist sie nicht invertierbar, existiert diese Rechnung nicht; ein lineares Gleichungssystem kann dann keine eindeutige Lösung liefern.

Beispiel

Beim Getränkemodell führt die gegebene aktuelle Verteilung $(650,200,150)^T$ durch Rückwärtsrechnung zur exakten Vorjahresverteilung

$$x_{\mathrm{vor}}=\begin{pmatrix}729\tfrac16\\145\tfrac56\\125\end{pmatrix}$$

Die nicht ganzzahligen Werte zeigen eine Grenze des Modells: Für reale Personen muss das Ergebnis sinnvoll gerundet und als Näherung bezeichnet werden. Ein rechnerisches Ergebnis ist nicht automatisch ein tatsächlich beobachteter Bestand.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas beschreibt $P^3$?
Lösung: Die Übergänge über drei Perioden — Der Exponent zählt, wie oft derselbe Übergang angewendet wird.
Frage 2 von 2SchwerEine Rückwärtsrechnung liefert 145,83 Personen. Wie deutest du das?
Lösung: Als Modellwert, der für reale Personen begründet gerundet werden muss — Kontinuierlich rechnende Modelle können nicht ganzzahlige Bestände liefern. Entscheidend sind sachgerechte Rundung und klare Deutung.
Stationäre Zustände untersuchen

Ein Fixvektor $v$ beschreibt einen Zustand, der sich durch den Übergang nicht ändert:

$$Pv=v$$

Du löst dieses Gleichungssystem und ergänzt die bekannte Gesamtsumme. Ein Fixvektor ist ein stationärer Zustand; er bedeutet nicht automatisch, dass jeder Startzustand gegen ihn konvergiert.

Beispiel

Im Getränkemodell ergibt die Fixpunktgleichung das Verhältnis

$$x=\frac{13}{4}z,\qquad y=\frac{7}{4}z$$

Bei insgesamt 1000 Personen ist $x+y+z=1000$. Daraus folgt $z=166\tfrac23$ und damit

$$v=\begin{pmatrix}541\tfrac23\\291\tfrac23\\166\tfrac23\end{pmatrix}$$

Probe: Die Gesamtsumme ist 1000 und $Pv=v$. Die Verteilung bleibt nach einer weiteren Periode gleich.

Gut zu wissen

Ein absorbierender Zustand ist ein Sonderfall: Wer ihn erreicht, bleibt dort. In der Matrix steht beim Übergang von diesem Zustand zu sich selbst eine 1; alle anderen Einträge derselben Ausgangsspalte sind 0.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Gleichung bestimmt einen stationären Zustand?
Lösung: $Pv=v$ — Stationär bedeutet: Nach Anwendung der Übergangsmatrix entsteht derselbe Vektor.
Frage 2 von 2SchwerReicht $Pv=v$ allein aus, um einen konkreten Bestandsvektor festzulegen?
Lösung: Nicht immer; oft wird zusätzlich die Gesamtsumme benötigt. — Die Fixpunktgleichung liefert häufig zunächst ein Verhältnis. Die Gesamtsumme bestimmt dann die Größe des Bestandsvektors.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Übergangsprozess
    • Modell aufstellen
      • Zustände, Reihenfolge und Zeitspanne festlegen
      • Spalten als „von“ und Zeilen als „nach“ lesen
    • Entwicklung berechnen
      • Folgezustand mit $Px$
      • Mehrere Schritte mit $P^nx_0$
    • Ergebnisse untersuchen
      • Früheren Zustand über $Px_{\mathrm{vor}}=x$
      • Stationären Zustand über $Pv=v$
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Angabe muss vor dem Aufstellen der Matrix feststehen?
Lösung: Die Reihenfolge der Zustände — Nur mit fester Reihenfolge lassen sich Matrixeinträge und Vektorkomponenten eindeutig zuordnen.
Frage 2 von 3MittelEine Spalte enthält $0{,}4$, $0{,}35$ und $0{,}25$. Was folgt?
Lösung: Die Spalte erfüllt den Summentest, denn die Einträge ergeben 1. — $0{,}4+0{,}35+0{,}25=1$. Für eine vollständige Prüfung musst du auch alle anderen Spalten und sämtliche Einträge kontrollieren.
Frage 3 von 3SchwerEin Modell liefert $Pv=v$, aber nach dem Start mit $x_0$ verändert sich die Verteilung noch. Ist das ein Widerspruch?
Lösung: Nein. $v$ ist stationär; ein anderer Startvektor kann sich zunächst verändern. — Ein Fixvektor bleibt unverändert. Ob andere Startzustände gegen ihn konvergieren, benötigt zusätzliche Bedingungen.

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