Mathematik

Wahrscheinlichkeitsverteilung einfach erklärt

Wahrscheinlichkeitsverteilung einfach erklärt
Wahrscheinlichkeitsverteilung einfach erklärt
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Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung zeigt, welche Werte eine Zufallsgröße annehmen kann und wie wahrscheinlich jeder Wert ist. Bei einer vollständigen diskreten Verteilung ergeben alle Wahrscheinlichkeiten zusammen $1$ beziehungsweise $100\%$.

Auf dieser Seite lernst du, eine Verteilung zu lesen, selbst aufzustellen und zu kontrollieren. Außerdem unterscheidest du diskrete von stetigen Verteilungen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was zeigt eine Wahrscheinlichkeitsverteilung?

Bei einem Zufallsexperiment interessieren oft nicht die einzelnen Ergebnisse, sondern Zahlen, die ihnen zugeordnet werden. Eine solche Zahl heißt Zufallsgröße.

Wirfst du beispielsweise viermal eine Münze, kann die Zufallsgröße $X$ die Anzahl der Wappen bezeichnen. Dann sind die Werte $0$, $1$, $2$, $3$ und $4$ möglich.

Definition

Wahrscheinlichkeitsverteilung

Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung ordnet jedem möglichen Wert $x$ einer Zufallsgröße $X$ die zugehörige Wahrscheinlichkeit $P(X=x)$ zu.

Für eine diskrete Zufallsgröße lässt sich diese Zuordnung übersichtlich in einer Tabelle darstellen:

Wert $x$$x_1$$x_2$$x_k$
$P(X=x)$$p_1$$p_2$$p_k$

Dabei gelten zwei Bedingungen:

  • Jede Wahrscheinlichkeit liegt zwischen $0$ und $1$.
  • Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten ist $1$.

$$p_1+p_2+\dots+p_k=1$$

Beispiel

Beim idealen Würfel ist $X$ die gewürfelte Augenzahl. Die sechs Werte $1$ bis $6$ haben jeweils die Wahrscheinlichkeit $1/6$. Es liegt eine Gleichverteilung vor, weil alle Werte gleich wahrscheinlich sind.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt eine Wahrscheinlichkeitsverteilung richtig?
Lösung: Sie ordnet jedem möglichen Wert einer Zufallsgröße eine Wahrscheinlichkeit zu. — Eine Verteilung verbindet die möglichen Werte $x$ mit den Wahrscheinlichkeiten $P(X=x)$.
Frage 2 von 2MittelIn einer Tabelle stehen die Wahrscheinlichkeiten $0{,}2$, $0{,}3$ und $0{,}4$. Warum ist die Tabelle noch keine vollständige Verteilung?
Lösung: Die Wahrscheinlichkeiten ergeben zusammen nur $0{,}9$. — Bei einer vollständigen diskreten Verteilung muss die Summe aller Wahrscheinlichkeiten genau $1$ sein.
Wie stellst du eine diskrete Verteilung auf?

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Lege die Zufallsgröße fest. Schreibe genau auf, welche Zahl $X$ beschreibt.
  2. Bestimme alle möglichen Werte. Denke auch an Randfälle wie „kein Erfolg“.
  3. Berechne die Wahrscheinlichkeit jedes Werts. Multipliziere Wahrscheinlichkeiten entlang eines passenden Pfades und addiere alternative Pfade.
  4. Prüfe die Summe. Alle Tabellenwerte müssen zusammen $1$ ergeben.
Merke

Erst legst du fest, was gezählt oder gemessen wird. Danach bestimmst du die möglichen Werte und ihre Wahrscheinlichkeiten.

Sind alle Wahrscheinlichkeiten bis auf eine bekannt, kannst du die fehlende Wahrscheinlichkeit ergänzen:

$$P(\text{fehlender Wert})=1-\text{Summe der bekannten Wahrscheinlichkeiten}$$

Diese Rechnung ersetzt jedoch nicht den ersten Schritt: Du musst zunächst wissen, welche Werte überhaupt möglich sind.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung gehört zu einer . Zuerst bestimmst du deren . Die Summe aller zugehörigen Wahrscheinlichkeiten muss ergeben.

Lösungen: Lücke 1: Zufallsgröße; Lücke 2: mögliche Werte; Lücke 3: 1. Die Zufallsgröße legt fest, welche Werte betrachtet werden. Eine vollständige Verteilung ordnet jedem möglichen Wert eine Wahrscheinlichkeit zu; zusammen ergeben sie $1$.
Wie entsteht die Verteilung im Welpenbeispiel?

Ria bekommt drei Welpen. In diesem Modell beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Rüden bei jedem Welpen $0{,}4$, die für ein Weibchen $0{,}6$. Die Zufallsgröße $X$ zählt die Rüden.

Für die Rechnung wird angenommen, dass die Einzelwahrscheinlichkeiten unverändert bleiben und entlang eines Pfades multipliziert werden dürfen.

Schritt 1: Mögliche Werte bestimmen

Unter drei Welpen können kein, ein, zwei oder drei Rüden sein:

$$X: 0,\ 1,\ 2,\ 3$$

Der Wert $0$ gehört dazu. Er bedeutet: Alle drei Welpen sind weiblich.

Schritt 2: Wahrscheinlichkeiten berechnen

Beispiel

Kein Rüde: Dafür gibt es nur den Pfad Weibchen–Weibchen–Weibchen.

$$P(X=0)=0{,}6^3=0{,}216$$

Genau ein Rüde: Der Rüde kann an erster, zweiter oder dritter Stelle auftreten. Es gibt daher drei passende Pfade mit demselben Produkt.

$$P(X=1)=3\cdot0{,}4\cdot0{,}6^2=0{,}432$$

Genau zwei Rüden: Das Weibchen kann an drei verschiedenen Stellen auftreten.

$$P(X=2)=3\cdot0{,}4^2\cdot0{,}6=0{,}288$$

Drei Rüden: Dafür gibt es wieder nur einen Pfad.

$$P(X=3)=0{,}4^3=0{,}064$$

Schritt 3: Tabelle anlegen und prüfen

Anzahl der Rüden $x$0123
$P(X=x)$0,2160,4320,2880,064

Die Kontrolle ergibt:

$$0{,}216+0{,}432+0{,}288+0{,}064=1$$

Damit ist die Verteilung vollständig.

Gut zu wissen

Die Faktoren $3$ bei $X=1$ und $X=2$ zählen verschiedene Reihenfolgen. Ohne diesen Faktor würdest du jeweils nur einen passenden Pfad berücksichtigen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Rechnung bestimmt die Wahrscheinlichkeit für genau zwei Rüden richtig?
Lösung: $3\cdot0{,}4^2\cdot0{,}6$ — Für genau zwei Rüden brauchst du zweimal den Faktor $0{,}4$, einmal den Faktor $0{,}6$ und drei mögliche Reihenfolgen.
Frage 2 von 2SchwerEine Tabelle enthält bereits $P(X=0)=0{,}216$, $P(X=1)=0{,}432$ und $P(X=3)=0{,}064$. Wie groß ist $P(X=2)$?
Lösung: $0{,}288$ — Addiere zuerst die bekannten Werte: $0{,}216+0{,}432+0{,}064=0{,}712$. Dann gilt $1-0{,}712=0{,}288$.
Worin unterscheiden sich diskrete und stetige Verteilungen?

Eine diskrete Zufallsgröße besitzt einzelne, abzählbare mögliche Werte. Beispiele sind eine Augenzahl oder die Anzahl der Rüden in einem Wurf. Jedem möglichen Wert kann direkt eine Wahrscheinlichkeit zugeordnet werden.

Eine stetige Zufallsgröße kann dagegen jeden Wert in einem Bereich annehmen. Ein Beispiel ist eine Körpergröße, die theoretisch immer genauer gemessen werden kann.

Diskrete ZufallsgrößeStetige Zufallsgröße
einzelne, abzählbare Wertebeliebig viele Werte in einem Bereich
Beispiel: AugenzahlBeispiel: Körpergröße
Wahrscheinlichkeit einzelner WerteWahrscheinlichkeit von Intervallen
Darstellung oft als TabelleDarstellung mithilfe einer Dichtekurve

Bei einer stetigen Verteilung beschreibt die Höhe der Dichtekurve nicht direkt die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Werts. Wahrscheinlichkeiten gehören zu Intervallen und werden durch die Fläche unter der Dichtekurve bestimmt.

Definition

Verteilungsfunktion

Die Verteilungsfunktion gibt für einen Grenzwert $x$ an, wie wahrscheinlich ein Ergebnis von höchstens $x$ ist. Sie fasst also alle Wahrscheinlichkeiten bis zu diesem Wert zusammen.

Beim idealen Würfel ist die Wahrscheinlichkeit für höchstens $3$:

$$P(X\leq3)=1/6+1/6+1/6=1/2$$

Weil beim Würfel nur einzelne Augenzahlen möglich sind, steigt seine Verteilungsfunktion schrittweise wie eine Treppe.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Zufallsgröße ist diskret?
Lösung: Die Anzahl der Wappen bei vier Münzwürfen — Eine Anzahl nimmt einzelne, abzählbare Werte an. Das ist das Kennzeichen einer diskreten Zufallsgröße.
Frage 2 von 2MittelWas bedeutet beim Würfel $P(X\leq3)$?
Lösung: Die Wahrscheinlichkeit für die Augenzahlen $1$, $2$ oder $3$ — Die Verteilungsfunktion sammelt die Wahrscheinlichkeiten aller Werte bis einschließlich des Grenzwerts.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wahrscheinlichkeitsverteilung
    • ordnet Werten Wahrscheinlichkeiten zu
    • gehört zu einer Zufallsgröße
    • umfasst alle möglichen Werte
    • hat insgesamt die Wahrscheinlichkeit 1
    • kann diskret oder stetig sein
    • lässt sich durch eine Verteilungsfunktion kumulieren

Prüfe beim Aufstellen einer diskreten Verteilung immer dieselben drei Punkte: Sind alle Werte enthalten? Ist jede Wahrscheinlichkeit plausibel? Ergibt ihre Summe genau $1$?

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Bedingung muss jede vollständige diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung erfüllen?
Lösung: Die Summe aller Wahrscheinlichkeiten beträgt $1$. — Die Gesamtwahrscheinlichkeit wird auf alle möglichen Werte verteilt und beträgt zusammen $1$.
Frage 2 von 4MittelEine Zufallsgröße zählt bei vier Münzwürfen die Anzahl der Wappen. Welcher Wertebereich ist vollständig?
Lösung: $0, 1, 2, 3, 4$ — Eine Anzahl kann hier vom Randfall „kein Wappen“ bis zum Randfall „vier Wappen“ reichen.
Frage 3 von 4SchwerEine Tabelle enthält die Wahrscheinlichkeiten $0{,}15$, $0{,}25$, $0{,}35$ und einen unbekannten Wert. Welcher Wert fehlt?
Lösung: $0{,}25$ — Die bekannten Werte ergeben $0{,}75$. Deshalb fehlt $1-0{,}75=0{,}25$.
Frage 4 von 4SchwerEine Größe kann innerhalb eines Messbereichs beliebig viele Zwischenwerte annehmen. Wie werden Wahrscheinlichkeiten passend beschrieben?
Lösung: Als Wahrscheinlichkeiten für Intervalle über Flächen unter einer Dichtekurve — Eine stetige Größe besitzt unendlich viele mögliche Werte. Deshalb werden Wahrscheinlichkeiten für Wertebereiche mithilfe der Dichte bestimmt.

Wenn du alle vier Fragen begründen kannst, kannst du Wahrscheinlichkeitsverteilungen erkennen, aufstellen und kontrollieren.

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